| Das Drei10te stichhaltig & todsicher | ouk interview: U-Matic-X |
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Als vor 14 Jahren die ersten Jacktracks den Weg in die Clubs fanden und wenig später Pierre den Zauber der 303 entdeckte, versuchte sich der Damals-Reutlinger Denis Rusnak als Gitarrist in diversen Bands und hatte mit elektronischer Musik wenig im Sinn. Daran änderte sich auch nichts, als Techno Anfang der Neunziger seine erste Boomphase erlebte. Erst die Loveparade 1993 sollte den damals 27-jahrigen umstimmen und zu einem Kind der sogenannten dritten Generation machen. Kaum zurückgekehrt wurden Band und Job gekündigt, die Gitarre ver-, sowie 606 & 303 gekauft. Der Einstieg fiel leichter als erwartet und schon bald fand das erste Demotape seinen Weg nach Offenbach in die Harthouse-Zentrale, wo es prompt als gut erachtet wurde. Das mit einfachsten Mitteln entstandene Band ermangelte jedoch der Aufnahmequalität. Ein Studio tat Not und nach vergeblichen Versuchen war das Delirium die letzte Hoffnung. Der gute Ralf konnte helfen und 1995 debutierte Denis unter dem alter ego "U-Matic-X" auf dem Väth-Label. Da sich aber nach einiger Zeit die musikalischen Vorstellungen nicht mehr vereinbaren ließen, endete die Zusammenarbeit mit den "Geräteleihern" nach 2 Jahren. Heute lebt er als Berufstechnoider mit eigenem Studio in Ludwigsburg und verdient nebenher als Datenkurier. |

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ouk: Wer wird Weltmeister? I)enis: Ein Team aus Südamerika oder Afrika, vielleicht Nigeria. ouk: Veröffentlichst Du nur was dir gefällt oder lockt die Industrie mit großen Scheinen? I)enis: Ehrlich gesagt, habe ich es mal probiert, aber es hat nicht geklappt. Da ist immer noch zuviel von mir selbst drinnen und das ist denen dann nicht kommerziell genug. Es macht auch keinen Spaß. ouk: Gibt es ein Traumlabel? I)enis: Der Name ist nicht wichtig, es muß eben von Leuten geleitet werden, die durchblicken, die wissen was und warum sie es tun. Vor allem müssen sie mich und meine Arbeit verstehen. ouk: Willst Du durch deine Musik etwas ausdrücken? I)enis: Schwierige Frage, darüber habe ich auch schon oft nachgedacht ... Eigentlich kaum, ich mache eben das, was ich kann, was ich denke ... ouk: Abhängig von deiner Stimmung? I)enis: Nein, ich habe da so eine Art Langzeitstimmung, die ich dann beim Produzieren hervorkrame. ouk: Wie entwickelst du die Dramaturgie deiner Tracks? I)enis: Das geschieht gefühlsmäßig, unabhängig vom Denken, es passiert einfach. ouk: Gibt es Dinge, die in deiner Vorstellung vorhanden sind, bei denen dir aber die Möglichkeiten fehlen, sie auszuführen? I)enis: Ja, teilweise fehlt mir noch das Know-How oder die nötige Technik, es ist schwer, 100% das zu machen, was man vorgehabt hat. ouk: Bist du künstlerisch auch anderweitig interessiert? I)enis: Ich fotografiere ganz gerne, ich habe aber nur eine kleine Kamera, mit der ich dann ab und zu versuche irgendwelche Ideen umzusetzen. ouk: Trägt die Musik deine Ausgaben? I)enis: Eigentlich noch nicht. Daher der Nebenjob. ouk: Bist Du ein Idealist? I)enis: Das würde ich mir vielleicht nicht unbedingt auf die Fahne schreiben, aber wenn ich mir überlege, was und wie ich es mache, dann ist da schon ein Fünkchen Idealismus dabei. Wenn ich nicht von dem überzeugt wäre, was ich tue, würde ich ja auch einen Weg gehen, der mich eher zum Ziel bringen würde. ouk: Worin liegt dieses Ziel? I)enis: Ich muß von dem leben können, was ich mache. ouk: Bist Du egoistisch? I)enis: Das ist wohl jeder Künstler, der sein Ding umsetzen will. Der eine mehr, der andere weniger. Ich würde nicht über Leichen gehen, dazu bin ich zu sehr Sensibelchen und mache mir zu viele Gedanken um die anderen, aber wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann versuche ich das auch zu erreichen. ouk: Würdest du deine Freundin für die Musik verlassen? I)enis: Nie, aber das ist sowieso nur eine theoretische Frage, weil sie mich nie vor die Wahl stellen würde. Dann wäre sie auch nicht die richtige ... ouk: Denkst Du viel? I)enis: Ja, ich bin schon ein Grübler, aber das ist meistens nur Müll ... ouk: Wo liegen deine musikalischen Grenzen oder wie definierst du deinen Stil? I)enis: Das ist schwer. Meist tanzbar, wahrscheinlich weil ich das selbst gerne höre ... also so ganz abgefahren nicht, aber unkonventionelle Gedanken sind da auch schon dabei. ouk: Hauptsächlich 4/4? I)enis: In letzter Zeit schon, aber ich experimentiere gerade auch mit 6/8, weil ich ja auch aus dem klassischen Bandgenre komme. ouk: Glaubst Du an Außerirdische? I)enis: Wir haben so viel Platz da draußen, da gibt es bestimmt irgendwas, aber nicht so wie im Film, dort gibt es zu viele Parallelen zu uns. Schwer vorstellbar, daß wir die einzigen sind. ouk: Dein Lieblingsfilm? I)enis: Bladerunner ... Naked lunch, Clockwork Orange, Standard halt. Cool sind auch diese japanischen Filme wie "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" oder einer, den ich kürzlich gesehen habe, in dem jemand darin perfektioniert wird, Nudelsuppen zuzubereiten. Das ist nämlich wirklich schwierig, so eine Suppe zu kochen ... Devine fällt mir noch ein. ouk: Spielst Du bei Auftritten live? I)enis: Nicht mehr, weil sich dafür sowieso niemand interessiert. Wenn aber jemand da ist, der sich wirklich dafür interessiert, lasse ich das Dat auch gerne zuhause. Ich trete auch nicht mehr in Clubs auf, weil sich das nicht rentiert. ouk: Wo dann? I)enis: Nur noch bei Veranstaltungen. Es ist ja auch stressig, immer das ganze Zeug mitzuschleppen. Außerdem sollte man ein extra Live-Equipment haben, um nicht immer das Studio auseinanderreißen zu müssen. ouk: Wie sieht dein Studio aus? I)enis: Ein Emu-Sampler, 2 Effektgeräte, Mischpult, eine Abhöre, 909, 606 und ein MPC 3000. Es ist alles sehr klein, 9 qm ... ouk: Dann darfst Du aber nicht viel essen, sonst passt Du nicht mehr rein ... I)enis: Ja, da muß ich aufpassen. ouk: Keinen Computer? I)enis: Doch, einen Atari, aber der MPC 3000 ist mir da lieber, der hat so seine eigene Ästhetik. ouk: Wie stehst Du zu Produzenten, die nur mit dem Computer arbeiten? I)enis: Ich respektiere jede Produktionsweise, es ist ja trotzdem immer alles kreativ. Ich interessiere mich beispielsweise auch sehr für Harddisc-Recording. ouk: Welche Musik hören deine Eltern? I)enis: Meine Mutter hört volkstümliche Musik, wie das halt so ist ... ouk: Was hält sie von deinen Platten? Ist sie stolz auf dich? I)enis: Sie hat schon ein bißchen ein dahingehendes Verständnis und hat auch in gewissem Maße Gefallen daran gefunden. Stolz ist sie schon, wie Eltern halt so sind ... ouk: Was inspiriert dich ? I)enis: Gute Frage ... Töne, die bestimmte Stimmungen verbreiten. Klingt vielleicht ein bißchen komisch, aber so ist es. ouk: Du gehst also von einem Ton aus und machst dann weiter? I)enis: Ja, oder von einer Sequenz. Einer Basskick oder einem bestimmten Rhythmus. Ich sample etwas und, so blöd das klingt, frage mich dann, was sagt mir dieser Ton. Manchmal sagt er dann was und manchmal nicht ... ouk: Suchst Du nach Sounds, beispielsweise indem du irgendwelche Videobänder durchhörst? I)enis: Nein, aber das sollte ich vielleicht, keine schlechte Idee. Ich gehe an die ganze Sache nicht organisatorisch heran. ouk: Wie lange arbeitest Du an einem Track? I)enis: Das kann schon mal 2 Wochen dauern. ouk: Wie sieht es mit einem Album aus? I)enis: Das ist schwierig, weil da alle Rahmenbedingungen stimmen müssen, das darf nicht einfach so hopp-la-hopp herauskommen. ouk: Ist die Resonanz auf deine Platten wichtig für dich? I)enis: Schon, aber ich orientiere mich nicht danach. Mein Geschmack ist aber auch nicht so abgedriftet, daher werde ich doch meist in der Nähe des Allgemeingeschmacks liegen. ouk: Verkaufen sich deine Releases gut? I)enis: Ooch, schon, bei einer Auflage von 500-2000 sind bisher immer 80% und mehr weggegangen. Es dauert zwar manchmal ein bißchen länger, bis die Leute das kapieren, aber dann läuft es auch. ouk: Hörst du auch andere Musik? I)enis: Fast gar nicht. Ich mache seit meinem siebten Lebensjahr Musik und habe irgendwann aufgehört Musik zu hören. Manchmal kram ich meine alten Abba-Platten heraus, aber sonst ... die neue Mouse on Mars werde ich mir wohl kaufen, aber ich habe nur ganz wenig zuhause. ouk: Dann hat dich Auflegen wohl nicht interessiert? I)enis: Doch, eigentlich tut es das auch immer noch, aber ich hatte nie 1210er und mußte immer andere anbetteln mich mal ranzulassen. ouk: Hast Du Talent? I)enis: Naja schon ein bißchen. Das Rhythmusgefühl ist unauslöschbar in mir drin, und das Gefühl für die Auswahl habe ich wohl auch durch das Produzieren ein bißchen mitbekommen. ouk: Würdest Du mit anderen zusammenarbeiten? I)enis: Nein, dafür arbeite ich viel zu unkonventionell, eigentlich nicht professionell. So wie ich arbeitet kein Mensch auf der Welt. Außerdem muß es auch menschlich und musikalisch passen, das ist selten. ouk: Gibt es ein Video von dir? I)enis: Ja, ein Absolvent der Filmakademie BW hat die Musik von "Patterns of force" für seine Abschlußarbeit gewählt. Ein vollanimiertes Video, das sogar ein paar Mal auf Viva lief. ouk: Was bedeutet U-Matic-X? I)enis: Es gibt von Sony eine High-End-Maschine, die Umatic heißt. Bis zu ihrer Verwendung hat der Produzent noch Einfluß auf das Werk, danach ist er ihr ausgeliefert. Das X steht für das davor, also für mich. ouk: Hast Du denn diesen High-End-Anspruch? I)enis: Ja, den ich aber nie erfüllen kann ... ouk: Welches war deine erste Disko? I)enis: Spät, sehr spät. lch war nie in Diskos, das war nie so meine Welt. Es war glaube ich das Red Dog. ouk: Würdest du auch dein eigenes Geld einsetzen, um deine Musik pressen zu können? I)enis: Wenn ich es sonst nicht herausbringen könnte, auf jeden Fall. Mir geht es um die Aussage und wenn ich niemanden finde, der bereit ist diese mit mir zu teilen, muß ich selbst handeln. Nur müßte das Geld entbehrlich sein und bis dahin ist ein weiter Weg. Aber ich habe schon die Vorstellung von einem eigenen Label, unabhängig von der derzeitigen Labelflut, weil ich die Musik am liebsten bis zum letzten steuern und verwalten würde, aber das ist mit so viel Schwierigkeiten verbunden, die unmittelbar mit Musik gar nichts zu tun haben. ouk: Gab es schon den Punkt, an dem du alles hinwerfen wolltest? I)enis: Nein, aber eine Pause war schon manchmal nötig. ouk: Wie bewertest Du die Teeniemassensteuerung durch die Industrie? I)enis: Man kann es den Kids nicht vorwerfen, aber es ist teilweise traurig, was mit ihnen gemacht wird und was sie mit sich machen lassen. Man kann aber auch nicht überall Einblick haben, sich über jede Richtung Gedanken machen. ouk: Würdest Du versuchen deine Kinder von diesem Phänomen fernzuhalten? I)enis: Das ist doch kaum möglich, spätestens in der Schule werden sie damit zwangsläufig konfrontiert, aber die Kids tun mir heutzutage schon leid, weil sie sich mit soviel auseinandersetzen müssen, Medien und all das ... ouk: Würdest Du alles noch einmal so machen? I)enis: Prinzipiell ja. Natürlich gäbe es aber Möglichkeiten Dinge im einzelnen besser zu machen ... ][ motik und die unerkannten Musikfreunde
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