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Das Zehnte gehimmelt & gestürzt | Club 2000 |
Neue Konzepte beleben die Szene, auch wenn Sie manchmal ein wenig Zeit brauchen um zu gedeihen. Clubbesitzer bewegen sich also auf einem schmalen Grat, wenn Sie den Nachtschwärmern mit Neuem das Leben versüßen und gleichzeitig Ihre Existenz bewahren wollen. Ein Rezept jedoch habe ich mir ausgedacht, inspiriert durch allabendliche Erfahrungen und Gespräche, das so simpel ist, daß es mich wundert, daß bisher niemand darauf gekommen ist. Zumindest fast niemand, denn ein gewisser Goldie im fernen England verfolgt schon lange mit großem Erfolg ein Konzept, wo wir auch schon bei Teil 1 sind:
Damit ein jeder in den Genuß einer sonntäglichen Metalheadz-Session im Londoner Blue Note kommen kann, wird bewußt um 19 Uhr die Pforte geöffnet und um Punkt Null Uhr wieder das Licht angemacht. Eine Zeit, bei der sich andere Clubs erst füllen, ein Metalheadz-Sympartysant jedoch getrost ins Bett gehen kann, um am nächsten Tag ausgeschlafen die Arbeit beginnen zu können.
Aber nicht nur an Tagen vor Werktagen wird dieses Konzept aufgehen. Auch am Wochenende/vor Feiertagen würde es mit Sicherheit nicht so aussehen, daß sich dieser Club erst um 23 Uhr zu füllen beginnt. Ein Samstag-Vormittag läßt sich bestimmt vielfältiger nutzen als ein Freitag-Abend. Mit der Zeit werden einige dies eventuell auch als eine Art Pre-Hour" des Wochenendes in Erwägung ziehen, denn die Tanzwütigen unter uns verbringen den frühen Abend wahrscheinlich lieber auf der Tanzfläche als in der Kneipe, die oft als allgemeine Sammelstelle zum Start in den Abend dient.
Übrigens, wo sind eigentlich all die After Hours hin? Ich kann jedenfalls immer weniger ausmachen und es scheint sich ja auch kaum einer über fehlende zu beschweren. Jaja, times changing...
(siehe auch GROOVE Nr. 48, S. Väth Interview)
Oft wird in den Clubs viel Wert auf das Optische und Akustische gelegt, aber getrübt - im wahrsten Sinne des Wortes - wird das ganze durch eine mehr oder weniger kleine Begleiterscheinung, die vielleicht nicht unvermeidbar, aber minderbar ist. Die Rede ist von der schlechten Luft, die vornehmlich durch Zigarettenqualm entsteht und nicht, wie auch oft angenommen, durch den Nebel aus gleichnamiger Maschine. Wenn man einmal genau darauf achtet, stellt man nämlich fest, daß der Nebel nur psychologisch die Luft verschlechtert. Wer in einen Rauchschleier eingehüllt ist, assoziiert damit automatisch ein schlechteres Atmen", aber der Rauch einer Nebelmaschine verursacht lediglich manchmal einen trockenen Mund. Der Zigarettenkonsum hingegen führt zu unerträglichen Luftverhältnissen, was natürlich ein allgemeines Problem in geschlossenen Räumen darstellt. Im Club jedoch wird durch die Anstrengung beim Tanzen (zumindest ich gehe zum Tanzen in den Club) der Qualm noch intensiver in die Lunge eingesogen. Hinzu kommt am nächsten Morgen die unangenehm riechende Kleidung, in der sich Schweiß und Rauch gefangen haben.
Was also dagegen tun? Ein allgemeines Rauchverbot stellt mit Sicherheit keine Lösung dar, denn ein jeder will seinen Konsum ausleben und so muß auch Rücksicht auf die Raucher genommen werden. Als selbstverständlich betrachte ich ein verbessertes Lüftungssystem. Anstatt also in neue Scanner, Lasershow, etc. zu investieren, sollte man lieber das hart verdiente Geld in ausreichende, großzügige Abzugsklappen anlegen. Zudem läßt man die zahlreichen Promotionteams bekannter Tabakmarken gar nicht erst rein, da sie vor dem Club bestimmt genauso viele Adressen sammeln können. Da war mir das Pringles"-Team richtig sympathisch dagegen. Hilft dies alles nicht, besteht immer noch die Möglichkeit in Raucher- und Nichtraucherzone zu unterteilen, wobei sich die Tanzfläche auf jeden Fall innerhalb der Nichtraucherzone befinden sollte.
Noch will es niemand wahr haben, aber allmählich wird sich eine allgemeine Schwerhörigkeit unter dem Partyvolk, den DJs und sonstigen Musikkonsumenten breitmachen. Ein Aufatmen also, als mir der Ohrenarzt neulich bestätigte, daß mein Gehör prächtig funktioniere. Auf der Popkomm ließ man sich dann auch von Anbietern überzeugen, die an die Ohren der Musikfreunde denken und tollkühn ihre neuesten Gehörschutz-Konstruktionen präsentieren. Alles schön und gut und funktioniert auch, aber es hat seinen Preis. Gut, für unsere Gesundheit ist uns ja nichts zu teuer, doch ein bißchen Watte oder ein Stück Papiertaschentuch erfüllen durchaus ebenso gut diesen Zweck.
Aber ist das alles überhaupt nötig? Kann man nicht gleich das Übel an der Wurzel packen und die Lautstärke in den Clubs einfach besser regulieren? Da gibt es DJs, die nur noch die Monitorbox hören und sich einen Dreck darum scheren, wie der Sound auf der Tanzfläche ist, dann gibt es Veranstalter, die immer noch nicht begriffen haben, daß das Soundsystem die essentielle Einrichtung eines Clubs ist, oder Techniker, die die Anlage so einstellen, daß Höhen oder Bässe überwiegen. Ein Faktor spielt bestimmt an jedem Abend eine Rolle, und wenn irgendein durchgedrehter Nimmersatt dem unsicheren DJ ein Lauter!" zuschreit. Ich denke, es wird Zeit, Kompromisse einzugehen. Ein Vorbild stellt da die Schweiz dar, wo es schon eine gesetzliche Dezibel-Begrenzung für die Clubs gibt und bei vielen Events Ohrstöpsel gratis erhältlich sind. Weitere Maßnahmen wären dann schon fast nicht mehr nötig, aber wir leben ja in good old Germany...
Der eine oder andere wird bestimmt schon einen dieser Punkte in seinem Club berücksichtigt haben, doch nur in der Konstellation aller drei Punkte ergibt sich ein neues Konzept für eine Location, das nach einem Versuch schreit. Wenn es gut verkauft und beworben wird, z.B. als Gesundheitsclub", ist der Erfolg nicht auszu-schließen, und wir hätten eine interessante Erwei-terung des allabendlichen Clubtreibens.
][ Lightwood
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