OUK Das Erste   abstrakt & wachsinnig Past Perfect
Auge

Past Perfect ?

Unbeknownst to the inhabitants of the Planet Earth, an underground legion has been breeding and waiting in the dark, battle scared caverns waiting for revenge (World Power Alliance, Underground Resistance 1992)-
Viele von euch denken es und viele von euch haben schon davon gehört, aber nicht das Glück zu wissen, was damit gemeint ist, weil sie der sogenannten dritten, vierten, fünften oder sechsten Generation angehören. Es ist die Rede von dem "Früher-war-alles-besser"-Credo, welches einigen, weil zu oft gehört, zum Hals heraushängt, aber in gewisser Weise nicht zu verleugnen ist.
Mit "Früher" ist meist die Zeit um 1990 gemeint, in der "Technohouse" die vom Ende der Aciiid-regentschaft hinterlassene Lücke auffüllte und einen überschaubaren Kreis von Nonkonformisten in alten Fabrikhallen, ehemaligen Munitionsbunkern ect. zu meist illegalen Partys vereinte. Es war eine schöne Zeit, so unschuldig. Es gab weder Stars noch VIP´s, weder Unter- noch Überordnung. Die Namen der DJ´s waren auf den schlecht kopierten Schwarz-weiß-flyern nicht vermerkt, viele Platten waren Weißmuster ohne jeglichen Hinweis auf ihre Herkunft, weil es nicht um credibility oder um Geld ging, sondern einfach nur um eine große Menge Spaß und Freude an innovativer Musik und den dazugehörigen Partys. Auf letzteren konnte man sich in meist dunklen, nur von Stroboskopblitzen und ein paar Lampen erhellten Gewölben an einer unbeschreiblichen Stimmung und pumpenden 4/4-to-the-floor-tracks erfreuen. Die Szene war klein und überschaubar und gerade aus diesem Grund fühlte man sich verbunden. Man hielt zusammen gegenüber der großen bösen Popwelt. Am auffälligsten war die damit kohärente Friedlichkeit des ganzen. Gewalt war ein Fremdwort, einfach undenkbar und das trotz der Tatsache, daß sich die Raver ( damals noch kein Schimpfwort) aus allen Bevölkerungsschichten mit den verschiedensten Ideologien rekrutierten.
Konnte sich Mitte 1991 der Underground einer kurzen aber intensiven Kommerzattacke ( U 96: Das Boot, L.A. Style: James Brown is dead...) noch einmal erwehren, so ist ein solcher heute allenfalls noch theoretisch vorhanden. DJ´s und Produzenten sind zu Popstars mutiert, aus jedem zweiten Auto dröhnen uns die dumpfen Schläge einer 909 oder 808 entgegen, Kirmestechno und ähnliche Schauerlichkeiten elektronischer Klangerzeugung begegnen uns in allen Medien, Westfalia Bambata träumt von der Raving Society ect.. Nun, es sei mir gestattet dies nicht ausschließlich mit Wohlgefallen zu betrachten, denn es bringt auch gewisse Negativa mit sich, daß Techno/House gesellschaftsfähig geworden sind und sich derselben Mechanismen bedienen, wie die Popmusik. Der oben beschriebene "family-spirit" ist einer gleichgültigen oftmals gar feindseligen Atmosphäre gewichen, die nicht selten in Schlägereien und ähnliche Unerfreulichkeiten ausartet. Viele E-music-user ertragen ihre Szenezugehörigkeit nur unter Einwirkung synthetischer und natürlicher Suchtstoffe. Ja um Himmels Willen, dann bleibt doch bei euren Heavy-Metal- oder Rockfesten und kokst euch dort die Nase zu. Wer Drogen braucht um Techno auszuhalten, sollte sich überlegen, ob es das wert ist. Da war doch was, music is the drug, abgedroschen nicht? Natürlich muß angemerkt sein, daß eine Verallgemeinerung-Drogenverwender=Technodepp- fatal wäre. Viele verwenden solche Substanzen, um das Gefühl, welches sie durch elektronische Musik gewinnen, zu intensivieren. Dennoch, die Bewußtseinszustände die man durch repetitive Musik ( Quadrant :1.1, Pulse: Mikado,Robert Hood:Untitled, Phyllipstracks II...) und grandiose Stimmung erreichen kann, erschweren mir die Vorstellung, daß so etwas durch Halluzinogene noch verstärkt werden muß. Allzu oft sind Leute, die "einbauen" auch einfach zu "verpeilt" als daß mit ihnen noch etwas anzufangen wäre, leider. In diesem Zusammenhang ist die Gruppe von Partygängern zu nennen, die ich am meisten verachte: Die Verchecker. Ob Drogen nehmen nun erforderlich ist oder nicht sei mal dahingestellt, man schadet schließlich nur sich selbst, aber sie verkaufen ist das allerletzte, vor allem, wenn hierbei -wie oft gesehen- versucht wird, dem Zeug gegenüber negativ eingestellte Leute davon zu überzeugen. Wißt ihr denn nicht, was ihr damit anrichtet,wenn ihr in ihrem Verhalten noch leicht beeinflußbare Kids mit illegalen Substanzen vollpumpt? Natürlich wißt ihr das und es ist euch scheißegal! Von Leuten wie euch wird mir speiübel. Wenn wir schon mal bei Abschaum angelangt sind: Es gibt eine weitere Gruppe von miesen Geschäftemachern, die Abzocker. Cleverles ( & Smarts) wollten und wollen mit lieblos zusammengeschusterten Events das schnelle Geld machen (und haben das auch oft genug), bei denen nicht selten 90 % der angekündigten acts gar nicht erscheinen, aber dafür der Preis für einen 0,2-Pappbecher Mineralwasser bei 8 Mark liegt ect.. Das hat verständlicherweise eine allgemeinen Verunsicherung der partypeople zur Folge, welche zu einer Art Dominoeffekt führt und führte: Mit viel Engagement organisierte Partys ohne kommerzielle Intention sind oft schlecht besucht, was wiederum mit sich bringt. daß Veranstalter solcher Ereignisse die Lust auf weitere Aktivitäten verlieren und somit zwar die Quantität durch nachrückende Nixchecker erhalten bleibt, aber die Qualität stetig sinkt, quasi eine Antiproportionalität zwischen Zahl der Partys und deren Gütegrad besteht. Eher belustigend ist da noch das Phänomen der 16-jährigen, blondierten Karohosenträger (die vor einem Jahr durch "Hyper hyper" zu elektronischer Musik gekommen sind und heute "Untergrundlegende" Commandeur Tim verehren), die konservativ gekleidete Mitzwanziger verachten, ohne zu wissen, daß diese womöglich schon 1985 ihre ersten Jacktracks auf Vinyl zu Hause stehen hatten...
Ein weiteres zu besprechendes Thema sind die DJ´s. Wie bereits angedeutet, hat sich ihr status von dem eines unbedeutendem Plattenlegers zu dem eines Popstars gewandelt. Ob ihre Tätigkeit als solche überbewertet wird, oder nicht, sei mal dahingestellt, aber der ganze Kult um die Helden/innen der runden Scheiben treibt manchmal schon seltsame Blüten. Ein Gastset Sven Väths im Münchner Flughafen Riem beispielsweise hat schon mehr den Charakter eines Popkonzerts als den einer Party. War früher unwichtig wer für die Musik sorgte, so kommen die Leute heute nur noch bei großen Namen und verkennen dabei zu oft, daß gerade bei den "Stars" der DJ-szene häufig ein erschreckend schwaches Niveau herrscht und diese oft weit weniger können, als manch Unbekannter, Grund hierfür könnte die Anspruchslosigkeit, der Hang zur Konformität und die gleichzeitig an den Tag gelegte Ignoranz der breiten Masse sein. Denn, für den Durchschnittsraver bezieht sich die Gut-Schlecht-Kategorisierung eines DJ´s ausschließlich auf dessen Bekanntheitsgrad sowie die dargebotene Musik, d.h. deren Wiedererkennungswert und "Abgehfaktor", Mut zu Innovationen wird negativ beurteilt. Getreu dem Motto "Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht" erfreut sich Otto Normalraver nicht an neuen tracks sondern an den 4 x am Abend runtergeleierten Charthits. Bestrebungen es Junior Vasquez nachzumachen, der einen track nicht mehr spielt, sobald er merkt, daß er zum Hit avanciert, werden schon von den Clubbesitzern im Keim erstickt. Technische Fertigkeiten spielen überhaupt keine Rolle. Dies erklärt auch, warum teilweise gravierende mixtechnische Mängel die Speerspitze der Techno/House-DJ´s nicht an ihrem Erfolg hindern. Über die kläglichen Mixversuche einer Marusha, eines Markus Löffel, Hooligan oder Dag brauchen wir erst gar nicht zu reden. Aber mal ehrlich, selbst die besten ihrer Zunft (Clarke, Garnier, Mills, Young...) würden einem David Fascher (DMC-Weltmeister 90,91) doch kaum mehr als ein müdes Lächeln entlocken. Die Grundidee hinter dem Djing war doch mal durch Verknüpfung von 2 oder mehr Platten und durch allerlei Spielereien mit denselben sowie dem Mischpult neue tracks zu erfinden. Diese Intention kann man heute zumindest in Ansätzen bei Dave Clarke, Jeff Mills und ein paar anderen erkennen, aber deren Leistung ist das mindeste, was man von einem Profi erwarten kann, der in der Woche mal eben 50.000 Taler einsteckt und reicht trotzdem kaum an das Können der besten Hip Hop-DJ´s heran. Daher sind auch die Arroganz und die Starallüren vieler bekannter DJ´s denkbar unangebracht. Wobei hierbei wiederum auffällt, daß solches Gehabe vor allem bei den wirklich Unfähigen und musikalisch auf niedrigstem Niveau agierenden zu entdecken ist.
Die Heroisierung der "Star"-DJ´s hat natürlich auch zu einer Entwicklung geführt, die von Alteingesessenen teilweise mit Belustigung, teilweise auch mit Grausen betrachtet wird: Die DJ-seuche. Die Teenies von heute wollen nicht mehr Popstar werden, sondern DJ. Leider werden aber 1210er und Mischpult heute immer seltener aus Liebe zur Musik gekauft. Vielmehr steht inzwischen haüfig die Intention dahinter, andere zu beeindrucken und sich selbst in den Vordergrund zu stellen oder auch nur Geld zu verdienen. Das ist natürlich sehr schade, aber lässt sich nicht verhindern. Es ist vielmehr die logische Konsequenz dessen, was sich früher viele gewünscht haben( Die Geister, die ich rief...) und heute verfluchen: Das sich mehr Menschen für unsere Musik interessieren...
Bleibt als Fazit nur die Hoffnung auf eine neue Richtung, einen neuen Underground? Nun, solange das nicht in Sicht ist, muß aus den gegebenen Umständen das beste gemacht werden. Aufgeben ist nicht, es haben schon viel zu viele aufgehört zu kämpfen( It is never safe to look into the future with eyes of fear. It is what we make it out to be! FUTURE=REALITY, Jeff Mills 1992; daher: maximum respect to dreamfactory&electric blue)

][ Motik

back