Dies'n'Das
Man liest nichts mehr, zumindest einmal abgesehen von Spezialmagazinen wie Break-beat oder auch Atmosphere (aka ATM), das ja in Germanien mittlerweile recht gut zu erhalten ist. Aber ansonsten scheint mir alles abgefrühstückt worden zu sein. Beinahe völlig aus den Medien verschwunden scheint die geliebte Musik mit dem ungeraden Beat, den wohlig warmen Bässen und dann doch überall volles Haus wenn Kemistry & Storm unterwegs sind. Das erhöht ungemein ihren Kultstatus und erweckt Lust auf neuen Flavour (Sollten die beiden einmal in die Staaten auswandern, gibts Marlboro US Break(beat)fast). Ja, man wird wieder mit Amen-Breaks verwöhnt. Nach Kruder & Dorfmeister darf sich K7! wohl auf einen neuen Verkaufsschlager freuen, und das Schöne daran ist das Schöne darin. Kemistry & Storm tanzen mit ihrer Zusammenstellung völlig aus der Reihe. Couchpotatoes adieu jetzt wird gerockt!
Ein Blick in deutsche Cases: Viele schöne Rundlinge* aus der Heimat, die besser klingen als (in der Kasse) klingeln. So ist das nun mal. Wohl kaum einer der Labeltreibenden verdient große Scheine. Die sauer verdienten Gurken aus dem DJ-Dasein werden ins Label investiert. Frischzellengewächse su-chen verzweifelt nach dem geeigneten Vertrieb. Man dankt schließlich NTT, daß der nötige Nachschub an der Front nicht abreißt und der Mut zum weiterlabeln vorhanden ist. Wer dann wirklich zu viel beim DJen verdient, kauft sich einen englischen Produzen-ten als Remixer ein, das Sahnehäubchen oben drauf sozusagen. Erste Sahne wird demnächst geschlagen bei Skunk Rock Productions aus Ludwigsburg mit Dom & Roland und bei Gutbucket (ehemals Black Beat Productions) aus Heidelberg mit Seiji.
Aber auch auf der anderen Seite des Kanals hat man zu kämpfen: finanzielle Abrechnungsprobleme im Hause Metalheadz oder einfacher ausgedrückt: Goldiekus hat keine Steuern gezahlt. Doch an solche nicht unwichtigen Nebensächlichkeiten muß gedacht werden. Die einzigen, die das Metalheadz-Office im Moment noch zusammenhalten sind Joe und Sarah (nicht Sarah UK und auch nicht Sarah Groove Connection die vielen Sarahs im DnB-Biz...!?). Nach Mailorder mit Anlaufschwierigkeiten, Webseite under construction, Umzug der Session und abebbender Veröffentlichungsflut mußte man sich dann eben ernsthaft die Frage stellen: Metaldeadz? Noch nicht, lautet die präzise Antwort - nächstes Release: Sciclone Everywhere I go im Remix (siehe DJ Kicks), denn das Original hat sich Mercury gebunkert und abschließend Platinum Breakz 3. Und dann? Die beiden Mächtigsten werfen zusammen. Neues Kind wahlweise Headtypez, Metaltype oder Protoheadz. Die Engländer spielen übrigens gerade gerne Wortpuzzle. Kennt ihr das schon: Diedegogol?
Nun gut, weiter gehts in der Kette unabdingbarer DnB-Ereignisse. Falls sich noch jemand für Peshays Album interessieren sollte, das erscheint jetzt bei Island. Lavelle konnte einem siebenstelligen Betrag nicht widerstehen und schickte Mo Wax auf ein einsames Eiland. Ob sich DJ Shadow und der Rest der Künstlerschar dort wohlfühlt?
Auch keine Lust mehr auf Compi-lations/Alben? Immer wenn ich eine(s) kaufe, fällt es mir schwer, alle darauf enthaltenen guten Tracks zu spielen, denn wenn man mitten im Set dann doch nicht weiß auf welcher der sechs gleichaussehenden Vinyle jetzt welcher Track denn der ist, den man meint, dann nervt das! Verstanden? Hinzu kommt das Problem mit der Finanzierung. Irgendwie sieht das kein Mensch ein, für Planet V 8fach über 80 Mark zu löhnen, doch das kann sich eben nur ein Label leisten, das einen gewissen Status besitzt. Man erinnere sich an die Metalldose, die jetzt im Regal vollstaubt. Gut, das sind jetzt zehn Mark pro Platte oder pro gutem Track, aber rein psychologisch gedacht fühlt man sich doch auf den Schlips getreten. Freuen wir uns einfach auf die in zwei Jahren erscheinende 10fach Renegade Hardware Compi im Stahlbetonbehälter. Das ist Marketing! Nein ernsthaft: Freuen können wir uns auf die Source Direct LP. Das sind die beiden Knaben im BMW, die große Sprüche ablassen, an starken Tracks frickeln, seit etlichen Jahren den Amen-Break zerhacken und es immer wieder schaffen, ihn auf interessante Weise wieder in einen neuen Kontext zu setzen. Und auch hier wird dir wieder die Kohle aus der Tasche gezogen, oder wollt ihr mir ernsthaft erzählen, daß one-sided Vorab-Pressungen der letzte Schrei sind? Shy FX ist hingegen der Mann der Stunde. Da werden die Bambaata-Remixe alle einzeln als 12s angeboten und man hat die (Qual der) Wahl.
Back to the Old School. Merkwürdige Bleep- und Scratcheinlagen sind in aktuellen Produktionen zu vernehmen. Egal ob jetzt das Quietsche-Entchen bei Usual Suspects Spawn, die gelungene Maxi Known:Unknown auf Moving Shadow oder wohlklingende Harmonien aus den frühen 90ern, wie z. B. bei Doms Parasite. Das gibt das frische Element für düstere Abende. Wenn man abschließend nicht genug bekommen kann vom alten fröhlichen Sound, schwenkt man um und läßt schöne legendäre Partys auferstehen, wie z. B. die Milk-Sausen.
][ lightwood
*Teller hört sich auch gut an, meinte meine Freundin
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