OUK Das Zwölfte   rissig & goldig Der motikolgische Einschub Teil 4

Frau kubistisch

Der motikologische Einschub Teil 4

Sind sie glücklich?

Würde man sich am Ende seiner Existenz selbst auf die Lebensqualitäts-Anklagebank setzen und rückwirkend diese Frage stellen, so dürfte das Urteil für nicht wenige verhehrend ausfallen. Denn die Suggestion von Zufriedenheit beispielsweise durch materielle Werte oder herausragende Erfolge auf welchem Gebiet auch immer ist keinesfalls gleichzusetzen mit wahrer ungetrübter Lebensfreude, die bei logischer Betrachtung eigentlich Ziel jeglichen Handelns sein müßte. Dieses Ziel, als Wunsch wohl omnipräsent, tritt jedoch allzuoft in den Hintergrund. Gründe gibt es zuhauf, die "Schuld" am Seelenzustand des einzelnen liegt letztlich aber in der Regel beim Betroffenen selbst. "Jeder ist seines Glückes Schmied" ist keine platte Formel aus längst vergangenen Tagen, sondern hochaktuell. Weder der millionenscheffelnde Topmanager ohne Zeit für Freunde oder Familie, noch der fernsehsüchtige MCJobber, der sein Alltagstun verflucht, noch sonst irgendjemand ist gezwungen, sein Leben zu gestalten, wie es ist. Auch wenn sich hier Widerspruch regt, was fehlt, ist in der Regel nur der Mut zur Veränderung, an Möglichkeiten mangelt es nicht. Die ständige Wiederholung, die zur Routine, zu dem wird, was als Alltagstrott bezeichnet wird, mündet zwangsläufig in eine Interessenabnahme und schließlich in Langeweile. Ein Dagegenangehen fordert einen Ausbruch aus der Bequemlichkeit, die die Genese von einem bloßen Wunsch zu einem unumstößlichen Willen stört und allzuoft verhindert. Resignation und Festhalten an Konventionen ist eben einfacher, als mit dem status quo zu brechen und je länger dieser aufrechterhalten wird, desto schwerer fällt der Wechsel. Die dem Stillstand entspringende Langeweile ist sozusagen der "worst case", aber wie beim Kaninchen vor der Schlange, gelingt einem nicht die Flucht. Externe Beeinflussungen tun ihr übriges. Doch die Meinung anderer darf nicht interessieren. Das Leben ist bekanntlich kürzer, als die meisten sich erhoffen, da bleibt keine Zeit, seine Träume dem Gruppenzwang preiszugeben. Es ist eine Frage der Prioritäten und zu oft fällt eine Entscheidung aus finanziellen Gründen, was dann als Erfolg des Verstandes, als vernünftig verpackt wird. Aber welche Kriterien entscheiden denn über Vernunft oder Unvernunft? Wenn für jemanden das Dasein in einem Bretterverschlag auf Maui angenehmer ist, als in einer Vierzimmer-Eigentumswohnung irgendwo in den FNL, so mag der Bruch mit der Vergangenheit in den Augen so manchen Betrachters eine unsinnige Entscheidung sein, für den die Sonne genießenden Neu-Hawaiianer ist sie die einzig Richtige. Um der Degeneration zu entgehen, bedarf es eines ständigen Kampfes gegen die Gewöhnung durch Flexibilität und Innovationsfreude, wozu viele aber zu ängstlich oder schlichtweg zu faul sind. Dabei ist eine Neuorientierung teilweise denkbar einfach und selbst wenn dieser kleinere oder größere Hürden im Wege stehen, so sollte einen das nicht abhalten, denn das Ergebnis ist es allemal wert. Wäre doch schön ein Leben zu retten, besonders wenn es das eigene ist, nicht wahr? ][ motik


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