OUK das Sieb10te rund & saftig (Feb/März 99) Gespaltene Töne

Kotai & Mo - Elektro Musik Department
Elektro Musik Department, was ist das überhaupt? 1992 eröffnete der Video- und Installationskünst-ler Daniel Pflumm im Stadtteil Berlin-Mitte einen wohnzimmergroßen Laden, den Elektro Club. Das durchdachte Styling wurde von Logos bekannter Industriekonzerne beherrscht. Schmuck-stück des Ladens war das eigens entworfene Elektro-Emblem. Ein Jahr später schloß sich die gebürtige Düsseldorferin Mo an, die das Musikprogramm übernahm. Ent-sprechend der inhaltlichen Aus-richtung des Clubs sollte dem Gast ein bewußtes Hörempfinden elektronischer Musik geboten werden. Anfang ‘95 gesellte sich schließlich Klaus Kotai zu den beiden. Als Trio gründeten sie gemeinsam das Label Elektro Musik Department. Sie sind die Erfinder der Augen-musik. Darunter versteht man die Dualität zwischen Hören und Sehen. Eines der beeindruckendsten Beispiele sind die NYC-Loops, ein offizielles EMD-Release, bei dem Musik (Audioloops) und die Bilder=Firmenlogos (Videoloops) gleichzeitig entstanden und zusammenwuchsen. Laut Kotai entstand dieses Autorenlabel organisch. Erst aus der Zusammenarbeit aus Musik und Videoloops entsteht letztlich das Produkt Elektro. Seiner Meinung nach sind diese Logos mehr als nur Schriftzeichen. Seiner Überzeugung nach könnte man in der Assoziation der Logos Endpunkte der Identität ausmachen, zum anderen hat diese Logo-Kunst eine gewisse Pop-Ästhetik. Elektro sei die Summe von Para-metern und einer Portion Zufall, so der gebürtige Österreicher. Zur Produktion: Minimal-fragiler Tech-no, melancholisch und euphorisierend in einem, frei von oberflächlichen Signalen und Plattitüden. Grund für den Kultstatus und den tadellosen Ruf, den Elektro Musik Department weltweit genießt. ][ olsen (in Koop. mit Partysan BaWü)

4 Hero - Two Pages Reinterpretations - Talkin Loud
Hier wird nichts auf den Kopf gestellt, sondern einfach nur fein säuberlich geremixt und zwar Stücke aus dem Meisterwerk „Two Pages“. Hefner, Jazzanova, MAW, Azymuth, Alpha Omega, u.a. bearbeiten die ohnehin schon guten Perlen 4 Heros nach eigenem Ermessen. Eigentlich müßte man hier jetzt jeden einzelnen Remix vorstellen, denn es herrscht Viel-falt und hohe Qualität, aber der Platz reicht nicht. Vertrackte Beats und Percussion, was ebenso wie alles andere in der „Live-Ästhetik“ gehalten wird, überzeugen. Herrausstechend auf jeden Fall Jazzanova und Hefner, die beide an Deep- und Funkyness kaum zu überbieten sind und Sonar Circle, der eine neuartige Trickyness für Drum’n’Bass-Hö-rende an den Tag legt. ][ lightwood
V.A. - Tribes of da Underground Vol. 4 - Infracom!
„Das Treiben im Untergrund ist Vielseitig“. Mit dieser Aussage läßt sich die mittlerweile vierte Aus-gabe von „Tribes of da Under-ground“ wohl am besten erklären. Michael Rütten aka M.R. Soul-patrol selektierte sorgfältig eine Auswahl verschiedenartigster Stücke - Disko-Elemente, afrikanische Percussionen, schnelles und langsames, Stücke zum Hören und welche zum Tanzen - alles mit verdammt viel Soul, wenn ich das mal so sagen darf. Kurz um: Eine sehr gelungene Compilation für jedermann. ][ mb

Daniel Ibbotson - Stream Lines - Glasgow Underground
Typisch Glasgow Underground: Unter all den mittelmäßigen Outputs wird hin und wieder eine hervorragende Perle versteckt. Daniel Ibbotson jedenfalls sorgt mit diesem Album für Überraschung im doppelten Sinne. Zum Einen weil diese Platte eben eine jener gerade erwähnten Perlen ist, zum Anderen, da sie sich so gänzlich anders zu Ibbotsons früheren Veröffentlichungen auf Clear verhält. Gekonnt erzeugt er eine organische Welt voller feinfühliger Arrangements, grooviger Bässe und lieblicher Melodien. Dabei stets auf genügend Abwechslung achtend, ähnelt er einem Moody-mann oder Theo Parish in Sachen Produktionsweise. „Stream Lines“ ist für mich, zusammen mit Herberts „Around the House“ eines der schönsten und spannensten Alben des letzten Jahres. ][ mb

Hi-Fidelitiy Dub Sessions - Chapter One - Guidance Recordings
Zur inzwischen aufgekommenen Flut von (meist empfehlenswerten) Dub-Samplern gesellt sich nun ein weiterer ebensolcher. Als Ergänzung zu seiner bereits etablierten HiFi-House-Compilation-Reihe will Guidance nun eine „Plattform für innovativen Dub der Neuzeit“ schaffen. Gleichzeitig wirft man mit einer streng limitierten 10inch, die drei der insgesamt 11 Tracks des Albums enthält (2x Dual Tone und das Butch Cassidy Sound System), ein weiteres vermeintliches Sammler-Objekt auf den Markt. Sei’s drum, dieses gut produzierte Werk (der Name verpflichtet, allerdings auch die Stilrichtung!) wird zu einem Gutteil von den Ideen des labeleigenen Dub-Minimalisten Paul Hunter geprägt, der in mehreren Formationen als alleiniger oder Mit- Autor und Produzent fungiert. So auch beim vielleicht bes-ten Stück des Albums, von Up-tight Prod, wo unüberhörbar Ri-chard Dorfmeister mitwerkelte, wie überhaupt einige Kollegen aus der Ostmark, wie aber auch aus Frankreich (Dunstkreis Pro Zak) mit von der Partie sind. Der Sampler ist eine ausgewogene Zusammenstellung von ruhig groovenden Aufnahmen aus den Jah-ren 1995 - 98. Sie bestechen durch einen glasklaren Sound, dessen kreatives Potential groß genug ist, um nicht in auf Dauer nervende Effekthaschereien abzugleiten. „Dedicated to Jah“, zeigen sich die Kompositionen zwar deutlich vom Reggae beeinflußt, aber es handelt sich nicht um eine Reggae-Platte, auf jeden Fall aber um eine, mit der Reggae-Hasser und -Liebhaber gleichermaßen leben können. Durch die Produktion von mehr Dub-Re-mixen in der Housemusik seit 1988 kam diese Richtung verdientermaßen wieder mehr zu Gehör und profitierte dann von der verstärkten Verbreitung elektronischer Musik. Davon, daß die musikalische Entwicklung dort nicht stehengeblieben war, zeugt die Vielfalt und qualitative Dichte einer großen Anzahl von Produk-tionen aus der Dub-Szene. Die vorliegende Compilation ist ein weiteres Beispiel dafür. ][ Handke

V.A. - Sound of the City New York - Motor
Wenn Pop-Fashion-Magazine eine Compilation zusammenstellen (und sich diese auch noch auf den Sound einer Stadt beruft, der vielseitiger und zugleich widersprüchlicher nicht sein kann), läßt einen das in der Regel nichts gutes ahnen. Umso beeindruckender also, daß im Rahmen des Max-City-Guides eine für jedermann interessante Compilation zusammenkam. Die beiden „Selectors“ Joe Clausell und Mondo Lucien, beide in New York als DJs zugange und zumindestens der Erste ja auch nicht mehr unbekannt, bewiesen ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Stücke (auch wenn manch einer von B-Stücken spricht, gell Rainer). So ist die Basis dieser Compilation die jeweilige Plattensammlung der Beiden und porträtiert so nicht nur auf durchaus gelungene Art den Sound New Yorks, wie er täglich in den diversen Clubs der Metro-pole stattfindet, sondern beherbergt auch noch den ein oder anderen Schatz und ist somit sowohl für Trendsetter als auch für Sammler gleichermaßen zu empfehlen. ][ mb

V. A. - Voyager - Audio Blueprint
Audio Blueprint sind die drei Produzenten Skynet, Stakka und K-Tee aus Brighton, die sich seit der Gründung des Labels 1996 für bemerkenswert gute Stücke verantwortlich gemacht haben (u.a. auch auf Ram und Liftin Spirits). Ihre proklamierte Labelphiloso-phie, “auch ältere im Jungle-Kon-text verwendete Vibes und Sounds mit zeitgenössischen Drum’n’Bass-Ideen zu verbinden”, zeigt sich eigentlich nur bei “Jugged Edge” von Stakka & K-Tee besonders erfolgreich umgesetzt. Die anderen fünf Tracks schweben oder rocken in gewohnter Science Fiction-Ma-nier zwischen hier und Pluto. Zu-sätzlich gibt es drei Remixe von Hidden Agenda, Matrix und Dom, die ihr Geld allemal wert sind. Außerdem durchaus gut und überraschend das neue Projekt Lo-Life. Wer die eher technischen Vibes mag, liegt hier nicht falsch. ][ telmo a.

Simon V - One Night - MAZ
Ein kleiner Auszug aus dem Schaffen des Simon Jarosch. Nicht nur das Cover ist sexy, sondern auch das Internet und da sind über die letzten Jahre immerhin schon an die 50 Tracks von Vivid aka Simon V veröffentlicht worden. Zeit also für dieses Album in CD-Format beim Internet-Vertrieb MAZ. Sieben der elf Tracks sind bereits auf Vinyl bei Tübingens Labelgewächs Santorin erschienen: Drum’n’Bass im zeitlos technoiden Gewand sowohl für die Tanzfläche als auch für zu Hause. Eigene Sounds, eigenwillige Ideen, eigener Style. Das Bild vervollständigt sich durch streng synthetischen melodiös-deepen bis dreckig-harten Electro. Weitere Infos, Anhörmöglichkeit & Ordering unter http://vivid.kosmic.org/ ][ lightwood

Urban Species - Blanket (Optical Rmx) - Talkin Loud
Bei den Sounds kommt mir automatisch das Coverartwork von Plugs „Drum’n’Bass for Papa“ in den Sinn. Keine Ahnung warum, eben sehr mystische Stimmung hier, die einwandfrei zu Opticals mehr als kickenden Drums paßt. Ob die teilweise leicht ätzend gesungenen Vocalpartikel (eine Seite mit, eine Seite ohne) aus dem Original hier nun stören oder nicht kann jeder für sich selbst entscheiden. Ansonsten treibende Bassline, die an den richtigen Stellen kurz angeschnitten wird und wenn man genau hinhört erkennt man sogar die kleinen Spielereien, die sich Optical aus seinen Fingern saugt. ][ lightwood

Syncope - Pathfinder 001
Oft gelesenes Intro in letzter Zeit: Neues Drum’n’Bass-Label aus deutscher Stadt XY. Bonn ist heute dran und ein ehemaliger Teil der Wicked Wax-Crew geht mit viel Elan, breiter Öffentlichkeitspräsenz, schönem Artwork und natürlich Drum’n’Bass satt die ganze Sache an. Syncope (aka Basztart) legt das erste Release auf den Tisch. „Different People“ strotzt vor fantastischen Sounds und Ideen. Die Drums klingen wie ein choreographisch gut durchdachtes Feuerwerk oder sollte man damit doch gleich lieber Star Wars vertonen? Insgesamt ein sehr interessanter Stepper, der durchaus auf der Tanzfläche funktionieren könnte... und ich bin mir sicher dem Grooverider gefällt diese Seite hier. „Midi Tones“ steppt mit Funk-Gitarre vor sich hin, dann packen dich die Gänsehaut-Streichsequenzen und tauchen an unerwarteten Stellen auf und wieder ab. Der Aufbau erscheint mir ein wenig durcheinander, auch ohne wirklichen Höhepunkt, der Schluß hingegen überzeugt durch Originalität. http://www.pathfinder-recordings.de ][ lightwood

Unique Allstars - Unique 004
Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar und schon fast wieder vergessen. Da wurde schon immer ge-junglet, gerockt und gefeiert was das Zeug hält und wer kennt noch die Bassline Generation? Hier sind einige Aktivisten auf dem Weg im guten alten badischen Vibrations-Stil (in doppeltem Sinne...) tanzbares Vinyl an die Oberfläche zu be-fördern. DJ E-Decay, OCB und Ni-qo gründeten vor einiger Zeit ihr eigenes Label Unique3Recordings. Inzwischen ist Krasqu’n dazugestoßen und zusammen wird mit der vierten Scheibe ein konzentrierter Druck auf die Tanzfläche ausgeübt. Monotoner, moderner Jump-Up vielleicht, der durch witzige Ideen seine eigene Note er-hält. Raggavocals, Amen-Spreng-sel, Motorengeräusche, Melodie, ein Lacher und Bonus Track geben alles was das Herz begehrt. ][ lightwood

Usual Suspects - Killa Bees - Renegade Hardware
“The fact is, we have been invated by the foreign species of the african killa bees” lautet das Intro, untermalt von surrenden Bienen, um der folgenden Bassline einen artgerechten Sinn zu geben. Wer am Samstagabend nicht sowieso schon seine Hüfte gegen oder im Rhythmus bewegt, dem bleibt nur der Sturm auf die Tanzfläche, um zum neuesten Two Step-Move die spaßige Fluchtbewegung beim Tan-zen auf der Stelle zu üben. ][ telmo a.

Seiji - Density - Reinforced
Bruce:”Hey Neon, wer sind Deiner Meinung nach die Besten 10 Breakbeatproduzenten, wo´s gibt ? “Nun, Seiji ist schon mal einer davon, und ....” Bruce:” Wer?, Setschi ? Neon, du spinnst, den gibt´s doch gar nicht ?” “Doch, es gab mal eine Zeit, viele, viele Jahre bevor Du geboren wurdest, da gab es Kämpfer für die Kosmische Befreiung. Seiji war einer ihrer tapfersten und ehrlichsten Kämpfer. Zum Beispiel auf der Reinforced 132 zeigte er einer ganzen Generation Subkomischer Befreiungsaktivisten. Wo der Hase läuft.” Bruce: “Was ist ein Hase ?” “Nun, ein Hasenhirn ist zum Beispiel derjenige, der sich diese Platte entgehen liess.” Bruce: ”Warum ? “ “Kosmos, Bruce, Kos-mos...” ][ neon tse-tse

Alex Cortex - Tengenenge - Source
Techno dedicated to Mike Banks, dem Underground Resistance- Boss. So klingt sie denn auch. Guter, direkter, reduzierter Tech-no—-FUNK. Mit seinen jungen Jahren hat er bereits einen Ein-blick in die Formel. Keine Gim-micks, sondern funky Mathe-mathics. Es geht um die Essenz. (Interview im nächsten Heft). ][ neon tse-tse

Elfish Echo - Strong Medicine - Source
Burkhard Höfler (Elfish Echo) ist ein netter Kerl und macht Super-Musik. Diese LP ist nun wirklich eigen, abwechslungsreich und mit einer eigenen Stimmung unterwegs. So was gibt´s zur Zeit sonst fast gar nicht. Mir stehen oftmals die Haare zu Berge, wenn ich Produzenten höre, die Sachen neu kombinieren, ihnen dabei aber oftmals ein tiefergehendes Musikver-ständnis fehlt. Bei Strong Medicine verhält es sich aber so, daß ich mich freue, eine Platte zu besitzen, in die ich noch oft hineinhören kann, und immer wieder etwas dazu lernen kann. B-Hard hat hier mehrere Schichten erzeugt, ohne daß die Dinge überladen sind. Die Musik wirkt extrem räumlich. Für die Tanzfläche Deiner Wahl sind die Tracks mal mehr, mal weniger geeignet. Diese Platte lebt, erwartet von Dir aber die Ruhe und Zeit zuzuhören. Sei vorsichtig und geduldig, und Du wirst reichhaltig belohnt werden. ][ neon tse-tse

Low Res - Approximate Love Boat - Plug Research
Es ist schwer, passende Worte zu dieser CD zu finden. Der Untertitel „Mistaken Alien Interpretations Of Earth Music“ macht am besten deutlich, was den Hörer erwartet. Ein unendliches Universum voller Sounds und Geräusche, stetig versuchend, den Hörer in seinen Bann zu ziehen. Beginnend mit einer Art elektronischem Free-Jazz, ändert sich die Stimmung, durch einen Luftangriff in Rage versetzt, zum exsplosionsartigen hin, bevor sich dann alles in den weiten des Raums verliert. Für mich ein ge-lungenes Werk, das die Musik von allen sie einengenden Geflechten befreit hat und so für freie Ent-faltung sorgt. ][ mb

Cristian Vogel - Busca Invisibles - Tresor
Verdammt gelungenes Cover, vor allem der CD-Aufdruck läßt erstmal ein paar Minuten auf sich blicken. Es soll ja Leute geben, die Platten und CDs wegen den künstlerisch gestalteten Covern kaufen. Christian hat jedenfalls noch viel mehr zu bieten. Als da wären die Einbindung von Funk, Soul, Jazz, Latin und Skatecore (!!) in seinen bereits sehr harten, meist geradlinigen Sound. So marschiert der Dampfhammer zu Beginn der CD kräftig übers Feld und zeigt, daß es doch immer wieder neue Wege gibt, eine 4/4 Bass-Drum erklingen zu lassen. Drumherum tummeln sich fröhliche Geräusche und Tö-ne, die immer mal wieder ins eigentliche Geschehen eingreifen. Und durch den stets zackigen Groove verleiht der Vogel dem Tänzer Flügel. ][ mb

Rainbow Connecion - Weightless in Koksijde - Riot City Pop 12
Wäre Kitsch doch immer so schön. Ein leichter Elektrobeat, Flächen und eine Klaviersequenz, die unter die Haut geht, einfach frandiose Musik für melancholische Momen-te. Kaum zu fassen, daß man sich von solch harmonischer Musik noch derart beeindrucken lassen kann (A1). Dazu gibt es von den Gebrüdern Erbstößer noch einen Elektrotrack für die Füße und neben zwei weiteren Stücken auch wieder sechs Endlosloops, die zu überzeugen wissen. ][ motik

Wolfgang Voigt - Orange Red - Freiland 002
Dettinger - Blond - Kompakt 002

Das duftet nach Köln, Studio 1, Groove-Minimalistik, Kompakt (Ex-Delirium, Recordstore, Label, ehemals House Attack-Office und jetzt auch Minivertrieb) und schmeckt nach Vorwärtsstreben durch Besinnung auf essentielle Dinge. Der kickende Auslöser bei Freiland ist definitiv die Aus-kostung des Raumes durch simple Stereo-Effekte, die aber unter monotonen Umständen Berge versetzen können. Rein optisch gleicht jede Rille der anderen, jede Seite der anderen und du fragst dich irgendwann nur noch wo führen dich diese Zeilen hin... Olaf Dettinger geht dann die Sache schon etwas direkter an. Ein Track mit Hang zum Vorwärtskommen, ein Track der tropft und plockt und klackert und was man noch so alles im Baumarkt findet, ein Track mit Tiefenwirkung und dann noch ein Track ... hmmm, ich sag euch ... sanftes Frühlingserwa-chen ... ich nippe am Honig-schmelz bis mich die Elfen in den Schlaf säuseln ... naja ... vielleicht hätte ich jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. ][ lightwood

Daktaris - Soul Explosion - Groove Attack
Nigeria in den 70ern. Genau, Nigeria, was wissen wir? Nix. Gut, es gibt ein paar Leute, die ... , aber die meisten? Wir wissen ja nicht einmal was 1999 in Afrika, dem Mutterkontinent der Erde geht. Es war aber zum Glück jemand so fleißig, diese Platte zu re-releasen. Diese Kombo hier hätte viele der amerikanischen Musikkollegen locker an die Wand gefunkt. Egal, aus welchen Gründen diese Platte gekauft wird, wird sie die Popos der Zuhörer, mindestens mal zum Mond und zurück kicken. Sofort kaufen, diesen kleinen Hinweis zu neuen, alten Welten. Es könnte Dir nur ein kurzer Blick gewährt sein. ][ neon tse-tse

Kenny Lattimore - Days Like This - Columbia
Mmmmh, dürfte schon ein paar Tage alt sein, will ich Euch aber auf keinen Fall vorenthalten, schließlich haben die Masters at Work wieder einen vollen Klassiker gelandet (auch wenn er vielen nicht druckvoll genug sein dürfte und somit wohl auch nie zu größerem Einsatz in den Clubs gelangen dürfte). „Days Like This“ ist eine förmlich herzergreifende Ballade im Housekontext und besticht nicht nur im Original, sondern eben auch im MAW-Remix. In Sachen Schlagzeugprogram-mierung reicht den beiden New Yorkern jedenfalls so schnell keiner das Wasser. Dazu noch eine der schönsten männlichen Ge-sangsstimmen des letzten Jahres. Für alle vermeintlichen Liebhaber des R’n’B ein Muß. ][ mb

Extended Spirit - Solid Water Rmx EP - Sonar Kollektiv / Dialog
Extended Spirit, jene Berliner Musiker die auch bei Jazzanova und Pathless mitwirken, haben sich kurzerhand entschlossen, ihr „Solid Water“ von einigen, nach eigener Aussage „Lieblingsmusi-kern“ remixen zu lassen. Das Ergebnis ist diese Doppel-EP mit sechs Mixen von Beatless, Rainer Trüby Trio, Megashira, Ben E. Clock und ADVC. So vielseitig dies nun alles klingt, so ähnlich sind sich dann letztendlich alle Mixe und so hätte man durchaus auch eine Single-EP mit weniger Mixen veröffentlichen können. Stets beat- und bassbetont wirken alle Tracks sehr minimal und sphärisch, wobei dem ein oder anderen die gekonnte Zusammen-setzung der einzelnen Elemente nicht abzusprechen ist. So überzeugt vorallem der Trüby Trio Mix durch seine für das Trio so typischen latin-angehauchten Beats. Einen richtigen Ausreiser sucht man auf dieser Platte allerdings vergeblich. ][ mb

Native Element - Brasil Minus Six - Clairaudience
Ron Trend scheint gar nicht mehr aufhören zu wollen, gute Platten zu veröffentlichen. Denn während ich diese Zeilen tippe, erscheint bereits schon die neue Clairaudience. Tja, so kann’s gehen. Anthony Nicholson, langjähriger Freund von Ron Trend, schuf hier jedenfalls ein zeitloses Juwel hinreisender DeepHouse-Musik. Schwammige Vocals harmonieren mit klangvollen Piano-Sounds, um den Hörer auf dem Weg in den musikalischen Himmel zu begleiten. Fairer Weise muß man jedoch sagen, daß der beigefügte Francois K.-Mix über den groovigeren Bass und den spannenderen Aufbau verfügt und damit der eigentliche Gewinner ist. ][ mb

Les Gammas - Chasin’ The Double Six - Compost
Die beiden Gammas lieben Free Jazz, Disco und Impressionisten. Behaupten sie zumindestens, wäh-rend sie eine frech funkige, mit vertrackt treibenden Beats versehene Platte hinlegen, die vor Seele und Energie nur so strotzt. Von Latin und afrikanischen Perkus-sionen stark beeinflußt, ist es die Mischung aus selbst erzeugten Sounds und naturellem Material, die diese Platte so interessant macht. ][ mb

Wieder konnte man in den grauen Morgennebeln des neuen Jahres in grellem Orange gekleidete Männer beobachten, die mit monotoner Eleganz unzählige, verbrannte Überbleibsel der vergangenen Nacht beseitigten. Wie schon kurz zuvor in einer Stadt aus 1001 Nacht zuckten auch hierzulande leuchtende Blitze durch das Firmament in der Hoffnung, alles Böse zu vertreiben. Übrig blieben nach diesem Unsummen verzehrenden Minutenspektakel nur müde, an langen Stielen sitzende Überreste, mit verkohlt aufgeplatzter Mehrfachpapierhülle.

Wesentlich nachhaltiger erfüllt die Debutveröffentlichung von LB den Raum mit einem Feuerwerk von Coverversionen. Mit „POP ARTIFICIELLE“ ist es Uwe Schmidt gelungen, unter einem weiteren Pseudonym neben Atom Heart und Lisa Carbon Trio (ouk das Fünfte) eine neue Musikfacette in seine unterschiedlichsten Schaffensperioden einzufügen. Mit der CD (Form & Function 017) verleiht er so nahmhaften Musikern wie zum Beispiel David Bowie, John Lennon, Donovan, James Brown und ihren jeweiligen Stücken ein harmonisch elektrifizierendes, neues Gewand. Ohne dabei den Charme der Originalstücke zu verlieren, dienen Vocoder, Effektgeräte und Soundfrickeleien eben diesen neuen Glanz zu erwirken. Die zehn Titel stellen damit wohl die interessanteste und auch längst fällige Transformation vergangener Pop-Perlen in eine moderne elektronische Musikepoche dar, oder hätte sich sonst noch jemals irgendwer für Angie von den Rolling Stones begeistert?

Auf dem gleichen Label veröffentlichten auch Jason Swinscoe mit einigen anderen Musikern zusammen unter dem Projekt THE CINEMATIC ORCHESTRA ihre erste EP. Hinter „DIABOLUS“ verbergen sich zwei eher ruhige Jazzstücke, welche beide zum gleichnamigen Film komponiert wurden. Mit live eingespielten Instrumenten wie Saxophon und Kontrabaß, über einer Landschaft aus Samples, gleiten die beiden Tracks mit einem immervollen Cocktailglas an endlosen Bartheken entlang. Im Gegensatz zu seinen Ninja Tune-.Veröffentlichungen, bei denen das Experimentelle sich stärker in den Vordergrund stellt, gönnt hier eine wunderschön berauschende Stimmung dem Hörer etwas Entspannung.

Nach ausreichender Entspannung lassen dann TEMPLE OF SOUND den Puls wieder schneller schlagen. Mit den elf Stücken der „BLACK ORCHID“ (Home Base Com. 005) wird hier eine Reise durch die Wunderwelten des Big Beat in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf die Boxenmembranen geleitet. Musikalisch bieten Neil Sparkes und Nick Page (alias Transglobal Underground) eine interesannte Mischung an, die geprägt von südamerikanischen und asiatischen Einflüssen im Zusammenspiel mit bombastischen Gitarrenriffs jedem einzelnen Werk eine ganz persönliche Note verleiht. Darüber ertönt von Zeit zu Zeit noch eine Art Sprechgesang der an die monotone Depressivität von Type O Negative erinnern läßt. Aber auch grandios bearbeitete Stammesgesangsamples finden ihren Platz, und reflektieren so mit viel Humor wieder genügend Wärme in das Gesamtwerk.

Gleichen Abwechslungsgrad dem Hörer bescherend, sich aber in dem Metier Electro suhlend, präsentiert „TRACK: FURTHER FUNK“ auf Hydrogen Dukebox zehn ausgewählte, zukünftige Clubclassiker unterschiedlicher Interpreten. Von harten und verspielten über minimale und extrem funkige bis hin zu ruhigen und dubbigen Stücken, die unter anderem von den Soundarchitekten Si Begg, A1 People, Omnivore oder Girl Eats Boy konstruiert wurden, weist die Palette des Samplers alles auf. Eine gemeinsame Eigenschaft, die allen Stücken innewohnt, ist ihr ungeheueres Potential an Tanzbarkeit. Verantwortlich hierfür ist nicht zuletzt die, mit viel Gespür für Feinheiten erfolgte, Bearbeitung schon gewohnter Geräusche und Rhythmuspatterns des Musikstils.

Ebenfalls den Grundstrukturen von Elektro bedienend, aber auch Einflüsse von Techno mitbeinhaltend und sich dann in eine absolut experimentelle Richtung ausdehnend, offerieren die vier Stücke der „EP“ von KARL-MICHAEL SCHNEIDER den Ohren dieser Welt eine rhythmische Klangspielerei in den Tiefen synthetischer Klangerzeugung. Anfänglich in freier Luft beepende Töne werden durch langsam aufkommende Rhythmusflächen aus dem Hintergrund zu einem plötzlich endenden 4/4 Takt variiert. Mit dieser dritten Veröffentlichung auf Transmitter Schallplattenproduktion (siehe auch „Spinning Wheel“ in dieser Ausgabe) werden so weitere musikalische Spektren in das Repertoire neben Drum’n’Bass aufgenommen. ][ g

 


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