OUK Das Fünf10te malerisch & bildend ouk interview:
Johnny Octopus

Johnny Octopus


Touren, Promoten, hier und da Auflegen, die eigenen Platten unter das Volk bringen, Magazine lesen und dann alles nochmal von vorne. Der Alltag eines Label-Inhabers ist hart, besonders wenn man damit seinen Lebensunterhalt verdienen muß. So ist auch Johnny Octopus, seines Zeichen Inhaber des Octopus-Labels, eine schillernde Figur im Musikbusiness. Blaß, mager und ein wenig abgearbeitet kommt er einem vor, was angesichts seines Promotion-Tourplans keine Verwunderung ist. Im Gespräch erweist sich der ehemalige Philosophiestudent dann doch recht flink und aufgeweckt, und fängt so denn auch gleich an zu erzählen ...

ouk: Stellt der Oktopus mit seinen vielen Tentakeln die Vielfältigkeit des Labels dar?
oct: Jetzt ja, aber es war anfangs nicht so gedacht. Erst als ich anfing das Label musikalisch sehr vielfältig zu gestalten, paßte das dann ganz gut. Der Name kommt eigentlich von einem Comic: Spiderman. Dort gab es eine Figur, Dr. Octopus, und der wurde umgebracht - sechs Monate bevor ich das Label startete ... in memory of Dr. Octopus.

ouk: Label-Philosophie?
oct: Anders zu sein, im Bereich “Dancemusic” nicht das gleiche wie alle anderen zu machen! To be original! Octopus-Platten sind irgendwo sehr “strange” zusammengestellt. Das Artwork unterscheidet sich auch von Standard-Covern.
Wir reden alle immer davon, was cool, was hip, was trendy ist, aber am Ende des Tages ist doch alles nur Musik, die Leute mögen sie oder mögen sie nicht! Ich versuche das weiter zu vermitteln, weil es traurig ist, daß jemand durch die Medien in einer glamurösen Art und Weise verkauft wird, die nicht der Realität entspricht. Ich weiß wie wichtig dieser “Hipp-Faktor” in der Geschäftswelt ist und das ist auch notwendig. Aber als ich noch jünger war, beeindruckte auch mich das alles und ich las auch all die Magazine.
Ich finde es nur schade, wie die Medien versuchen den Leuten die Trends zu verkaufen. Denn wenn man genau hinschaut, sind sie doch alle nur heiße Luft. Es sieht alles sehr pompös aus, ist es aber nicht. Vor wenigen Jahren wurden Platten noch mit wesentlich mehr Bezug auf die Künstler und die Musik verkauft. Mittlerweile hat sich das vollständig geändert. Es ist nicht mehr so, daß die Leute unbedingt Platten kaufen wollen, sie wollen eben nur dazu tanzen. Deshalb kommen sie ja auch in die Clubs. Es ist nicht wichtig die Platte und den Künstler zu kennen, um sie zu genießen. Ich versuche deshalb durch die Art und Weise wie die Platten verpackt sind, durch das Cover etc. , etwas auf sie aufmerksam zu machen. Dadurch interessieren sich die Leute dann auch wieder für den Künstler.
ouk: Du hast ja auch von Anfang an mit den unterschiedlichsten Musikarten das Label gestartet.
oct: Ja. Das erste Release war von “KCL Project”, also Leslie Laurence, der ja als House-Produzent bekannt ist. Er ist auch Mitglied von “Bang the Party” und hat auch Fingers Inc. nach England geholt. Ich bin froh darüber, daß die Leute mit denen ich zusammenarbeiten kann, alle einen großen musikalischen Hintergrund haben. Aber zurück zum Label, ich war sehr beeinflußt durch NuGroove. Ich liebte die Vielfalt der NuGroove-Platten. Ich kann mich an keine schlechte Platte erinnern, und wenn, dann war sie immer noch sehr interessant. So hatte ich also diesen Traum, ein Label zu machen, das eben diese Vielfalt aufweist. Heutzutage ist “Dancemusic” ja auch sehr breit gestreut, weswegen ich es auch sehr engstirnig finde, wenn man sich nur für Techno oder nur für Drum´n´Bass interessiert.

ouk: Machen die Artists auf Deinem Label immer nur ein oder zwei Platten für Octopus?
oct: Nein, nein. Ich arbeite schon länger mit meinen Artists zusammen, es ist nur so, daß diese nicht viel Gel verdienen, wenn sie nur auf einem Label veröffentlichen. Es sei denn die Platte verkauft sich mehrere tausend mal. Major Labels binden oftmals einen Künstler exklusiv an sich, was irgendwie auch verständlich ist. Schließlich investieren sie sehr viel Geld in ihn, Promotion etc. und es dauert oftmals mehrere Alben lang, bis der Act erfolgreich wird. Also binden sie ihn vertraglich an sich, denn warum sollte er, kaum daß er berühmt ist, für ein anderes Label produzieren. Aber auf meinem Level, verdient weder das Label noch der Künstler viel Geld. Also muß der Künstler auf mehreren Labels veröffentlichen, um überleben zu können. Ich habe nur zwei Acts exklusiv unter Vertrag: “Kushti” und “Interloper”.

ouk: Du bist viel unterwegs um zu promoten und scheust keine Mühen, Octopus voranzubringen.
oct: Ja, richtig. Die Testpressings gebe ich meist ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Release-Termin heraus. Aber dadurch, daß ich die Platte zurückhalte, verkauft sie sich besser. Denn es bekommen sie mehr Leutezu hören und dadurch gibt es natürlich auch mehr potentielle Käufer. Das Kushti-Album zum Beispiel läuft schon seit Juli im Radio, wird aber erst im Oktober veröffentlicht. Aber ich kann schon nachvollziehen, daß es für die Leute und auch für die Künstler frustrierend ist, so lange warten zu müssen.

ouk: Was dann schon wieder ein wenig an das Dubplate Dilemma angrenzt.
oct: Nun, Dubplates, bzw. Acetate, sind ein einfacher Weg, um deinen Track gepresst zu kriegen und ihn im Club spielen zu können und dadurch auch promoten zu können. Aber es gibt nur ganz wenige DJ´s, die wirklich einen Track ein Jahr lang spielen, bevor er dann veröffentlicht wird. Toni Humphries ist so einer.

ouk: Wie ergeht es Dir als “Freestyle-DJ”?
oct: Ich komme sehr gut damit zurecht. Du mußt als DJ eben dahinter stehen und Deine Ideen miteinbringen. Die Leute kommen ja auch aus den verschiedensten Gründen in die Clubs. Die einen wollen andere Menschen treffen, andere kommen um Drogen zu nehmen und wieder andere kommen wegen der Musik. Und alle Gründe sind gleichberechtigt. Als DJ gilt es eben, auf die Menge reagieren zu können. Deshalb nehme ich auch immer viel mehr Platten mit, als ich eigentlich spiele. Und was ganz wichtig ist, ist daß Du deine Platten kennst. Du mußt sie kennen, um Spaß am Auflegen zu haben. Es ist besser Platten aufzulegen, die Du genießen kannst, als immer nur das neueste Zeugs aufgelegt zu haben. Die Menge merkt, ob es Dir Spaß macht aufzulegen oder nicht. 4 Hero zum Beispiel haben letzthin ein großartiges Free-Jazz-Set hingelegt. Sie haben von jedem ein bißchen gespielt, und sie haben es genossen, aufzulegen. Und das hat sich dann auch auf die Menge ausgewirkt. ][ lightwood, mb, vivid


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