OUK Das Zehnte   gehimmelt & gestürzt ein Leser - ein Brief
Briefmarke

Ein Leser, ein Brief (und 5,50 DM Porto)

 

Hallo Marc,

höre ich da irgendwo einen Hilfeschrei, wo Du nach den Leuten suchst, die die Tanzflächen füllen sollen, und zwar in den Clubs, wo das Auflegen von tanzbarer Musik in einer tanzbaren Atmosphäre eine Leidenschaft bedeutet? Warnst Du vor massenhaft besuchten Clubs, in denen Dein Schrei in Hallen der fünftausend „scheinbar enthusiastisch" ekstasierenden „Vorzeigekonsumenten" verloren geht, weil sie in einer Welt leben, wo sie der allgemeinen Menschheit im Wandel zwischen Macht und Übermacht entsprechen, in der versucht wird, dem Individualismus durch Verherrlichung den Weg in die Öffentlichkeit und dadurch zum Massengeschehen beizutragen? Ich glaube auch nicht, daß sie in diesem scheinbar „natürlichen" Anflug von Euphorie (die ja angeblich durch den DJ beigetragen wird...) ein „Hallo" - geschweige denn wenigstens ein Lächeln - auf den Lippen haben. Ich tröste mich damit, daß ich sage, daß es nun mal die sind, die anders sind als diejenigen, die alle gleich zu sein scheinen und sich (was das wöchentliche Ausgehverhalten betrifft) hinter der Fassade eines individuellen Mitstreiters mit einer beinahen Ideologie verstecken. Laß sie doch in ihren „jointumherreichenden Studentenwohngemeinschaften" versickern, damit sie den Machenschaften großer Veranstaltungsformen („Hilfe, ich habe keinen Platz zum Tanzen!!") oder fickanimierenden UNTANZ-Bar-Damen („ääh, vögelt die mit der Säule?") entkommen können. Vielleicht ist das gar nicht mal so schlecht? Ich hoffe trotzdem, daß Deine Gedankengänge auf Resonanz stoßen und zum Nachdenken anregen (und zum TANZEN!) und zwar in den Clubs, wo der DJ die Musik mit Leidenschaft zum Einklang mit der Welt bringt, und nicht schlecht auflegt, weil er nicht die Fähigkeit besitzt, seine Ohren mit seiner geistlichen Leidenschaft für die Musik zu öffnen.

Hoffentlich hören diese endlich auf, ihre Ohren mit Ohropax zu verstopfen, damit sie den Schmerz nicht spüren können, der sie ja vielleicht dann doch zur Besinnung kommen lassen könnte ...?!

Isdek Acar, Studentin aus Tübingen

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