OUK Das Fünf10te malerisch & bildend gespaltene töne

Einst vor langer, langer Zeit, als sich noch eine wenig bekannte Jazzszene im östlichen Schatten des Eisernen Vorhangs dem westlichen Ohr entzog, entstanden auf dem einzigen staatlichen Jazz-Label, AMIGA, von lateinamerikanischen Rhythmen inspirierte, klassische Musikstrukturen wie Walzer oder Swing. Mit "Formation 60 - Modern Jazz From Eastern Germany" gelang es dem JCR Label (Jazzanova Compost Records) zehn super tanzbare Dokumente dieses Labelschaffens auf neues Vinyl zu vereinen. Auch die Erscheinungsdaten der einzelnen Stücke, die sich zwischen 1957-69 bewegen, schaffen es nicht einen Grauschleier der Zeit darüber zu legen. Ein fröhlich unbeschwertes, heiter zeitloses Geschichtsdokument ganz besonderer Art.

Aber zurück in die heutige Zeit katapultiert uns das deutsch-chilenische Projekt Gonzalo Martinez. Mit "Gonzalo Martinez and his thinking congas" schaffen sie es den lateinamerikanischen CUMBIA, ein aus kolumbianischen, schwarzen, indianischen und europäischen Rhythmen erwachsener Sound der späten 50er Jahre, mit Hilfe neuester Elektronik ein neues Gesicht zu verpassen. Ohne ein einziges Karakteristika dieser vergangenen Zeit wegzulassen, leiten die zehn Stücke auf Multicolor Records durch eine schweißtreibende Welt für Freunde des Elektronic Listening.

Nicht nur einer Struktur verhaftet, sondern sich durch alles hindurchschlängelnd, bewegen sich die Einzigartigkeiten auf dem "www.subaudio.net/cd 01" Sampler (Independance) immer in Randbereichen einzelner Genres ohne sich noch in den jeweiligen Kategorien zu halten. Niemals hatte ein Label bisher den Mut gehabt so unterschiedliches Material auf einer CD zu vereinen. Bei ihrer Reise durch das musikalische Informationsdickicht, sammelten die Macher außergewöhnliches Material, welches von King Missile über Tied and Tickeld Trio, Wu Tang (hier wieder angenehm frisch aufbearbeitet durch Funkstörung), Rhythm & Sound (Basic Channel Dub) u.v.a. reicht. Fünfzehnmal eine andere akustische Welt, die liebevoll aneinander gefügt, vor allem durch ihre progressive und innovative Art unglaubliches Entzücken bereitet.

Auch Squarepusher beglückt den Zuhörer mit einem neuen Release auf WARP. Sich gänzlich zurückbesinnend auf seine Zeit als Bassist arrangiert er mit "Music Is Rotted One Note", ausschließlich bestehend aus live eingespielten Instrumenten, seine jazzigste Platte. Trotz zahlreicher elektronischer Noises schafft er es, daß die fünfzehn Stücke sich diesmal nicht mehr an Drum´n´Bass orientieren, sondern eigenständig etwas neues heraufbeschwören. Abgehackte Drumstrukturen paaren sich mit düsteren Flächen, leichtläufige Bassarrangements treffen auf verzerrte Samples ohne dabei eine negative Aura zu erzeugen.

Strukturvielfalt anderer Art steht im Mittelpunkt der Architect-Veröffentlichung auf HYMEN. Daniel Myer verschmelzt in jedem der elf Tracks ausgefeilten, minimalistischen Drum’n’Bass mit ruhigen Ambientlandschaften. Ähnlich wie auch bei dem Projekt Dots & Dashes (siehe ouk 13), bei dem er ebenfalls beteiligt ist, präsentiert sich die akribische Arbeit der Soundprogrammierung in der Liebe für Raum, Struktur und Abwechslung. Ohne an irgend einem Punkt überladen zu wirken, füllen die Stücke der "Galactic Supermarket" jeglichen Raum durch ihrer Präzision.

In ein vergleichbares Strukturgewand wie die eben vorgestellte Veröffentlichung hüllen sich auch die vier Tracks der "Demon.3" auf Musik Aus Strom. Michael Fakesch zerstückelt seine breakbeatartige Rhythmusprogrammierung zu einem ständig in sich modulierenden Gerüst, aufgebaut auf immer denselben Bausteinen. Ebenfalls sehr minimalistisch gehalten, bewegt sich die Musik kontinuierlich in Zick-Zack-Linien zu dem Hörer, um ihm im Verlauf abstrakter Hörmusik viele Überraschungen, geboren aus sich selbst, aufzutun.

Angereichert mit Elementen aus Dub, Elektro und Funk schwebt das neue Releas von Ultra-Vert durch eine vielschichtige Ambientlandschaft. Unterschiedlichste Geschwindigkeiten beschleunigen das sich Treibenlassen, während "The Chain With No Brain" geschickt den Gleitenden in jeden Einzelnen der zehn Tracks einschmiegt. Teilweise auftretende Gitarrensamples verleihen ebenso wie arabische Anklänge dem harmonischen Ganzen von Zeit zu Zeit eine frische Note. Nach langer Zeit ein neuer Release auf HOME BASE, einem Ableger von Stickman Records, die schon vor einem Jahr mit dem "The Oslo Agreement"-Sampler die höchst lebendige Szene Norwegens vorstellten. Eine Mixtur unterschiedlichster, elektronischer Musikbereiche, die auch trotz ihres lang zurückliegendem Erscheinungsdatums nichts an Aktualität verloren haben. ][ g

 

V. A. - Fit for He-roes - Riot City 03
Elektro vom Feinsten aus der Riot City Köln, die Stadt, die niemals schläft. Verschiedene Kölner Künstler steuerten zu dieser Compilation jeweils einen Track und ein paar Endlosrillen bei und halten damit problemlos den hohen Standard der Domstadt. Macht Hunger auf mehr, denn auch die ersten beiden Auswürfe des Labels erhoben sich weit über dem Durchschnitt. ][ motik

International DeeJay Gigolos - CD Two - Gigolo
Die Anzug-DJs sind wieder unterwegs, um ihre gesammelten Werke zur Schau zu stellen. Das beste von Maxi 8 - 15, sowie zwei unveröffentlichte Tracks von Miss Ki-ttin und Dave Caretta. Qualität im üblichen Sinne, wobei dieses Mal mehr Elektro zu hören ist. ][ mb

Megahertz - Alpha - Tape
Das Label Megahertz veröffentlicht in Kürze ihr erstes, auf 100 Exemplare limitiertes Tape. Der Hörer erfährt zwei fünfzehn- minütige Reisen durch je drei Stationen elektronischer Interpre-tation pro Seite. Jedes einzelne Stück erfährt dabei die gleichen Grundvoraussetzungen, gewährleistet durch eine anrufbeantwortermäßige Bahnansage, welche in Kürze Titel und Interpret vorstellt. Die Reise beginnt mit Klangstabil, die in einem kontinuierlichen Rhythmusstrom, die Verschmel-zung des menschlichen Könnens begrenzt durch sein Reaktionsver-mögen, mit dem digitalen Over-load der Maschine darstellen. Nur die Fähigkeit des Benutzers, sich in der Materie aufzulösen und diese in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, begrenzt dessen Anwendungsbereich. Kurz auftretende Momente der rhythmischen Reduktion stehen für einen neuen Lernprozeß, der dann erneut mit dem vorherig Beherrschten in Verbindung gesetzt wird. Weiter gleitet man mit p.a.l in eine leichte, mit Hall untermalte Klangspi-rale, wobei engere Windungen und unendlicher Raum in unterschiedlichster Klangdichte nebeneinander harmonisieren, um durch neu hinzutretende Effekte kontinuierlich belebt zu werden. Die erste Seite gleitet dann in einem tiefen Atemzug über transzendentalen Hügellandschaften indianischer Kultur aus. kryzou vereinen Melodien der Mayas mit fies aus dem Nichts auftretenden Schleif-geräuschen, die eine, das Neue erst ermöglichende, Zerstörung des Alten symbolisieren.
Die zweite Seite startet dann mit goran besov, bei dem über einem maschienell geknüpften Klangteppich ein verzerrtes Frage- und Antwortspiel schwebt. Gleichbleibend fließt darunter der Rhythmusstrom, um für kurze Zeit in sich zu stocken, dann aber erneut, gleich einem Moebiusband, fortzufahren. Einen warnenden Zeigefinger, errichtet aus wabbernden Geräuschen, stellen ther über eine düstere, ambientige Sound-landschaft, in welcher Sirenen, unterdrückte Schreie und verhallende Distorsionen die Notwendig-keit der Warnung erahnen lassen. Offen bleibt im rauschenden Ausklang deren Beachtung. Mit einem Rhythmusgerüst, das versucht an seinem Gleichlauf festzuhalten beendet berbat sez die zweite Seite. Gleich einem Organismus, ausgesetzt schwerster Belastungen, verlassen Takt und Rhythmik diesen immer wieder für kurze Zeit. Die robuste Konstitution schafft es aber immer wieder die Rück-führung herzustellen bis zum plötzlichen Ausklang des Tracks. ][ g

A Tribe Called Quest - The Love Movement - Jive
Minimalistisches Gerüst, futuristisch analoge Ästhetik, abstrakte Sounds, superfunky Beats und mehr. Hunderttausend Teenager holen die Taschentücher raus, wenn sich irgendwelche bescheuerten Mengroups auflösen und dazu dann Plastik-Abschiedssongs be-tanzen. Meine Taschentücher hingegen habe ich mir für diese Platte aufgehoben.
“The Love”, die zentrale Nummer dieses Meisterwerks, erwischt mich dermaßen tief, wie es sonst nur Soulhymnen wie “What’s going on” zu tun vermögen. “Loveless” von 4Hero, man vergleiche die Titel, war letztes Jahr einer der Songs der sich mit einem hohen Emotionsgrad traute bei allem musikalischem Anspruch mehr zu sein, als cleveres Engagement und dabei so weit übers Ziel schoß, um schließlich im echten Soulhimmel zu landen. “The Love” ist deshalb der Schlüsselsong zum Abschieds-album von ATCQ. Es geht hier um die Bewahrung von Soul und Liebe innerhalb einer Zwick-mühlenposition. Während 4Hero in “Loveless” aber die mangelnde Liebe zu unserem Planeten be-klagten, konzentrierten sich ATCQ auf das Positive, lösten sich als Gruppe aber auf. es ist zu vermuten, daß ATCQ zu spüren bekommen haben, wie schwierig es ist, die Balance zu finden, gegen in- und externen Druck zu kämpfen, kreativ und wach sein zu können und als schwarze intelektuelle Superstars zu repräsentieren, während sich die Situation der Schwarzen in der rassistischen USA und andernorts nicht ändert. Die Bewahrung der Kombination Liebe, Kreativität und Unkorum-pierbarkeit liegen in starker Diskrepanz zu den Verlockungen und Gesetzen des Musicbusiness, dirty business, zum sich selbst kontrollierenden Lifestyle Market und Hip Hop ist Markt, wegen MARKT-REMOTER Menschen, sonst wäre es auch anders.
ATCQ haben noch einmal ihre über vier grandiose Platten verteidigte Energie zusammengebündelt, um dieses Ding mit fast ausschließlich perfekten Songs herauszuschleudern. Es leuchten die Sterne, wenn Sterne sterben. ][ neon tse tse

DJ Hell - Munich Machine - V2
Was soll man noch groß reden. Meister Hell überzeugt durch gekonnte Aufbereitung seiner Vergangenheit und vermittelt so zeitgenössischen Techno, ohne dabei jetzt wirklich was Neues zu sein, was aber überhaupt nicht stört. Anhören und weiter vorne im Heft den Report dazu lesen. ][ mb

Octave One - The Collective - 430 West
Lieber Leser, bitte kaufe Dir auch diese Platte, denn sie ist nahezu perfekt, wenn auch nicht neu in ihrer Ästhetik. Falls Du tatsächlich glaubst, daß Du kein Techno magst, aber “Timeless”, “Logical Progression” oder “4 Pages” zu Deinen Lieblingsplatten zählst, dann fühle ich mich jetzt mal verpflichtet etwas klarzustellen. Ein Photek würde verschiedene mu-sikästhetische Probleme selber lösen müssen, ein Grooverider, Optical, J-Majik, Matrix, Jonny L oder Doc Scott wären Jahre weit von ihren Ergebnissen entfernt und auch Krusts’ “True Stories” wäre eine andere Platte, wenn es nicht die Detroiter Innovatoren geben würde. Die Musik dieser drei altbewährten Brüder hat wenig mit DJ Hell, Scooter oder Köln zu tun, (eher mit Düsseldorf) und nennt sich Techno.
Wie unterschiedlich die Struktur von Techno, Beats und Dichte betreffend, ausfallen kann, wird auf dieser Platte deutlich. Und dann gibt es aber diesen melancholischen, spirituellen, blauen Faden, der sich durch die Stücke zieht und die Art zu Arrangieren und die Sounds zu setzen, die den Sound als eine Detroittypische Spielart klassifizieren.
Wenn Du verstehen möchtest, woher viele Drum’n’Bass-Tracks ihre Ästhetik leihen, dann kauf Dir diese Doppel-LP, die billiger ist als zwei Maxis. I truly Do believe, es wird der Beginn einer neuen alten Leidenschaft. ][ neon tse tse

Turner - Imschwung - Ladomat 2000
Neues von Ladomat ist ja immer auch gleichbedeutend für neues aus der elektronischen (Pop)Welt Deutschlands. So bringt sie nun Keni Moki (hier als Turner) ans Licht der Welt und sorgt so für einen Umschwung ins leicht Ambientöse. Wahrlich zuckersüß und immer spannend, nie ermüdendes Klangmaterial. Erinnert mit seiner Samplevielfältigkeit irgendwie an Ninja Tune-Platten, ohne hier jetzt anmaßende Vergleiche ziehen zu wollen. Gleich hinterher kommt dann das ganze Album, um dem Ganzen das Tüpfelchen aufzusetzten. Der Zauberer zuckriger Klänge erfreut uns so mit noch mehr schönen Klängen, auf daß sämtliche Nord-lichter erstrahlen werden. ][ mb
V.A. - Versatile
- Versatile
Versatile, jenes abstrakte French-House-Label, stellt hier seine bes-ten Künstler und deren Werke in komprimierter Form vor. Locker, fröhlicher House im typisch französischen Stil von I:Cube, Chateau-Flight, Gilb-R und anderen sorgt für gute Stimmung. Zu Haus und auf der Tanzfläche, diese Tracks sind überall immer herzlich Will-kommen. ][ mb

The High Llamas - Lollo Rosso - V2
Tja, was soll ich sagen: Diese CD macht einfach glücklich. Leichte,
schwebende Klänge, gesampelte Plastiklöffel und Glasscherben, all das garniert mit schwebenden Synthie-Sounds “from outer space”. Hinlegen, Augen schließen und das Herz höher springen lassen. Was anderes bleibt einem kaum übrig. ][ mb

Portishead - live in NYC
Anfang November werden Portishead-Fans die Läden stürmen, denn es steht zwar keine neue Platte an, aber das Release eines ganz besonderen Livemit-schnitts. Im Zuge der Veröffent-lichung ihres zweiten Albums begab sich die britische Band für zehn Monate auf eine gänzlich ausverkaufte Welttournee. Der Startschuß fiel im Juli Œ97 in NYC und genau dieses erste Konzert wird uns in Form einer CD, Doppel-LP, eines Videos und einer CD-ROM (nur übers Internet erhältlich: www.portishead.co.uk) beglücken. Stücke von “Dummy" und “Portishead" sind jeweils zu etwa 50% vertreten, ein Orchester aus Streichern und Bläsern verstärken die Live-Atmosphäre zusätzlich. Eine neue Gelegenheit also diese All Time Klassiker zu ergattern! ][ lightwood

LTJ Bukem - Earth Vol. 3 - Good Looking
Plötzlich erinnert man sich an Earth Vol. 1 und all die bösen Worte, die über die darauf befindlichen Downbeat-Tracks verloren wurden. Zwei Jahre später dreht Bukem den Spieß um und veröffentlicht auf Earth Vol. 3 aus-schließlich Downbeat mit Ausnah-me eines einzigen Drum`n`Bass-Tracks auf der Vinyl-Version. Ja und jetzt? Jetzt freut sich alle Welt darüber, denn Earth Vol. 3 schwimmt seelenruhig im gerade vorherrschenden Strom des Eklektizismus & Jazz. Während manch einer schon längst seine Position verlassen oder aufgegeben hat, wie z. B. Alex Reece, verläßt sich Danny Bukem einfach auf sein Näschen und "zieht", wie man so schön sagt, "sein Ding durch." Daß das vorliegende Werk trotz halber oder langsamerer Geschwindigkeit noch das gewisse "Drum`n`Bass-Feeling" vermittelt, erfährt man dann spätestens bei Tracks wie "Nature`s Way" von Longers & F.O.N., "Distant Space" von Big Bud oder "Latitude" von Blame. Bukem definiert hiermit momentan seine Aussage vielleicht nicht so klar wie 4 Hero, erklimmt vielleicht auch, außer bei "Latitude" im 5/4-Takt, keine neuen Felsvorsprünge, doch gute Qualität weist diese bodenständige 5fach-LP/CD-Box allemal auf.
][ lightwood

Grooverider - Mysteries of Funk - Higher Ground
Über diesen Mann läßt sich be-kannter Weise nicht so viel in Er-fahrung bringen (keine Interviews; in der Spex ließ er sich wohl lieber fotografieren als interviewen), und es grenzt schon fast an ein Wunder, daß er sich im Video zu “Rainbows of Colour" blicken läßt. Wo er doch lieber seine Ruhe haben will oder sein Geld für Designerklamotten auf den Putz haut. Und Jay Bingham wird es auch trotz Major-Deal schaffen, die Fäden weiterhin selbst in der Hand halten zu können.
Während Goldies “Saturnz Return" sich als Ladenhüter entpuppt, wird
diese superschwere (... und -teure) 4-fach Vinyl-Box, limitiert auf 1500 Stück, sich doch an wesentlich größerem Zuspruch erfreuen. Hier finden zwar auch viele Elemente, wie Gesang, Orchester-parts, Gitarren, vertrackte Beats & 2Step ihren Platz, aber die Kon-sistenz stimmt eben und es herrscht eine ausgeglichene Balance sowohl innerhalb der Tracks als auch beim Tracklisting im gesamten vor. Ein Album (nicht nur) für die Tanzfläche möchte ich mal sagen, denn wenn etwas richtig kickt und ich meine “kickt" und nicht rollt oder sonst irgend was, dann sind es die Beats des “Godfathers".
“Cybernetic Jazz", der Intro-Track ist eigentlich schon fast ein kleines
Album in sich, eine Zusammen-stellung der Vorlieben Groove-riders, und man erkennt wieder einmal was für ein cleveres Händchen der Gute doch hat, wenn es um einen abwechslungsreichen, aber sauberen Aufbau eines Tracks geht. “Rainbows of Colour" genieß ich lieber im VIP oder Optical Remix (schwer erhältliche Maxi), aber spätestens bei “Where’s Jack the Ripper?" geht es auf der Tanzfläche wieder rund, wenn eine Bassline, die bestimmt oft kopiert werden wird, alles zersägt. Bei “560°" merkt man dann auch wer hier mitgeholfen hat, nämlich Optical, dessen eigenes Album zusammen mit Ed Rush & Konsorten demnächst erscheinen wird (“Wormhole", Virus).
Alles in allem ein Werk, daß überzeugt, denn dieser Mann schwebt nur selten über dem Boden der Tatsachen und weiß, was Drum’n’Bass ausmacht bzw. am Leben hält: Vielfältigkeit, Viel-schichtigkeit, knackige Beats & Basslines ... und in diesem Falle auch Funk. ][ lightwood

Photek - Form & Function - Science
Nachdem viele Producer versucht haben seinen Style weiterzuentwickeln, meldet sich das Original mit dieser 3fach-LP aus der Schattenwelt des DJings in neuer Form und Funktion zurück. Präsentiert werden zwei neue Stücke von Photek und Remixe von altbekannten Größen wie Peshay, Digital, J-Majik oder Doc Scott. Kaufanreiz geben außerdem vier ältere Tracks - nicht nur für die neu dazu gestoßenen Beat-Freaks unter uns. Die Stücke führen teilweise bekannte Wege weiter. Mit “7 Samurai” remixt Photek sogar die neue Hymne zur Zwei-Schwerter-Technik für den anspruchsvollen Tanzboden, “Knitvision” dagegen ungewohnt straight, hypnotisch und reduziert. Weiterhin zu hören sind superscharfe vertrackte Beats und freche Basslines, wie bei Doc Scotts “Margin 98”- oder J-Majiks “UFO”-Remix. ][ telmo a.

J-Majik - Metalheadz 032
Der Mann der Stunde bringt mit dem 32ten Metalheadz-Release alles auf den Punkt. Saftig tiefe Bässe, gepaart mit ordentlich rollenden Kickdrums treffen auf herbstlich schöne Zuckersounds, die einen leicht in Tagträume dahinschwelgen lassen. Tracks mit Saxophon- und Streichersamples sind bei zeitgenössischen Drum’n’Bass-Produktionen natürlich nichts Neues, aber erzeugen hier in einem qualitativ hohen Produktions-standard einen wirklich exzellenten Track. Außerdem empfehlenswert ist die zehnte Auskopplung auf J-Majiks hauseigenem Label Infrared. Metalheadz und J-Majik sind zurück! Von mir aus kann es so weitergehen. ][ telmo a.

Phoneheads - Infracom 032
Jack the Ripper-Bassline, Boyme-rang-Electro-Beats, Bristol-Fla-vour, Funk-Gitarre, ... eben alles reingepackt, die eigene Note draufgesetzt und fertig ist eine der derzeit besten deutschen Drum’n’Bass-Produktionen. Nein, sie haben nichts falsch gemacht. Es kickt, es groovt und schmoovt. Mehr gibt‚s dazu eigentlich nicht zu sagen. Kein Ausflug in neue Gefilde sondern zwei hitverdächtige Tracks, die England erneut aufhorchen lassen werden. ][ lightwood

Planet Asia EP - Heratik
Hip Hop vom Besten. Man denkt erstmal an Rawkus, Ostküste, kommt aber aus San Francisco, oder Oakland, egal. Die Platte ist durchwegs trocken zu nennen. Inhaltlich abstrakt, primär Hip Hop zum Thema und kein Gangster-Bull. Planet Asia hat die frischeste Stimme seit Mos Def und erinnert ein bißchen an Kool Keith, nur ohne Hektik und Witzigkeiten. Die Beats sind wie gesagt trocken. Dope Beats. Die Samples sind minimalistisch und zugleich von einer speziellen Mysik, öffnen Räume und sind, nun ja, trocken. Neben Saul Williams streng zu beobachten. Trockenster Geheimtip. ][ neon tse tse

Ab 18 - Landing Ep - Parasound
Oliver Morgenroth unter neuem Pseudonym und zusammen mit The Maxx (wer immer das ist) auf dem Weg in die progressive Techno-Szene. Was dann allerdings recht brachial und einfach rüberkommt und irgendwie gar nicht in meine Vorstellung von gutem, progressivem Techno paßt. Gerad-linig und eintönig. Einzig “Sphere" weist dann noch etwas Deepness auf. ][ mb

Donna Regina - Follow the Sea - Life
Captain Herbert übertrifft sich mal wieder selbst. Obwohl er für diese Platte ja nicht ganz allein verantwortlich ist. Und während Herbert einen zutiefst housigen und äußerst straighten Mix einspielte, überzeugen die Original-Mixe doch gerade wegen ihrer unbesonnenen Verspieltheit. Lockerleichte Vocals dringen während des gesamten Stückes ins Ohr und beflügeln einen gerade dazu, die fröhliche Atmosphäre aufzugreifen. Und wenn der Bass einsetzt, erinert man sich schweren Herzens an den guten alten Dr. Rockit und die Hochzeiten eines Dj Food. ][ mb

Manu Dibango - New Bell (MAW Rmx.) - white
Die ungekrönten Könige des House sind zurück und beweisen erneut ihr wahres Potential. Mit “New Bell” ist den beiden Meistern eine erstklassige NuJazz-Nummer gelungen. Groovige Beats und Percussions treiben Trompeten und Gitarren vor sich her, bis sie schließlich den Gesang des Originals einholen. Und was dann auf der Tanzfläche passiert, brauche ich wohl niemandem zu erzählen. Definitiv eine der besten “DiscoJazz”-Platten des Jahres. ][ mb
Bone City - Forensic 003
Eine neue Platte auf einem recht jungen Label. Und beide haben es in sich. Drei extrem deepe Tracks mit dezenten Jazzlicks - mal Gitarre, mal Piano - und immer aufs äußerste hin groovend. Nichts für große Hallen, dafür für Men-schen mit solcherlei Herzen. ][ mb

Moodymann - ForeverNeverMore - KDJ
Tja, so eingebildet ist er dann doch gar nicht, der Herr Dixon Junior. Hat doch tatsächlich brav sein anderthalb Stundenset gespielt und immer nett dabei gelacht. Ganz in diesem gesetzten Charme kommt auch seine neue Single einher. Eigentlich nichts neues, einzigartiger, guter Moody-mann-Sound eben. Sanft anfangend, dann schnell härter werdend, um schließlich gegen Ende die ein oder andere interessante Spielerei einzubauen, wie bei seinem Set. Es liegt ihm halt doch was an gewohnter Tradition. ][ mb

Miyazawa - AfroSick remix#2 - AfroSick
Lateinamerikanische Musik befindet sich nicht erst seit der Fußball-weltmeisterschaft im Hoch, und so gab es in letzter Zeit den ein oder anderen Remix diverser Latin-Stücke zu hören. AfroSick schließt sich da nahtlos der Reihe an. Das besondere an dieser Platte ist, daß beide Remixe besser sind als das zugehörige Original. Während As One etwas ruhiger zur Sache gehen und viel mit Gefühl und Emotionen arbeiten, sorgt das Rainer Trüby Trio nicht nur für einen deepen Groove und somit für schwingende Hüften, sondern schafft es produktionstechnisch gesehen noch mehr Authentizität (muß an der Gitarre liegen) an den Tag zu legen. Gratulation! ][ mb

Soul Ascendants - Rise - Nuphonic
Tja, vielleicht war ich mit meiner Äußerung bezüglich dem Manu Dibango Remix ein wenig voreilig, denn was die Soul Ascendants hier mal wieder verbrochen haben, könnte die Masters at Works glatt ausstechen. Denn mit ihrer wilden Mischung aus gedämpften House Beats, wilden Trompeten-Soli und klassischen Flamencogitarren-Orgien schießen sie sich ins Herz eines jeden offenen Musiklieb-habers. So klingt Jazz der 90er. Wild, frei und verdammt deep. Auf der B-Seite dann der frei improvisierte Live-Mix, der die Wildheit dieses Tracks noch einmal steigert und als reinrassiger Free-Jazz-Jam durchgehen dürfte. ][ mb

Gonzalo Martinez - La Lollera Colora (Rmxs) - MultiColor Rec.
Die Remixe dieses (elektronischen) Latinversuchs sind dann doch besser gelungen, als das Original, daß weiter vorne bereits besprochen wurde. Vor allem Michael Mayer überzeugt durch Einfachheit und minimalen Groove. Auch Matthias Schaff-häuser zeigt gefallen an Latin und setzt diesen gekonnt ins Elektronische um. So klingt das ganze dann auch überhaupt nicht mehr nach billiger Game Boy-Musik, sondern nach gekonnt minimalem Techno. ][ mb

Mateo & Matos - New York Rhythm Vol. 2 - Glasgow Underground
Die Stagnation New Yorker House Musik dürfte nun endgültig ein Ende haben. Nicht nur das Kerri Chandler, Joe Clausell und M.A.W. erneut das Erscheinungsbild qualitativer Houseproduktionen prägen, auch die neue Schule, wie eben Mateo & Matos, sorgen für groovige, abwechslungsreiche Produktionen. Und ganz entgegen ihrem ersten Album und der zwischenzeitlichen Belanglosigkeit Glasgower Releases ist diese Platte ganz vorne mit dabei. Man darf also getrost davon ausgehen, daß New York wieder zu altem Glanz finden wird. ][ mb

4 Hero - Starchaser (MAW Rmxs.) - Talkin´ Loud
Masters at Work die Zweite. Das Original dieser Remixe dürfte ja hinlänglich bekannt sein und so könnte es schon verwundern, warum ich hier den Remix erwähne, der doch eh auf der Single enthalten ist. Tja, weit gefehlt meine Herren, schließlich berichte ich hier von unveröffentlichten Mixen der Herren Gonzales und Vega und die, jawohl, übertreffen das Original bei weitem. Zum einen wäre das der Dub Mix, der mit seinem ca. zweiminütigem Gesangs-intro soviel Spannung erzeugt, daß die anschließend Beatrhythmen wirklich jedes Gemüt zum Tanzen bringen dürfte. Der Classic Mix dagegen verzichtet dahingehend völlig auf den Gesang (Ausnahme die kurze Refrain-Passage am Anfang), verzaubert jedoch durch eine äußerst virtuos gespielte Gitarre, die über die gesamte Spielzeit von 8 min. perfekt mit den Grooves des Bass harmoniert.
Somit reihen sich die Herren aus New York gekonnt in die Schlange der Kosmologen ein, denn solche Musik kommt wahrhaftig von einem anderen Planeten. ][ mb

Madison Trio – same - Middle Class Pig Records 006
Die drei aus Würzburg (Patrick Gross, voc, b; Pat Bollé, g, voc; Holger Mock, d) haben es geschafft dem alten Onkel Rockabilly seine Jugend zurückzugeben. Von rough n´tough bis soft n´sweet, Rock n´Roll in seiner ursprünglichsten Form, ohne Schnörkel, geradeaus.
Obwohl nur einer der zwölf Titel von dem Trio selbst ist, haben sie ihnen einen unverwechselbaren Touch gegeben. Als Beispiel sei „Goo Goo Muck” aufgeführt, welches in der Cramps-Version doch recht bekannt sein dürfte. Jetzt groovt es im Madison-Stil daher. Dieser Stil wird stark vom Bass-Spiel von Patrick Gross und dessen Gesang geprägt. Diese Platte kickt Arsch, und zwar gewaltig!
Es ist Mr. Middle Class Pig Erik B. aus T. mal wieder gelungen, eine Kultscheibe rauszulassen, schon rein optisch, mit schönem Space-Comic-Cover, in transparentem Vinyl und einzeln numeriert.
Wer sich einen Überblick über das doch recht breite, aber in sich stimmige Spektrum von Middle Class Pig Records verschaffen will, sollte sich den Label-Sampler „ Middle Calss Music for Middle Class People„ (MCP 009) ruhig mal reintun.
Da in diesem Magazin sowieso niemand was von „meiner” Musik versteht, mach ich gleich weiter und haue euch die nächste Scheibe um die Ohren!

Loaded - More Midnights than Mornings - Elmo Records 1002
Den Ska-City-Rockers aus dem Raum Heidelberg ist eine sehr abwechslungsreiche Platte gelungen. Es muß erwähnt werden, daß die vier Amis (Jason Bell, d, voc; Nick Rothstein, voc, b; Chad Thompson, g, voc, Jesse Sharps, sax, noises) den heute gut rollenden Zug des Ska-Punk/Punk-Ska vor vielen Jahren mitgeholfen haben, anzuschieben. Sie sind von den Mighty Mighty Bosstones und dem 2 Tone geprägt, aber auf dieser Platte hat auch der Rock-Steady und ganz kurz der Jazz vorbeigeschaut.
Von der Ballade („ten beers later”) über den OI!-Knaller („last call”) bis hin zum Dub
(„ enchanted farmyard dub”) ist alles am Start. Und wer erstens die Titelmelodie von „Ein Colt für alle Fälle” (ihr erinnert euch ?!) verskat, und zweitens “Summer of 69” zu „Spirit of 69” verpunkt, hat sowieso schon gewonnen!
Zum Label ist noch zu sagen, daß Elmo Records ein junges Sub-Label von Grover-Records ist, mit einer Ausrichtung auf Bands, die nicht in den traditionellen Grover-Style passen, aber trotzdem höhrenswert sind, wie es Loaded eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Hört euch die beiden vorgestellen Platten einfach an, ihr engstirnigen Electro-Heads! ][ MO


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