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Ein Durchblättern sämtlicher, mehr- oder minder unerläßlicher Nite-Life-Magazine meinerseits, ließ mich überrascht feststellen, daß die bis vor kurzem noch akribisch getexteten Veranstal-tungsrezensionen und Partyreviews (fast) ganzlich aus der Landschaft der Printmedien entschwunden sind. Ob es die Einsicht war, daß örtliche Anwesenheit mehr wert ist, als 5 Zeilen Text, oder den Redakteuren bewußt wurde, daß für eine solche Rubrik eine gewisse Vollständigkeit (die letztendlich aber nie zu erreichen ist) von Nöten ist - wer weiß.
Ich jedenfalls war erschreckt über die Leere, die mich am 28.1. im Epple-Haus erwartete. Dabei gab es an diesem Abend eine interessante Mischung aus Live- und DJ-Set, inszeniert von Thomy Wanneck, der sein Album Me, Myself and I (Kritik in Ausgabe 016) vorstellte. Dabei hielt ich gerade die Dub- und Reggae-Szene Tübingens stets für vital und auch lokalpatriotisch angehaucht.
Alles andere als leer dürfte es die nächsten Wochen montags im Jazzkeller werden. Daß dort montags die Veranstaltungsreihe Bag of Goodies stattfindet, ist mittlwerweile genauso bekannt, wie die dort, jede Woche aufs neue entstehende, gelungene Mischung aus Jazz-Grooves, Soul- und Dance-Musik. Um die Strapazen des vierten Geburtstags zu überstehen, hat sich Emanuela de Luca allerlei Hilfe zugezogen - erwähnt seien hier alte und neue Bekannte wie Florian Keller, Jochen L und Jazzanova - was angesichts neuer Deko, doppelstöckiger Räumlich-keiten und schließlich großer Geburtstagsparty im Depot (am 20.2. mit Rainer Trüby und Mad Mats) verständlich ist.
Vollführen wir einen Schwenk nach Frankfurt. Leidenschaftliche Clubgänger haben in der Rhein-Main-Metropole seit geraumer Zeit Schwierig-keiten, überhaupt noch einen geeigneten Raum zu finden, indem sie ihrem Hobby nachgehen können. Schuld daran hat die Stadtverwaltung bzw. deren Unterämter, die es diversen Clubbetreibern schwer machen, ihrem Geschäft weiterhin nachzugehen. So mußte dann auch mal wieder der Nord Disk Club seine soeben erst eröffneten Pforten schließen, obwohl man sich vor einer Gefahr der Entdeckung eigentlich sicher wähnte. Der von seinen Machern Lorenzo Bizzi und Frank Lottermann in wechselnden Locations geführte Club war dieses mal in einem entlegenen alten Brauereihaus an der Hanauer Landstraße angesiedelt und versprach so ungestörte Clubabende. Ob es sich nun um einen Fehler seitens eines Frankfurter Szenemagazins handelte oder um Anschwärzung durch die Roßmarkt-Disco U 60311- sicher ist, daß man mittlerweile getrost von mafiosen Vorgehensweisen einiger Frankfurter Großgastronomen sprechen kann. Doch bin ich mir sicher, daß Lorenzo und Frank ganz schnell wieder eine neue Heimat finden werden. ][ mb
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HipHop (bzw. Rap) hat ernsthaftem Techno in diesen Tagen trotz seines hohen Alters den Boom voraus, den letzterer vor einigen Jahren durchlief. Der Hype fördert natürlich jene Trittbrettfahrer zutage, die bei dessen Ende schnell vergessen werden, jemals Teil dieser Kultur gewesen zu sein, aber genau diese füllen die Kassen und Veranstaltungsorte. Ein Paradebeispiel ist die Köllifornia-Reihe, bei der jedoch dankenswerterweise trotz des Erfolges dem musikalischen Konzept in der Regel treugeblieben wird. Im Gegensatz zur Januarausgabe, auf der die technisch versierten Shame und Légèr aus Jena, was die Auswahl des schwarzen Goldes betrifft, sehr auf allgemeines Gefallen achteten, fügte sich das Weihnachtsspecial im Rahmen der großartigen I love New York-Ausstellung im Mu-seum Ludwig in diese Beurteilung nahtlos ein. DMC-Liebling Cash Money, der an Neujahr auch das vollkommen ignorante Neuschwansteinpubli-kum überforderte, erhielt nur teilweise von den ziemlich lahmen Kölnern Respekt, den er verdient, ließ aber doch das ein oder andere Mal die Skills erkennen, mit denen er 1988 den Weltmeistertitel in die Staaten holte. Lifeforce, gewohnt souverän und Chestnut, der Springer zwischen zwei Welten, besorgten den musikalisch ansprechenden Rest. Mr. Kastanie unterstütze auch den gerngesehenen Dauergast Mario Coolman im viel zu kleinen Studio 672, wo schon ein Monat zuvor erheblicher Platzmangel herrschte, als der unvergleichliche Pete Rock nicht nur Hamburger Prominenz anlockte und begeisterte. Zu erwähnen sind noch die lustigen Pharcyde-Jungs, die die Life Music Hall mit einem durchaus erfreulichen Konzept versorgten und den überaus enttäuschenden Auftritt der blödsinnigen Zwischensprücheklopfer Die Firma vergessen machten, deren vinylacetierten Ergüsse mehr versprachen. DJ Tomekk sollte zwar auch lieber seinen Mund halten, darf sich das blöde Gelaber angesichts seines beachtlichen Könnens aber erlauben. Dieselbe Location, allerdings völlig umgebaut, war Schauplatz des Marlboro Electric Rodeo. Ausgezeichnete Live Acts (Zulutronic und Dynamix II), ein bescheiden gemixtes, musikalisch aber überzeugendes Rahmenprogramm (abgesehen von belanglosem House und Gangstas Paradise gegen Ende), das nicht bekanntgegebene Feh-len des Headliners Kurtis Mantronix und eine gelungene Deko gingen einher mit der Frage, was Elektro mit Cowboys zu tun hat. Schade, daß die Musik von der elektrischen Kuh ziemlich in den Hintergrund gedrängt wurde. Die oben erwähnte I love New York-Austellung, auf der junge Big Apple Künstler ihr aktuelles Verständnis von Kunst vorstellten (begrüßenswerterweise auch mit einem Beitrag über DJ-Art) sollte auch Anlaß für eine vom Liquid Sky organisierte Party sein, scheiterte aber wohl an gewissen finanztechnischen Untragbarkeiten seitens der Museumsverwaltung, jedenfalls stand man vor verschlossenen Türen. Das Liquid Sky wurde an dieser Stelle strafenswerterweise noch nicht erwähnt, daher: Supergemütlich, klasse Musik, abwechslungsreich, wochentags Eintritt frei und ganz nebenbei zusammen mit dem Psychothrill und Kompakt einer von drei Begriffen, die jedes elektronisch interessierte Lebewesen auf diesem schönen Planeten mit der Domstadt zu verbinden weiß. ][ motik
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