| Das Drei10te stichhaltig & todsicher | Paradoxon - Gegenwart |
Paradoxon - GegenwartWährend Wissenschaft und Forschung täglich Innovationen melden und Wettbewerber ohne Eingehen auf deren Ergebnisse auf der Strecke bleiben, ist schon seit geraumer Zeit ein gegenläufiger Trend erkennbar, den F.A.Z.-Kolumnist Andreas Platthaus treffend als "Frankensteinprinzip" bezeichnet. Da werden überholte und längst in Vergessenheit geratene Sendungen wie ''Einer wird gewinnen" neu aufgelegt, ein "New BeetIe" unter das Volk geworfen oder zum zweihundertsten Mal "Godzilla'' nachgedreht, ein Vergangenheitstransfer auf Teufel komm 'raus in das Hier und Jetzt, der leider und insbesondere auch keinen Halt vor dem Musik-Business macht. Schlager- und Kinderlieder verbinden sich zu einem Hype, der angesichts seiner Dauer wohl kaum noch als partytechnische Zwischendurchpersiflage durchgehen kann, auch wenn der uns liebende Guildo alle auf die Schippe und sich selbst glücklicherweise nicht so ernst nimmt wie manch anderer Barde dieser Zunft. Auch das belanglos anmutende Unterlegen von 80er-Hits mit einem Hip-Hop-Beat ist derzeit sehr aktuell. Bleibt die Frage, warum. Klar, trotz einer geradezu augenfälligen Niveaulosigkeit verkauft sich das Zeug. Aber mal ehrlich, würden MTV und Viva in Einklang mit den beherrschenden Radiosendern nordwesthebräische Volkslieder über den Äther blasen, dürften die Charts auch deren Renaissance belegen. Wahrscheinlich gelänge dies sogar mit säkhöeskem Liedgut (ob Mika Vanio über den dann folgenden Groupiestrom gen Finnland so glücklich wäre, ist eine andere Frage). Das deshalb, weil es heutzutage enorm schwer ist, sich frei von der medialen Massensuggestion eine eigene Meinung zu bilden. Sich dem zu entziehen bedarf schon einer gefestigten Persönlichkeit, die von einem Teenie einfach nicht erwartet werden kann. Nein, es sieht wohl vielmehr danach aus, als fiele den Kreativen dieser Welt nichts mehr ein, oder sie besitzen noch nicht die (beispielsweise technischen) Möglichkei-ten, um ihre Visionen umzusetzen. Was liegt da näher, als die Vergangenheit zu bemühen, und diese im neuen Gewand noch einmal zu präsentieren? Ohnehin fällt diese Reanimation, oder vielleicht sollte man besser sagen Exhumierung, nur Wenigen auf, da die Zielgruppe Jugend die Originale sowieso nicht kennt. Warum auch nach dem Neuen forschen, wenn das erstens (zumindest zunächst) ohnehin keiner hören will und zweitens bedeutend aufwendiger ist, bestens belegbar anhand der Entwicklung der Technomusik: Erst nicht, dann ver- und schließlich anerkannt. Die Urväter dieser Art von Tongestaltung mußten erst den Weg bahnen, auf welchem, nun breitgetreten, parasitäre Produzenten mit Althergebrachtem, aber inzwischen Eingängigem, die Lorbeeren nachhause tragen. Aber so ist eben der Lauf der Dinge, wenigstens bleibt Erstgenannten der Platz in der Geschichte, für den sie sich freilich auch nichts kaufen können. Bleibt trotzdem zu hoffen, daß auch weiterhin eine Handvoll Fortschrittsjünger den Versuch wagt und uns mit dem Ergebnis mal wieder einen Schritt nach vorne bringt... ][ motik
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