OUK das Sieb10te rund & saftig (Feb/März 99) Yannick

YANNICK

Das Schubladendenken - jenes charakteristische Merkmal das die Deutschen wohl (mit) am besten bezeichnet, fordert seinen Tribut gerade in der Musik, wo Künstler, DJs und Produzenten ruck-zuck abgestempelt und kategorisiert sind. Aber auch in deren Köpfen findet sich oftmals recht schnell Sturheit und Geradlinigkeit ein und sorgt so für einseitige Veranstaltungen, Konzeptlosigkeit und Verschließung vor Erneuerungsgedanken. Gerade deshalb dürfte in letzter Zeit der Wunsch einiger Protagonisten nach mehr Abenden mit unterschiedlichen Musikstilen immer lauter an unsere Ohren dringen. Mit darunter Jan Elverfeld, den meisten wohl besser als Yannick bekannt. Schon seit jeher in einer Art Haß-Liebe mit dem Rhein-Main-Gebiet verbunden, ist er (nicht nur, aber gerade) dort neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur des Groove-Magazins auch als DJ zu gange. Womit wir auch schon wieder beim Schubladendenken angekommen wären, denn viele verbinden mit dem Namen Yannick außschließlich dessen Lieblingsmusik House. Das sein musikalisches Spektrum weit über die Grenzen von House hinausreicht, ist hingegen den wenigsten bewußt, resultiert aber nicht nur aus seiner Arbeit bei Groove (auch wenn sich redaktionelle Arbeit und DJ-Dasein sicherlich gegenseitig beeinflußen), vielmehr war er seit jeher offen für elektronische Musik aller Spielarten.
Eine Eigenschaft, die der geneigte Leser aufmerksamst verfolgen mag, schließlich ist das gegenseitige Verständnis zwischen House- und Offbeat-Szene stark gewachsen. Sehbar ist dies am Erfolg der sogenannten „Neuen Mitte“, jener DJs aus dem Freistilkontext, die eben auch ein Interesse an House und Garage zeigen.
Doch zurück zur Person. Neben der allgemeinen Prägung durch frühe Techno-Parties und natürlich dem Omen Ende der achtziger, entwickelte Yannick also recht schnell einen Hang zu Musik abseits der damals in Frankfurt vorherrschenden „Techno“-Szene und brachte zusammen mit seinem Kumpan C-Rock 1992 erstmals das Size!-Magazin herraus. In dem in Kleinstauflage von 3500 Stück herausgebrachten Prototypen der A6-Heftchen wagte man den Versuch, musikalische Felder wie eben House, frühe Breakbeats oder Detroit Techno abzudecken, und somit als Kontrastprogramm zu den damals vorherrschenden Magazinen wie Frontpage oder Groove zu wirken. Im Sommer 95 wurde dann über Umwegen der Wechsel zur Groove vollzogen, um die gesammelten Erfahrungen dort einzubringen, und somit für eine noch weiter gefächerte Themenvielfalt zu sorgen.
Doch der Zirkel jener Akteure, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Vielzahl bestehender Musikstile für sich in Anspruch nehmen, ist nachwievor verschwindend gering. So hat die starke Zersplitterung der Szene, wo „jeder dorthingeht, wo er 110% seine Musik und seine Leute weiß“, einen Punkt erreicht, an dem die Szene sich selbst ad absurdum geführt hat. „Es gibt ein große Mißverhältnis zwischen der zahlreichen guten Musik die Veröffentlicht wird und von der ja auch alle schwärmen, zwischen dieser Musik also und dem, was in den Clubs tatsächlich stattfindet”. So läßt sich die Zukunft der deutschen Clubszene ins nächste Jahrtausend hinein auch nur schwer vorhersagen. Wunschdenken wäre dabei sicherlich ein Club, in dem man in einer Nacht DeepHouse, jazzige Stücke und soulfull Techno spielen kann. „Ich finde schon, daß man Musik auf hohem Niveau mit größtmöglichem Partyfaktor verbinden kann. Es kommt eben immer darauf an, wie man das ganze rüberbringt. Ich denke ein guter DJ kann immer auch anspruchsvollen Sound verkaufen, wenn er im richtigen Moment die richtige Platte spielt. Auch in Clubs, wo man sich nicht unbedingt vorstellen kann, daß so etwas dort funktioniert.“ Die verstärkte Regionalisierung der Clubszene könnte dabei durchaus behilflich sein, zumal in der sogenannten „Provinz“ zur Zeit mehr los ist, als in den Ballungsgebieten und Großstädten. „Ein Merkmal zukünftiger Clubkultur wird sicherlich sein, daß man sich wider der Vernetzung mehr auf das regionale Umfeld konzentriert. Eigenes Publikum, eigenen Stil, eigenen Sound, daß gilt es aufzubauen und zu entwickeln. Schließlich hat man ja auch gar nicht mehr die Gelder, um jede Woche den neuen Super-DJ aus Neuseeland einzufliegen“. ][ mb


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