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Pfarrkirchen, ein Name, der schon den aufmerksamen Betrachtern des kürzlich kursierenden Flyers eines Münchner DJ Gigolos einiges Kopfzerbrechen bereitete. Ein Blick auf eine sehr große Karte unseres Landes und tatsächlich man findet...
... eine niederbayrische Stadt namens Pfarrkirchen. Hier, zu Füßen des Gartelbergs, begann sich 1995 das Rad für Marcus Hacker und Reinhard Wimmer langsam zu drehen. Gemeinsam legten sie, anfänglich begrenzt auf den niederbayrischen Raum, im Rahmen fester Veranstaltungstermine in bestimmten Clubs auf. Vordergründig ist dabei für beide, die Freunde unterschiedlichste Musikrichtungen zusammenzuführen. Ihr Konzept ist es, die verschiedensten auf BLACK MUSIC-basierenden Musikstile so miteinander zu kombinieren, daß es gleich einem feinen Garn aus unregelmäßigen Fasern an einem Spinnrad gewoben und verflochten wird und somit die Zuhörer gleichermaßen fesselt. Der Erfolg gab ihnen Recht und geleitete beide zu einer bundesweiten Tour im Jahr 1997. Als Basis ihres Schaffens dient ihnen ihr Schallplattenladen, der sich nur durch ein kleines Schild an der Hauswand gekennzeichnet gleich am Bahnhof befindet. Auch über Mailorder können Besitzer nur kleiner Landkarten sich an dem reichhaltigen Repertoire an gefragtem Vinyl befriedigen, und aus einer breiten Palette aus Drum & Bass, House, TripHop und Soul auswählen. Aber auch Jazz, Latin und Easy Listening scheinen eine sehr große Bedeutung für das DJ-Team, den Laden und allen voran das Label Spinning Wheel Records zu haben. Mitte 1997 gegründet, erfreut es sich mittlerweile des sechsten Releases. Die Veröffentlichungen beherbergen dabei in den tiefen Tälern ihrer sauber gepressten Rillen musikalische Raritäten, aufgestöbert auf Flohmärkten und Plattenbörsen. Aber der ausschlaggebenste Moment wird wohl der gewesen sein, als sich beide in den Archiven für Filmvertonungsmusik von Sonoton befanden. In einen Keller verbannt lagerten hier unzählige Aufnahmen unterschiedlichster Künstler, die auf ihre Bestimmung - eine passende Filmszene - warteten. Mit viel Gespür für Groove, Ästhetik und trippigen Beats pickten sie aus diesem Schlaraffenland größtenteils zuvor nie gekostete Köstlichkeiten heraus und bannten sie auf schwarzes Gold. So entstanden Pop Boutique (LP SW 1001), The spinning Wheel of Jazz (LP SW 1006) und Pop Boutique 2 (LP SW 1003), welche Stücke verschiedenster Künstler der 60er und 70er Jahre endlich einem breiteren Publikum zugänglich machen. Extrem tanzbarer Jazz, teilweise angeheizt durch lateinamerikanische Rhythmen, lassen schnell die individuell passenden Szenen vor dem geistigen Auge aufblühen. Perfekt arrangierte Kompositionen und abwechslugsreiche Instrumentierungen, bereiten ein angenehmes Hörvergnügen. Weitere Pop-boutiquen sollen noch eröffnet werden.
Mit Pop electronique (LP SW 1004) wird eine ähnliche Richtung eingeschlagen, nur daß es sich hierbei um experimentelle Synthesizermusik aus den frühen Siebzigern handelt. Fast könnte man meinen eventuelle Vorbilder Jimi Tenors zu hören.
Als Sublabel dient Transmitter Schallplattenproduktion zur Veröffentlichung neu produzierter Musik. Das Spektrum soll von Drum & Bass bis hin zu elektroiden House-Tracks reichen. Das erste Release von Zero Crossing Metabolism / the Echolot ist stark in der ersten Kategorie verwurzelt. Auf der ersten Seite präsentiert er sich mit experimentellen Drumprogrammierungen, die auf im Hintergrund agierende Soundspielereien reagieren. Die andere Seite dringt dann in abstrakte Gefilde ein, ohne aber die Harmonie gänzlich zu verlassen.
Eine schönes Projekt und eine interessante Labelgestaltung, die es vor allem schafft ein Stück musikalische Zeitgeschichte des Easy Listening etwas mehr in den gebührenden Vordergrund zu stellen. Auch angesichts der Tatsache, daß wir uns nun in der letzten Etappe des alternden Jartausends befinden und es Usus ist, jedes Jahr zu Sylvester einen Jahresrückblick medial zu liefern, kann man hierin auch einen gelungenen Beitrag zu einem, nicht nur eine Woche dauernden Millenium-Rückblick sehen. ][ g
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