OUK das Ach10te ± begehrt & abgefahren ± April/Mai 99 Source Pt. 2




R O B    G O R D O N

source records 99 Teil 2 (Techno Geschichte und Zeitloses Vorandriften) to Warp Records
Die wichtigsten Platten enstanden in der Anfangsphase. Für den frühen Warp Sound war maßgeblich ein Mann verantwortlich: Rob Gordon. Als Produzent konzentrierte er sich auf die relevanten Sounds und Beats. Ein Schlüssel zur Tiefe = Konzentration. Körperlich funktional, ästhetisch perfekt, mit Experimentalfaktor, ohne ablenkende Gimmicks.
Wie es dazu kam, keine Ahnung, aber Warp wurde ohne ihn mit vielen fragwürdigen Veröffentlichungen weitergeführt. Wie das Source Rec. einschätzen weiß ich nicht, aber auf jeden Fall veröffentlichten sie vor drei Jahren das 1a-Qualitäts-Doppelalbum Rob Gordon Projects: Rob Gordon & Collab. In diesem Rahmen gab er auch sein Live-Debut in Heidelberg, bei dem Greychecker J. D. Flesner und ich ein Interview mit ihm machen konnten. Nun ist es soweit. ouk wollte sich endlich die weltweite Erstveröffentlichung leisten und bezahlte uns dafür 20 Millionen Future-Euros.


ouk: Du bist ja keineswegs ein Newcomer in der Szene und arbeitest schon sehr lange als DJ und Produzent. Wie kam es zu deinem Interesse an elektronischer Musik?
RG: Vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß ich darauf angesprochen wurde und gefragt wurde, ob ich diesen Job machen könne. Ich wurde als Teenie gefragt, ob ich in einem 24 Track Studio arbeiten wolle. Seitdem arbeite ich in Studios und mache Musik.
ouk: Wie kam es überhaupt zu diesem Interesse? Waren Deine Freunde oder Deine Eltern in der Musikszene aktiv?
RG: Nein. Vielleicht sollte ich erwähnen, daß ich früher von Beruf her elektronische Geräte repariert habe. Wenn Leute damals Probleme mit ihren HiFis hatten, haben sie mich angerufen und um Rat gebeten.
ouk: Und hast Du so auch Leute kennengelernt, die selbst Musik machen? Immer-hin hast Du ja LFO entdeckt, die bleep und drum sounds ins Leben gerufen haben. Das waren ja gewissermaßen die Anfänge des Techno. Wie kam es dazu?
RG: Ich hatte damals eben ein Interesse daran, ein Label aufzubauen.
ouk: Du hast ja das Warp Label gegründet. Wie bist Du da vorgegangen? Wie hast Du den Kontakt zu den Gruppen hergestellt?
RG: Warp wurde eigentlich mit dem Ziel gegründet, eine Platte namens "Track with no name" zu verkaufen. Nach dem Erfolg dieser Platte hielten wir es für ein gute Idee, ein Forum für andere Talente aus derselben Gegend zu schaffen.
ouk: Es war also auch viel Zufall mit im Spiel?
RG: Ja, sicher. Es hat in erster Linie Spaß gemacht. Ich habe aus den Erlösen einer früheren Platte ein Studio gekauft und bei mir zuhause eingerichtet. Dann habe ich dieses Stück geschrieben. Es gefiel einigen Leuten so gut, daß sie uns ermutigt haben, es als Platte zu veröffentlichen. Also haben wir genau das auch getan.
ouk: Ihr hattet mit dieser ersten Platte einen großen Erfolg. Wie hieß eigentlich die Gruppe?
RG: LFO war ja erst die dritte Gruppe. Die erste hieß Forge Masters, die zweite Nightmares on Wax und dann kam LFO.
ouk: Du hast ja dann auch noch Platten von Cabaret Voltaire und Human League abgemischt, sprich: viel zu tun gehabt. Wie kommt es, daß du erst jetzt deine erste eigene Platte veröffentlichst?
RG: Eine eigene Platte zu machen, war etwas, das ich bis vor kurzem eigentlich gar nicht in Erwägung gezogen habe und mir auch nicht so recht vorstellen konnte. Aber die Nachfrage nach einer solchen Platte hat mir den nötigen Ansporn gegeben. Ich ziehe es vor, mit anderen Men-schen im Studio zusammen zu arbeiten. Ich bin ein Engineer. Ich sehe mich nicht als perfekten Pianisten. Das bin ich einfach nicht. Ich weiß vielleicht welche Sounds ankommen und welche nicht bzw. welche Sounds auf den Soundsystems laufen, aber mehr erst mal nicht.
ouk: Du bist ja kürzlich in Heidelberg zum ersten Mal live aufgetreten. Hat es Dir Spaß gemacht? Kannst Du Dir vorstellen, so etwas öfter zu machen?
RG: Das weiß ich noch nicht so genau. Es ist ja auch mit viel Arbeit verbunden. In Heidelberg war mir das Publikum sehr wohlgesonnen. Vor einem Publikum, das mit meiner Art Musik zu machen weniger anfangen kann, stelle ich mir das sehr viel schwieriger vor.
ouk: Spielt da vielleicht eine gewisse Angst eine Rolle, und sei es auch nur die Angst vor dem "falschen" Publikum?
RG: Nein, nicht unbedingt. Ich meine das anders. Ein Auftritt von mir ist nicht spektakulär und setzt nicht so sehr aufs Visu-elle. Es wäre für Leute, die meine Musik nicht verstehen, schlicht langweilig.
ouk: Welche Künstler haben einen großen Einfluß auf Deine Arbeit gehabt?
RG: King Tubby hat mich bisher am meisten beeinflußt. Ich denke, das sticht den meisten Leuten, die seine Arbeit kennen, auch direkt ins Auge. Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen.
ouk: Würdest Du sagen, daß die ersten Warp Veröffentlichungen von einem minimalistischen Sound geprägt waren?
RG: Nein, nicht alle. Das habe ich versucht zu erklären. Es geht darum, ein Gefühl für Sounds zu entwickeln, die auf Soundsystems funktionieren. Diese Plat-ten wurden in erster Linie für die Clubs und für hochwertige Soundsystems ge-schrieben. Sie wurden so gemacht, daß man die Sounds klar hören kann. Loud bass, hard drums.
ouk: Damals war das aber ein sehr eigener und völlig neuer Sound.
RG: Ich denke, daß dieser neue Musikstil auch so schnell nicht wieder verschwindet. Dieser Stil ist sehr fundamental. Gute Tanzmusik wird es noch lange geben. So viel ist jedem klar, der diese pure Energie der Sounds schätzen gelernt hat.
ouk: Und Dein jetziger Sound?
RG: Ich bin im Großen und Ganzen meinem sound treu geblieben, verarbeite aber selbstverständlich auch neue Elemente in meiner Musik. Momentan stehen viele auf den Dub Sound. Das berücksichtige ich auch bei meinen neuen Projekten.
ouk: Du arbeitest ja jetzt mit Source Re-cords aus Heidelberg zusammen und beschäftigst Dich auch mit anspruchsvollen Jazz Sounds. Ich würde Dich deswegen gerne noch einmal fragen, was für Platten Du vor zehn Jahren noch gehört hast? Eher Jazz, Wave, Industrial oder andere elektronische Musik?
RG: Ich habe viele verschiedene Sachen gehört. Tangerine Dream, Yellow Magic Orchestra, Human League und Ultravox, um nur einige zu nennen. Es überrascht vielleicht viele nur, daß ich derartige Sachen gehört habe, weil ich aus einer Working-Class-Gegend stamme und die Schwarzen dort typischerweise HipHop oder Jungle hören.
ouk: Glaubst Du, daß diese verschiedenen musikalischen Einflüsse auch zu einem besseren Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen beitragen können?
RG: Ich glaube, daß das funktionieren kann. Aber dazu bedarf es auch einer gezielten Absicht der Leute, die in der Szene arbeiten. Beispielsweise wäre es meiner Ansicht nach eine gute Idee als Rave Promoter mit einem anderen Promoter zusammenzuarbeiten, um diese wettbewerbsgeprägte Atmosphäre, die schnell entsteht, zu vermeiden. Es kommt auf die Individuen an, was sie aus ihrem Umfeld machen. Als Musiker arbeite ich auch mit Leuten zusammen, die ich noch nie habe spielen hören. Manchmal arbeite ich mit Leuten, deren Sound mir gefällt, bisweilen sogar mit Leuten, deren Sound mir nicht so zusagt.
ouk: Gibt es neuere Musiker mit denen Du vielleicht zusammen arbeiten möchtest?
RG: Ich muß leider gestehen, daß ich momentan an einigen Garage-Projekten arbeite, aber es ist Garage mit einem qualitativ hohen Anspruch. Diese Musik verarbeitet Einflüsse eines kubanischen Musiker sowie eines Jazz-Pianisten. Die Techno-Fans werde ich natürlich nicht vergessen und werde die Musik bei der Produktion auch entsprechend mit Techno-Elementen versehen.
Übersetzung: Daniel o´Donnel
Vielen Dank an dieser Stelle.




 

A L E X    C O R T E X

Alex Cortex, 20 Jahre, hat nun mit seiner frischen Maxi "Tengenenge" bereits 3 Maxis auf Source Records veröffentlicht. (Sogar noch frischer die Kanzleramt-Maxi, aber was heißt schon "frisch" bei dem Bemühen die Zeitlosigkeit zu erreichen). Seine Misson ist die Musik selber. In Diskussionen über Musik kommt es manchmal zu einer Quasi-Gleichschaltung, oftmals allerdings auch zu den bittersten Auseinandersetzungen mit dem Autor dieser Zeilen.

So kam es denn auch, daß dieses Interview zweimal geführt werden wollte: Diesmal mit dem reduzierten Inhalt: "Interviews, Interviewer, Nepper, Schlepper, Bauernfänger und Befragte": Wir konnten uns Beide auf dieses Thema einigen, wobei wir dann eigentlich auch noch mehr besprachen.

A l e x    C o r t e x : W a s   w a r   d i e   F r a g e ?

ouk: Bei unserem letzten Interview warst Du eine Woche später unzufrieden und hast Dir überlegt, daß Interviews generell eine fragwürdige Sache sind. Kannst Du das erläutern ?
AC: Du mußt schon präziser fragen!
ouk: Womit hast Du bei Interviews Schwierigkeiten?
AC: Das sind ziemlich viele Dinge: Erstmal ist ein Text ein ziemlich sensibeles Me-dium, denn der Text geht durch viele Hände und erfährt nochmal Veränderung, Beschönigung, etc. Da muß man differenzieren zwischen einem echten Interview und einem Feature. Ist es wortgetreu oder geschönt? Und dann ist es wichtig, daß die Frage einfach stimmt. Für den Kontext, für den Befragten. Ich sag mal: Zu lasche Fragen holen niemand aus der Reserve, zumindest gilt das für mich. Und dann ist eine Antwort natürlich auch nicht Reprä-sentativ für die Meinung des Befragten und ein Interview soll ja auch etwas Repräsen-tatives sein, wobei ich echt weniger ein Problem damit habe, daß es eine zeitlich begrenzte Sache ist von der Wirkdauer. Es ist eine Meinung, die zu dem Zeitpunkt entsteht, zu dem das Interview geführt wird, oder in dem Zeitpunkt die Meinung des Befragten ist und vielleicht ist es am nächsten Tag oder eine Woche später nicht mehr so. Ist ja nicht so schlimm da das Interview in dem Moment das darstellen soll, was in dem Augenblick Thema war. Der Punkt ist, wenn das dann dargestellt wird, als ob das irgendwie das Main-Topic für den Befragten wäre, dann ist das eine traurige Sache. Es muß also auch klargestellt werden, daß das so ein Ausschnitt ist.
Außerdem kann ein Interview nie An-spruch auf Vollständigkeit erheben. Das hängt erstens mit der Laune des Befragten zusammen, zweitens mit den Fragen, die gestellt werden. Ich sag mal, jeder Mensch sollte so weit komplex sein, daß sich sein Tun, selbst wenn es in dem Interview nur um eine Sache geht, sich erklären läßt. Es sollte dann aber auch klar sein und klar ausgedrückt werden, daß es ein größeres System ist. Dementsprechend sollten In-terviews auch sehr speziell sein und nicht so weit gegriffen, da hat keiner was von. Ich könnte auf so überblickgerichtete Fragen keine Antworten geben. Auch die Frage von Dir war sehr frei und ich konnte das jetzt nur in eine Richtung beantworten. Es gibt jetzt sicher mehr Wege in die ich das beantworten könnte, allerdings ist es immer so: Was fällt Dir in diesem Moment ein?
ouk: Klar, aber wo vor hast Du dann konkret Angst ?
AC: Generell ist es mir ++++++egal, wer was über mich denkt, wenn ich denjenigen sowieso nicht kenne, weil ich das dann nicht erfahren werde. Doch wenn es tatsächlich Menschen gibt, was ich nicht glauben kann, die sich für mich interessieren, für meine Musik, und die gerne irgendetwas wissen wollen, wenn es ihnen weiterhilft, das heißt ja soviel wie meine Musik spricht nicht alleine für sich, dann sollen sie bitte auch das erfahren, was irgendwie richtig ist. Angst habe ich nicht, aber ich habe Bedenken, weil ein Inter-view in den seltensten Fällen wirklich das erfassen kann um was es mir wirklich geht. Zweitens weil ich vielleicht die tat-sächlichen Beweggründe überhaupt nicht offen darlegen möchte. Eventuell weil es auch gar nicht zur Sprache kommt, aus welchem Grund auch immer, z. B. das Blatt Themen orientiert ist, oder was auch immer.
ouk: Gibt es weitere Gründe gegen Inter-views als Forum der Selbstdarstellung?
AC: Zwei Sachen: Einerseits muß ich ja von irgendetwas leben. Im Moment für mich nur wenig Problem, weil ich ja finanziell gesichert bin, allerdings nur so weit daß ich davon leben kann und nicht daß ich mir davon kaufen kann, was ich möchte. Wenn ich hier jetzt mein Studio erweitern möchte, dann muß ich mir das Geld selbst verdienen. Durch meine Gigs verdiene ich so viel Geld mal definitiv nicht. Und das heißt: Ich muß Plattenverkäufe machen. Klar, ich kann die jetzt in den Laden stellen und hoffen, daß die einer kauft. Einfacher geht´s mit Werbung. Das ist völlig klar. Ich könnte jetzt ein Interview als Werbeforum für mich miß-brauchen. Kauft meine Platte: Neu bei Source: Tengenenge EP - Electropower - totaler Bullshit! Könnte ich jetzt machen. Gut, habe ich soeben gemacht. Ist aber nicht meine Intention. Wenn man es clever macht find ich das auch wieder ok wenn man dabei etwas Sinnvolles sagen kann.
Generell sag ich aber, daß die Musik für sich den Käufer im Laden ansprechen soll
und nicht irgendeinen Text über denjenigen, der es gemacht hat, ihn dazu bewegen soll die Platte zu kaufen. Sondern einfach: entweder Schicksal, er greift sie raus, oder das Cover gefällt ihm, oder ein Freund hat ihm von der Platte erzählt oder so was. Aber jetzt irgendwie nur einen Namen zu lesen. Man vertraut in diesem Moment auch nur wieder einer subjektiven Mei-nung von einem Schreiberling. Wenn ich Platten kaufen würde nach den Kritiken in den Zeitschriften, dann wäre ich DJ mit einem ganz üblen Musikgeschmack. Was da alles gefeatured wird finde ich gelinde gesagt ziemlich scheiße und ich trau nur meinem eigenen Geschmack.
ouk: Wenn Du Sachen selber liest, benutzt du das Medium eigentlich selber um dich über Sachen zu informieren.
AC: Wenn ich jetzt ein Magazin lese und sehe da ein Interview, meistens lese ich das Blatt eh von vorne bis hinten, weil mir langweilig ist. Man erfährt dann schon mal was interessantes. Generell glaube ich erst mal garnichts was ich lese, wenn ich nichts darüber weiß und häufig finde ich es auch interessant über Personen, die ich kenne zu lesen. Einfach um zu sehen was da geschrieben wird und das hat mir immer ganz gut gezeigt, daß ich eigentlich Recht habe, nicht allem zu trauen, weil was da einfach zum Teil für Bullshit verbreitet wurde...., teilweise fand ich es auch o.k. und die Leute haben mir dann gesagt, daß sie es zu unvollständig fanden. Und das kann ich ja in dem Augenblick nicht wissen, das heißt: wenn ich ein Interview gebe, dann ist der Leser auf die Information angewiesen, die ihm da dargeboten wird und er kann einfach nicht entscheiden ob das vollständig ist oder nicht. So entstehen dann wiederum auch Geschichten, die sich dann auch markttechnisch negativ auswirken.
ouk: Ist es für Dich selbst gut als Fan auch nichts zu wissen ?
AC:Das ist für mich jetzt letztenendes egal, weil ich jetzt einen Haufen weiß über verschiedene Leute, die Musik machen. Weil ich einfach zu tief in der ganzen Sache drinstecke. Wenn man so viel Platten kauft wie ich, dann kriegt man einiges mit. Aber klar, das prominenteste Beispiel ist Maurizio. Ich hab keinen Schimmer wie der aussieht, wie alt der ist, obwohl ich weiss, daß er älter ist. Und ich hab keinen Schimmer, was ihn bewegt, was ihn treibt usw. und die Musik spricht aber für sich und erzählt mir zwar nicht das, aber dafür einen Haufen andere Sachen, die vielleicht noch viel wichtiger sind.
Hier haben wir dann das Thema gewechselt, die Teebeutel rausgeholt, über Pferdezucht geredet, Sodomie philosophiert und die übermäßige Medienmacht Kölns (inkl. Musikmedienhype, (nicht Ink)) diskutiert. An anderer Stelle gab es auch wieder Uneinigkeit. Falls noch Fragen offen wären, kann man Alex C. und andere Source-iten regelmässig Samstags in Mannheim im HD800 antreffen. Deutschlandweit bestimmt eine der besten Diskotheken. Manchmal kann man sich aber auch ruhigen Gewissens nur mit der Musik zu Hause auseinandersetzen . ....War doch jetzt die Essenz, oder was ?? ][ Ido


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