OUK Das Zehnte   gehimmelt & gestürzt 3 Seiten Ewigkeit

> Looking up, I see the scaffold, the hooded figure with its head on the block, the hooded figure of the executioner, the sharp blade of the axe glinting in the burning sun. The axe falls, the victim's severed head rolls on the wooden platform, the hood comes off - „My head!". The executioner, laughing, removes his hood, revealing - „My face!". <

M. Weiss, T. Hickman - Legends, Vol. 2, War of the Twins.

Augen

Text ist nicht Musik, lesen ist nicht gleich hören. Ich jedoch halte es für wichtig darüber zu schreiben, warum diese Musik so ist, wie wir sie hören. Die Schnellebigkeit der Neunziger sorgt schon für genug Verlust an Werten. Zu sehr sind wir Freund mit der Verallgemeinerung. Stützen unser Tun auf Aussagen anderer, anstatt selbst zu Urteilen. Sicherlich bedarf es gewissen Serviceleistungen, doch kann diese Art des Schreibens für mich stets nur Weg, nie Ziel sein. Nein, ich lobe nicht und preise nicht, denn diese Art von Schreibstil ist mir zuwider. Statt dessen gebe ich das Geschehen um mich herum so wieder, wie ich es zu sehen und zu hören scheine. Diese drei Seiten sind mein Eigentum, hier herrschen andere Gesetze. Hier bestimme ich über gut und böse. Und es gibt wohl nichts abscheulicheres, als funktionales Schreiben.
Es ist nicht unser Weg, auf dem wir marschieren, wurde er doch bereits von einem Anderen gegangen. Jemand der über einen Zustand nachdachte und ihn in seinen Gedanken immer und immer wieder Revue passieren ließ. Und dies passiert nicht nur beim Schreiben.
Perlen Lady Man könnte meinen, es entstehe dadurch eine neue Bewegung, Aufbruch. Ich verspürte einen funken Hoffnung, daß sich alles zum besseren Wenden könnte. Doch was ich beobachte, ist das genaue Gegenteil. Krampfhaft wird an alten Gegebenheiten festgehalten, nur der Name hat sich geändert. Doch die Verkrampfung sind wir selbst. Ist es nicht gerade bei DJs so, daß aus dem Wille zur Reflexion ein wahnwitziger Drang nach Erziehung entsteht. Wie schnell erwischt man sich selbst dabei, beim Nachdenken über „den Geschmack" und „die Leute", den mahnenden Zeigefinger zu erheben. Und plötzlich wird aus den losen Gedanken eine Theorie. Doch der Gründe Ursachen sind viele und wer vermag schon zu behaupten, er wisse warum die Leute heute ausgehen und morgen nicht.
Nein, auch ich bin mir bewußt, daß es einem gewissen Diskurs bedarf, ohne den es dieses Magazin mit Sicherheit nicht gäbe. Aber auch hier neige ich zur Distanzierung, sehe ich das ganze doch inzwischen aus einem konstruierendem Blickwinkel, nicht aus einem zerstörerischen. Ich kann wahrlich niemandens Geschmack vorschreiben, geschweige denn das Publikum (mit Erfolg) erziehen. Das muß jeder einzelne von sich aus tun.
Ich habe bewußt meine Texte verschlüsselt, versucht mit dieser Form des Schreibens mein Sein an sich verschwinden zu lassen.
Die Musik sollte im Vordergrund stehen und dem Leser bewußt werden lassen, was ich auszudrücken vermochte. Meine Subjektivität jedoch war immer anwesend, wie auch die Anrede stets präsent war.
Erare humanum est. So habe auch ich gelogen und gestohlen, geplant und getäuscht. Doch besiegen wollte ich damit niemanden. Ich habe viele Worte benutzt und doch immer das gleiche gesagt. Anstatt vorwärts zu schreiten, habe ich mich nur auf der Stelle gedreht.

Perlen

Nun beende ich ein Kapitel, bevor ich es je zu Ende schreiben konnte, und entschwinde so in eine neue „Freiheit". Eine Freiheit die mir die Möglichkeit schenkt, alles um mich herum aufzunehmen, ohne es in die existierenden, literarischen Schranken bannen zu müssen. Es bedarf keiner neuen Fragen und auch keiner Korrektur. Das wichtigste wurde breits gesagt, auch wenn es noch lange nicht alles ist. Ich habe verstanden. Wer noch?
Ich trete aus meinem Schatten, weil darin kein Platz mehr ist für neue Experimente. Ich schaffe mir einen neuen Freiraum, indem ich die Musik reflektiere, nicht das gesammelte Wissen darüber. Was zurück bleibt, ist ein gesunder Haß auf all dieses Wissen, welches doch nicht von mir stammt. ][ marc bohlmann, Ende 1997


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