GESPALTENE TÖNE 4599
Hans Nieswandt - Lazer Muzik - Ladomat 2000
Hans dürfte als erster Musiker in die Geschichte eingehen, der eine 21-Doppel-LP veröffentlicht hat, zumindestens wenn man dem Beipackzettel Glauben schenken mag. Aber er war ja schon immer bekannt dafür, den Konsens zu sprengen, geltende Regeln außer Kraft zu setzten und House, Techno, eigentlich alle (elektronische) Musik als Eines zu sehen. Was er in seinen Kolumnen für Spex und mit seinen DJ-Sets weltweit schon seit langem umsetzt, erfährt nun die Erweiterung des eigenen Albums. Tracks, die sich anhören als ob sie auf 33 anstatt auf 45 laufen, Ragga- und Dub-Elemente, die den Housebeats locker davonhüpfen, die Aussage, das Pop nicht notwendiger böse ist - all das macht diese Platte zum treuen Verbündeten eines jeden Musikliebhabers. So stellt dieses Album auch keine Herausfor-derung an den Hörer dar, sondern viel mehr das Leben des Hans Nieswandt. Und das ist immer ein lauschendes Ohr wert. ][ mb
Blackmoon - War-zone - Priority
Blackmoon werden vielerorts immer noch hartnäckig unter Wert gehandelt. Leider auch von mir bis dato, was spätestens seit War-zone sicherlich unverzeihlich wäre. Sicher ist auch, daß es eines der besten Hip Hop-Alben seit langem ist. Diese Platte ist subtil. Es dauert ein bißchen, fesselt langsam, aber irgendwann auf jeden Fall, vergleichbar mit der Art, wie es Q-Tip und Konsorten tun. Der macht neben anderen bekannten Größen übrigens auch mit. Klar, Blackmoon sind insgesamt eine Spur dunkler, wahrscheinlich ist auch ein bißchen mehr Straße dabei. Jedenfalls sind sie überzeugend minimal dabei, vielleicht so wie Mobb Deep, kein überflüßiger
Schnick-Schnack, sehr geradeaus und deep sagt man da gewöhnlich. ][ Sugar Shock
Marcel - On the Beach - NuPhonic
Marcel - viginti et duo - Mole
Musik aus dem Osten. Hört sich fast so gut an wie Planwirtschaft und Kolchose. Klingt dann allerdings ganz anders. Marcel jedenfalls ist aus Ungarn und betätigt sich bereits seit längerem der elektronischer Musik. Vor ca. Eineinhalb Jahren gab es dann die erste Veröffentlichung, welche aber ohne große Zurkenntnis-nahme in den Tiefen der Musik-geschichte verschwand. Doch nicht schnell genug um an den Ohren Ashley Beedles vorbeizurauschen, weshalb es nun auf NuPhonic eine Wiederveröffentlichung plus ei-nem Bonus-Remix von Chaser (Life in Loisaida / Soma) gibt. Das Original entspricht dem Konzept des Albums und präsentiert sich als eine ruhig dahinschwebende elektronische Orchesterballade, wie alle Stücke auf dem Album sehr leicht und teilweise auch etwas langatmig produziert sind. Der Chaser-Remix klingt da in erster Linie wie eine frühe Platte von Kevin Yost, steigert sich langsam in der Percussion- und Schlagzeug-Partitur, um dann mit einem brummenden Bass auf die Überholspur zu wechseln. ][ mb
Heimelektro Ulm - LP1
Schönes und eindeutiges Logo und schöne aber uneindeutige Musik beschert uns Heimelektro Ulm. Uneindeutig hier im positiven Sinne von vielfältig, vielschichtig und vielbedeutend. Free FM, Bewegungsgruppe, Sauschdall, drei Begriffe, die jedem Interessierten elektronischer Musik in Süd-deutschland ein Begriff sein werden. Bernd Karner vervollständigte irgendwann das Bild mit seinem Label Heimelektro Ulm. Auf der ersten LP sind Acts aus dem Umfeld vertreten: Scarcubem, Urban Soul Research und Lupo Borax. Minimalistisch elektronische Welten lassen Melodien eindringen. Es klingt an der einen Stelle nach Session-Musik an der anderen wie arrangierte Tracks. Orientalische Einflüße will ich ausmachen können und ebenso Gesangspartikel. Weite Bögen werden gesponnen und schaffen eine mystische, tragende, aber auch malerische Atmosphäre. Laid back! Live-Recordings und special limited Mix-CDs werden bald unter wwww.u-stadt.de/heimelektro-ulm erhältlich sein. ][ lightwood
Sad Rockets - once upon a time (called now) - Morbid
Soul, Soul und nochmals Soul, darum sollte es gehen. Sad Rockets hat Soul. Das spürt man auch enorm, beim Hören dieser Instrumentalplatte. Die Musik, die mal spannend, mal lustig, dann wiederum ausgeruht und manchmal tanzbar ist, ist so schön, wie die Erinnerung an einen Super-sommer-Nachmittag inkl. Sonnen-untergang am Fluß. Sad Rockets verwendete zu Hause, wo diese Platte entstand, fast ausschließlich analoge Geräte. Vorsicht, diese Soultrack-Platte ist nicht designed, bringt Wärme in die Herzen und entzieht sich jeder weiteren Kommentierung. ][ Neon Tse Tse
Wicked Wax Vol. 6
Nachwievor einzigste (CD-)Compilation, die von Nord bis Süd und Ost bis West reicht, immer mit dem Ziel vor Augen, die neuesten, wirkungsvollsten DnB-Produktionen aufzuspüren. Stark vertreten dieses Mal der Ruhrpott und der Rhein/Neckar-Raum. Ziemlich hart geht es ganz allgemein zur Sache mit viel Amen, viel Twostep, doch der Groove stimmt. Viele neue Ideen stecken drin (eher in den Sounds), viele weitgestreckte Bögen, die eine gewisse Soundtrack-Atmos-phäre schaffen. Bei manchen Tracks würde man sich dann schon freuen, wenn sie auch auf Vinyl vorliegen würden. Anspiel-tips: Hexer Paradoxon II; Simon V Broken Promise; MTC Yaw Trooper. ][ lightwood
No-Tenshun - Chilli Funk Vol.1 - Xplicit Vinyl
Alles nennenswerte zu Chilli Funk gibt es weiter vorn zu lesen, weshalb ich mir an dieser Stelle ausführlichere Biographien sparen kann. Nennenswert ist auf jeden Fall, daß es sich hier um eine großteils live eingespielte Platte handelt, wodurch die Dynamik und Frische sehr deutlich zum Vor-schein kommen. Zu hören gibt es drei virtuose Disco-House-Stücke im typischen Chilli Funk Stil. Viele Gitarren- oder Trompeten-soli, untermalt durch druckvolle Betas und dezenten Filter-Attak-ken. Funk ist verständlicher Weise auch immer mit dabei. Beim vierten Stück handelt es sich dann um einen Temporeichen Percussion-Killer, der mehr Wert ist, als nur als Lückenfüller genutzt zu werden. ][ mb
Blofeld - Nexus - NuPhonic
Die hat dazu geführt, daß letztendlich zusammenkam, was trotz anfänglicher Abgrenzung zusammengehörte. Leute wie Rainer Trüby und Patrick Forge einerseits, die Ashley Beedles und Frankie Valentines andererseits trafen sich auf halber Höhe, ohne Kompromisse einzugehen oder Erlerntes über Bord schmeißen zu müssen. (10 Jahre Acid Jazz - Groove 56, Feb/März 99). Ja, ja, so ist es denn gekommen. Blofeld führt anschaulich vor, was Michael Kummermehr oben so schön beschrieben hat und Frankie Valentines ein paar Rezensionen weiter ebenfalls umgesetzt hat. Und wo sonst läßt sich sowas ermöglichen, als auf Englands House-mit-Geigen-Label NuPhonic. Von Jazzanova angehauchte Bossa-Rhythmen treffen auf Piano-Licks a la Trüby Trio, die Trompete erinnert stark an eine Jazz-Big-Band und irgendwie hat Russ Dewberry wohl auch noch seine Hände im Spiel. Auf der Rückseite wird dann der gerade Beat eingeführt (womit wir uns wieder dem typischen NuPhonic Sound - weil organisch - nähern), das Thema bleibt das selbe und somit sind wir am Ende der Platte angelangt. ][ mb
Vincenzo - Peace is not the word to play - Dessous
So, nun hält der gute Vincenzo also auch Einzug in unser wertes Heftlein. Aber er hat es ja auch zurechtermaßen verdient. Wobei, so ehrlich sollte man sein, der I:Cube-Remix der eigentliche Anlaß zur Rezension ist. Denn dort, wo Vincenzos gern gesehene Leichtigkeit und Verspielheit aufhört, läßt I:Cube das Stück anfangen und befreit es somit aus jener leicht erdrückenden Lethargie. Daß er der Meister der kleinen Gimmicks und der absoluten Verspieltheit ist, stellt er mit diesem Remix erneut unter Beweis. Und während DonDisco den minimalen Charakter des Originals allenfalls kräftigt und mehr oder weniger tanzflächenorientiert macht, versorgt I:Cube den Tänzer mit jener verzauberten, glücklichmachenden Energie, die man morgens um 4.00 so sehnsüchtig erwartet. ][ mb
Jürgen Paape - Glanz - Kompakt
Das Quartett der Schuster wird manch einer denken, läßt er diese Platte das erste mal über sich ergehen. Jürgen Paape zeigt fürwahr sein Talent, komplexe Grooves mit minimalem Arrange-ment zusammenzuflicken und durch geringfügige Änderungen sowie Auslassung diverser Ele-mente just im richtigen Moment für Spannung zu sorgen. Sowohl Experimentierfreude als auch Abwechslung rücken nie in den Hintergrund, so daß die Platte stets nach Vorne treibt und auch noch die letzte Sekunde so spannend ist, wie die erste. ][ mb
Wolfgang Voigt - Silber - Freiland
Wolfgang Voigt macht sich wahrlich das Leben schwer. Nicht nur, daß er mit Freihand ein zweites (Sub)Label in die Welt gesetzt hat, nein, es soll zugleich noch der offizielle Nachfolger von Studio 1, jenem Label dessen Philosophie für reichlich Furore sorgte, sein und an dessen Output- und Veröffentlichungsidee anknüpfen. Es lastet also allerhand Arbeit und Erwartung auf seinen Schultern. Uns soll es recht sein, gab es doch nichts traurigeres als das Ende von Studio 1 verkündet zu bekommen. Die silberne Freiland zu Mindestens wird den gesetzten Erwartungen völlig gerecht und suggeriert dem Hörer ein Gefühl des Wohlwollens, trotz unbekannter Umgebung. Mit Hilfe vertrackter Rhythmen und Signalen, einem für Techno eher untypischen Beat also, befreit sich Wolfgang Voigt von den DJ-Aspekten, die einer solchen Platte gerne zugeschoben werden und offenbart die Reise in die Zukunft des Basic-Channel-Sounds. ][ mb
Bergheim 34 EP - Klang
Auf ihrer ersten in den USA veröffentlichten CD hatten sich die vier Wohnzimmer-Elektroniker aus HD noch mehr auf das Feld relaxter Kraut-Vibes beschränkt. Mit ihrem Vinyldebut auf Klang erweitert sich nun das musikalische Spektrum enorm. Schon allein von Länge und Bandbreite her kommt diese Maxi mit ihren fünf Tracks schon einem Mini-album gleich, das sich in seiner erfrischend, verschrobenen Zusam-menstellung ebenso für zuhause, wie auch für den Tanzboden eignet. Neben bereits bekanntem Material dringen unsere Berghei-mer hier mehr in den höheren Geschwindigkeitsbereich vor. Das z.B. mit dem Opener Take my Soul, der mit seinen Frauen-Vocals und straightem 4er-Bass wirklich alle Voraussetzungen
mit sich bringt der House-Knaller dieses Sommers zu werden, oder mit We do not elektronischen Funk, der in seiner Sprödheit eher direkt aus der Garage zu kommen
scheint, als von der Festplatte. Erstaunlich, wie stilsicher man sich hier zwischen so Vielem bewegt, ohne das spezifisch Eigene auf der Strecke zu lassen. Clever. ][ Sugar Shock
Roland Casper - ´76 - Frisbee Tracks
Ich muß zugeben, die ersten Veröffentlichungen auf Frisbee sind irgendwie ohne größere Beachtung an mir vorüber gegangen. Aber spätestens sei den beiden Frisbee Tour Eps hat sich dieses Label langsam, aber sicher, einen Platz bei mir erobert. Und jetzt auch noch einer der selten gewordenen Outputs Roland Cas-pers. Wunderschön dachte ich mir, schnappte mir die Scheibe und bekam einen fetten Tritt in die Fresse: Das erste Stück der Logo-Seite ist ein höchst durchschnittliches Techno-Stück. Aber dann, die übrigen drei Stücke sind so erfrischend, daß man denken könnte, sie wären von einem 16-jährigen Rookie produziert worden. Ich habe lange keine Scheibe mehr er-lebt, die, ohne aufdringlich zu werden, so dermaßen kickt, wie dieses Stück schwarzes Gold. ][ mdrysch
Zombie Nation - Gigolo 018
Wenn ihr früher genau so gern am C64 gezockt habt, wie ich, und ihr noch die Musik zu Spielen wie Giana´s Sisters oder Internatio-nal Karate im Ohr habt, dann stellt euch dazu noch einen fetten Beat und ein paar Percussions vor und hört euch dann diese Platte an. Danach werdet ihr sicher gewisse Ähnlichkeiten feststellen. Spalter-Platte: man liebt sie oder man haßt sie. ][ mdrysch
Deiker 01 - Cities & ReSeasons
Ein Auftakt nach Maß ist wichtig, um das allgemeine Interesse auf den Dubtanten zu lenken und der ist Nicolaas Jan Deijker definitiv mit Cities + Seasons gelungen. 4 Elektrotracks von Deiker himself, RiffRaff, Fragment King und Irwin Leschet, die mir nach all dem HipHop in letzter Zeit den Kopf wieder geraderücken. Wenn einer der durchweg hervorragenden Tracks als Anspieltip genannt werden müßte, fiele die Ent-scheidung auf Irwin Leschet / L.U.K.L., die mit Colone-Rulaz!! meine Wahlheimat in bemerkenswerter Weise repräsentieren. Wäre interessant, die Reaktion unserer Enkel auf diese Platte zu kennen. Es ist einfach schwer vorstellbar, daß Deiker & Co. die Wildecker Herz-buben des späten einundzwansigsten Jahrhunderts werden... ][ motik
Deiker 02 - Die Maschine
Bei allem Respekt, den nicht gerade für Experimentierfreude bekannten Mark-E auf Deiker zu entdecken, überrascht schon ein wenig. Weniger überraschend ist die Tatsache, daß sein Beitrag gegenüber der restlichen Platte nicht sehr überzeugend klingt, zu klinisch, zu normal, zu vorhersehbar, sorry. Ralph N.I.V.E.A.U., der seinen Namen nicht einem überhöhten Selbstwertgefühl verdankt, sondern einem schlichten T-Shirt, macht das besser und erfreut uns mit einem basslastigen DJ-Tool. Daß N. Deiker und Nedim Tez-kosar zu einem schlagkräftigen Duo zusammengewachsen sind, beweisen sie mit dem böse daherkommenden Elektrostomper Not-Aus auf der B-Seite. Ihr Leucht-melder erscheint etwas zu vertraut, was ihn aber nicht seiner Qualität beraubt. ][ motik
Deiker 03 - Full Syntetic
Der Burner der Platte ist E150d von Nicolaas Deiker, gemein nach vorne rollender Vierviertelbeat, wie man sich ihn wünscht, kaum schlechter sein zweites Stück. Das ist Fußmusik fuer runnaways. Die A-Seite, gestaltet von N.I.V.E.A.U. und Mark-E, ist in die Beine gehendes Tanzflächenfüllmaterial von durchaus höherer Qualität, man wird jedoch das Gefühl nicht los, all das schon mal gehört zu haben, aber das ist wohl derzeit nur schwer zu vermeiden. Deiker ist jedenfalls mehr als ein Geheimtip; da kommt noch einiges auf uns zu und das ist durchaus positiv gemeint ][ motik
Mobb Deep - Young Dimes
Ein Vorab-White-Release vom neuen Album und dieser Text ist nun wirklich nicht meine Party. Soll primär heißen: kann ihn nicht überstzen. Nur so viel: Es geht um die Young Dimes. Von der Un-schuld zur Nutte. Ob das Mobb Deep bedauern, oder nicht, übersetzt selbst. Die Melancholie des Songs spricht allerdings auch. Und mit der Musik muß ich mich also zunächst zufrieden geben. Das bin ich auch, denn man stelle sich einen 80er Funk-Song à la Prince vor, der luftig und transparent vor sich als 4-Takt-Loop arbeitet und dieser bekommt durch eine Harmonnica-Melodie, trotz aller Auf-geräumtheit eine traurige Tiefe. Haut mich um, warte auf die LP. ][ Neon Tse Tse
Nova Nova Bewildered (Rmxs) - F Comm.
Nova Nova sind eine der Elektronik-Pionierbands Frankreichs. Zusammen mit Sängerin Elisa Carrahar aus Bristol erscheint demnächst ihr Album La Chanson du Roland. Das Original von Bewildered erschien bereits vor zwei Jahren auf der Megasoft Office 97-Compilation von F Communications. Auch die vorliegenden Remixe mir nicht geläufiger Künstler übertragen eine musikalische Offenheit voller Melodien und Emotionen ohne aber dabei in Kitsch schwelgen zu wollen. Deepness heißt das Zauberwort, das hier besser paßt als alles andere. Der Jori Hulkkonen Finn-strumental Dub haut mich nicht vom Hocker aber die B-Seite, speziell der Maas 1982 Dub sticht hervor. Ungewöhnliche Bleeps und ein leicht poppiger Schlagzeug-Beat grooven über einen extrem in die Tiefe gehenden Melodietep-pich. Das Ganze klingt zunächst recht ungewöhnlich aber nach kurzer Verweildauer freut man sich wie ein Schneekönig auf weichen weißen Wolken dahinzuschweben. B2 scheint mir ein bisserl schlecht abgemischt zu viele Höhen, die den Gesang schnell in Kreischen verwandeln. Ansonsten versucht sich Alexkid Blenden (... sind das Namen!) an steppigem Drumn-Bass-Rhythmus der sich aber nur selten in voller Komplexität zeigt, sondern eher im Halftempo arbeitet. ][ lightwood
Trace - DSCI4 001
Neues Label von Trace mit leicht angestaubtem Sound. Die A-Seite ist wieder so ein Track der Marke Sonar: ravige Basslines, Amen-Breaks und abmoschen bis zum geht nicht mehr, eben typisch Trace. Insgesamt einfach ein prima DJ-Tool und die vielen Stops und neu auftauchenden Sounds machen dann ja auch irgendwie wieder Spaß. Die Beats auf der B-Seite, die von vorne bis hinten ohne erwähnenswerte Än-derung durchgehen, klingen als ob sie von Matrix wären. Ansonsten passiert auch nicht viel, außer sanfte Flächensounds, die ab- und auftauchen. Fazit: Monotoner Warm-up Stepper. ][ lightwood
Hexer vs. Crunch - Case Invaders 011
Im Wettlauf mit Digital und Photek wurde hier schwer aufgeholt. Experimentell, düster und geheimnisvoll. Die A-Seite erzählt in der kurzen Zeit schon fast eine ganze Geschichte, so viel Abwechslung und immer wieder neu erscheinende Sounds kommen hier vor. Vielleicht will sie uns auch nur Wissenswertes über Bielefeld, so das Eingeritzte der Auslaufrille, berichten. Auf der Rückseite scheint die Forschung immer noch Spaß zu machen. Alles folgt viel dichter aufeinander, in kurzen Pausen tiefe Atemzüge tätigend um ins nächste Spektakel zu drängeln. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, welche Energie dieser Track bei voller Lautstärke im Club ausbreitet. ][ lightwood
John B Travelogue (Rmx)/Pressure Formation
Dank heftiger Rotation ist Pressure, Marke Klassik-Piano meets RavenBass, in letzter Zeit zu einem der Dancefloor-Smasher avanciert. Erschienen auf der DJ Kicks, auf New Identity und weil die Nachfrage womöglich so groß war, jetzt noch bei der Mutter herself: Formation. Lustig dann auch die andere Seite mit dem Travelogue Remix (Original auf Visions LP). Da hat sich John B einfach den Vocoder von Christopher Just geborgt und läßt so komische Sachen von sich wie Miami, Electro, Dont talk etc. Ansonsten ein klasse Remix, bei dem John mal wieder so richtig übertreiben konnte, mit schneidender Acid-Bassline, die irgendwie gar nicht zu dem melodiösen Element passen will. ][ lightwood
Brubaker Gyration 019
Beide Seiten weisen sehr ähnliche Stimmungen und Strukturen auf und so fällt die Entscheidung schwer, welchen Track man denn nun jetzt spielen soll. Kraftvoll steppend, maschinenartiges Rhyth-musgefühl und funkige Einwürfe sind stilbildend. Yellowcake besticht durch eine Stakkato-Bassline, Flake durch eine mystische Melodie und schleifende Becken. Alles ist recht einfach, monoton und straight gehalten. Auf Grund des erheblichen Drucks, der durch die tiefen Frequenzbereiche entsteht, zwei sehr effektive Waffen für die Tanzfläche. ][ lightwood
Minus 8 The Tempest (Rmxs) Higher Ground
Schweiz bekanntester DnB-Artist hört auf den Namen Minus 8. Das Album ist am Start, man sieht, daß nicht nur englische Helden einen Major-Deal bekommen und geremixt wurde The Tempest. Ich bin froh, daß das Original auch mit von der Partie ist, denn so viel vorne weg es ist ainfach besser als die Remixe. OK, uralte ungefilterte Standard-beats, überzogene Acid-Quietscher und eventuell zu kurz, aber der Flair stimmt. Vielleicht macht das die Ähnlichkeit mit Drones von Dom & Rob (Shadow 100/4) aus. John B, Bearbeiter Nr. 1, liefert mir einen zu belanglosen Remix ab, weil zu einfach und schwermü-tig. Hidden Agenda, Bearbeiter Nr. 2, schleichen sich langsam an, schlafen im Hauptteil ein, kommen mit dem Fuß an den einen oder anderen Regler und wachen dann leider zu spät auf. ][ lightwood
Skunk Rock Productions 003
Daniel Savine einmal im Remix by Dom & Roland und einmal in Kooperation mit Kabuki. This Time kursiert schon lange Zeit auf Dubplate, also war es erforderlich ihn für das Release noch einmal aufzupeppen. Amen-Breakz herrschen vor, umgeben von Rave-Sounds und deepem Bass. Viel-leicht ein bißchen flach, aber im Club bestimmt sehr wirkungsvoll. Back Up! besticht durch eine sehr entspannende Eingangssequenz, einfache Beats und eine wabernde Ohrwurm-Bassline. Persönliche Note erhält der Track durch Soundspielereien und Vocalsample an der richtigen Stelle. ][ lightwood
Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars with friends - Diggin Up Dirt - The Version Album 95 - 99 - Grover Rec. 031
Die renomierte deutsche Ska-Band hat sich mit dieser Platte einer jamaikanischen Tradition verpflichtet und ein Remix- bzw. Version-Album vorgelegt. Dieses, für Europäer ungewöhnliche, Pro-jekt beinhaltet 15 Titel, welche sich zwischen Ska, Reggae, Jazz, Dub, Raggamuffin und Hip Hop bewegen. Unter den Gästen befinden sich u.a. Doreen Shaffer (Skatali-tes), King Django (Stubborn All-Stars/Skinnerbox), G-Clef und Storm (Soul Kid Klik), Rocker T sowie Papa Jason. Die, teilweise unveröffentlichten, Stücke aus dem Zeitraum 95-99 sind auf das vortrefflichste im Studio veredelt worden. Nicht erst mit diesem Album hat Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars seine Vielseitigkeit und ein Feeling für die Spielarten des jamaikanischen Grooves unter Bewies gestellt. Wer sich von den live-Qualitäten der Band überzeugen will, dem sei der Easter Ska Jam 99 empfohlen. ][ mo
The Stubborn Stable - Grover Rec. 030
Die Compilation beinhaltet Musik von Bands und Freunden des New Yorker Ska-Labels Stubborn Re-cords. Das Master-Mind King Django, Label-Macher und Sän-ger/Toaster der Bands Stubborn All-Stars und Skinnerbox, hat den Sampler zusammengestellt. Die 16 Titel verteilen sich auf neun Bands/Interpreten. Trotz der Un-terschiedlichkeit ist ein Label-Sound bzw. -Groove zu erkennen. Ska ist die Basis aller Beteiligten, aber gewürzt haben sie mit unterschiedlichen Zutaten, z.B. mit Raggamuffin (Rocker T), Punk, Oi! (Skinnerbox, Skoidats), Reggae, Rock Steady (Stubborn All-Stars, Checkered Cabs, Skinnerbox), Soul (Radiation Kings), Dub (Crazy Baldhead, Rocker T), Jazz (Victor Rice), und mit Jive und Surf (Da Whole Thing). Die Zusammenstel-lung gibt einen schönen und guten Einblick in das Label Stubborn Records und gleichzeitig in die New Yorker- bzw. die U.S. amerikanische Ska-Szene. Fazit: Es gibt in den U.S.A. noch andere Ska-Labels au¾er Moon Rec. Und noch andere Bands au¾er den Toasters! ][ mo`
Area 52 - Orange Agents On Z Speed
Die Tübinger Kombo setzt sich musikalisch gekonnt zwischen mehrere Stühle, als da wären: Punk, Hardcore, Metal, Ska und sogar Pop. Die 13 Stücke umfassende, selbst produzierte, CD ist in erster Linie zu Promotionzwecken erstellt worden, was die sehr lobenswerte Haltung der Band unterstreicht, möglichst viel live zu spielen und sich erst dann um einen möglichen Plattenvertrag zu bemühen. Was dazu führt, dass der Sound der Platte 1:1 auf der Bühne steht. Selbst gesundheitliche Hin-dernisse halten sie nicht davon ab die Bühnen dieser Welt zu erklimmen (Respekt!). Da einige der Musiker aus der etwas härteren Ecke kommen, ist der eingebaute Off-Beat noch ein zartes Pflänzlein, das es zu hegen und zu pflegen gilt. Auch der teilweise sehr bombastische Keybordsound steht etwas verloren in der Gegend herum. Dennoch hat die Band ein grosses musikalisches Potential und eine eigene Rezeptur, welche sich durch etwas nachwürzen noch verfeinern lässt. Der Stil ist nicht ohne weiteres in den derzeitigen Trend des Ska-Punk einzuordnen, obwohl beide Elemente vertreten sind. Sehr angenehm! Die erwähnten Stühle stehen irgendwo zwischen S.O.D. und No Doubt. Endlich mal eine Tübinger Band mit Arsch in der Hose! Danke!
Kontakt:
Marc Zalamann · 0731/65274 ·
e-mail: mzalamann@aol.com
Martin Zentner · Im Schönblick 32/1 · 72076 Tübingen ·
07071/650536 ][ mo
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Wieder Schnee.
Brach auch Frau Holles Schneechaos nicht unbedingt unerwartet über uns herein, so doch mit einer ungeahnten Intensität. Schneemassen begraben ganze Feriensiedlungen und lähmen ein sonst recht funktionelles Verkehrsnetz. Moderatoren privater Fernsehsender erfreuen sich genügend medienwirksamer Lawinenopfer und füllen ihre Abendprogramme mit Meldungen, die Ihre Wirksamkeit zumindest bei einem Teil der Bevölkerung nicht verfehlt: Die Streusalzvorräte sind aufgebraucht!
Während man auf den Eisschollen der nichtgeräumten Gehwege mit Mühe versucht, tänzelnd das Gleichgewicht zu halten, beginnt die Sehnsucht nach anderen Klimazonen im Geiste zu keimen. Pangaea dient hierbei als Nährboden, um den längst verblaßten Urlaubserinnerungen behutsam ihre Farbenpracht zu erneuern. Leichte Rhyth-musstrukturen paaren sich mit Soundflächen, die eine warme Hintergrundlandschaft aus orientalischen und Jazzelementen erschaffen. Ähnlich wie vor langer Zeit Spring Heel Jack schafft es Pangaea mit Ways Of Drum & Bass (Groove Trax) nie überladen zu wirken, alles reiht sich fein säuberlich in ein übergeordnetes, klar strukturiertes Muster ein. Immer ein Gefühl verbreitend, als würden die einzelnen der elf Stücke von einer lauen Sommerbriese zum Ohr getragen werden.
Noch mehr Gier nach Sonnenstrahlen beginnt dann in den Adern zu glühen, umklammert man die neueste Aphex Twin Maxi. Anfängliche Erotik des sonnengebräunten Bikini-Hard-Bodies verliert sich im Witz der Fotomontage. Chris Cunningham klonte für das neue Video Windowlicker (Warp) zu gleichnamigem Release, die freundlich grinsenden Gesichtszüge von Richard D James mit einigen Strandwundern zu bärtigen Zwittern. Musikalisch eher angesiedelt im Bereich des Hip Hop stolpern von Spannung getragene Einzelsounds kreuz und quer durch den Raum um sich immer gegenseitig aufzufangen und abzustützen. Zum infernalen Ende des Titeltracks gesellen sich noch Überreste von verzerrten Gitarrenriffs, als Ergebnis experimenteller Klangtüftelei, hinzu. Wie als Beweis für seine kontinuierliche Weiterentwicklung und Suche nach neuen musikalischen Erlebnissen erklingt zum Ausklang Nannou, eine Komposition für unzählige Spieluhren, bei der auch Aufziehgeraüsche nicht unbeachtet bleiben.
Im Gegensatz zu gerade besprochenem Klangartist ließ Tom Jenkinson nicht so lange auf ein neues Album warten. Noch deutlich hallt der Vorgänger Music Is Rotted One Note in den Ohren und schon kling(k)t Squarepuscher sein Budakhan Mind-phone (Warp) mit ein. Fast nahtlos gehen dabei die beiden Werke ineinander über, wobei die musikalische Reise auf dem neuen Mini - Album, im Verlauf der 7 elektronischen Jazzperlen, sich doch wieder etwas von vorherrschenden Rockelementen trennt, um auch seine ursprünglichen Drum & Bass -Einflüsse wieder aufzufangen, wobei hier eindeutig seine Vorliebe für Bass dominiert.
Ebenfalls bei Warp ist nun die zweite Platte des finnischen Organwizzards Jimi Tenor erschienen. Mit leicht verändertem Gesicht und so abwechslungsreich wie noch nie, verzaubern die zehn Stücke der Organism weiterhin jeden Raum in ein Film-Noir Szenario. Neu hinzutretende Stilelemente wie Housebeats und Männerchöre sowie eine brilliante Produktions-weise runden das Zusammenspiel von Synthe-sizern aller Art und Saxophon zu einem harmonischen Ganzen ab. Auch wenn Herr Tenor laut seinem verschlafenen Viva Interview wohl zurecht davon ausgeht, daß er mit diesem musikalischen Erguß eher seine Miete bezahlen kann als zu Sähkö-Zeiten, scheint er seine Vorliebe für Persiflagen noch beibehalten zu haben. Ein sexy groovendes Hörerlebnis zwischen schön verspielten und seriös elektronischen Klangcollagen.
Aber nicht nur in Finnland sind Leute mit Hang zur Retrospektive, bezüglich ihrer Klangquellen, zu finden. Auch hierzulande im Münsterland beschwingt Carsten Meyer alias Erobique die Zuhörer mit einer funkigen Melange aus Easy Listening und 70er Jahre-Disco-Sound. Bontem-pi-, Hammond- bzw. Wersiorgelnostalgik paart sich mit modernen Rhythmusmaschienen zu einem 15 Stücke umfassenden Geniestreich deutscher Unterhaltungselektronik. Erosound (Deck 8) stellt dabei eine Zusammenfassung der drei ersten Ep´s Discodebut, Zuhaus und Die Großen Franzosen dar, wobei jede eine andere Schaffensperiode wiederspiegelt. Beson-ders viel Witz verströmt die im Alleinunterhal-terstil dargebrachte Version von Still loving you.
Auf gleichem Label ist auch Chekov erschienen. Wie in einem Raumschiff, welches sich im Orbit um die Erde zur Zeit der 60er & 70er Jahre befindet, scheint hier alles aus den Bereichen Acid Jazz, Soul und Funk in seinen Sampler hinaufgebeamt zu sein. Durch ekstatische Samplearbeit und mit Hilfe von Elementen aus Hip Hop, Big Beat und Trip Hop transformierte er dann das ganze auf ein zeitgemäßes Kommunikationslevel. Auch hier sollen die latent vorhandenen Ein-flüsse des Easy Listening nicht versteckt werden und so schweifen sie mal mehr und mal weniger vordergründig im Verlauf der zehn Stücke der Psych Out vorrüber.
Wesentlich wilder an Samplern und Effektgeräten agierend erschien auf Ninja Tunes ein neues Remix-album. Diesmal nahmen sich u.a. Cornelius, Irrestible Force, DJ Food und Carl Craig den Werken von Coldcuts Atomic Moog 2000 und Let Us Play an, und schenkten diesen ihre jeweilige ganz persönliche Interpretation. So entstand, zusammen mit zwei neuen Coldcut Tracks, sowie zwei Liveversionen, ein äußerst abwechslungsreiches Album mit Namen Let Us Replay. Fast schon gleich einer Notwendigkeit, ist auch hier wieder ein Track von J. Swinscoe zu hören, der mit seinem spezifisch betrunkenen Saxophonspiel mit jedem neuen Track das Verlangen nach einem ganzen Album verstärkt. Als besonderes Schmankerl ist bei der CD-Version noch ein spaßbringender Videosampler dabei. Mittels Maus-klick und Tastendruck können so einzelne Videosequenzen in ihrer Laufrichtung und Geschwindigkeit beeinflußt werden. Nach kurzer Beschäftigung erzielt man dann auch ganz passable Ergebnisse, die in einem internen Sequencer aufgenommen werden können.
Das letzte mal ein musikalisches Geräusch auf dem Funkungfusion Sampler von sich gebend, erklingt jetzt Funki Porcini mit seiner neuen Maxi Rokit Soul. Die drei Stücke, welche die Sehnsucht nach einem neuen Album ins Unerträgliche steigern, beschreiben eine neue Schaffensperiode. Was mit psychotischem Geisterbahn-Funk`-n`Rhythem beginnt, endet nach abstrakten Jazzrhythmen-Verdre-hern in einer unglaublich schmeichelnden Ambient-Jazz Landschaft, die aber trotz ihrer Ruhe viel zum Erleben bietet, und sanft im Klang, von ihm gerne verwendeter Frauen-stimmsamples (hörbar auch auf Headphon Sex), zum viel zu frühen End leitet.
Und zum Schluß noch drei mal Warp. Auch wenn das Sheffielder Label in den letzten Wochen den Markt mit einer wahren Invasion von Veröffentlichungen beglückt, steht weiterhin die Qualität vor der Quantität. Kein Wunder also, daß Englands vorzeige Radio DJ John Peel nach jahrzehnte langer Musikerfahrung nun die Acts Boards of Canada, Autechre und The Black Dog mit ihreen charakteristischen Musikvorlieben zu sich ins Studio lud. So verewiglichten sich die drei Projekte auf der legendären Peel Session Serie, wo auch schon Pink Floyd oder The Orb ihr Können zeigen durften. Die einzelnen bisher unveröffentlichten Stücke von Autechre, Bords of Canada und The Black Dog zeigen sich dabei von der jeweils bekannten Seite und machen so die Scheiben nicht nur für Sammler zu einem begehrten Erlebnis, sondern stellen auch ein Stück Musikgeschichte dar. ][ g
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