| Das Zwölfte rissig & goldig | Plattentips |
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Musikalische Vorbereitung auf eine längere Reise.Ähnlich einem guten Speiselokal, welches sich durch, in gewohnt guter Qualität, abwechslungsreich kredenzter Speisen auszeichnet, präsentiert CHEAP auf ihrer neuesten Veröffentlichung "RESTAURANT TRACKS" (CHEAP 23) eine neue Speisekarte. Im Gegensatz zur ersten "Restaurant Tracks-Reservation E.P." (CHEAP 06), entwickelten die Wiener Meisterköche Erdem Turnakan und Patrik Pulsinger von einem minimalen 4/4-Takt ausgehenden und unter dem Einfluß ihrer zwischenzeitlich erschienenen akustischen Schmankerl namens "Lazer-Musik" (CHEAP 13) sowie die zum Teil auch in mobil machenden Schokoriegelwerbespots verwendeten "Showroomrecordings Pt. 1, Pt. 2" (CHEAP 16, 18) einen gänzlich andersgearteten Ohrenschmaus: "POLISH AU PAIR". Hierbei werden dem musikalisch verwöhnten Trommelfell drei Gerichte präsentiert, die sich als feurige Mischung aus Funk- und Jazzrhythmen darstellen. Aus selbigem Umfeld Wiens stammt auch Gerhard Potuznik, der zusammen mit Tex Rubinovitz auf dem Label MORBID unter dem Namen MÄUSE, die dritte Veröffentlichung "MADE IN JAPAN" (MORBID 07) herausgebracht hat. Vergleichbar mit der letzten, nur als CD erhältlichen Ansammlung von 12 musikalischen Kurzgeschichten in deutscher Sprache, der "Teen Riot Gunther-Strakture" (MORBID CD 02), gedeihen auch hier die 7 Skurilitäten von T. Rubinovitz auf der ausschließlich elektronischen Ebene des G. Potuznik. Anders als bei dem vorigen Release gestalten sich die Textpassagen allerdings eher im Hintergrund, aufblühend zu einem neuen Rhythmusmedium. Die im Stil avantgardistischer deutscher Welle gehaltenen Lieder, lassen auch Erinnerungen an Max Goldts Heimaufnahmen aufkommen, um sich dann aber in gleicher Witzigkeit wie die Covergestaltung, sowie durch die abgedruckten Texte, ihre eigene, abgedreht realistische Welt zu schaffen. Falko ist tot, es lebe eine weiterentwickelte, wirklich neue deutsche Musik. Ach, was muß Wien für eine Stadt sein? Auf jeden Fall eine, die angesichts der dort vorherrschenden Musikhochkultur eine Durchreise wert ist. Einen "TRANSIT", auf dem der Zuhörer in unterschiedlicher Besetzung von Wolfgang Frisch, Wolfgang Schlägl und Markus Kienzl auf old schoolischen Synthesizern, Vokoder, Vibraphon, sowie Gitarren, Mundharmonika und Congas im Gepäck geleitet wird. Zusammen mit Michael Holzgruber, der ausschließlich für die abgedrehten Rhythmusmuster verantwortlich ist, präsentieren sie sich als SOFA SURFERS auf KLEIN-RECORDS. Die zum Teil auch erst während der Aufnahme programmierten Sample-Loops geben den 16 Stücken der CD neben dem sehr stark im Dub -sowie Funkbereich existierenden Einschlag eine gewisse Jam-Session-Ästhetik und lassen somit auch keine übergreifenden Beziehungen zu Jazz außen vor. Tribalartige Soundscapes stehen neben fetten Dubpatterns, um von ambientartigen Flächen getrennt zu werden. Alle Tracks reflektieren einen sehr vielschichtigen Einfluß aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen, der dem Hörer 67 Minuten lang ein sehr abwechslungsreiches Hörvergnügen bereitet und es ohne weiteres ermöglicht, sich sowohl in dieses Sofa zu kuscheln, als sich auch um selbiges beschwingt zu bewegen. Die Reiseveranstalter SOFA SURFERS garantieren durch ihre Soundkollage eine aufregende Reise, bei der alle Hörenswürdigkeiten präsentiert werden und dabei alles geklappt hat: Hin -und Rück-flug ohne Verspätungsstreß, angenehme Reisebegleitung und alles Sonstige, was das Wort Urlaub sonst noch so in seiner positiven Eigenschaft auszeichnet. Mit der ersten LP-Veröffentlichung von Simon Begg, der zusammen mit Cristian Vogel das Mosquito Label gegründet hat, kann man dann mittels der BUCKFUNK 3000 ein "FIRST CLASS TICKET TO TELOS" bei LANGUAGE lösen. Hierbei handelt es sich um einen Clone aus Drill ´n´ Bass, sowie überwiegend vertretenem Elektro, der meilenweit entfernt von den Mosquito-Erscheinungen existiert. Verspielt wahnsinnige Synthesizersounds vereinen sich in Harmonie und bewußt provozierter Dissharmonie (künstliche Freestyle-Pianos auf 45 Rpm?), mit dem alles in ihren Bann ziehenden Beatgewitter, bestehend aus kontinuierlich nach vorne treibenden, teilweise auch sehr bösen Bassdrums. Gewürzt wird das Ganze noch durch Stimmfetzensamples, um dann in all seiner sterilen Funkyness aus den Lautsprecherboxen hervorzubrechen. Genau richtig platzierte Breaks untermalen den schon von vorneherein vorhandenen Spannungsbogen, aufkommend durch immer neu dazutretende Töne und einem trackinternen Abwechslungsreichtum höchsten Grades, zu einem sich allein in den Vordergrund der Aufmerksamkeit setzenden Gesamtwerk. Ähnlich spielerisch wie gerade Genannter, präsentiert sich auch BENTLY RHYTHM ACE auf SKINT-RECORDS. Allerdings stellt der ehemalige Pop Will Eat Itself-Mainman hier Samples aus längst vergangener Zeit in den Vordergrund, um welche sich dann die einzelnen der 11 Stücke auf dem Doppel-Vinyl aufbauen. Nachdem die Aufbauphase beendet ist, beginnen die einzelnen Tracks in sich zu modulieren, so daß nur noch die anfangs erkennbaren Fragmente erhalten bleiben. Das einzige, was sich durch die sehr abwechslungsreichen Stücke als roter Faden hindurchzieht, ist die mit übertriebenem Wahnwitz praktizierte Sampleparanoia, die für kurze Augenblicke Gedankenblasen an J. Saul Kane (alias Depth Charge aka Octagon Man) aufkommen läßt, um dann durch eine erneute Veränderungswelle wieder zurück in den Ocean des keineswegs gradlinigen, aber dennoch kontinuierlichen Machwerks zu führen. Rhythmen wie Funk, House, Drum´n´Bass und Elektro verbinden sich dabei zu einem einheitlichen Werk, das nicht nur in der Club-Landschaft seinen Platz findet. ][ g |
So viel schwarzes Gold bescherte uns das Früjahr, daß ich gar nicht mehr weiß wo ich anfangen soll. Die meisten besprechenswerten Platten der Sparte "Drum’n’Bass" liegen doch schon wieder fast einen Monat zurück, so daß ich nur ein paar frische Releases berücksichtigen will:
Moving Fusion Turbulence Ram Vorab zum neuen Ram-Sampler "Sound in Motion" liefert uns eine einseitig bespielte 12" mit "Turbulence" den Burner schlechthin ab, auf den sich wieder alle einigen können. Moving Fusion muß ein neuer Act auf Ram sein, aber wenn es wie hier munter blubbert, wabert, zischt und rollt, dann herzlich willkommen.
Goldie Believe Remixe Metalheadz/FFRR Grooverider liefert hier einen Remix ab, dessen Aufbau an den "James Bond Remix" erinnert. Und auch er hat wohl mitbekommen, daß die nächsten fünfzig guten Drum’n’Bass-Veröffentlichungen von starker Latin-Percussion geprägt sein werden. Also werden flux crispe Beats gebastelt, mit neuem Bass garniert und fertig. Funktional, poppig (das liegt am Original) & Jump-Up (die neue Generation). Die A-Seite ist mit zwei Downbeat-Mixen gefüllt, zum einen die "Extended Version" von Goldie selbst und zum anderen ein Remix von Photek. Doch irgendwie scheint dieser wohl absolut keine Lust oder Zeit gehabt zu haben, denn was wir hier hören ist "Yendi", in das er die Samples von "Believe" eingeflickt hat.
Manga Beats Vol. 2 Limitierte Hip Hop-Jungle-Platte aus dem Hause Reinforced. DJ Stretch und Dego bedienen sich bei Lil’ Kim und schaffen mit einfachen Mitteln, nämlich Apache-Break und Billig-Analog-Bass, einen Track, wie er auch vor einem Jahr hätte rauskommen können. Ich möchte ja nicht wissen, wieviel Zeit die beiden da investiert haben... Aber, aber, aber... Ich spiele diese Platte beinahe in jedem Set, denn einzig und allein das Hip Hop-Sample macht dieses Stück zum garantierten Ohrwurm des Abends.
Peshay Miles from home Mo’ Wax Eine weitere Platte aus der Reihe "Oh Dubplate, wann bist du endlich erhältlich!?" Jedenfalls setzt Peshay mit "Miles from home" einen Maßstab, wie Drum’n’Bass 1998 u. a. klingen kann: Jazz vs. Drum’n’Bass, denn das letzte Wörtchen ist bei dieser Fusion noch lange nicht gesprochen. Und wenn so sein Album klingt, dann ist das der nächste Mercury-Award. Wer das Original nicht mehr hören oder spielen kann, der findet auf der Rückseite einen Underdog-Remix, der zwischen normalem und halbem Tempo abwechselt: witzig bis spritzig!
John B Visions LP New Identity
ouk: Was hältst du vom neuen John B Album?
Sensorama Love Ladomat 2000 Welcome back. Man wartet ja nicht gerne - aber im Falle von Jörn und Rolands neuem Album kann man sich das Schimpfen getrost sparen. Schließlich konnte man sich über die zwei Darmstädter noch nie beschweren, waren ihre Werke, egal ob jetzt als Sensorama, Alter Ego oder Acid Jesus, stets etwas, wonach man sich förmlich sehnte. Locker und voller Lust und Leidenschaft kommen sie diesmal einher und erfüllen jeden Raum sogleich mit Atmosphäre. Die Frage ob dies nun Pop ist, interessiert dann auch keinen mehr. ][ mb
Studio 54 Vol 2. BCC House aus deutschen Landen wird immer hörbarer. Sei es nun Arj Snoek, die Clique um Blaou oder Mousse T mit Peppermint Jam, Deutschlands Houseszene lebt. Dazu gesellen sich nun Studio 54 mit einer gemächlichen Variante von Discohouse. Sicherlich alles schonmal dagewesen, und trotzdem zieht einen der ruhige, doch energische Groove mit sich in die Samstag Nacht hinein. ][ mb
Twin City Sampler Pan Das in Zeiten von Verallgemeinerung und Ausverkauf der Underground wieder aufblüht und Housescheiben wieder deeper klingen, ist nichts neues. Das Glen Underground und Boo Williams dann gleich soweit gehen, ein Downbeat-Stück, das förmlich nach Acid Jazz riecht, loszulassen, hätte ich dann doch nicht für möglich gehalten. Doch das ist nicht die einzige Hiobsbotschaft bezüglich dieser Platte, denn die Detroit-Seite reißt einen dann gleich nochmals vom Hocker. Sicherlich die zarteste Saxophon-Gitarre-BassDrum-Kombination seit langem. Und das aus Detroit. Die dunklen Zeiten sind vorüber, glaubt mir. ][ mb
Beat Boutique Sternschanze Blaou Berlin sieht Blaou, und das nicht zu knapp. Auch wenn die ersten zwei Platten unbemerkt an mir vorüber zogen, war ich mit Hören der Dritten sofortiger Fan dieses deutschen (jawohl!) Labels. Und das Berlin längst nicht mehr nur für Sound der härteren Gangart bekannt ist, sollte mittlerweile niemanden mehr überraschen. Diese Platte mag zwar Stellenweise zu ruhig erscheinen, aber doch immer nur momentan, denn sofort knarzt der tiefe Bass hinter den Percussions her und räumt so alle Zweifel am Tanzen aus dem Weg. Blaou sollte man jedenfalls nicht so schnell aus den Augen verlieren. ][ mb
Soul Creation Dreams Distant Die Nummer Elf des Manhattener Labels ist eine weitere Station am D-Train des Erfolgs. Der Fahrplan führte über Men on Wax, Space Invaders zu Soul Creation. Letztere liefern den eindringlich instrumentalisierten Guitarmix. Doch ist dies nur ein Zwischenstop, Ziel: Sandy Riveras Maximized Mix. Deep Vision Records Mastermind reduziert den Track gekonnt auf den K.O.T.-typischen Beat und Sound. Der Titelname gerät zum Inhalt und die Fahrt steigert sich zum Vergnügen. Destination Brooklyn. ][ enco
Pound Boys WildWest EP Look at You Rec. Mit Hilfe von neuen Kommunikationsmedien oder gar der "Ent-Underground-ifizierung" ist Hier und Jetzt nicht nur Bedingung. Zu House ist wo der Beat schlägt. Das Look at You Label der Pound Boys besitzt dieses Selbstbewußtsein. Homebase ist Denver, Colorado - eher bekannt für langatmige Fernsehserien und/oder angrenzende Skiparadiese. Musikalisch bewegt man sich jedoch auf nicht-gefrorenem Terrain. Ausgeglichene, warme Sounds bestimmen hier die Landschaft. Am Horizont er-scheint Glasgow gepaart mit dem Stolz alter Prescription Tage. Look and Listen. ][ enco
Fresh&Low besos de los angeles EP Guidance Guidance legt wieder zu - und damit meine ich qualitativ, nicht quantitativ. Aber Fresh & Low haben ja nicht um-sonst bereits das allererste Guidance-Release bestritten und somit erwiesener Maßen Qualität an den Mann ge-bracht. Cool und Hot geht es hier zur Sache, wobei stets auf die richtige Tiefe geachtet wird. Eine Platte also, die ruhig zweimal an einem Abend gespielt werden darf. ][ mb
Big Muff My Funky Valentine Maxi Francois K. scheint ewig zu leben. Und sein Talent, Musik zu etwas Fühlbarem zu machen, mit ihm. Auch wenn der "Body & Soul" Mix, wie des öfteren in letzter Zeit, wohl mehr als geschickte PR-Maßnahme dient, hat der Dub Mix alle Kraft, die verlorengegangene Laune mehr als nur wiederherzustellen. Doch vom Original selbst hätte man wohl am wenigsten erwartet auf einer Plattform wie Maxi veröffentlicht zu werden. Liebliche Downbeat-Grooves erweichen hier auch den härtesten Fels in der Brandung. ][ mb |
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