OUK das Ach10te ± begehrt & abgefahren ± April/Mai 99 2000 Jahre


2000 Jahre jenseits von Mensch und Zeit

 

Jetzt ging es also richtig los!
In jeglichen, denkenden Köpfen schwirren nur noch Vorstellungen darüber, was denn tatsächlich in absehbarer Zeit eintreffen wird. Und wenn man ein Gefühl dieser Art hat, muß wohl ein Grund für eine Erneuerung existieren, der für viele die einmalige Gelegenheit dafür sein soll, einen Schritt in etwas noch nie Erlebtes zu setzen. Vielleicht ist das ja für viele ein definitives Zeichen dafür, um zeigen zu können, daß uns die Zukunft letztendlich doch eingeholt hat und wir momentan nur noch versuchen, mit hastigen Augenblicken die Tatsache der Jahrtausendwende als etwas “phänomenales” herbei zu holen. Warum wir das tun, wissen wir eigentlich alle nicht. Einige wollen den einen bestimmten Anlaß der Wende endlich als Gelegenheit dafür nutzen, um einen kurzen Aufenthalt in New York zu verbringen, um der heran schreitenden Veränderung das Denkmal einer willkommenen Begrüßung, in Form einer gigantisch organisierten Party, zu setzen. Kurz gesagt: Um den Jahrtausendwechsel als persönlichen Startschuß in ein anderes Leben zu nutzen. Aber natürlich ohne das Ganze als einen “guten Vorsatz” darzustellen, ohne zuzugeben, daß die persönliche Veränderung mit einem irdischen Zeitgeschehen verglichen wird. Wir vibrieren doch stets mit ihr, mit der Veränderung der Zeit,
in einem multimedial beeinflußten Zeitgeschehen, und in einem Spektrum der Zeit, immer mit dem Hintergedanken, in einer modernen Welt zu existieren, immer mit dem Drang mitwirken zu müssen, um sich selbst in einem selbst inszenierten Licht präsentieren zu können. Der ewige Zwang mitzumachen, penetriert nahezu die Gemüter nach einem neuen Anfang, nach einer neuen Sache, nach einer neuen Herausforderung, nach etwas Abartigem, nach einem noch nie erlebten Ereignis. Und um dies erreichen zu können, wird jeder doch so kleinster Veränderung größtes Engagement und manchmal auch hochgespielte und übertriebene Bereitschaft gezeigt.
Die Devise heißt nur noch: Weil es alle tun, dann muß ich auch dabei sein... Je mehr, desto weiter; je besser, desto übertriebener. Egal wie, ob mit abwehrenden Ellenbogen, starrköpfiger Intoleranz oder ganz einfach nur mit Dummheit. Hauptsache eben übertrieben! Einerseits soll das Wort “Millennium” eine idividuelle Veränderung sein, auf der anderen Seite wird aber genau das Gegenteil heraufbeschworen. Der Einzelne wird mit dem Gedanken überwältigt, zum allgemeinen Massenspektakel einen gemeinsamen Beitrag zu leisten. Alles schön und gut. Aber was verwirrt die ganze Sache? Individuell, aber dennoch gemeingültig? Das widerspricht sich doch!
Es reicht nicht, daß zu diesem Zeitpunkt ein Mausoleum errichtet wird, damit nie in Vergessen-heit geraten wird, daß einst eine hyper-technologisierte Menschheit ein Jahrtausend hinter sich gebracht hat und sie die Folgen nicht überlebt hat. Und wo bleibt dann das Bewußtsein darüber, was in einem vergangenen Jahrtausend alles geschehen ist? Sollte im Gegensatz dazu etwa das vergessen werden, was in den vergangenen Zeiten alles passiert ist, ohne dabei nicht einmal fähig zu sein aus dem zu lernen, was in einem Jahrhundert alles an Erfahrungen gemacht werden konnte? Es wird bestimmt keine zeitliche Hürde entstehen, viele Jahrtausende werden hoffent-lich in Erscheinung treten. Immer wieder und wieder. Die Zukunft ist bestimmt nicht vorprogrammiert. Sie ist nur das, was wir aus den Momenten lernen, um eventuelle Fehler nicht wiederholen zu lassen. Und das noch nie Erlebte sollte nicht zum Anlaß genommen werden, in einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung das menschliche Beisammensein mit egoistischen und machtgierigen, noch nie erlebten Eigenschaften des menschlichen Lebens zerstören zu wollen. Nun: Schade um die, die dies nicht merken (und erst recht nicht wollen), wie sie mit großen, übertriebenen Schritten in eine Zukunft voran eilen, die sie niemals erreichen können, solange sie sich dieser Tatsache nicht bewußt sind. Schade auch um die, die es nicht verstehen können.
Zugegeben, es ist also bald so weit. Es sind eigentlich nur noch kleinste, augenblicklich relative Einheiten von Zeittakten. Nicht mehr weit entfernt, sondern nur noch sehr kurz, und es war so weit! Wie eine Schallplatte, die sich durch ihre Drehmomente Rille für Rille vorarbeitet, um die Melodie für das gesamte zu erzeugen. Endlich! Für viele ist leider doch alles in Ordnung. Vom Umweltbewußtsein bis hin zur geistigen Vervollkommnung, der existierende Zeitraum, die mentale Entfernung von Körper zu Kopf, der optimale natürliche Ablauf eines bewegenden Zustandes! Alles ist anscheinend in Ordnung. Ist das alles, was in den im kalten Winter, im Schnee stapfenden, kühlen Köpfen umherging? Eine weltliche Erscheinung? Oder eigentlich eine Sache, die schon längst und immer schon zu erwarten war? Die Welt scheint in vollständiger Schönheit und Wahrhaftigkeit präsent zu sein. Und dann kommt auch noch eine Jahrtausendwende? Dann lassen wir sie eben kommen und jeder soll daran teilnehmen. Vergessen wir die abgezuckerten Stylisten, die aufgesetzten Gesichter, die in der Weltgeschichte umherirren und das schlechte Bild einer Gesellschaft, die wir ständig zu verleugnen versuchen! Die Zweitausendjahrfeier sollte genutzt werden für den persönlichen Ton auf der Schallplatte. Für eine selbst entschiedene und dargestellte Entwicklung in einer durch multimedial beeinflußten Massenbewegung, wo Technologie nicht nur als Fernbedienung zu verwenden ist, sondern als ein Instrumentarium, die irdische Veränderung mit menschlichen Zügen in die Zukunft zu stupsen, um damit den eigenen Meilenstein für eine Zivilisation und ihrem technologisierten Spektrum des Lebens zu setzen. Nur so kann das Jahr 2000 in seinem prachtvollen Zahlenmaß erscheinen. Und wo hoffentlich noch für viele nachvollziehbar sein wird, was in dem Jahrhundert zuvor in seiner Vergangenheit geschehen ist. Das grausam Fehlerhafte, das in menschlichem Versagen Hervorgegangene, manchmal sogar in einer intellektuell nicht definierbaren Ära Geschehene. Wir werden sehen.
Auch wenn es nicht unbedingt einer Reise nach New York entsprechen muß, zum Glück fängt die augenscheinliche Veränderung im eigenen Kopf an, und den kann man bekanntlich nicht abnehmen und ersetzen! ][ isdek


 

back