OUK das Sech10te ± treibend & kraftvoll ± Dez 98/Jan 98 Gespaltene Töne

Die Abende werden wieder länger und schneidende Kälte vertreibt mehr und mehr das Publikum von der Straße in ihre eigenen Behausungen, wo hierzulande leider keine wärmenden Kaminfeuer mit ihrem Knistern schon akustisch die steifgefrorenen Gliedmaßen des Körpers wieder zum Leben erwecken. Aber auch das menschliche Harmoniebedürfnis derjenigen, die nur über kaltweiß schweigende Heizungslamellen verfügen muß zu dieser Zeit keine Askese erfahren, da wohlige Klänge, hervorgezaubert aus schwarzen und silbernen Schei-ben schnell die Umgebung mit Klang erfüllen.
So gestaltet SCALA mit ihrem neuen Album „To You In Alpha“ (Too Pure) eine düstere Endzeitstimmung, welche, geboren aus Gitarrensamples und einer Mixtur aus Seefeel und Locust, die perfekte Grundlage für den atonalen (Sprech-)Gesang von Sarah Peacock darstellt. Eine Stimme, die wie aus einer anderen Dimension zu dem Hörer gelangt. Nachhallende Streicherpassagen und die unterschiedlichsten Interpretationen ihres angewandten elektronischen Popstils beleben das Ganze bis zum Schluß. Wesentlich freundlicher gestaltet sich hingegen die neueste Veröffentlichung von CLIFFORD GILBERTO RHYTHM COM-BINATION. Im Stil von Drill´N´Bass-Jazz fliegen perfekt ausgetüftelte Samplearbeiten Hand in Hand mit live eingespielten Instrumenten im wilden Zick-Zack zwischen den Lautsprechern durch den Raum. „I Was Young And I Needed The Money“ hört sich dabei fast wie eine Entschuldigung an für das, was den Zuhörer in kürze begegnen wird, doch gibt es hierfür nicht den geringsten Anlaß, da das perfekte Arrangement jedes der 14 „Junk Classics“ in seiner verspielten Art die Gesichtszüge freundlicher werden läßt. Gewollt eingesetzte Knistergeräusche verraten sofort die Herkunft so manch eines Samples und ersetzen so auch schnell den fehlenden Kamin. Unterschiedlichste Beschleunigungen sorgen für einen hohen Abwechslungsgrad, auch wenn sich das neueste Werk auf Ninja Tune eher in einer schnelleren Sphäre abspielt.
Ruhiger gestaltet sich hingegen der neuste Release von TWO LONE SWORDSMEN. Zwei Jahre nach dem Erscheinen ihres ersten Albums „Return To The Flightpath Estate“ (Besprechung ouk 003), sind sie jetzt mit ihrem zweiten „Stay Down“ zur gleichen Jahreszeit zurück. Wieder verknüpfen Andrew Weatherall und Keith Tenniswood (Nein, Herr Lichtwald spielt kein Tennis) Elemente aus Elektro, Techno, Hip Hop und abstrakter Elektronik zu einem farben- und facettenreichen Klangteppich. Die 12 Tracks zeigen, daß die beiden während der langen Wartezeit nicht untätig geblieben sind, sondern sich ausgiebig mit der Weiterentwicklung ihres Projekts beschäftigt haben.
Sich mit ähnlichen Elementen auseinandersetzend, erschien auf N-Tone, dem Seitenlabel von Ninja Tune die neue NEOTROPIC. „Mr. Brubakers Strawberry Alarm Clock“ reißt dabei den Zuhörer nach einem längeren Intro aus seinem gerade beginnenden Zuhörfluß und trägt ihn in eine neue harte Welt der elektronischen Klänge. Sampler und Sequenzer dienen als Hilfe für die komplexen Strukturkleider der 14 Tracks. Vereinzelt auftauchende Gesangspassagen verleihen einzelnen Stücken eine gewisse Barjazzathmosphäre. Andere lassen durch pumpende Geräusche eher einen Vergleich mit z. B. dem mechanischen Arbeiten eines Weckers aufkommen. Eine Zuammenstellung die jeden Morgenmuffel aus dem Bett katapultiert um ihn dann doch wieder sanft in seine Arme zu schließen um ihn letztlich in einen neuen Tag mit all seinen Aufgaben zu treiben.
Erneut haben sich auch wieder einige Künstler unterschiedlichster Art dem Werk von RYUICHI SAKAMOTO zugewendet und ein Remixalbum auf den Markt gebracht. Und wieder ist es Ninja Tune, die Ashley Beedle, Andrea Parker, The Fink und Oval neben anderen die Möglichkeit geben, den Werken des Japaners ihre eigenen Charakteristikas zu verleihen. So bewegen sich die einzelnen der acht Neuinterpretationen zwischen relaxtem Funk, Jazz und experimenteller Musik. Vor allem J. Swinscoe ist es wieder gelungen nach seinem Debut auf dem Sampler „Funkungfusion“ einen überragenden Jazztrack zu kreieren, in welchem harmonischer Freejazz, unterstüzt von live gespielten Bläserparts, an einer ruhigen Passage vorbei hin zu einem infernalen Ende führen. Aber auch die anderen Künstler präsentieren sich in ihrer gewohnt guten Qualität.
Auch gut geeignet, die vorherrschende Kälte von sich ein stückweit zu vertreiben und weiterhin den Spannungsbogen auf ein neues Release zu vergrößern, ist die Maxi „Venera“ von JIMI TENOR auf Warp. Die vier Stücke, die hier vorzufinden sind, bewegen sich in der Welt der analogen Synthesizer und zeigen die unterschiedlichsten Schaffensbereiche des finnischen Hammondspezialisten. Zwischen einfühlsam harmonischem Jazz, schnellem Swing-Jazz und industriellem Noise wechseln sich die Stilelemente der Stücke ab. War die Vinylversion von „Intervision“ in ihrer Gesamtbetrachtung doch eher gleichbleibend, so hatten die Erwerber der Doppel-CD den entschiedenen Vorteil sich mit Hilfe der Bonus-CD „Sähkömies“ einen umfassenderen Einblick in Jimi Tenors Talentspektrum zu bekommen. Eventuell ist ja dem kommenden Album als Bonus das „Europa“-Album beigefügt. Man wird sehen. ][ g

 

Adam F - Brand New Funk - V Rec.
Adam F - Dirty Harry (Rmxs) - F-Jam
Natalie Imbruglia -Smoke (Ganja Kru Rmx)

Unser Adam haut mal wieder mächtig auf die Pauke. Eine ganze Weile war unklar, auf welchem Label, dann aber schließlich auf V Recordings und nicht auf F-Jam erschienen: ein Hit ohne Gleichen, der auch V Recordings Lorbeer-kranz größer werden läßt. „Brand New Funk“ ist feinster „Orchester-Drum’n’Bass“ mit typischen Adam F-Schleifen und fein abgestimmten Live-Instrumenten. Im Break räumt dann ein Walzensound nochmal alles zur Seite bevor die Funkgitarre nicht mehr zu stoppen ist. Und dann sind da noch die furchtbar kickenden Beats, bei denen niemand mehr stillsteht. Der DJ Suv Remix auf der Rückseite ist meiner Ansicht nach eher überflüssig, aber wer es lieber steppend, monoton und ruhiger liebt, dem sei damit gedient. Beim Klassiker „Dirty Harry“ hingegen durften Peshay/Decoder Hand anlegen und heraus gekommen ist eine Mischung aus „Miles from Home“ und „Dirty Harry“. Hervorzuheben ist der schöne Einsatz einer Streichersequenz und die lustig steppende Bassline nach dem zweiten Break. Auf der Flipside versuchen Ganja Kru ihr Glück und kommen mit der ganzen Geschichte irgendwie nicht zu Rande. Es klingt alles sehr demotivierend, und die Erken-nungsphrasen des Originals sind nur lieblos hineingeflickt. Doch auch echte Popsongs müssen sich ab und an einer Neubearbeitung für den Club unterziehen und das hat die Ganja Kru bei Natalie Imbruglia wirklich fachmännisch gelöst. Am Anfang hochgepitchte Stimme bis langsam die Breaks auftauchen und durch eine Bassline abgerundet wird, die eher etwas ungewöhnlich für die True Playa’z klingt. Ein Remix der mit Sicherheit auf der Tanzfläche funktionieren wird. ][ lightwood

Bassface Sascha - Perfect Day - Smokin Drum
Tja, wie soll man an dieser Stelle beginnen. Das Wort „Gerüchte-küche“ kann er wohl nicht mehr hören, aber es ist schon erstaunlich, daß Bassface Sascha bei so vielen Beschuldigungen - ob zu Recht oder Unrecht sei mal dahingestellt - noch ruhigen Gewissens an die Öffentlichkeit treten kann. Zunächst einmal horcht man auf, weil ein schon tot geglaubtes Relikt der ersten Labelstunden in Deutschland wieder auf den Beinen ist. Smokin Drum genießt wieder unsere Gegenwart und dazu noch mit einem interessanten Release des Labelowners himself. „Perfect Day“ lebt von einer In-Zucker-gewälzten-Melodie, die, so scheint mir zumindest, den Sommer verschlafen hat. Unschuldig, leicht melancholisch und immer präsent windet sie sich durch den Track ohne die Ambition zu haben sich verändern zu müssen. So merkt man lediglich an den Beats an welcher Stelle im Track man sich befindet, doch selbst das scheint unrelevant, denn die Melodie zieht dich in ihren Bann und am Ende setzt du die Nadel nochmal an den Anfang. „On Stage“ ist der ungefähr tausendste Drum’n’Bass-Track, der so eine jazzige Liveatmosphäre verkörpert. Doch hier haben wir keinen 08/15-Kontrabaß mit flockig-weichen Beats vorliegen, sondern abwechslungsreiche Bassorgien die auf richtige Monstersnares treffen. Richtig schwer stolziert dieser deepe Track über die Tanzfläche und man wird lediglich durch die kurzen Intermezzi daran erinnert, daß hier noch mehr Jungs „on stage“ sind. Klasse. ][ lightwood

Distorted Minds - Eventual (Rmx) - New Identity
Mein kleiner Geheimtip für schwere Gemüter. Das hier rollt nämlich ziemlich schwer daher. Keine Ahnung ob es davon überhaupt ein Original gibt, vielleicht auf Dubplate. Der Beat ist simpler Twostep mit kleinen auffällig gesetzten Rückwärtseffekten. Schwere Industrialsounds treffen auf Fiepsen und dämonische Flächen und letztendlich entsteht der Eindruck, hier ist alles zu spät. Weltuntergangsstimmung. SciFi-Soundtrack Nr. 1. ][ lightwood

Sonar Circle - The 5th Dragon - Reinforced 130
Reinforced Total, mit all den Stärken der Labelphilosophie, leider auch den Fehlern, die die letzten Veröffentlichungen in meinen Ohren hatten. Nonlineare Beats, überraschende Wendungen, tiefe Atmosphäre, 3 Tracks = sehr gut, aber eben auch sehr vollgestopft und soundmäßig diffuse Bässe und Drums, die den Druck nicht gezielt platzieren können. + ein überflüssiges (?) Trip Hop-Stück = Minus-punkte. Insgesamt natürlich besser als der D*B-Rest, da hier wieder mal der Weg ins Neuland gewagt wird. Wobei man vielleicht auch das Geld lieber in die demnächst hoffentlich erscheinende Seiji Platte stecken könnte. ][ neon tse-tse

Mighty Flores - Temporal Flux - Wicked Wax
Die Anzahl der Drum’n’Bass-Artist-Alben übersteigt zusehends die der Sampler und Compilations. Mit „Temporal Flux“ reiht sich ein weiteres deutsches Projekt in die Reihe ein. Mighty Flores, das Düsseldorfer Trio mit bisherigen Releases auf Typhoon, Konter, Basswerk und Wicked Wax, stellen ein gelungenes Werk zur Schau. Größtenteils recht verspielt, wird hier mit Sounds jongliert und es werden Effekte aufgefahren ohne jedoch den Faden zu verlieren. Die Jungs scheinen ein sehr umfangreiches Soundarchiv zu besitzen und es macht Freude zuzuhören, wie sie gekonnt mit allerlei Er-denklichem, u. a. auch mit Vocals, interessante und abwechslungsreiche Soundlandschaften kreieren. Das Ganze klingt einerseits sehr deep und chillend, andererseits aber auch frisch und neu, ohne großen Wunsch die Tanzfläche zu rocken. Teilweise könnten die Beats noch ein bißchen mehr rollen, alles in allem jedoch ein wunderbares Album für einen kalten Winterabend. ][ lightwood

DJ Tim - Indulge 006
Erste Fremdveröffentlichung auf diesem recht jungen deutschen Label. Trotzdem diese 12“ nicht wie die vorherigen fünf Katalog-nummern von Oliver Kapp produziert wurde, reiht sie sich nahtlos in die starke Labelpolitik ein. Zum Teil sehr subtile Loops, die auch von einem frühen Robert Hood zu Minimal Nation-Zeiten stammen könnten, treffen auf ein gutes, groovendes Rhythmusgerüst. Auch wenn diese Platte nicht unbedingt vor neuen Ideen sprüht, ist ihr ein gewisses Maß an Eigenständigkeit nicht abzusprechen. Außerdem ist heute eine Platte mit 4 überdurchschnittlichen Stücken viel wert, nicht wahr? ][ aleister

Fluxion - Lark - Chain Reaction 21
Nach langer Zeit endlich wieder ein Stück Vinyl aus dem Hause Chain Reaction aus Berlin. Fluxion aus Griechenland setzen da an, wo Chain Reaction vor ihrer 12“-Abstinenz aufgehört hatten. Einfach zeitlose ,schöne Musik, die vielleicht nicht unbedingt auf dem Dancefloor funktioniert, aber dafür ungemein zum Hören anregt. Auflegen, auf das Sofa setzen und hoffen, daß diese Platte niemals aufhört. Warme, dubbige Sounds geben Dir das Gefühl eines strahlenden Sonntag-Nachmittags. ][ aleister

Erik Truffaz - The Dawn - Blue Note
Winter-chillin 1:
Blue Note-Drum’n’Bass, sogar mit Rap-Poetry. Das Werk läuft unter dem Namen des Trompeters Erik Truffaz, wurde bereits Dezember 97 aufgenommen und paßt trotzdem auch dieses Jahr wunderbar in die Herbst/Winter Jazzy-Col-lection. Die Ingredienzien wären: mollig „komponierter Jazz“, analog Tentakelpatterns à la „Two Pages“ + Fahrstuhl zum Schafott-Trompet. Ganz schön. ][ neon tse-tse

A Collection of independent Hip Hop - Uppercut Records
Winter-chillin 2:
Veröffentlicht in England, versammeln sich diverse New York-Namen der Rawkus-Generation, still fresh in 99: Mike Zoot, Mos def, Network Reps etc. um spröden, schönen, teilweise aber auch leicht erkälteten Hip Hop zu promoten. Hier wird der Ball überwiegend flach gehalten, wobei das Resultat mir daher „erwachsen“ (darf man das sagen?) und sympathisch vorkommt. Viele Titel, viele kleine Hits. ][ neon tse-tse

Bergheim 34 - www.spacelab.net/~1stlove
Winter-chillin 3:
Freunde aus Heidelberg: Die nettesten Leute machen zusammen dieses chillernde Lo-Fi Postkraut-ambientrockprojekt. Sie jammten vor sich hin, schickten die Songs nach New York, wurden sofort gesignt, landeten kurz darauf auf dem Benefiz-Sampler des neuen IN-Labels „Normal“, um jetzt wahrscheinlich die EP auf Klang zu veröffentlichen. Die Musik gefällt also vielen Leuten. Ansonsten kühl relaxt, primär improvisierter, aber auch komponierter „Band-Techno“. Moderne Sounds 4 AM, mondän, modernd und modig modulliert - zu bestellen über Modem, the Sound of., trotzdem in freundlicher Distanz. ][ neon tse-tse

Buckshot - Follow my lead - White
Buckshot, da B.D.I. MC, seines Zeichens Vorstandsmitglied beim 98 wiederbelebten Rap-Kartell BLACK MOON, Superheld sucht den Wettstreit mit seinesgleichen. Auf einem moody Black Moon typischen Loop (Stimmungsabgleich - Billie Holiday singt Strange Fruit=Blues-History - Parallelen evtl. bei Mobb Deep -- subjektive Standortbestim-mung NTT) rapt Buckshot erhaben und ungeschlagen den Rattenfänger der Duck-down clique. Alltime Favourit. ][ neon tse-tse

Brandi Ifgray - Maurice Fulton Mixes - Sähkö
In die eigentliche Tradition des Sähkö-Sounds kann man diese Platte nicht einordenen, dafür enthält sie wohl zu wenige Blinks und Blonks. Dafür gibt es echten 80er-Bowie-Sound zu hören -gelungener dunkler Disco-Sound eben. Die vielen kleinen Raffinessen, die man bei genauem hinhören entdeckt, passen dann auch wieder zu Sähkö. Maurice Fulton beweist auf alle Fälle, daß er Geschmack und ein sicheres Händchen in Sachen Disco hat. ][ mb

Faze Action -Karimba - Nuphonic
Wäre es Sommer, dies wäre der todsichere Hit für die warme Jahreszeit, denn die Gebrüder Lee pressten ein neues Juwel musikalischer Leistung auf Vinyl. Und auf welchem Label läßt sich sowas am besten Veröffentlichen, wenn nicht auf NuPhonic ?!? Aber auch im Winter erfreut die warme Stim-mung dieses Latin-House Stückes (wenn man es denn so nennen kann)die Herzen der Tänzer und läßt die Sorgen für einige Minuten verblassen. Allein schon der Einsatz der Querflöte läßt einen Aufspringen und an Ort und Stelle tanzen. Und wie sagte mein Gitar-renlehrer so schön: “Da könnte jetzt auch Santana dazu spielen, und es würde keiner merken”. ][ mb


The New Latinaries - Atabaque (Jazza-nova Mix) - Ubiquity
Die Berliner Jungs verwandeln sich langsam aber sicher in wahre Remix-Künstler. So dürfte es wohl nicht übertrieben sein, wenn man Jazzanova als die deutschen Kruder und Dorfmeister bezeichnet. Mit Atabaque schufen sie jedenfalls ein zweites Latin-Monster à la Caravelle. Fliegende Bongos, Kongas und Trommel-geräusche sausen einem um die Ohren. Flink gespielter Kontrabaß läßt die Hüfte schwingen und den Rest besorgt die Liebliche Melodie. Ein gekonntes Durch-einander mit sehr viel Energie. ][ mb

Beanfield - Close the Gap Pt. 1-3 - Compost
Ein weiterer Münchner Dancefloorknaller. Beanfield produzierte hier eine eindrucksvolle Mischung aus Detroid-Techno, lateinamerikanischen Perkussionen und münchner Elektro. Spielbar auf House- und Techno-Abenden. Oder als treibende Scheibe in einem Latin-Set? Alles kein Problem, denn Close the Gap schließt wahrlich alle Kluften, die es zwischen elektronischer Musik jeglicher Art gibt. Und dabei ist es ganz gewiß kein Lückenfüller. ][ mb

DJ Matsuoka - JCR
Im Allgemeinen nicht sonderlich bekannt, arbeitet Matsuoka Naruhisa in Japan emsig daran, verschiedenen Musikstile zu mischen und Tanzflächenkom-patibel zu machen. Ein Grund mehr für die Jazzanova-Compost-Koalition, sich die vier besten Tracks dieses Mannes rauszupicken und hierzulande zu veröffentlichen. Matsuokas Stücke sind allesamt eine gelungene Mischung aus gesampelten Jazzlicks, elektronischen Effekten und groovenden Rhythmen. Alles sehr virtuos zusammengesetzt und stets locker klingend. ][ mb

V.A. - Frisbee Tour Vol. 2 - Frisbee
Paul Brtschitsch - Straight - Frisbee

Unkomplizierter Techno in vierfacher Form aus der Hauptstadt am Main. Kein absoluter Hit aber solide Tracks, die auf der Tanzfläche garantiert für Stimmung und Freude sorgen. Auch namentlich alles andere als unbekannte Künstler - Roland Kasper, Monika Kruse, Ricardo Villalobos - da weiß man, was man hat.
Paul Brtschitsch greift die alten Chicago-Tracks Zeiten auf und sorgt für ein groovendes Monster auf der A-Seite. Versteckte Effek-te sorgen für Spannung und die Beats haben es wahrlich in sich. Die Rückseite ist relaxter und verspielter und hat definitiv Deep House Charakter und liefert dieser Ep damit die nötige Portion Char-me um gänzlich zu gefallen. ][ mb

Cube & Sphere - Amundsen - disko B/Seperator
Das ist nun wirklich neu! Drum’n’Bass auf disko B. Sowas hätte man in zehn Jahren nicht erwartet (obwohl, ein bißchen ja schon). Das Debüt bestreiten Hans Platzgummer und Gerhard Potuz-nik unter dem Pseudonym Cube & Sphere. Und so klingen auch die zwei Tracks: Melancholisch sphärisch, um dann gleich von einer eckigen, düsteren Sägezahn-welle übertönt zu werden, bevor der beat einsetzt und alles mit sich reißt. Die Komplexität des Arrangements erinnert entfernt an Filmmusik und macht diese Platte zu einem wahren Hörgenuß. Also ruhig auch mal in Ruhe zu Hause anhören, das wird heutzutage eh viel zu wenig gemacht. ][ mb

I-f - Playstation #2 - disko B
Vor dem neuen Album releast der fliegende Holländer schnell noch eine Ep. Playstation #2 war bereits auf dem ersten Album in Kurz-version enthalten, hatte aber dennoch das Potential, als 12” Version zu erscheinen. Die B-Seite weist zwei äußerst verspielte Elektro/-Techno-Tracks auf, die sicherlich nichts Weltbewegendes darstellen, aber irgendwie nett anzuhören sind. ][ mb

Moloko - Sing it Back Mixes 1 - Echo
Eigentlich ist Moloko ja überhaupt nicht mein Fall. Aber den Herbert-Mix wollte ich mir dann doch antun und ich muß sagen - Gott sei Dank. Denn Herbert liefert mit seinem “Tasteful Dub” eine sehr schöne Umsetzung des Originals. Dabei schaffte er es, den melancholischen Charakter beizubehalten, nein, er verlieh ihm durch seine Vorliebe für exotische Samples und Beats gar noch eine extravagantere Note. Sorgt definitiv für die Momente eines anbrechenden morgens, wenn die Menschen den DJ für sein Set am liebsten mit Küssen überhäufen möchten. ][ mb

Hugo Agogo - Weekender - Toko
Toko war schon immer ein kleines Label, das unbeachtet von der Masse wenige, aber äußerst gelungene Platten auf den Markt brachte. Und wenn eine jener Platten dann den Weg in den Plattenkoffer des DJ´s geschafft hat, war sie dazu verdammt dort zu schmoren, um doch nicht gespielt zu werden. Weekender setzt jedenfalls auf den momentan anhaltenden Neo-Disko Trend und schafft es dadurch vielleicht, etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich und das Label zu ziehen. Wohlklingende, bekannte Achtziger-Samples werden von einem knackigen Beat getragen und steigern von Takt zu Takt die Stimmung. Spätestens bei den Synthie-Breaks sollte man ganz und gar im Discofieber aufgegangen sein. ][ mb

Laurel Aitken - The Pama Years Vol.1 -
Laurel Aitken with the Skatalites - The Long Hot Summer Vol.2 -beide Grover

Was gibt es zu dem “Godfather of Ska” und “High Priest of Reggae” noch zu sagen?! Eigentlich nicht mehr viel, außer, daß wir uns über diese beiden Platten sehr freuen.
Die Pama Years- Scheibe, welche den Schaffenszeitraum von 1969 - ´71 umfaßt, beglückt uns mit Reggae der allerfeinsten Art. Die Originale sind als Singles auf Nu beat/ Newbeat erschienen und wohl nicht mehr allzu häufig anzutreffen. Unter den 18 Titeln befinden sich zwei bisher unveröffentlichte (Apollo 12 und Benwood Dick), sowie ein gecoverter Elvis-Song (Don´t be cruel). Auf dieser Platte sind außerdem die schönsten Liebeslieder anzutreffen, die je das Licht der Welt erblickt haben, teilweise sogar mit Streichern (wie romantisch!).
Wem das Wort “Skinhead” bei manchen Texten auffallen sollte und dessen Weltbild dadurch zu-sammen zu brechen droht, dem sei gesagt, daß Laurel Aitken einer der Mitbegründer des “Skinhead-Reggae” ist und “Neger-Musik” gemacht hat, die sich inhaltlich ausschließlich positiv mit diesen “bösen Buben” befaßt (bei Irrita-tion wenden Sie sich vertrauensvoll an den Autor).
Bei der Long Hot Summer – Scheibe handelt es sich um Auf-nahmen aus einer Studiosession von 1963. Diese 15 Ska-Titel sind ebenfalls als Singles veröffentlicht worden, hauptsächlich auf RIO, Black Swan und Island. Es gab diese Session schon einmal auf Platte, allerdings mit drei Stücken weniger (Remember My Darling, One More River To Cross und In My Soul). Außerdem befindet sich eine sehr schöne Version von “Bad Minded Woman” auf dieser Platte. Laurel Aitken (75) und die Ska-talites sind nach über 35 Jahren immer noch auf der Bühne aktiv und nach wie vor prägend, nicht nur im Ska- und Reggae-Bereich.
Für Elektronik - verwöhnte Oh-ren sei noch angemerkt, daß die Mastertapes beider Platten verschollen sind und die Aufnahmen von Singles stammen, mit den dazugehörigen Background Noises. Da es sich bei beiden Platten auch um historische Dokumente handelt, tut die Soundqualität der Musik überhaupt keinen Abbruch!
Auch diesmal sei Grover-Records für ihre Veröffentlichungsauswahl ein großes Lob ausgesprochen. Die Welt braucht Grover-Platten! ][ mo’

Peacocks - in without knockin´ - Elmo
Endlich! Der zweite Longplayer des schweizer Trios! Seit 1992 bestechen die Peacocks durch eine gekonnte Mischung aus Psycho-billy, Rock´n´Roll, Ska und Punk. Hinzu kommen der Kontrabass und die eigenwilligen Coverversionen, auf dieser Platte z.B. “Somebody´s Gonna Get Their Head Kicked In Tonight” von Fleetwood Mac und “Letter To The Censors” von La Mano Negra.
Man merkt den Jungs an, daß sie viel Spaß an und bei ihrer Musik haben und die Tatsache, daß kein Stück länger als 3,5 Minuten dauert zeigt, daß der Punk-Faktor hochgehalten wird. Es rockt und grooved mächtig bei den Peacocks, was für die Livedarbietung genauso gilt, wie für die Platte. Von der Möglichkeit, mit Ska zu würzen, machen die Peacocks bereits seit sechs Jahren Gebrauch und haben dadurch bestimmt einen Teil zu diesem gegenwärtigem Trend beigetragen.
Die Pfauen haben mit dieser Scheibe ein schönes Rad geschlagen.
Auch diesmal ist Elmo - Records, mit ihrer fünften Veröffentlichung, ein sehr guter Wurf gelungen. ][ mo’

Me/Myself & I – Two Steps Forward, One Step Backward...
Hinter diesem Projekt verbirgt sich der 23-jährige Thomy Waneck aus Tübingen.
Musikalisch handelt es sich schwerpunktmäßig um Dub (- Reggae), gepaart mit etwas Hip Hop und ein wenig Ragga. Thomy Waneck hat in seinem “Wohnzimmerstudio” alles selbst komponiert, produziert, gemixt und alle Instrumente eingespielt. Unterstützung erhielt er an der Gitarre von Princess K. (Melodic Reaction Dub) und Mirko Sigloch (Almighty God Dub), sowie von dem Saxophonisten der Tübinger Ska - Kombo Court Jesters Crew Johannes Hirt (Time & Space, Treasure Dub). Die elf Titel entstanden zwischen 1996 und 1998. Der Sound ist sehr relaxt und spacy, der Bass ist richtig schön dick, wie das bei Dub eben so sein muß, die Dubelemente Hall und Echo wurden überlegt und nicht übertrieben eingesetzt. Man hört bei dieser gelungenen Produk-tion, daß dem Macher Dub - kompatible, elektronische Musik be-wußt ist, wie Drum & Bass, Acid Jazz und Trip Hop. An dieser Kombination des alten Onkel Dub und aktueller elektronischer Musik hätten Mad Professor und Dennis Bovell sicher ihren Spaß.
Zu erwerben ist die CD bei Thomy Waneck, Roßbergstr. 28, 72072 Tübingen, 07071/72874 oder 74664. ][ mo’


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