OUK das Neun10te ± spitzfindig & drei-st ± Juni/Juli 99 Jenseits von Bits und Bytes

Jenseits von Bits und Bytes

In einer Zeit in der sich Computer mit ihren vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten kontinuierlich in unserem Leben breitmachen und sogar dem Verkaufspersonal in Kaufhäusern angesichts eines Styling-Erlebnis-Spiegels in Sachen Arbeitsplatz das Fürchten gelehrt wird, macht sich eine neue Tendenz bemerkbar. Wie schon in dem Bereich der elektronischen Musik, in welchem mehr und mehr ein Rückgriff auf die Tonreserven der „Nichtcomputerinstrumente“ zu vernehmen ist, steigt auch das Angebot an Ausflügen in vergangene Zeiten oder ferne Länder weit ab von Computermaus und Bildschirm beständig an.
So kann man, selbst bei Stromausfall, im Kerzenschein in die mittelalterlichen Ebenen von Catan seine Reise antreten und mit seinem(r) Lebenspartner/In ein abwechslungsreiches Entwicklungsabenteuer durchleben. Die komplex durchdachte Würfel- Kartenspiel-Kombination von Klaus Teuber erfuhr nun durch den Kosmos-Verlag fünf neue Erweiterungen. Besonders hervorzuheben sind dabei vor allem drei dieser Kartenergänzungssets, da „Fortschritt & Wissenschaft“ sowie „Ritter & Händler“ bis auf zwei neue Karten mit dem Turnier-Set identisch sind. Sich harmonisch in die ansprechende Kartengestaltung des Basissets Siedler von Catan einfügend, erfährt das Spiel derartig viele neue Variationsmöglichkeiten, daß früher einmal aussichtslose Ereignisse oder Aktionen des Stadtausbaukonkurrenten nun kalkulierbar und revidierbar werden. Kurze Kartentexterläuterungen und entsprechende Illustrationen zaubern schnell farbenprächtige Welten vor die Augen der beiden Spieler auf den Tisch. Neben „Handel & Wandel“ sowie „Politik & Intrige“, welche vorwiegend neue Stadtausbaualternativen und Strukturprinzipsmodifikationen enthalten, verleiht vorallem „Zauberer & Drachen“ dem Spiel eine ganz neue Facette. An Stelle von Städten können jetzt Zitadellen gebaut werden, in welchen die Zauberer sich aufhalten, so lange sie noch im Land sind. Nun bietet sich zum ersten Mal im Spiel die Möglichkeit ausgespielte Persönlichkeiten sich direkt miteinander messen zu lassen, Einfluß auf Ereignisse zu nehmen und die immens wichtigen Rohstoffverteilungen radikal zu verändern. Da viele Ideen begeisterter Spieler über den Kreativ-Wettbewerb 97/98 mit in die Kartenauswahl einflossen, integrieren sich für jeden die neuen Karten reibungslos in das vorhandene Strategiesystem.
Auch ohne Netzwerkmöglichkeit können bis zu vier Spieler in den glühenden Weiten der Sahara ein strategisches Abenteuer als Nomade durchleben. Targui, ein Spieleklassiker aus dem Jahre 1988, erfährt zur Zeit durch Jumbo-Spiele in einer auf 10.000 Stück limitierten Sammlerausgabe sein Comeback auf dem deutschen Spielemarkt. Auf einem 7 auf 7 Karteneinheiten großen Raster wird hier jedesmal ein neu gemischter Spielplan aufgebaut, der immer ein anderes Gesicht der Wüste präsentiert und den die einzelnen Tuareg-Stämme innerhalb von 16 Zügen erobern müssen. Wüstentypische Schicksalskarten lassen die Glückskomponente nicht ganz außen vor und können so im Spielverlauf für unterschiedlichste Kräfteverschiebungen sorgen. Schnell werden die wirtschaftlichen oder taktischen Eigenschaften einer Spielfeldposition den Spielern mit Hilfe einer äußerst kurzen und einfachen Anleitung bewußt und schon kann man sich ohne großes Vorwissen seine eigenen Taktiken im Verlauf unzähliger Herausforderungen austüfteln.

 

 

Aber da ein Markt nicht nur aus Erweiterungen und Wiederveröffentlichungen bestehen kann, offeriert die Firma Ravensburger den gesellschaftsliebenden Spielern eine Entdeckersimulation im Dschungeldikkicht von Tikal. Auch hier stehen taktische Überlegungen stark im Vordergrund, werden aber durch eine aus dem täglichen Leben bekannte Kostenrechnung ergänzt. So muß jeder der Expeditionsleiter möglichst gut mit vorhandenen Resourcen taktieren, um sein Team durch das Dickicht des Spielplans zu leiten, der, bestehend aus flexiblen Elementen, in seinen Variationsmöglichkeiten eine fast unbeschränkte Vielfalt bietet. Beim Anlegen der einzelnen Spielfeldelemente kann man dann Wege zu den Schätze verbergenden Mayatempeln für andere Spieler kostenintensiver machen und sich so eventuelle Vorteile ausbauen. In nur vage bestimmbaren Zeitpunkten bricht dann durch Aufdecken des Vulkanfeldes dieser aus und eine Wertung findet statt, die den Spielern die für den Sieg notwendigen Punkte verleiht. Gegenseitige Erschwernisse katapultieren die Spieler schnell in ein spannungsgeladenes Rennen nach Schätzen und Punkten, bei dem Wege nicht immer so sind, wie man das gerade gebrauchen kann. Vor allem die im Spiel integrierte Erweiterung in Form einer minimalen Regeländerung läßt das ganze dann zu einem nahezu rein strategischen Erlebnis werden, das für viel Kopfzerbrechen und so für einen langen Spielspaß sorgt. ][ g


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