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Das Erste
abstrakt & wachsinnig
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Kommentar
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Kommentar
Straßenbahn - elektrisch betriebene Schienenbahn für den öffentlichen Personenverkehr. Transportwunder des 19ten Jahrhunderts. Fortschritt. Eine blecherne Kette aus Waggons über deren Überstromselbstschalter, Fahrschalter, Vorwiderstände und Motoren der Strom fließt. Er zuckt durch Metall bis zu den Schienen. Die Gleiße sind auf Straßen verlegt, alles funktioniert mit Strom. Selbst die Türen öffnen sich wie von Geisterhand. Ein Wunderwerk der Technik - elektrifiziert.
In SanFrancisco springen die Fahrgäste einfach auf den heranrollenden Wagen auf. Tauchen hinein, gleiten davon und werden erst wieder beim Verlassen der Straßenbahn von der Realität eingeholt. In Deutschland funktioniert alles streng geordnet und nach StVO. Abstand 2m, Geschwindigkeit 5 km/h. Der Wagen rollt heran - alles Stillgestanden. Türen auf, alle Mann an Bord. Zuerst noch die Anderen aussteigen lassen, dann stramm auf den Sitz gesessen. Türen zu, 3 mal klingeln. Fahrthebel lösen und langsam in den 2ten Gang geschaltet. Wer Straßenbahn fahren will muß dafür zahlen. Streng nach dem Motto: Nur der Tod ist umsonst. Die morgendliche Zeitung wird gelesen oder über das Wetter geredet. Unauffällig aus dem Fenster geschaut, um ja nicht die Haltestelle zu verpassen. Und auch der Nachbar will gegrüßt sein. Schließlich leben wir in einer Gesellschaft.
"Bitte keine laute Musik hören". Denn meine Platten kaufe ich selbst. Und wer unbedingt ins Reich der Töne entschwinden will kauft sich einen Walkman oder träumt vom eigenen Konzert. Ob Madonna auch Straßenbahn fährt? Bestimmt hätte sie Ihr eigenes Abteil. Der Schaffner sucht fieberhaft nach Schwarzfahrern. Und wieso wird es plötzlich dunkel? Die Straßenbahn im Untergrund. Einzelkämpfer im Kampf gegen den Verkehr. Tief unter den Stätten des Lebens. Losgelöst von allen Problemen. Alles Gute kommt von oben. Und dorthin kehrt es auch zurück, als wäre nichts gewesen. Die Erde hat uns wieder. Oder immer noch. Und auch die Häuser lächeln wieder strahlend zum Fenster herein. "Nächster halt Marienplatz". Und wieder entsteht Hektik in der kleinen Kanzel. Schienenwechsel, es rumpelt unter den Füßen, draußen wechselt die Häuserzeile. Der Mann gegenüber steht auf. Ein Nächster nimmt sofort seinen Platz ein. Alltägliche Monotonie. Das Leben in seiner minimalistischen Form. Zu Schade, daß Tübingen keine Straßenbahn hat.
][ mb
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