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Es wird von Gleichgesinnten oft als cool angesehen, die
Musik zu hören, die wir nun mal hören, soll heißen, Klänge
abseits der breiten Strömungen. Gerne bezeichnet man das als anspruchsvoll
oder gar intellektuell und vielleicht ist es das auch in einer gewissen
Form. Doch der Anspruch, fortschrittlichen Tongestaltungen zu lauschen,
diese erwähnte Coolness hat auch ihren Preis und damit sind nicht
die Unmengen an Währungseinheiten gemeint, die für Vinyl über
die Ladentheken gehen, sondern zuvorderst die sozialen Auswirkungen. Die
Suche nach Bestätigung ist dem Menschen eigen und macht gerade vor
Geschmacksfragen nicht halt. Es ist daher mitunter deprimierend und ernüchternd,
als Reaktion auf eines der Werke des Sounds-never-seen-Labels
oder Robert Hoods Minimal Nation nur mitleidiges und verständnisloses
Kopfschütteln zu erleben, verbunden mit der Bitte, diesen unsäglichen
Krach doch alsbald abzustellen. Wenn von diesen Kritikern schließlich
der Besuch der nächsten Schlagerparty geplant und der Ausflug in
unbekannte Bereiche schnell verdrängt wird, stellt man sich die Frage,
wie jene Ignoranten sich das Recht herausnehmen können, derart zu
urteilen, obwohl sie sich doch eigenartigerweise auf den Geschmack ihrer
Eltern zurückentwickelt haben und damit offensichtlich mangelnde
Innovationsbereitschaft und den höchsten Grad an Dekadenz an den
Tag legen. Diese Anti-Evolution ist zweifelsohne eine Volkskrankheit,
die uns in die Rolle des Don Quixote drängt, denn überzeugen
lassen sich leider nur wenige. Es gab eine Zeit, so um 1990/91 herum,
als diese Überzeugungsarbeit leichter fiel. Damals war Techno in
gewissem Maße trendy und somit die zugehörigen Partys von hippen,
schönen, jungen, begeisterungsfähigen Menschen frequentiert.
Dagegen ist das meistgehörte Argument gegen den Besuch einer solchen
Party heute nicht die unerträgliche Musik, sondern der
Mangel an interessantem Publikum und, natürlich, das spärliche
Auftreten der holden Weiblichkeit. Die Musik tritt in den Hintergrund,
entsprechend ihrem weitverbreiteten Status als Nebenbeigeplänkel
ohne größere Bedeutung. Ergo hat man es schwer Mr. &
Ms.-ich-höre-halt-was-so-im-Radio-kommt davon zu überzeugen,
in einem dunklen vernebelten Loch Keith Tucker oder Senor Interr-Ference
zu erleben, wenn sich dort nur 50 oder 100 Unentwegte einfinden werden.
Aber man sucht sich seine Freunde nicht nach deren Musikgeschmack aus,
das wäre dann doch zu engstirnig und wenig erbauend. Welcome Dilemma.
Wir sind jung, und Ausgehen ist naturgemäß ein erheblicher
Freizeitgestaltungsfaktor, aber wie lassen sich die unterschiedlichen
Vorstellungen vereinbaren? Es kann ab und an einigermaßen spaßig
sein, mit einem müden wir-wissen-alles-besser-Lächeln
grauenhaften Mainstream zu ertragen und mit wilden eigenartig anmutenden
Verrenkungen auf-dem-Arm-nehmenderweise dem Music Instructor die Ehre
zu geben. Aber auf Dauer obsiegt die Wut über die Anspruchslosigkeit
der Anwesenden, die den Erfolg derartiger Niveaulosigkeit erst möglich
macht. Übelste Magenschmerzen sind die Folge und deren Linderung
immer nur in den eigenen vier Wänden zu suchen, ist auf längere
Sicht auch keine Lösung. Was tun also? Mit Kopfhörern durch
die Kommerztempel rennen? Ist wohl etwas kommunikationshemmend. Oder vielleicht
einen Werbefeldzug für Elektro, Techno, Hip Hop etc. der besseren
Art starten? Hirngespinste, die natürlich an der Industrie scheitern,
denn eingängiges Geträller läßt sich leider besser
vermarkten, als Unit-Moebius-Elektronik. Der Schluß von Kompromissen
ist also unausweichlich, auch wenn hierbei immer Unzufriedenheiten zurückbleiben.
Aber so ist das halt als Mitglied einer Minderheit. Am Musikgeschmack
wird das nichts ändern, aber hoffentlich auch nicht an der Offenheit
gegenüber Menschen, die an Musik kein Interesse haben oder allzu
offensichtlich charthörig sind, denn es fällt schwer, jemandem
mit Respekt zu begegnen, der Scooter als Lieblingsband angibt. ][ motik
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