OUK das Sieb10te rund & saftig (Feb/März 99) Source Pt. 1


source pt. 1


e l f i s h    E c h o

Wir schreiben das Jahr 1992 ... Ich ziehe nach Heidelberg um und weiß mal wieder nicht, was Sache ist. Selbst Soundforschung betreibend, verpasse ich den Aufbau des Heidelberger MUTTERSCHIFFES in Sachen wunderbarer elektronischer Schallsendung: SOURCE RECORDS. Zu dieser Zeit setzen sich die beiden sympathischen Twens DAVID MOUFANG (Move D) und JONAS GROSSMANN zusammen um die erste DEEP SPACE NETWORK zu produzieren. Das Ergebnis war hohe Anerkennung weltweit und eine Diskographie mit Künstlern höchsten Niveaus, die schon nahezu ausser Konkurenz steht, hinsichtlich der kontinuierlichen Qualität, inklusive Spannung, Spass und Überraschung. Ich bin erst als Zuhörer 1996 dazugestossen und oute mich hiermit als Spätzünder. Beeindruckend ist die Tatsache dass heute, 6 1/2 Jahre nach der ersten Veröfentlichung, (David hat die 30 überschritten + ein Kind und Jonas schuftet als Videocutter und Grafiker) die Beiden das Label mit dem gleichen Geist fortführen.
Sich über so einen langen Zeitraum innerhalb der Musikbranche zu bewegen, zerstört ansonsten oftmals Ideale und Vorhaben von Aktivisten und schmuggelt faule Kompromisse in die Arbeit. In diesem Fall geschah das nicht: Source atmet immer noch frische Luft:


Es

folgen

3

Interviews

mit

Künstlern,

die

auf



veröffentlichen

und

-ten.


hat Januar 99 seine dritte LP auf Source/KM20 am Start. Titel: „Strong Medicine“. Für Viele liegt der Vergleich mit Photek, Aphex Twin oder Squarepusher nah. Aber bereits bei leichtem Hinhören kann man die eigene Identität und Stimmung erfühlen, die dieser komplexen Mischung mit vielen Breakbeats und mehr innewohnt und Vergleiche, wenn überhaupt, nur zur gröbsten Standortbestimmung zulassen sollten.

elfish Echo studiert Japanologie und absolvierte vor kurzem ein Stipendium in Tokio. Dort musizierte man mit Spaß mit Anderen und so wurde ein großer Teil der neuen Platte dort aufgenommen. Dennoch gefällt es ihm nicht, daß dieses immer wieder als exotischer Hauptpunkt gewichtet wird:

ouk: Du magst nicht die Fixierung, immer mit Japan und Japanologie in Verbindung gebracht zu werden?

eE: Naja, man kann es ja erwähnen, aber ich will nicht darauf reduziert werden. Ich bin kein „Japan-Fan“ und mir stinken die tumben Klischees, die auch in Hipp- und Undergroundkreisen über Japan vorherrschen. Damit will ich nichts zu tun haben. Um ein Image à la “intelektuell, kopflastig usw.” brauche ich mich wirklich nicht zu bemühen. Im allgemeinen wird meine Musik auch immer so verstanden - als abstrakt, intellektuell.
Musik zu machen und Platten zu veröffentlichen ist ja schon eine Form von Selbstdarstellung, aber eben eine in kryptischer Form. Diese Verschlüsselung ist auch ein Spiel das man treibt. Wenn ich Stücke mache, fließen da bestimmte Sachen ein. Ich sage dazu kryptisch, weil man das als Erstes nicht nachvollziehen kann. Hinweise gibt es z.B. im Titel, aber es ist nicht so, daß ich alles auf den Tisch lege und sage: Diese Aussage mache ich. Ich sehe eine Parallele zu einer Homepage, weil das ein Angebot ist. Man kann das anklicken, es hören, einfach anschauen oder interpretieren und dann kommunizieren. Das ist mein Angebot, weswegen meine e-mail-Adresse auch angegeben ist.

ouk: Ist Musik für Dich ein bewußtes Kommunizieren oder ist es so, daß du die Sachen sich von alleine entwickeln läßt und dir dabei Freiraum suchst?

eE: Ich benutze Musik, um mir über etwas klar zu werden, mir selber etwas klarzumachen. Dann bekommt das eine Form und die bildet sich langsam heraus. So entsteht für mich auch ein klares Bild. Ich arbeiete auch mit Sprache, mit Samples von Anderen, die mich dann auch zitieren.

ouk: Ist dir vor einem Stück klar, was du machen wirst?

eE: Nein, ich glaube es geht den meisten Leuten so, die zu Hause mit den Apparaturen herumbasteln. Erstmal gibt es endlose Möglichkeiten. Man tastet sich langsam vor.

ouk: Wie würdest du den Kontext sehen, in dem du dich bewegst ?

eE: Das Medium Tonträger ist natürlich bereits ein Kontext. Der außermusikalische Kontext fließt auch in die Musik ein.

ouk: Du bewegst dich ja auch im Kontext der elektronischen Tanzmusik, die Grenzen sind ja oft sehr eng gesteckt, Wie siehst du da deine Position?

eE: Ich bewege mich in einer paralellen Position, gehe einen Seitenweg. Es wird mir dabei unterstellt, daß ich versuche Schubladen zu zerstören. Aber es ist durchaus so, daß ich mich bei der neuen Platte ganz bewußt mit dem Genre Drum’n’Bass auseinandersetze und versuche in diesem Rahmen meine Version davon zu sagen, (zu schauen,) was es für mich bedeutet.

ouk: Wie gehst du damit um, daß die Jungle-DJs, die mehrheitlich z. B. Photek als untanzbar einstufen, deine komplexen Beats nicht spielen würden?

eE: Ich weiß nicht, ob das so ist. Aber Photek ist schon mal sehr wichtig, da er es vermag, eine eigene Atmosphäre aufzubauen. Mich beeindruckt es immer wieder wenn ich merke, daß ein Stück das jemand gemacht hat, eine eigene kleine Welt aufbaut, mit einer eigenen Farbigkeit; etwas, das einen neuen Raum aufreißt. Das ist es, was ich versuche.

ouk: Trotzdem noch einmal: Wie würdest du das einstufen, wenn die Drum’n´Bass-Szene deine Musik nicht reinlassen würde, nicht mal richtig zuhören wollte?

eE: Da sehe ich mich doch eher unabhängig. Ich bin schon über das Alter heraus, wo ich einer Szene angehören möchte. Meine Mission ist die Musik. Musik gehört niemand. Wenns jemand nicht mag, ist das halt so.
Jede innovative Musik versucht, Grenzen zu brechen, neue Subformen zu schaffen, neue Aspekte zu bilden. Also ist sicher auch ein dekonstruktivistisches Element vorhanden. Was man aber dekonstruiert, ist nicht die Musik, sondern die Erwartung. Aber ich will das jetzt nicht so verstanden wissen, daß ich der Elfenbeinturmmusiker bin, der sich nicht für die Außenwelt interessiert. Ich mache DEFINITIV Musik für Leute. Ich will, daß die Leute etwas damit anfangen können.
Ich würde es begrüßen, wenn andere Leute mit anderem Background, mit anderen Vorstellungen sich einschalten würden, die zur Verfügung stehenden Mittel frei benutzen und ihre Version beisteuern würden. Ich selbst sehe meine Wurzeln nicht in Techno oder Drum’n’Bass, sondern in der Independent-Musik der frühen Achziger, oder in der Postpunkmusik. Dort wo viele Experimente gemacht wurden und sich die Leute einen Scheiß um das Geld gekümmert haben oder ob die Musik Major-tauglich ist. Und diese Einstellung begünstigt zeitlose Musik.

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Robert Gordon und Alex Cortex
][ Ido


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