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Wer
nichts produziert, ist nichts wert. Einfach aber wahr, zumindest wenn
man mal die internationale DJ-Riege betrachtet. Wieviel Pro-duzenten gibt
es, die, um schnell noch ein wenig vom großen Glück zu erhaschen,
auf den DJ-Zug aufspringen und dann prompt über den ganzen Globus
hinweg gebucht werden?!? Das Resultat am Abend selbst ist dann meistens
mehr recht als schlecht. Selbst wenn der eigentliche Musikgeschmack stimmt,
ist es immer noch ein Zweites, diesen gekonnt aufs Parkett zu legen. Wirklich
gute DJs hingegen kommen selten aus ihrer Heimatstadt heraus, und selbst
dort ist ja bekanntlich der Prophet nichts wert. Ein solcher ist Mad Mats,
DJ aus Schweden und, würde er eine Produktion auf einem angesagten
Label veröffentlichen, in einem Atemzug mit Leuten wie Rainer Trüby,
Gilles Peterson, Norman Jay oder gar Louie Vega zu nennen. Ja, wenn eben.
ouk: Wer bist Du?
Mats: Der grüne Mann aus dem All.
ouk: Wann und wie hast Du mit Auflegen angefangen?
Mats: Ich habe Mitte der Achtziger als Scratch- und HipHop-DJ angefangen.
Ich habe des öfteren bei HipHop-Jams aufgelegt, vor Public
Enemy oder Run DMC zum Beispiel. Ich hatte anfangs also
all diese Breaks, einfach Millionen von Breaks. Irgendwann habe ich mir
dann die Songs ganz angehört und so fing ich dann an, die Originalplatten
zu den jeweiligen Samples zu sammeln. Dadurch kam ich dann auf Soul, Funk
und Jazz. Anfang der Neunziger stieß ich dann durch Blaze, CeCe
Rogers und Marshall Jeferson auf House und dann kam auch schnell Techno
und Drum´n´Bass dazu. Prinzipiell mag ich einfach alles mit
einem Groove drin. Also weniger harter Techno oder harter Drum´n´Bass.
Ich liebe einfach das soulige Zeug. Musik muß für mich einen
Groove haben, der dich nicht nur zum Reagieren sondern zum Tanzen bringt.
Ich mag es nicht, wenn Musik nur als Adrenalin-Kick dient. Es muß
ein gewisses Gefühl dabei sein.
ouk:
Was Du ja auch mit deinem früheren Boogaloo-Projekt versucht hast.
Wie kam Boogaloo denn zustande?
Mats: Boogalo war ein Ableger von 3 pieces of a puzzle, ein noch früheres
Projekt. Wir waren aber genau dieselben Leute. Wir hatten damals eine
12" produziert, die ein recht großer Radio-Hit in Schweden
war. Das Album brachten wir dann aber unter dem Namen Boogalo herausgebracht.
Das ganze war von mir produziert worden und hatte viel Rap drin, da es
in Schweden ziemlich schwierig ist, Musik zu machen, die nicht auf die
Charts zielt. Ohne die Rap-Passagen hätten wir das Album wohl gar
nicht erst machen können. Deshalb war ich auch nie richtig damit
zufrieden. Lustigerweise verkaufte es sich in Japan ca. 60.000 mal, während
es in Schweden gar nicht erst herauskam.
ouk: Wenn Du von Schweden sprichst, meinst Du eigentlich
Stockholm, oder?
Mats: Ja, ja. Fast alles spielt sich in Stockholm ab. Es gibt nur ganz
wenige Veranstaltungen außerhalb Stockholms. Lustigerweise kommen
jedoch die meisten Musiker vom Land und sind erst später nach Stockholm
gezogen.
ouk: In einem englischen Magazin stand mal, daß Stockholms Night-Life
tot wäre. Ich jedoch hatte mehr den Eindruck, daß sich dort
einiges tut und sich auch eine große musikalische Vielfalt entwickelt
hat.
Mats: Naja, eigentlich muß ich dem Magazin recht geben. Stockholm
ist wirklich tot. Es ist einfach keine gute Stadt, was die Musik angeht.
ouk:
Aber in eurem Club Fusion habt ihr an einem Mittwoch Abend
bis zu 1.500 Besucher, die dann bereits um 21.00 Uhr in einer großen
Schlange vor der Türe stehen. Was ist das Geheimnis von Club
Fusion?
Mats: Nun, Club Fusion ist deshalb so populär,
weil es nichts anderes in Stockholm gibt. Die meisten Leute in Schweden
sind keine Musikliebhaber. Sie gehen nicht aus, um Musik zu hören,
sondern um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die Leute finden
die Musik angenehm, aber sie tanzen nicht dazu. Meiner Meinung nach muß
man aber zu Dancemusik tanzen, um sie zu verstehen. Du kapierst es nicht,
wenn Du bloß am Rand stehst und mit deinem Kopf dazu nickst. Du
mußt dazu tanzen, um die Musik fühlen zu können. In Stockholm
jedoch sehen die meisten Clubs so aus: Ein riesige Bar, und nur eine kleine
Tanzfläche.
ouk: Wie entstand der Club Fusion
denn dann?
Mats: Club Fusion wird von 3 Leuten gemacht. Claas Bodeen,
Jonas und mir. Claas ist eine sehr berühmte Persönlichkeit in
Schweden. Er organisiert Clubs bereits seit den späten Achtzigern.
Er hat einfach alles gemacht: HipHop-Clubs, große Diskotheken, Underground-Clubs
... alles. Er ist auch ein DJ. Jonas arbeitet für Polygram und ist
dort A&R. Wir haben Fusion vor zwei Jahren gegründet.
Damals war ich ziemlich verärgert über die Stockholmer Clubszene.
Also entschieden wir uns für ein etwas ´anderes´ Konzept.
Wir nahmen einen Mittwoch als Veranstaltungstag. Ein Tag also, an dem
man gewöhnlich nicht ausgeht. Wir verlangen 3 Pfund an der Türe
und jeder muß bei uns zahlen. Es gibt bei uns keine Gästeliste.
In Schweden hast Du nämlich das Problem, daß es immer endlose
Gästelisten gibt. Dadurch machst Du als Veranstalter kaum Geld, da
fast alle umsonst reinkommen. Bei uns hingegen muß jeder zahlen,
auch meine Freundin. Dadurch sind auch alle Gäste gleich, es gibt
kein Gerangel in der Schlange und es ist einfach gerechter. Das hat auch
sehr gut funktioniert. In letzter Zeit wird Fusion dann allerdings
doch ein bißchen zu hip ..... Alles in allem haben wir es aber geschafft,
die Augen der Leute ein wenig zu öffenen. Dazu trugen auch die Gast-DJs
enorm bei. Vor allem Jazzanova und Rainer Trüby haben den Leuten
zu erkennen gegeben, daß es mehr als nur Charts-Musik gibt.
][ das etwas andere Rainer Trüby Trio (Rainer Trüby, edl und
mb
List of 10 Favourites:
1. Luther Vandross -Are You Using Me (MAW Mix) (EMI)
2. Pete Terrace -Zee Pee (Mio)
3. Ian Pooley -What´s Your Number (Jazzanova Rmx.)
4. Kinetik Soundsystem -Music is My Life (Salvage)
5. Miyazawa -Anos (R. Trüby Trio Rmx.) (AfroSick)
6. Elsa Soarez -Amor Perfeito (Odeon)
7. Ivan Chandler Quintet -Final Approach (Greyhound)
8. Justice -West Side Center (DJ Pulse Mix) (Substance)
9. Hotel Turm -Servus Mr. Bond (Slate)
10. Dennis Yost & Classics IV -All in Your Mind (MGM)
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