OUK Das Vier10te heiß & geckig gespaltene töne

Kornrauschen
   in den Ebenen von

     Catlan

Warp, das englische Label aus Sheffield feiert seinen hundertsten Realease in Form eines Samplers, der so ziemlich von jedem Act des Labels ein Stück beinhaltet. So wird Abwechslungsreichtum und Stilvielfalt dem Zuhörer garantiert, wenn er von einer Fusion aus Squarepusher und AFX in die Weiten des Drill´n´Bass gleitet, um dann in die elektronische Hippiewelt von Boards of Canada zu gelangen. Reduziertere Stücke von Plaid führen hinüber in die polyrhythmische Welt von Autechre. Das Bild wird vervollständigt von Jimi Tenor, Red Snapper, Mark Bell und schön, daß bei keinem der Stücke die Experimentierfreude, also die warp'sche Labelphilosophie, zu vermissen ist.

Auch Compost hat ein Jubiläum zu feiern. Bei ihnen ist es die 50. Veröffentlichung. Ebenfalls wird hier das Labelschaffen von den Artists der Compostfamilie dokumentiert, wobei sich die 13 Tracks aus Arbeiten der letzten Monate und fünf previously unreleasten Stücken zusammensetzen. Neben Anderen bieten hier Rainer Trüby Trio, Fauna Flash, Funkstörung, Taran und vor allem Move D eine experimentelle Melange aus Funk, Drum´n´Bass, Dub und Disco-House. Wie ein roter Faden lassen sich allerlei Jazzrhythmen in den jeweiligen Stücken finden, die die durchaus dancefloortauglichen Stücke auch zu einem Homelistening-Erlebnis werden lassen. Kleine Spielereien mit Geräuschen und Samples machen die CD, die limitiert auf 3.000 Stück mit einem Aufnäher verkauft wird, zu einem weiteren Hörerlebnis dieses Sommers.

Einen richtigen Geburtstag feiert das Ant-Zen Label aus Regensburg. Und das ist der Fünfte. Auf der Geburtstags-Doppel-CD "Ant-hology" (Ant-Zen Act 75) finden sich 28 Interpreten des Labels, die anscheinend das gesammte Schelklinger Stahlwerk mitgebracht hatten. Neben starken industriellen Rhythmen wildgewordener Stahlpressen fällt man auch zurück in endlose Ebenen ambient-artiger Soundcollagen, die wie die Ruhe vor und nach dem Sturm bedrohlich einen neuen Abschnitt darstellen. Die einzelnen Repräsentanten, die hier vereinigt sind, schaffen es, ohne negative Spannungen zu erzeugen, eine Art von experimentellen Hardcore(-Ambient) zu kreieren, und dabei progressiv auf etwas Neues hinarbeitend, alt Hergebrachtes in sich aufzunehmen, ohne es aber kopieren zu wollen. Zu diesen zählen auch Telepherique, die mit ihrer CD "v=s/t" (Ant-Zen Act 71) Industrielandschaften mit leicht drum`n´bassigen Rhythmen versetzen und hiermit musikalisch umsetzen, daß das Leben an sich von vielen Einflüssen geprägt ist. Auch Ambre finden sich auf der anniversary compilation, die, wie auch schon die zuvorige Veröffentlichung "Enclave" (Ant-Zen Act 72) hören läßt, hier den ambientigen Teil vertreten. Mit einer Vorliebe für die Einfachheit und das Wesen des Elementes, ohne auch nur eine einzige Beatstruktur zu verwenden, produzierten sie ein zeitloses Musikdokument, welches fast bewegungslos, aber nie still im Raum schwebt. Das Programm der Doppel-CD stellt darüber hinaus eine zeitgeschichtliche Abhandlung des Labels an sich dar, da sich neben den unveröffentlichten Stücken auch solche befinden, die nicht mehr erhältlich sind und die die über hundert Releases umfassende Geschichte Ant-Zens präsentieren.

Neu das Licht der Musikbranche erblickend, hat das dänische Label April Records (April 028) eine Doppel-CD auf den Markt gebracht, bei der die eine CD 10 Jazz Stücke Dänemarks, welche aus der Serie "All That Jazz From Denmark 1991-97" genommen wurden und die zweite Remixe der selben, von ebenfalls nur aus diesem Land stammenden Elektroniktüftlern beinhaltet. Dem Hörer wird es hierdurch möglich, neben den unterschiedlichsten Formen elektronischer Musikinterpretationen, sich auch mit dem Original zu befassen und ein Stück weit Einblick in die kreative Arbeit von u.a. James Bong, Rolando Posen oder The Prunes zu bekommen. Mit "All That Jazz-The Remix Projekt" ist es April gelungen, die immer häufiger werdenden Einflüsse des musikalischen Mediums Jazz im Bereich elektronischer Musik herauszuheben.

Diese Einflüsse kann auch die Cube & Sphère, ein neues Projekt bei der Cheap-Familie, nicht von sich weisen. Mit "Rorschach" (Cheap 24) ist es Hans Platzgummer und Gerhard Potuznik gelungen, leicht die Eigenarten der Showroomrecordings erneut in sich aufblühen lassend, eine funkige 12? mit drei Stücken zu produzieren, die sofort unter die Haut krabbeln und im Ohr wie Sachertorten-Schokoglasur zu schmelzen beginnen. Harmonisch weiche Geräuschbasteleien leben neben einem Gerüst aus umfangreichen rhythmischen Strukturen auf, um in sich zusammenzufallen und von neuem ihren Weg mit verändertem Gesicht nach vorne zu suchen. Wesentlich abstrakter in ihrem Erhörungsbild erklingt da die neueste Veröffentlichung auf Cheap (25) von Sluta Leta. "Lisa 94" stellt dabei in drei Tracks eine Art epilepsierenden Funk dar, der mit nur ganz wenig Tönen auskommt. Durch ein sehr präzises und vielschichtiges Arbeiten schaffen sie es, daß trotz dieser kargen Vorgehensweise ein ständiges Pulsieren zu fühlen ist - Musik, die lebt. Noch exakter als auf ihrer Veröffentlichung "Fan Club" (Mego 006) schaffen Sluta Leta es hier, durch das Zerstückeln von Rhythmen und rückwärts aufrufen von Samples ein Erlebnis für Experimental-Musikfreunde zu kreieren, das ein Wiederhören zu einem Freudenfest werden läßt. ][ g


G E S P A L T E N E T Ö N E 8 9 9 8

Festival -
Festival Resurrection -
disko B

Heinrich Tillack ist zurück. Nach seinen Werken als Sysex und Absolute wagt er sich nun unter dem Namen Festival ans Licht der Öffentlichkeit und zwar gleich mit Doppel-Vinyl-Album-Ausgabe. Aber kein Grund zur Besorgnis, denn Heinrich hat hier seine gesammelten Talente schalten und walten lassen und so ein interessantes und abwechslungsreiches Techno-Album produziert. Die Art und Weise, wie er den Beat immer wieder unterbricht, durchbricht oder gar ganz fallen läßt, erinnert mich stark an die Komponierweise von Jazz. "Festival Ressurection" ist dadurch geradezu eine Herausforderung auf dem Dancefloor. ][ mb

V.A. -
The Sound of Cologne - Sound of Cologne

"Eine prallvolle Doppel-CD mit markanten Titeln" tönt es aus der Begleitschrift und verspricht somit genau das, was diese Compilation darstellt. Eine Zurschaustellung des gesamten Kölner Repertoirs elektronischer Musik: Somit dient diese CD als guter Einstieg in die Welt des heutigen minimalen Techno-House. Der "Kölner Klang" in all seinen Facetten. Elektronische Musik, wie sie bleibt und lebt. ][ mb

Robert Görl -
Sex Drops - disko B

Purität war schon immer ein Ding von Görl und so kriegt man auch auf seinem dritten disko B Album straighte Tracks zu hören, die man auch im weitesten Sinne als "Klassischen Techno" be-zeichnen könnte. Wobei die Geradlinigkeit wohl mehr Co-Produzent Regis zuzuschreiben sein dürfte. Energetisch, mit intensiven Loops, die unaufhaltsam vorwärtspumpen. ][ mb

Forever Sweet -
Geben & Nehmen - Ladomat 2000

Eine solche Platte kauft man nicht ohne Erwartungen und wenn dann auch noch "Geben & Nehmen" als Titel zu lesen ist, ist man umso mehr auf den Inhalt gespannt. So tun Tobias Thomas, Reinhard Voigt und Michael Mayer eben genau das, was sie in schwarzen Buchstaben auf's weiße Cover drucken ließen. Sie geben wieder, was sie in ihrem alltäglichen Leben aufnehmen. Ausgewählte Samples und Beats, die ihr Leben bestimmten. Sie nehmen Musik(kultur), die sie lieben, auf und geben sie auf ihre Art weiter. So wirkt Forever Sweet stets melancholisch ernst und doch romantisch süß. Forever Sweet eben. ][ mb

Herbert -
Around the House - Phonography

Herbert scheint aus einer anderen Welt zu kommen, anders kann ich seine Art, House zu produzieren, nicht erklären. Niemand versteht es besser, stählerne Drumsounds in solch liebliche Songs, anders kann man es nicht nennen, zu verpacken. Und seit dem er mit Dani Siciliano zusammenarbeitet, befindet er sich in Bestform. Dieses mal erfreuen sie unsere Welt mit 11 lockerleichten Tracks, die einen in jedem Moment des Lebens erfreuen und erfrischen. Drum laßt es mich euch ans Herz legen: CD im Laden kaufen, im Wohnzimmer abspielen und dann zurücklehnen und genießen. ][ mb

Rancho Relaxo Allstars - Live at Luvparade - disko B
Die Chill Out-Gurus reiten wieder, um erneut die Welt in "Aaah´s" und "Oooh´s" zu versetzen. Eigentlich wollten sie ja nur Berlin unsicher machen, da ihnen aber die Behörden die Einreise verweigerten, schrieben sie ihr musikalisches Programm kurzerhand auf CD, um uns mit experimenteller Vielfalt und Einzigartigkeit zu begeistern. ][ mb

Ian Pooley -
Meridian - V2

Mit diesem Album präsentiert Ian seine gesammelten Werke zum ersten Mal auf einem Major-Label, was ja irgendwie schon immer zu erwarten war, ohne hier jetzt böse klingen zu wollen. Im Gegenteil, steht Ian Pooley doch für eigenständigen deutschen House, was man in dieser Form höchstens noch von Kollege Tonka sagen kann. Zu hören sind also Filter-Disco House, Downtempo-Stücke und ähnliches, alles perfekt gesetzt und bis ins kleinste Detail bearbeitet. Eben jene Sounds, für die wir Ian so lieben. ][ mb

Danny Tenaglia - Tourism - Twisted
Zurück zu den alten Tagen dachte er sich, denn es waren einfach die besseren Tage. Danny Tenaglia besann sich urplötzlich auf die Roots unserer Musik und so ist "Tourism" auch ganz klar dem Sound vor dem Wechsel ins neunte Jahrzehnt gewidmet. Solide Tracks mit starkem Jack-Einfluß, sehr dark und percussiv, irgendwie dann aber doch zu neu klingend und doch schon oft dagewesen. ][ mb

Wicked Wax - Vol. 4
Auf dem Weg, eine repräsentative Schau der deutschen Drum'n'Bass-Tüftler zu veröffentlichen, sind die Wicked Wax-Jungs ihrem Ziel mit diesem vierten Sampler ein ganzes Stück näher gerückt. Quer durch's Beet verbinden sich hier alle Künstler aus allen Winkeln Deutschlands, u. a. Dots & Dashes, Monophace, The Uniques, Safari FX, zu einer melodiöseren, atmosphärischeren Seite. Und das ist auch gut so, denn dieses Gebiet ist hierzulande noch zu wenig erforscht. Zwar stellt man bei den Beats und Soundpartikeln keine herausragenden Innovationen fest, aber alle Tracks bergen gute Qualität und ich habe von den hier vertretenen Produzenten auch schon schlechtere Werke gehört. Anmerkung am Rande: DJ Rinc, der sich für das A&R bei WW verantwortlich zeigt, startet demnächst sein eigenes Label mit Namen "Pathfinder". Watch out! ][ lightwood

V.A. - Tummy re-touched - Tummy Touch
Es heißt, die Briten schicken einem nie Platten! Naja, Tim "Love" Lee scheint da eine Ausnahme zu machen. Schließlich hat er sich die Mühe gemacht, seinen gesamten Back-katalog nach unveröffentlichten Mixen durchzuforsten, um sie dem Licht der Welt preiszugeben. 12 trippige Stücke also, die das breite Spektrum der Labels Tummy Touch und Peace Feast aufzeigen, das von gemächlich sphärischen, aber gekonnt umgesetzten Sounds der Idjut Boys bis hin zur Elektro-hymne reicht. Alles in allem also eine runde Platte, mit einem besonderem Leckerbissen in den Linernotes. ][ mb

Frédéric Galliano -
Espaces Baroques -
F-Communications

Mit Frédéric Galliano ist ein Mann unter uns, der in der Lage ist, den Stand der (musikalischen) Dinge zu ändern, jemand der durch seine Musik die Musik im Ganzen einen Schritt nach vorne bringt. Zusammen mit Lionel und Stephane Belmondo sowie Louis 2000 hat er diesen Schritt bereits gemacht und ein Jazz-Album geschaffen, wie es jazziger nie sein kann. ][ mb

4 Hero - Two Pages - Talkin Loud
CD & Vinyl, Reinforced & Talkin Loud, Marc & Dego, Detroit & Jazz, Acid & R'n'B, elektronisch & instrumental, dark & schön, malerisch & auslöschend, stimmig & sprachlos, langsam & schnell, musikalisch & technoid, heldenhaft & spielerisch, melodiös & trocken, soulig & hart, deep & high, komplex & reduziert, verrückt & normal, eingängig & gewöhnungsbedürftig, programmiert & live, orchestral & einstimmig, vertrackt & straight oder ganz einfach: Drum & Bass. ][ lightwood

Red Snapper - Bogeyman - Warp
Mit Red Snapper liefert uns Warp einen erstklassigen Act, der es versteht, Musik im Stile von Wise Guys zu produzieren und dabei stets sein eigenes Ding fährt. Vor einem Langeweile-Effekt, der bei Platten dieser Art gerne mal auftaucht, bleibt man hier verschont, im Gegenteil, der Hauch einer Live-Band, der in dieser Platte steckt, läßt einen stets das Bein mitswingen. Die Remixe klingen dagegen wesentlich elektronischer, dabei aber (leider) auch müder ][ mb

Electric Soul - A New Song - People
Und wieder arbeitet sich ein unbekanntes Label durch gekonnte Releases an die Öffentlichkeit. Aber das ist bei den Engländern mittlerweile ja nichts neues, haben Labels wie Nuphonic, Glasgow Underground oder Pan selbiges ja bereits vorexerziert. Spätestens nach dieser Platte sollte dem bewußten Platteneinkäufer dann aber klar sein, daß People ein Muß auf der Anhören-/Einkaufen-Liste sein sollte. Denn Electric Soul verstehen durch wohlklingende Orgeln und dezent eingestreute Vocals ein sommerliches Gefühl aufkommen zu lassen, ohne im geringsten verspielt zu wirken. Down-Tempo-House, bei dem man sich wohlfühlt. Auf Seite A geht es dann, zumindest dem Anschein nach, etwas schneller voran. Dafür stört der Pseudogesang, so daß man mit der Rückseite deutlich besser bedient ist. ][ mb

Afro Elements - Lagos Jump - Ibadan
Kult Nummer 16. Und dieses Mal wieder ganz oben dabei. Ibadan gehört mittlerweile ja zu jenen Sammelobjekten, die, wie z.B. Guidance-Platten, in jeder anständigen DJ-Kiste zu finden sind, aber äußerst selten gespielt werden. Was bei "Afro Elements" ein klarer Fehler ist, geht diese Platte, bestehend aus Batucada- und Bongo-Loops so-wie AltoSax-Riffs, doch mächtig nach vorne, ohne dabei im Geringsten an Virtuosität zu verlieren. Nach Escravos de Jo ist dies sicherlich eine der interessantesten Ibadan-Veröffentlich-ungen und sollte ruhig des öfteren den Weg auf den Plattenteller finden. ][ mb

Fuzz against Junk -
Country Clonk -
Nuphonic

New Wave und 80er-Samples sind im Kommen, und nach einer Theorie meinerseits wiederholt sich Kultur, Mode und Musik sowieso alle 20 Jahre. Nuphonic liefert zu-mindest ein eindeutiges Indiz dafür, denn mit Country Clonk ist der rauhe New Wave-Bass wieder mitten unter uns. Und spätestens beim Erklingen guter alter Mark Knopfler Gitarrensounds dürfte auch das Interesse des letzten Alt-Achtziger geweckt sein. Die DownTempo-Drumsektion sorgt für den Rest und somit für eine äußerst hörenswerte Platte. ][ mb

Kerri Chandler -
The Mood Ep -
Nervous
Der Trend geht weg vom großen Dancefloor-Knüller hin zu deepen, gefühlvollen Tracks. Kerri Chandler war stets in der Lage, beides zu beherrschen, wobei seine deepen, fast hymnenartigen Klassiker ("Atmosphere", ...) stets die besseren waren. So verhält es sich auch mit dieser Maxi, auch wenn sie für den ein oder anderen größtenteils zu verspielt wirken dürfte. Mit "Rain" dringt dann auf jedenfall eine der schönsten Houseballaden der letzten Monate durch die Lautsprecher. Das säuselnde Piano und der harmonisch dazu summende Bass versetzen einen sofort in Trance, wodurch man dann gnadenlos jener grandios-männlichen Stimme ausgesetzt ist. Doch damit nicht genug, denn am Ende bemerkt man, daß das so einfach erschienene Drumpattern einem die Hüfte hat wundswingen lassen. ][ mb

Azymuth - Supa Re-Rubs - FarOut
Ich will nicht länger über die Daseinsberechtigung von Deep House philosophieren, schließlich müßte inzwischen auch der verpeilteste Raver gemerkt haben, wie sinnesbetörend jene tiefen Bässe und melancholischen Key-boardlines sind. Wer sich dem also nicht entziehen will, oder noch besser, solches schon immer geliebt hat, sollte sich eben genau diese Platte unter die Nadel reißen. Denn mit "Jazz Carnival" haben die Jungs von Global Communication einen der schönsten Azymuth-Tracks geremixed. Das solch ein Remix dem Original nur ganz wenig nachsteht, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Schließlich will ich euch nicht länger aufhalten. ][ mb

Rainer Trüby Trio -
Gallicia - Compost

Im Schwarzwald vermag man House immer mehr zu schätzen und setzt sich mit Freude daran, neue Ideen einzubringen. Gallicia ist ein gelungener House-Track, bei dem die Vorlieben für lateinamerikanische und brasilianische Musik gekonnt mit eingeflochten sind. Ein lockerer, perkussiver Beat wird von einem knackigen Fender unterlegt und sorgt für kräftiges Mitwippen. Einzig die kitschigen Streicher-einsätze hätte man etwas dämpfen können. ][ mb

Jasper Street Co. -
A Feelin´ (Spensane Remix) - Basement Boys

Es gibt nicht viele House-tracks, die sich dank ihrer Qualität über all die Jahre hinweg bewähren. "A Feelin´" ist in dieser Hinsicht besonders bedeutungsschwer. Das Original verschaffte nicht nur dem frischgeborenen Basement Boys-Label äußerste Aufmerksamkeit, sondern zählt eben zu oben genannten Perlen der Musikgeschichte. Das der etwas später auf Azuli erschienene Remix von Lenny Fontana dem Stück eine neue Note versetzte und ebenfalls in die Geschichte einging, wollte erst keiner so recht wahrhaben, aber so war dem nunmal.
Spen verleite diesem Klassiker nun dem zur Zeit extrem en-voguen Jazzhauch und sollte es Lenny damit gleichgetan haben. Ein virtuoses Saxophon führt durch das gesamte Stück und verbindet gekonnt die leichten Hammondklänge mit den geliebten Vocals. Ich habe das Gefühl, daß dieses Stück einfach nicht totzukriegen ist. ][ mb

Popacid - When love breaks down - Popacid 001
Ein neues Label. Ein neues Konzept? Verblüffende Ähnlichkeit weist das Logo mit dem von Profan auf. Kein Zufall, denn Profan hat mit Ladomat "zusammengeworfen" und heraus kam Popacid. Ja, vielleicht ist das Pop und vielleicht ist das auch Acid. Herrlich provozierend wirkt jedenfalls der Name, wobei die 4 Tracks der 001 bei intensivem konsumieren komischerweise doch als gewöhnlich einzustufen sind. Catchy Melodien treffen auf 4/4-Bassdrum, Gesang ist kein Tabu und die Gitarre bezirtst die 303. Formationen wie Zimt, Dom oder eventuell auch Andreas Dorau könnten dafür Pate gestanden haben und es ist auch nicht auszuschließen, daß der eine oder andere von ihnen dahinter steckt. Das Schöne an der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, daß hier, wie so oft aus Köln, der hohe Anspruch an die Musik durch eine gewisse Prise Humor gestärkt wird. ][ lightwood

Deep Blue - Destroyer - Partisan 011
Interessant. Deep Blue sollte man in nächster Zeit strengstens im Auge behalten, denn was er hier (und z.B. auch auf dem Partisan-Sampler als Remixer) verbricht, weist neue Wege auf. Mit "Thursday" (Moving Shadow 82) im Ohr ist der produktive Werdegang bei "Destroyer" dann schon wesentlich einleuchtender, weil es im Prinzip nur die Weiterentwicklung dieser ganz speziellen Beats sind: Beats ohne vordergründige Bassdrum mit stark perkussivem Latin-Einfluß und völlig veränderter Betonung in der Struktur. Zunächst einmal erscheint das gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim DJ-Set im Mix mit straighteren Platten funktioniert es prächtig. Die begleitenden Flächen und elektronischen Sounds runden die Sache dann gekonnt ab. Was ich nicht so ganz verstehe ist die Flipside mit "Oceans above life". Hier natürlich auch wieder Beat-experimente, wobei eventuell die Schnittstelle zwischen gerader und versetzter Bassdrum ergründet werden soll. ][ lightwood

Kirsty Hawkshaw - Leafy Lane (Matrix Remix) - Coalition
Matrix bevorzugt zur Zeit nur Remixe und ich weiß auch warum. So braucht man sich nämlich keine Sängerin extra ins Studio zu holen, wenn man die wunderschönsten Gesangsspuren schon fertig auf Band zum Remixen bekommt. Und in diesem Fall kann sich Matrix glücklich schätzen,denn er liefert hier die momentan beste Umsetzung eines Drum-'n'Bass-Tracks mit Gesang ab. Das ist Butter! Dieser Tune schwebt über dich hinweg und du fragst dich nur noch: Bin ich schon im Himmel? ][ lightwood

Fortran - Place to be - Metro 003
Witzig, daß diese Scheibe schon eine ganze Weile bevor ich die Promo im Laden habe ergattern können, in den D.eutschen C.lub C.harts auftaucht. Dubplate hin oder her, Promo her oder hin, Fortran aka Ed Rush und Optical, das derzeitige Dream Team (Warum ist eigentlich die Virus 002 nicht mit "Fortran" betitelt?) liefern hier kickendes Material ab. "Place to be" lebt von einem metallartigem Bass, der die ganze Zeit versucht mit seinen verschiedenen Emulationen die Luft zu zerschneiden ohne dabei müde zu werden. Die Rückseite fängt nach sehr langem, aber gutem Intro an, jede Menge Blubberbässe auszukramen und, begleitet von einer HiHat-Armee, auf die Reise zu schicken. Zwei Partycrasher! ][ lightwood

Prymer - Unleash EP -Black Beat Productions 002
Der Heidelberger Assign heißt jetzt Prymer, weil der Name schon vergeben war, doch Qualitätseinbußen bringt das natürlich nicht mit sich. Zunächst einmal kann man bei "To the surface" genießen, wie über 11 Minuten und 15 Sekunden mit gerade einmal 2 Akkorden ein abwechslungsreicher (!) Track entsteht, der wohliger nicht sein könnte und jeden noch so starken Kaffee versüßt. Ein Saxophon-Sample als Intro und Outro und das "Jazz"-Vocalsample drängen hier zwar in ein bestimmtes Klischee, aber das haut dem Faß noch lange keinen Boden aus. Auf der B-Seite befinden wir uns dann wieder auf einer ganz anderen Baustelle. Die Gefilde des ambientartigen Drum'n'-Bass ergründend, rollt "Electroshock" in monotoner Verfassung kühl und magisch durch eine Tropfsteinhöhle. Der anschließende Remix von Simon V verwandelt das Ganze dann noch in ein heftig kickendes Soundgewitter inklusive am Ende abstürzender Acidbassline. Fazit: eine vielseitige EP für Haus- und Club-gebrauch. Simon Vs zweites Release auf Santorin ist übrigens in den Startlöchern und wird demnächst die Clubs erbeben lassen. ][ lightwood

Basslab Productions - Midnight X.Press - Sub.Version 001
Einen Produzenten nervt wie ehrt es wenn er mit Stars aus der schon bekannten Producerszene verglichen wird. So wird der Göppinger Cornelius Klaus aka Basslab Productions schon bei seinem Debut auf diesem neuen aus Ravensburg stammendem Label nicht drumherum kommen in einer Linie mit Photek und Dots & Dashes genannt zu werden. Wir betrachten "Midnight X.Press" und stellen fest, daß hier eine Vorliebe für Beat- und Soundfrickelei vorliegt. Genau das fängt mir immer dann an zu gefallen, wenn die Struktur nahezu undurchschaubar wird und die einzelnen Elemente perfekt zueinander passen. Beides trifft hier zu 95% zu und auch im Aufbau steigert es sich während den leider nur 4 Minuten. Auf der anderen Seite das straightere "Sunset before dawn", bei der verschiedene Standardbeats kombiniert werden, ein paar uninteressante Bässe auftauchen und lediglich die Melodie überzeugt. Was mich hier aber vor allem stört, sind die ungenau übereinander gepuzzleten Beats und das schlechte Mastering. Nichts-destotrotz bleibt dieses Debut wegen der anderen Seite schwer empfehlenswert und ich hoffe, daß weiterhin in diese Richtung gewerkelt wird. ][ lightwood


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