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Das Zweite wellenfest und wasserlöslich | Easy Pressure in Germany |
Mit einem kleinen Schmunzeln fällt der Blick auf einen Zeitungsartikel auf meiner Pinwand: "Leute afgepaßt! Wir haben es... absolut irre! Der neue Musikstil aus England... Jungle... neben Charts, Reggae, Tekkno usw... Samstags... Discothek blablabla...". Dies ist nur eine Form, wie das Wort "Jungle" in letzter Zeit "mißbraucht" wurde.
Übrigens, wußtet ihr schon, daß Prodigy "Jungle" macht und "Jungle" auf deutsch "Dschungel" heißt? So schrieb das zumindest ein bekanntes deutsches Jugendmagazin, aber es gibt auch zahllose andere Möglichkeiten "Jungle" in der Gesellschaft medientechnisch unterzubringen.
Untermalt mit teilweise gar nicht mal so schlechten Beatkonstruktionen, präsentieren sich Produkte, z.B. aus dem Langnese-Sortiment oder auch die neuesten Adidasschuhe, im TV. Das Radio darf natürlich auch nicht zu kurz kommen: Der neueste Karl Lagerfeld-Spot wird von jazzigem Jungle unterstützt.
1994 ist eigentlich zum letzten Mal das Wort "Jungle" in den Medien aufgetaucht, damals noch im Kontext mit Ragga. Unzählige Sampler versuchten die Massen zu erreichen, aber vergeblich, denn Jungle war-in Deutschland zumindest-erst in der Aufbauphase.
Diese Raggajungle-Geschichte fast ignorierend, gedieh eine sich prächtig entwickelnde Jungleszene, wobei hier vor allem der Rhein-Neckar-Raum zu erwähnen ist, angefangen im Milk bis hin zum Vibrations.
"Seit Goldie macht Jungle wieder Spaß", sagte kürzlich jemand, und so mancher House oder Techno DJ entdeckte Jungle z.B., über die Trip Hop-Schiene. Trip Hop läßt sich nunmal von der Geschwindigkeit her besser mit House mixen als Jungle. Trip Hop dient auch ganz gut als Bindeglied zwischen Straightbeat und Jungle in einem DJ-Set. Aber was ist schon Trip Hop? "Slowed-down Jungle", meinte Goldie goldrichtig, womit wir wieder bei Goldie wären. Dieser sorgte ja für großen Wirbel in letzter Zeit, sowohl mit der "Timeless"-LP, als auch mit seinem Label "Metalheadz".
Easy Pressure in Germany
Doch wir schreiben inzwischen das Jahr 1996. Während Metalheadz sich einen Kultstatus in der Labellandschaft sichert, macht ein gewisser Rupert Parkes, bestens als Photek bekannt, von sich reden. Ein Majordeal mit Virgin läßt nunmal die Medien aufhorchen. Die Frage ist, warum wir über diesen jungen Mann nun auch noch ein paar Worte verlieren müssen. Es muß sein, denn was er geschafft hat ist bisher wahrscheinlich einmalig. Auf Virgins Sublabel Science genießt er nämlich völlige Freiheit bei seinen Produktionen, was bei "Hidden Camera" deutlich zum Ausdruck kommt. Wer die bisherigen Photek-Releases kennt, weiß wovon ich rede. Das Wichtige an der Sache ist, ungeachtet der Verkaufszahlen, nicht die Innovationen zu vergessen und der Experimentierfreudigkeit freien Lauf zu lassen, und das beherrscht Rupert Parkes voll und ganz. Respekt!
Merkt ihr was? Die Sache mit dem LP-Format, ein Majordeal, Jungle in der Werbung. Ich will jetzt keine "Jungling Society" (schreckliches Wort) proklamieren, aber Jungle ist gerade dabei sich in der Tanzmusiklandschaft (wie komm ich nur auf diese schrecklichen Wörter) zu etablieren..
Die Szene ist nicht besonders groß, aber überschaubar. So muß sein! War es noch vor zwei Jahren ein Problem die neuesten brechenden Scheiben zu bekommen, hat mittlerweile so manche Recordshopkette ihren eigenen Einkäufer in England. Zudem gibt es das nicht minder erfolgreiche und auch bei englischen DJ's angesehene deutsche Smokin Drum-Label von Bassface Sascha. In der Clubszene sieht es auch nicht schlecht aus. Neben den legendären Meditation und Future Partys hat der eine oder andere Club so seine Jungle-Night im Angebot... und macht eure ouken auf, denn seit kurzem gibt es die ersten Junglemagazine in deutscher Sprache: zunächst einmal das EASY aus Berlin, im ouk-Format (sw,DINA5 quer... wir waren nicht die ersten...), mit abgefahrenem, teils unübersichtlichem Layout und sehr gutem, anspruchsvollem Inhalt. Die erste Ausgabe, damals noch als Faltblatt, erschien im Herbst 95 und mittlerweile müßte schon die fünfte Ausgabe anstehen.
Ebenfalls kostenlos existiert da noch seit Juni 96 das PRESSURE aus dem Rhein-Neckar-Raum: vierfarbig, Hochglanz, DINA5-Format (diesmal hoch), Inhalt korrekt, Layout o.k..
Doch neben den vielen positiven Entwicklungen sind auch negative Entwicklungen, vor allem innerhalb der Jungleszene, zu erkennen. Das Spektrum an Musik, das nicht dem 4-to-the-floor-beat unterliegt, ist inzwischen enorm groß geworden.
Das Wort "Jungle" vor einem Jahr noch in aller Munde, spricht heute alles nur noch von Drum'n'Bass, und schon haben wir wieder diese ewige Definitionssuche, was ist Techno, was ist House, was ist Drum'n'Bass, was ist Jungle,...? Echt unwichtig. Omni Trio macht zumindest keinen Drum'n'Bass. "Für mich ist das alles Breakbeat", sagte kürzlich Marc von 4 Hero, und wenn ebengenannter zusammen mit seinem Partner Dego (2.Teil von 4 Hero) eine Lp wie "Jacobs Optical Stairway" abliefert, sieht man, wie aussageschwach plötzlich Begriffe wie "Jungle" oder "Drum'n'Bass" werden. Das Essentielle sind nun mal die Breakbeats. Eine Taufe wird immer sinnloser, denn die Grenzen werden in nächster Zeit noch stärker schmelzen.
Fakt ist, daß die Jungleszene sich in verschiedene Lager aufzuteilen droht.
Die Szene lebt sich mal wieder auseinander, sie zerbröckelt.
Ignorieren wir das einfach, denn wie sagte Goldie so schön:"Es gibt nur zwei Arten Musik in der Welt: gute und schlechte, das war's!"
][ lightwood
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