OUK Das Drei10te   stichhaltig & todsicher plattentips


Hurraa, die für den EURO verantwortliche Europäische Währungskommission hat ihren Platz in Frankfurt a.M. gefunden, und von hier aus wird auf Wunsch der deutschen Regierung nun ein Holländer unsere Kontostände in eine neue (kleinere) Einheit verwandeln, was der französischen Bevölkerung gar nicht zu gefallen scheint, betrachtet man das extrem emotional geprägte Abstimmungsverhalten beim Grandprix D'Eurovision. Ein solches hätte sich selbst Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) wohl kaum vorstellen können, als er bei der Bundestagsdebatte zum EURO durch das "Debakel vom Wochenende" die deutsch-französische Freundschaft als stark bedroht anprangerte. Ist dies ein ebenso kindisches Boykotttrotzkopfverhalten, mit welchem sie nun ihren, zu Atomwaffentest-Zeiten verschimmelten Käse uns um die Ohren klatschen wollen?
Wie werden die Reaktionen sein?
Wesentlich wertneutraler spiegelt Amon Tobin über 12 Tracks auf dem Doppel-Vinyl "PERMUTATION" (Ninja Tunes ZEN 36) seine musikalischen Eindrücke wieder, die er auf seinen vielen Reisen über den grün-blauen Planeten gesammelt hat. Die einzelnen akustischen Landschaftsmalereien beinhalten neben orientalischen Klängen auch starke Wurzeln in den Bereichen Samba, Hip-Hop und Drum&Bass, die gemischt mit Elektro, Blues und Jazzrhythmen den Zuhörer im Zeitraffer bester Drill´n´Bass-Manier durch das Nachtleben brasilianischer Metropolen, in relaxter Baratmosphäre durch Rauchschleier hindurch bis hin zum Glutofen der Sonne geleiten, wo in weiter Ferne Lawrence von Arabien auf seinem Kamel durch die Wüste reitend zu hören ist. Angesichts seiner Heimatstadt Rio de Janeiro ist es kein Wunder, daß das Feingefühl für Rhythmus, welches jedem einzelnem Track innewohnt, Visionen von hypnotischen Hüftbewegungen gedeihen läßt. Eine ca. 70 minütige Achterbahnfahrt durch ein Universum karnevalistisch jazziger Weltmusik.
Ein Universum aus dem Miles Davis schon vor längerem ausgeschieden ist. Aber dennoch lebt sein Vermächtnis immer neu auf. So auch zuletzt über das Wiederbelebungswerk "PANTHALASSA" (Sony Jazz). Hier wurde "the Music of Miles Davis 1969-74" in seinen Wesensgehalten unangetastet gelassen, aber Bill Laswell reanimierte das Drumherum und verknüpft
auf seine eigene Art wie einst Dr. Frankenstein, einzelne Parts der lange zuvor erschienenen Werke "In a silent way", "On the corner" und "Get up with it", um in brilliant undigitaler Qualität einem neuen Gesamtwerk Leben einzuhauchen. Ein streng limitiertes Doppelvinyl, das auch neben den Originalwerken seine originelle Art beibehält, was möglicherweise auch daran liegt, daß zuvor ungehörtes Material mit in den langen dahinfließenden Fluß der vier Mixe (pro Seite einer) eingearbeitet wurde. Eine Platte für solche, die Freude an der Retrospektive haben und der Idealeinstieg für diejenigen, denen die musikalische Welt des M. Davis noch ein Rätsel ist.
Cai Bojsen-Möller stellt in seiner "Super-Sonic Jazz Session" dem Heimhörer parallel zu einer, in Watte gehüllten Geräuschkulisse aus sphärischen Klängen und schön schwülstigen Orgelpassagen, seine Begeisterung warmer Jazzmelodien vor. Im Gegensatz zu dem auf vorigen Releases vordergründigem Techno-Beat stützt er das Ganze diesmal auf ein cheapeskes Rhythmusspektakel, fusionierend aus Disco-, Funk- und Drum&Bass-Elementen. Dieses sticht an den verschiedensten Stellen der 11 Tracks hervor, um von erneut hinzukommenden Watteflöckchen umschmeichelt zu werden. Das dänische Label April Records legt hiermit einen neuen Meilenstein, auf einem Weg, den vielleicht einmal Mu-Ziq mit Bluff`N`Limbo eröffnet hat.
Mit nur noch leichten Anklängen an Jazz, stellt die "COCKTAILS - RECORDINGS OF SUBSTANCE" (Sub-stance 19) aber noch lange kein nebenher laufendes Gebräu an unterschiedlichsten Interpreten dar. In einem Sumpf aus immer neuen Produzenten, die langsam aber sicher sich in ihren Eigenarten mehr und mehr gleichen, sticht diese Zusam-menstellung wie ein zerklüfteter Fels hervor, auf welchem schon bekannte und auch neue Artisten des Labels, wie z.B. Odd Toot, Nostradamus oder Icarus sich eine neue Manege für ihren Auftritt schaffen. Ohne sich zu weit von ihren Einflüssen zu distanzieren, beharrt jeder dennoch auf seiner Eigentümlichkeit. Durch ihr präzises Basteln an dem Grundgerüst Drum´n´Bass kommen neue Strö-mungen in jeder einzelnen Struktur auf. Sie zeigen hiermit, daß es nicht immer nur extreme Randbereiche sein müssen, um der Mu-sik einen frischen und andersartigen Charakter zu verleihen, sondern daß es oftmals auch einfach reicht, einen kleinen Schritt in ein ganz nahes, aber verborgenes Gebiet zu wagen. Sehr angenehm ist auch, daß schon zuvor veröffentlichte Titel hier fast immer in einem neuen Mix auftauchen, so daß kein bitterer Beigeschmack das durchweg berauschende Hörerlebnis trüben kann. Schade allerdings ist das Titelverhältnis, an dem der schwarze Rillenträger gegenüber dem Silberling im Verhältnis 8 zu 12 den kürzeren zieht.
Eine weitere Zusammenstellung klanglicher Erlebnisse aus unterschiedlichsten Randbereichen eines Genres bietet die "FAST FORWARD", eine Infracom Labelcompilation, an. Ohne strukturell ähnlich zu sein, harmonisieren hier die einzelnen der zehn Track´s von u.a. Megashira, Hacienda, Shantel und Tri Top zu einer funk´n´bassigen Melange. Musik die sich sowohl in der Clublandschaft wiederfinden läßt, als auch im Heimhörbereich ihre Schönheit zu präsentieren weiß. Am Schluß der ca. 70 min. Spielzeit taucht man dann noch 9:50 min lang mit Kosma in einen klanglich filigranen "Mikrokosmos" ein,
der den Lauschenden sanft zurück in die Altagsgeräusche geleitet.
Aus diesen bauen sich dann im Verlaufe der neun Stücke der "DOTS&DASHES" (Form&Funktion 005) neue abstrakte Arrangements auf, die mit ihren ambienten und jazzigen Charakteristika leichte Parallelen mit Source Direct oder Photek aufkommen lassen. Aber dennoch schaffen es Dejan Samardcic und Daniel Myer nach ihrer "Aircutter"-Maxi nun auf dem Debütalbum, mittels tiefsinniger Bassarrangements und polyrhytmischen Drumcodes sich eine eigene Ebene zu erschaffen: In welcher kristallklare Luft nur durch präzise gesetzte Tonarrangements in kleine Stücke geschnitten zu sein scheint und sich einem immer neuen Zusammensetzungsprozeß unterzieht. Eine CD, die einem Suchbild gleicht, wie geschaffen ist für die Repeatfunktion des digitalen Abspielgerätes, da sie zeitlos dahinschwebt und es schafft, selbst nach häufigstem Hören immer noch neue obskure Geräusche oder Rhythmusmuster an die nie zu Ende gehende, filigran verzierte Oberfläche zu schwemmen.
Auf andere Art, aber auch scheinbar endlos hörbar zappeln die 31 Tracks der "FUNKUNGFUSION" Doppel-CD durch den Verstärker. Witzig und charmant, jazzig und soulig, schnell und verrückt, soft und melancholisch präsentieren Ninja
Tune (ZEN CD 33) ihre Künstler und deren Werke aus der jüngsten Vergangenheit. Lohnenswert für all die, die nicht das Bedürfnis verspüren, jede erschienene Maxi des Labels sowie der Sublabel N-Tone oder Big Dada zu besitzen, da hier die Hälfte der Titel von eben diesen stammen. Aber auch der, der diese schon sein eigen nennt, wird mit der anderen Hälfte gut bedient sein, die sich aus exclusiven bzw. bald erscheinenden Werken von u.a. Amon Tobin (s.o.), Coldcut, DJ Vadim, Funki Porcini, Choco-late Weasel, DJ Food, Animals On Wheels, Journeyman, J Swinscoe und vielen anderen zusammensetzt. Eine Labelcompilation, die durch ihre Künstler und deren Eigenschaften sowie durch ihre Vielschichtigkeit und Abwechslung in sich zu einem atemberaubenden Hörerlebnis avanciert.
Angesichts so vieler nichtfranzösischer Releases ist es ein Leichtes, bei einem Croissant mit Bree heimlich zu protestieren. Als vergleichbares Ausflugsziel bietet sich ja die 12-Punkte-Niederlande an, die den in bester Lux Interior (Vocals - The Cramps) Manier über die Bühne hampelnden Guildo Horn dann doch noch auf Platz 7 katapultierten. Eine Platzierung, die vielleicht auch ein Abebben der permanenten Schlager-CD-Werbespotts zur Folge haben könnte. ][ g

Glasgow Underground Volume One
Vieleicht nicht mehr ganz so undergroundig wie vor einigen Monden, jedoch trotzdem sehr gut kompiliert. 1997 Shooting Star und Mitbegründer eines ganzen Trends , trötet heute natürlich schon im Provinz Cafe aus allen Lautsprechern. Das tut hier der Musik natürlich keinen Ab-bruch. Das Erfolgs-team McKay & Co bilden mit Ihrem Label Plattform für Qualitäts House nicht nur Made in Glasgow. Namen wie Mateo and Matos, Romanthony, und Cassio sind nur einige, die sich den Schotten verbunden fühlen. High-lights der Nine-Track Compilation: Cassios "Baby Love", welches durch den "Love the Bass Remix" zunehmend an Druck gewinnt und dem Zuhörer keine Fluchtmöglich-keit bietet. Roman-thony presents Naida und ihre Slow-Motion Fassung von "Do You Think You Can Love Me" beweist, daß man mit Filter-Intros und vokaler Stabilität in New Jersey gekonnt umgehen kann. Rundherum ein sehr straightes Tool um seinem Digital/Analog-Wand-ler einige glückliche Momente zu bescheren. ][ enco

Moodymann - Mahogany
Brown - Peacefrog

Moodymann, Moodymann, Moodymann ... diesen Namen kennt mittlerweile die ganze Welt und für DJs und Musikbesessene gibt es wohl nichts hipperes, als den KDJ-Backkatalog zu lesen und die noch fehlenden Scheiben nachzubestellen. Dabei war Kenny Dixon Jr. bis vor wenigen Wochen ein unbeschriebenes Blatt, daß in den Tiefen Detroiter Under-grounds vor sich hin musizierte und ab und an mit einer gelungenen, jedoch raren Aus-kopplung erfreute. Nun liegt also Moodymanns erstes Album vor (ers-tes deshalb, weil man "A Silent Introduction" weniger Album, sondern mehr Compilation bereits veröffentlichter Stücke nennen muß), das auf seine Weise die Tiefen "schwarzer" Mu-sik ergründet. So stößt man auf mit Gospel-gesang verknüpfte Housebeats, kräftige Dissonanzen oder lauscht anderthalb Zen-timeter lang dem Äther. Wer Moodymann bereits seit längerer Zeit kennt, für den ist diese Platte nichts Neues, und doch können jene Menschen wohl am besten nachvollziehen, warum ich jedermann zum Kauf dieses Albums empfehle. ][ mb

V.A. - No Categories - Ubiquity
Compilations wie diese sollten mittlerweile nicht nur für Freestyl-isten interessant sein, gibt es darauf doch immer wieder das ein oder andere Stück zu finden, das man als Singleauskopplung so nicht (mehr) in die Finger bekommt. So sammelte also auch Ubiquity einen Quer-schnitt verschiedenster Musik aus ihren Archi-ven und haben somit eine gelungene und abwechslungsreiche Compilation vorzuweisen. Besonders erwähnt sei hier noch der Bobby Matos Remix des Rainer Trüby Trios, die zeigen, daß jene alten Klassiker auch für den heutigen Dancefloor geignet sind. ][ mb

Eric D. Clarke - Fur Dancefloor - Ladomat 2000
Eric ist ein Mensch, der für den Dancefloor geboren wurde. Wenn er nicht gerade als Teil jener bekannten Kölner Dreifaltigkeit zugange ist, bekommt man von ihm sämtliche Varianten elektronischer Tanz-musik zu hören. Eine flüssige Bewegung von Disco über Garage bis hin zu experimentellem House. Doch gerade diese Bewegung und Stilvielfalt vermisse ich auf seinem ersten Solo-Album, sind die meisten Stücke doch insgesamt nach längerem Hinhören zu gleichtönig und geradlinig. Doch Eric D. Clarke wäre nicht er selbst, wenn nicht doch die ein oder andere Überraschung in seiner Produktionswei-se zu finden wäre. ][ mb

Hans Platzgummer & divinités irritées - Fingerfood - disko B
Disko B Alben sind bei mir immer ein willkommener Schmaus, wenn nicht musikalisch dann doch zumindestens optisch. Leckere Cover-designs und aufwendige Booklets bereichern die Sinne. Zwar hab ich die mitgelieferten Rezeptvorschläge noch nicht gekocht, doch bezweifle ich stark, daß deren Verzehr die Musik der Herren Platzgummer, Potuznik und Sauer wesentlich besser klingen läßt. Denn mit Ausnahme von "Discofox" und "L´homme machine" sind die Tracks etwas zuviel reduziert worden und sind so nicht mehr in der Lage, über längere Zeit hinweg das Interesse des Zuhörers zu wecken. Zuviele Köche verderben halt doch den Brei. ][ mb

Max Reich - Few Hours Left - Millenium
Max Reich beschert uns hier mit einem grundsoliden HouseBeat, ab und an durch Scratches, Samples und AcidLines bereichert. All dies sorgt für Tracks, die kräftig nach vorne gehen, es aber genau dabei belassen. Alles in allem also ein Album, von dessen Machart es schon schlechtere, aber auch deutlich bessere zu hören gab. ][ mb

Kerri Chandler - Things for Linda EP - Downtown 161
Downtowns first Lady, Linda Perone, dürfte angesichts des Umzuges in die neuen Büro-räumlichkeiten sowie dieser gelungen 4 Track EP wohl Zufriedenheit
ausstrahlen. East Orange own`s Mr. Chandler liefert Jazz betonte Urban Sounds für die Downtown Posse. Cham-pion der durchweg knackigen EP dürfte "Moving in" sein, dessen Charme und Esprit sich so schnell niemand entziehen dürfte. Markantes E-Piano, gestützt durch gleitende Strings, erzeugt sommerliche Freudeneskapaden. ][ enco

DJ Gilb´R - Espece Funk - U-Star
Gilb´R und die Idjut Boys in Kooperation mit dem Mut und dem Willen, die Gitarre als elektronisches Instrument wiederzuerwecken. Gilb´R liefert ein locker funkiges DownTempo-Stück ab, das mit rotierenden Fendersounds kräftig die Hüften schwingen läßt. Die Idjut Boys lassen Bass und Gitarre noch ein Quentchen knackiger klingen, das gesamte Stück wirkt aber wesentlich ruhiger und schwebt so wahrlich im Raum. ][ mb

Marshmellow - Soulpower - Buggy - Infracom!
Neben Rainer Trüby gehören vor allem die Berliner Jungs von Jazzanova zu den aufstrebenden Aktivisten der, um zwei jener lästigen Teufelswörter zu gebrauchen, Acid- bzw. Disco-Jazz-Szene.
Warum hier von Jazza-nova die Rede ist, liegt schlichtweg daran, daß die Marshmellow-Mixe von Soulpower und Buggy einfach nicht an den Jazzanova-Remix rankommen. Denn dieser überrascht mit gerade jenen 3/4-Beat- Drums, die wir im Hinblick auf Trübys anstehendes Album er-warten (siehe dazu auch das Interview in dieser Ausgabe). Ganz nebenbei prägt sich noch eine sanfte Frauenstimme ins Ge-dächtnis ein, und so sollte es nicht verwundern, wenn man am nächsten Tag immer noch "Soulpower" vor sich hinpfeift. ][ mb

Terry Callier - Love Theme from Spartacus - Talking Loud
Die Rare Groove Le-gende meldet sich nach jahrelanger Abstinenz zurück ins Show Biz'. Love Theme ... besticht durch vokale Brillianz und Emotionalität. Calliers Stimme wird durch den Remix des Deepness Magiers Roy Davis nachhaltig ge-pusht. Feingefühl und Ästhetik bilden das Fundament für die gekonnte Bearbeitung. Metastasen aus Bass und Genialität definieren Tiefe zu einem neuen Rausch. ][ enco

Brixton - Sub-sonic - Holzplatten 23
A.Crash - Exportation EP - Holzplatten 24
Brixton - Gesellschaft Differenz - Holzplatten 25
Yamaoka - Do-ya - Holzplatten 26

"Kennt ihr schon" ist ein Titel der Nummer 25 und das trifft sicherlich auch auf diese Vierer-Offensive des Düsseldorfer Labels zu. Aber mal ehrlich, wirklich Neues ist derzeit nicht existent, und wenn Altbewährtes so klingt wie Holz 23-26, ist man dann doch nicht allzu unzufrieden. Auch wenn die Jugend derzeit scheinbar lieber die Musik ihrer Eltern hört, das ist die Tanzmusik der Neunziger, monotone, treibende Techno-tracks (ja, ich spreche das T-Wort ungeniert aus und fühle mich gut dabei), die Dich die böse Welt und wunde Füße schlicht vergessen lassen. DJ-Tools vom feinsten, von denen zwar eigentlich keines besonders heraussticht, aber alle todsicher auf dem Dancefloor funktionieren. Danke (. . . ) ][ motik

Shy FX - Bambaata/Funksta - Ebony
Während die Urban Takeovers ein Hip Hop-Thema nach dem anderen verbraten, generiert der Jump-Up-Wolf im stillen Kämmerchen zu neuer Maxime. "Bambaata" ist vielleicht die Überraschung des Jahres, weil der Track a) ausgerechnet von Shy FX ist und b) einen neuen Stil hervorbringt, der ansatzweise überall zu spüren war, aber nirgendwo so direkt umgesetzt wurde wie hier: Drum'n'Bass vs. Latin-Percussion. Eine Beat-struktur, die sämtlichen Freiraum zwischen dem TwoStep-Break ausfüllt und vermutlich von "Rappers Delight" ge-samplet wurde. Mehr gibt's dazu auch nicht zu sagen, denn der Track verzichtet auf große Soundeskapaden und ist neben seiner Originalität ein astreines DJ-Tool. Andere Seite ganz andere Baustelle: "Funksta". Mit James Bond-Charakter und Orches-ter-Hit rollt das hier durch die Landschaft und hätte nach hinten raus ruhig noch ein wenig an Intensität zulegen können. Mit "Funksta" strahlt Shy FX eine Fröhlichkeit und Verspieltheit aus, die bei den True Playa'z allmählich verlorenzugehen droht. ][ lightwood

Ryme Tyme - Control/Stimulant - Saigon
Die Fortsetzung des No U-Turn-Sounds hat auf sich warten lassen, aber hier ist sie und wahrscheinlich besser als erwartet. Ryme Tyme (sonst als MC tätig) veröffentlicht auf dem scheinbar auf Eis gelegten No U-Turn-Tochter-label Saigon in erstklassiger Qualität seine Debut-Maxi, auf der wir keine Ecken und Kanten finden, sondern saubere, energetische Tracks, wie wir das aus dem Hause Nicos gewohnt sind. Beson-ders "Control" kickt ungemein frech und zaubert Analogbässe, die dir noch tiefer als bisher die Magengrube aushöhlen. Pure Elektronik weist auch "Sti-mulant" auf und zeigt, daß TwoStep noch nicht am Horizont verschwunden ist, aber schließlich sind wir hier ja auch bei den Erfindern dieses Genres. P.S.: Ausschau halten nach neuer Saigon-LP! ][ lightwood

A Guy called Gerald - Radar Systems - Juice Box
Ein Lebenszeichen des Drum'n'Bass-Ausnah-mekünstlers, dessen LP-Klassiker "Black Secret Technology" letztes Jahr noch einmal neu aufgelegt wurde und der mal wieder alles derzeitig Aktuelle ignoriert. So zeigt er sich hier in erster Linie als Meister schräger Töne und origineller Samples und tischt dem Zuhörer einen nicht gerade eingänglichen, aber interessanten Stil auf. Man hat beim ersten Durchhören den Eindruck, daß die Tracks völlig überladen sind, merkt dann aber schnell, daß die vielen Sounds geschickt aufeinander abgestimmt und verwoben wurden um eine enorme Energie freizusetzen. "Fallen Prince of Heaven" ist ein Geis-terbahn-Track ohne Gleichen, der sich in extremen Sequenzen nach vorne schraubt. Eigenartig ist - vor allem bei "Radar Systems" - die Verwen-dung alter Standard-Breakbeats in Rein-form, die herrlich old-schoolig daherkommen und man glauben möchte, daß Gerald Simpson ein Leben lang von eben diesen leben könnte. Naja, vielleicht treibt er ja eines Tages auf einer Welle mit Reinforced und Goldie davon und alles beginnt von vorne... ][ lightwood


N.O.H.A. - Time & Vision (Rmxs) - Modular Music
Nach "Start" folgt hiermit die zweite Auskopplung aus dem N.O.H.A.-Album, die sich einer Remixbear-beitung unterzieht: Time & Vision. Bei genauerer Untersu-chung der Auslaufrille (da, wo bei fast jeder Drum'n'Bass-Maxi aus UK immer 'Simon - The Exchange' (einer der Top-Adressen für Mastering & Co in London) eingeritzt ist) stellen wir zunächst fest, daß die Etiketten der Dop-pelmaxi nicht mit dem Eingeritzten übereinstimmen. Als Leitfaden für den folgenden Text wähle ich also das Eingeritzte und wir beginnen mit dem Remix von Panacea, den wir auch sogleich abhaken können, da er von vorne bis hinten zu offensichtlich und flach wirkt. Greenman hingegen zeigt, was man noch so alles aus einer 303 rausholen kann, und läßt diese förmlich in seine lockeren Beats reinbrodeln. Sehr ab-wechslungsreich präsentiert sich Sasquatch (Basswerk Records), der mit allerlei Soundspie-lereien seine nicht so spannenden Beats aufwertet und vor allem nach dem Break für interessantes Sequen-cing sorgt. Zu guter letzt angelte man sich einen Produzenten aus dem Mutterland des DnB: Matrix. Ja, und wenn dieser Remix wirklich von Matrix sein soll, dann fress ich 'nen Besen oder sollte ich doch lieber nach den Etiketten gehen? Gut, was sich demnach zunächst sehr stupide (einfachste Beats, die für Matrix eher untypisch sind) und leer anhört, wird nach und nach aufgefüllt bis nach dem Break dieser Bass so wunderbar mit den Beats treibt. Alles in allem guter Durch-schnitt! ][ lightwood

In-different - Live at Pfeiffer Beach - Lab Records
Eine Compilation, die dich in eine luftig-leichte Sommeratmosphäre entschweben läßt, damit das Raffaelo wie Butter auf der Zunge zergehen kann. Zarten Schmelz und kurzweilig auch Schmalz präsentiert hier das Freiburger Label "Lab Records" auf dieser Zusammenstellung internationaler Künstler der - wie es im Presseinfo heißt - "Intelligent Ambient Scene, die sich hier zu ihren Latin- und Bossa-Wurzeln bekennen." Neben hauseigenen Künstlern erfreut man sich an Produktionen von so namhaften Labeln wie z.B. Warp, Rephlex, Sähkö und Source. Sehr akustisch und fluffy gleiten die 14 Tracks mit ein wenig Pop-Appeal hier, ein bißchen 70er-Touch da nahtlos durch den Raum, oder sagen wir besser über den Beach, ohne Lange-weile hervorzurufen oder zum Tanzen aufzufordern. Pure Laidback-Musik, die trotz Latin-, Jazz- und Gesangselementen nicht auf elektronische Spielereien verzichtet. ... und ich überlege immer noch, ob das auf dem Cover Leonardo di Caprio ist... ][ lightwood

Esplendor Geometrico - syncrotron - hymen 004
Gleichförmig bewegende, industrielle Sounds ergeben hier eine Rhyth-musstruktur gleich ei-nem Stammestanz. Da-rüber verkündet von Zeit zu Zeit ein Nach-richtensprecher, daß der Kommunismus dieses Jahr gestorben sei, wenn nicht gerade der oben mitverarbeitete Stamm seine Hymnen verlautbart. Beim Platzieren der Samples hat man nicht so genau darauf geachtet, sie immer an der gleichen Stelle starten und enden zu lassen, was dem ganzen einen leichten Livecharakter gibt. Ähnlich dem verbalen Ausrutscher des "Explosiv Weekend"-Moderators, welcher noch bei Einblendung des Werbelogos mit dem Wörtchen "FUCK" zu hören war. Auf der B-Seite befinden sich drei Remixe von ihrer CD "Polyglophone", die Anfang diesen Jahres erschienen ist. ][ g

p.a.l - marmx - hymen 005
Verzerrte Rhythmusgitter verschmelzen mit Industrial-Techno zu einer brutal agierenden Soundwand. Ähnlich den Veröffentlichungen auf Digital Hardcore Rec. steht hier der brachiale Moment im Vordergrund. Durch ambientartige Sound-scapes schaffen es pal und auch beefcake, ky-bernaut und synascape, die neben anderen für die Remixe verantwortlich sind, das ganze nicht in einem unendlichen Geräuschbrei en-den zu lassen, so daß einzelne Momente noch kristallklar hervorstechen können. Was bei beiden neuen hymen-Realeases besonders schön ist, ist die aufwendige Covergestal-tung, die aus extra für jede Veröffentlichung hergestellten Brief-marken besteht, welche, wie einst bei Laika, einfach auf die Papphülle geklebt wurden. Ein Freudenfest für Hard-core-Philatelisten. ][ g


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