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Das Zehnte gehimmelt & gestürzt | Plattentips |
Die Bäume stoßen sukzessive zur Ummantelung der in Natur- und Synthetikfasern treibenden Menschenmassen ihr prächtig gewordenes Farbenkleid ab, um kahlen, knochigen Fingern die Ankündigung der kältesten Jahreszeit zu ermöglichen. Es ist wieder Winter. Bald wird sich wildtreibendes, eiskaltes Weiß wie eine große Daunendecke über alles ausbreiten, um diesem allem eine Pause zu gönnen. "The Pause That Refreshes" von D.i.a.l. auf SPY MANIA (005) dokumentiert in drastischen Tonkollagen diese zyklische Naturbegebenheit in üblicher Klimazone. Das Titellied gleicht dem monotonen, nur einen Tag andauernden, sinnlosen Treiben der in die Wärme geflohenen Insekten an mit Eissternen zugefrorenen Fenstern. Hin und wieder kehrt ein kurzer Zeitraum Ruhe in den tribalartigen Rhythmus ein, um aufs neue mit gewohnten, sich neu orientierenden Bewegungen fortzufahren. Die verbleibenden vier Stücke gleiten hinweg über eine alles einfrierende, ambientige Atmosphäre, die sich über die leblosen Chitinpanzer auf der Fensterbank legt, vorbei an einem aufs Wesentliche reduzierten Elektrofunk, um dann in auf Vinyl gepreßten Wahnsinn zu eskalieren. Als Letztes schwappen mit "silent waves" Schwingungen im Raum, neuen Platz für Wärme schaffend, zärtlich umarmend im Knacken der Endlosrille ausgleitend.
Reimann führt mit "Booze", der neuesten CHEAP Veröffentlichung (22), durch verrauchte Barräume, in denen anscheinend gelangweilte Musiker in Schweiß und Schmelzwasser schwangerer Luft immer nur einen Riff spielen können, was einem das weite Zurückfallen in den warmen Sessel der Geräuschkulisse (Gläserklirren?) leicht ermöglicht. Auflösend im begleitenden Rhythmus genießt man weiter ein heißes, berauschendes Gebräu aus elektronischen Stücken mit "Carrera"-verwandter Funkiness (CHEAP 21), verspielten Übungsstunden an Casio Heimorgeln gleich einem J. Tenor im Delirium und einem fast auf Null geschrumpften Clone von "ventolin" (Aphex Twin). Eine Zusammenstellung, die mit soviel Sex und Liebe fürs Detail geeignet ist, ein behagliches Schmunzeln in die Gesichtszüge zu hexen.
Ist es dann so richtig schön behaglich geworden, die Kälte um einen herum vergessen, und man öffnet doch noch den Weg nach draußen, wo man von Aphex Twins "Come To Daddy"-Veröffentlichung auf Warp erwartet wird, schreit der Titeltrack der vier Stücke einem mit einer bis zum Exzess wahnsinnig fies verzerrten Fratze allen Unmut und alle Boshaftigkeit ins Ohr, daß man unweigerlich zu taumeln beginnt, sich aber schnell an dem ungewohnt sauber und geradlinig verlaufenden Rhythmus wieder fangen kann. Auch weiterhin sind die folgenden Stücke (der Silberling enthält insgesammt acht) in ersehnt innovativer Qualität gemacht: Auch hier paaren sich wieder zu einem Schema ergebende, zufällig programmierte Drumsounds mit harmonischen Kinderstimmen und Reimen, um über einer Kulisse (oder auch ohne) aus elektronischen Geräuschtüfteleien, schneeflockengleich wild hin und her gezerrt zu werden, bis sie unerwartet auf dem eisigen Boden stürzen, zerschellen und sich zu einem Ganzen zusammenfügen.
EIN AM ERSCHEINEN ORIENTIERTER WINTERTRAUM. ][ g
V.A.
Moving House
Freezone/SSR
Veröffentlichte Freezone/SSR bisher recht bunt durchmischte, teilweise recht lieblos zusammengestellte Compilations, so haben die Jungs mit Moving House nun eine erstklassige House-Sampler zusammengestellt. Die Stücke sind allesamt ruhigerer Art und entsprechen nicht unbedingt dem, was man clubkompatiblen House nennen würde. Künstler und Musiker wie Faze Action, Mateo & Matos sowie Lenny Fontana haben hier (teilweise unter anderem Namen) mit Liebe zum Detail gearbeitet und wunderbar swingende, jazzige und doch immer wieder locker vorwärtshüpfende Produktionen eingereicht. ][ mb
Kirlian
Pleasure Yourself
disko B
Der King of Hollis schwingt wieder sein Zepter. Humorvoll wie immer musiziert Carlos Abraham Duque drauf los und sorgt so für ein unbekümmertes Zusammenspiel verschiedenster Genres. Jazziger HipHop, futuristische Schmachtfetzen und solide Club-Tools sitzen zusammen auf diesem Album und vergnügen sich ohne die geringste Scheu. ][ mb
V.A.
Trouble on the Dancefloor
X:TREME Records
Daß Disco einfach nicht tot zu kriegen ist, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Egal ob House, HipHop oder DrumnBass, überall machen sich die Einflüsse von Disco mal mehr, mal weniger (hängt immer ganz von der Einsatzweise des Samplers ab) bemerkbar. Um so schöner ist es dann, wenn man eine Compilation in die Finger kriegt, auf der nichts anderes als der Originalsound zu hören ist. Wenn die Platte dann noch von Paul Trouble Anderson, seines Zeichens DJ- und Discolegende, zusammengestellt ist, kann man sich sicher sein, fundamentale Wertarbeit in den Händen zu halten. Paul sammelte wertvolle Raritäten der Siebziger und durchmischte diese mit majestätischen Hymnen der Neunziger. Drei Platten, die eine Reise durch die Geschichte" eines Sounds und durch die Geschichte eines Mannes machen. ][ mb
International Deejay Gogolos: CD One
(International Deejay Gigolos)
Konsumentenfreundlich in CD-Form präsentiert Helmut Geier noch einmal eine Zusammenschau der ersten 7 Gigolo-Auswürfe. Für Nicht-DJ´s, die die Platten nicht haben ein Muß. Übrigens gibt es auf dem Gigolo-Tape-label nun die Nr. 2, einen Livemix von Electric Indigo, Kommentar überflüssig. ][ motik
Julius Papp & Warrin Bros.
Daylight
Large
Das San Francisco eine außergewöhnliche Stadt ist, dürfte bekannt sein. Weniger berühmt ist hingegen die Gemeinde der Liebhaber elektronischer Musik um die Bay Area. San Francisco liebt und lebt Acid Jazz, Drum-nBass, TripHop und House. Diese nicht gerade typisch amerikanische Konstellation nährt und prägt die Ideen von Julius Papp und den Warrin Bros. Papps Produktionen bestechen durch simple Beatführung, Percussivität als Option - House-tracks als Harmoniezustand. Live-Guitar und Keys der Brüder John und Dave Warrin geben diesem Emotionsgerüst den Glauben und das Durchhaltevermögen. Zwar hat Papp bereits auf Reconstruction einen ähnlichen Aufbau vollbracht, doch sich selbst klauen sei hier erlaubt. Ach ja, Papp ist auch Acid-Jazz-DJ, weswegen die meisten Platten immer noch einen unentbehrlichen DownTemp-track beinhalten. ][ enco
V.A.
Spiritual Life Music
Nuphonic
Musik erzeugt Stimmung, Musik verleiht Kraft, mit Musik geht alles besser. So oder ähnlich müssen die Gedankengänge von Joe Clausell und Stefan Prescott gewesen sein, als sie die Idee zu diesem bemerkenswerten Sampler hatten. Musik für Menschen, die diese zu schätzen wissen. Vier Seiten Vinyl voller spiritueller Kraft, harmonisch schön und genau das richtige für lange Winterabende vor dem Kaminfeuer.][ mb
Submission
Women beat their MeN
Yelocity
Cevin Fishers Strickmuster wirkt, funktioniert und schmeckt, hier mit etwas Hilfe von einem DubTronic-Percussion-Monsterloop. Treibend deklariert, satter Bass, in Begleitung hypnotischer Keys, bilden den Charakter und verschaffen Ausprägung. Die Female-Voice macht den Rest. Gut und Punkt. ][ enco
Moby James Bond Theme" (GrooverideR Remix)
Der Morgen stirbt nie", Grooveriders Remixe auch nicht. Der aktuelle Sound-track wurde dann leider nicht verbraten, dafür aber bestimmt die beste Version des klassischen Themas geschaffen. Ein grandioser Aufbau voller Funkiness bis zum Break - und dann ... Jump-Up! Zwar nicht in traditionellem Sinne, doch ähnlich wie bei Krusts Warhead" muß das eine neue Kategorie des Jump-Ups sein. Glaubt es mir oder räumt die Tanzfläche! ][ lightwood
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