OUK Das Zehnte   gehimmelt & gestürzt ouk interview:
Peshay

Man wartet immer wieder auf eine Party, bei der man einen Umschwung spürt, wo das momentan Existierende hinterherzuhinken scheint. Ein Abend, den man nicht so schnell vergißt und der dich an ein neues Ufer spült, dir neue Inspirationen gibt. Freitag, der 14. November war für mich so ein Abend, als Peshay, zu Gast im Clima.x, im Rahmen der „Freeflow"-Reihe ein auffallend anderes Drum’n’Bass-Set darbot. Mit überwiegend Dubplates der britischen Drum’n’Bass-Liga ist es natürlich immer wieder ein neues musikalisches Erlebnis, aber bei Peshay faszinierte mich vor allem der Aufbau, die Art, wie er das Publikum an seinen Sound heranführte. Nachdem er also mit bekannten, härteren Platten die Stimmung entfachte, lenkte er, die Härte runterfahrend, das Ganze konstant in eine ruhigere, jazzige Richtung - ein Ausweg aus den momentan vorherrschenden straighten, technoiden Tracks, oder einfach nur sein ganz eigener Stil? Wer „Miles from home" kennt, weiß worauf ich hinaus will, nämlich einen Partytrack zu produzieren, der zu 100% Drum’n’Bass und zu 100% Jazz ist.

Peshay

In der deutschen Presse liest man reichlich wenig über Peshay, fand ich gerade mal ein „halbes" Interview über Ihn (s. Beam me up 5.97). Das liegt mit Sicherheit nicht daran, daß der in Essex lebende Paul Pesce eine arrogante oder auch zurückhaltende Natur ist. Nein, ganz im Gegenteil bescherte er mir eine lustige Partie und so dürfen sich die nächsten, laut Peshay, 287 Interviewer auf ein angenehmes Gegenüber freuen.

Beginnen wir mit einem allgemeinen Lieblingsthema (nicht nur) im Drum’n’Bass-Bereich. Wer denn jetzt mit wem im Studio sitzt und wer für wen produziert oder engineert ist momentan überall zu lesen und zu hören. Zwar ist dies nicht ganz unerheblich, aber letztendlich zählt doch eigentlich nur das Endprodukt und früher oder später bekommt sowieso der richtige die Lorbeeren. Zudem steht beim Plattenkauf bei mir nach wie vor das Label an erster Stelle. Peshay: „Ein Produzent ist jemand, der mit all seinen Ideen ins Studio geht und weiß, was dann im Studio zu tun ist. Der Engineer „drückt nur die Knöpfe" nach den Angaben des Produzenten." Peshay versteht sich demnach als Produzent, wobei Darren von Decoder/Technical Itch das Engineering übernimmt. Über Decoder gibt es wohl nicht mehr viel zu sagen, denn die zahlreichen guten Platten auf Technical Itch, Ruffneck Ting, Moving Shadow, Second Movement, Trouble on Vinyl etc. sprechen für sich. Daß jener in Peshays Gegenwart wahrlich nicht zu kurz kommt, beweist der erste Release von Decoder auf Peshays eigenem Label „Elementz" und auch die 002 ist von Decoder und gerade unterwegs.

Doch zunächst drehen wir die Zeit ein paar Jahre zurück...

Peshay Sign

-Statistik-

(frühere musikalische Vorlieben)

„ ...‘87/’88: House, Techno, Hardcore, Rhythim is Rhythim, in den frühen 80ern: HipHop, Electro und allgemein Jazz."

(erster Jungle-Track, der Aufmerksamkeit erweckte)

„Box Bass" auf Ibiza Records

Erst im Alter von 20 Jahren startet Peshay 1991 seine DJ-Karriere. Musikalisch beeinflußt von Bukem entwickelte er seinen Stil und nickt kräftig mit dem Kopf als ich ihn frage, ob das DJ-Dasein inzwischen ein Fulltime-Job geworden ist. Aber er hat nach wie vor Spaß dabei und lebt für die Musik. „Der Job als DJ ist eine schöne Arbeit, es ist ganz einfach „funwork"!"

-Statistik-

(global arrangements)

„ ...Australien, Japan, Italien, Canada, Frankreich, Spanien, Amerika"

Wo hast Du noch nicht, würdest aber gerne einmal auflegen? „Irak - nächste Woche spiele ich für Saddam Hussein. Das Motto lautet „Chemical Warfare". Nein, nein, aber ich will unbedingt noch einmal in Italien auflegen, wo ich vor einem Monat war und das war sehr, sehr gut. Florenz war zwar ziemlich schlecht, aber in einem Club in der Nähe von Mailand war es brilliant. Außerdem hat mir jemand erzählt, daß Israel sehr gut sein soll. Dort werde ich auch hingehen, aber nicht momentan, vielleicht nächstes Jahr."

Wann hast Du das letzte Mal in einem Club getanzt? „Fuck - diese Frage hat mir bisher noch nie jemand gestellt. Fair play - good question. Das war, glaube ich, 1988 im Camden Palace."

-Statistik-

(geschätzte Produzenten)

„ ... mein bester Freund Photek, Digital, Decoder, Flytronix, E-Z Rollers... es gibt so viele!"

Wie sieht es mit deutschen Produktionen aus? „Ich habe schon viele wirklich gute Ideen gehört, aber es ist nunmal eine neue Musik hier. O.K., es ist nicht direkt neu, aber die Produktionen zu verbessern, auszubauen, zu verfeinern, daß dauert halt eine Weile. Wie gesagt - gute Ideen, aber ich weiß jetzt nicht von wem oder auf welchem Label das war. England wird immer die Nummer Eins bleiben, aber Deutschland die Nummer Zwei - definitiv. Amerika entwickelt sich in letzter Zeit auch sehr gut."

-Statistik-

(bevorzugte MCs)

„ ...GQ, Justice, Cleveland Watkiss, Moose, Fearless."

Laut Peshay wird Justice nächstes Jahr zu den angesagtesten MCs in England zählen. Momentan ist jener bei den Metalheadz Sessions im Blue Note aktiv, die zu Peshays Lieblingsevents zählen, ebenso „Movement", donnerstags in der Bar Rhumba. Der Donnerstag in der Mars Bar mit Namen „Tempo" (ehemals Speed) hingegen ist gestorben, aber man plant mittwochs ein neues Event in einer anderen Location. Apropos Blue Note, als ich das letzte Mal dort war, wurden während deines Sets mehrmals am Abend Nadeln und Technics ausgetauscht, weil die Platten andauernd gesprungen sind... „Ja, letzte Nacht in Berlin genau das gleiche, bei jeder Platte. Es trifft immer mich. Ich weiß nicht warum, aber es trifft immer mich." Meistens kann man dieses Malheur auf die abgenutzten Dubplates zurückführen, aber das stände im Widerspruch mit folgender Aussage: „Die meisten DJs lassen ihre Dubplates im Music House schneiden, aber die Qualität ist nicht sehr gut. Ich gehe zu Metropolis in London. Hier bezahlst du zwar doppelt so viel (80 Pfund), aber die Plates halten ewig." Im Clima.x traf es dann glücklicherweise „nur eine" Platte.

-Statistik-

(erste Produktion)

„Das war „Ruff Guidance Imprint" zusammen mit Bay B Kane auf Bay B Kanes Label Ruff Guidance."

Zwischen den beiden bisher veröffentlichten 12"s von Peshay auf Metalheadz liegen immerhin 24 Releases (Nr. 2 & 26). Wie war das damals, wie kam der Kontakt mit Metalheadz zustande? „Ich kannte Goldie schon eine sehr lange Zeit und als er Metalheadz startete, fragte er mich ob ich für ihn einen Release machen würde. Da ich gerade zwei Tunes fertig hatte, die er hörte und die noch nicht veröffentlicht waren, fragte er mich ob er sie rausbringen könnte und ich sagte „Ja". So fing das alles an, ca. 91/92... dann kam Good Looking..." Das hört sich ja richtig einfach an. Der Kontakt zu Bukem/Good Looking hingegen verlief etwas im Sande, denn der Name „Good Looking" fiel nur noch ein einziges Mal, als ich ihn fragte, ob er denn demnächst auf Metalheadz, Good Looking oder anderen Labeln releasen wird: „Nicht auf Good Looking, nicht auf Good Looking..." Die Zeiten ändern sich eben und Mo Wax hat sich erst einmal Peshays Album gesichert, welches im April nächsten Jahres erscheinen wird. Was uns da erwartet, wollte er jedoch nicht erzählen, aber ich denke diejenigen, die im Clima.x anwesend waren, oder Peshay in nächster Zeit hören werden, wissen worum es sich dreht. Vorab gibt es schon Ende Januar das schon sehnlichst erwartete „Miles from home" auf Mo Wax als Maxi, außerdem ein Remix der Photek 006 „Rings around Saturn", zahlreiche weitere Remixe und Releases auf Metalheadz und Photek.

Peshay

-Standard-

(der Glaube an Außerirdische)

„Ich habe bisher nie richtig darüber nachgedacht. Deshalb lautet meine Antwort: nicht ja und nicht nein!"

(Chefkoch Peshay?)

„Ja, mit der Mikrowelle..."

Mit diesen Worten, begleitend von einem beherzten Lächeln seiner Freundin, schließen wir die Konferenz.

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