OUK Das Zweite   wellenfest und wasserlöslich Interview:
The Stickmen

The Stickmen

ouk: Ihr seid also gerade erst angekommen?

Greg: Ja, wir kommen aus Köln. Davor waren in Belfast. Kurz bevor die Ausschreitungen anfingen.

ouk: Habt Ihr irgendetwas davon mitbekommen?

Paul: Nein, wir spielten Freitag nacht und reisten Samstag morgen ab. Das ganze fing erst Samstag nacht, Sonntag morgen an. Dabei schien alles sehr friedlich, die Menge war erstaunlich gut aufgelegt. Und ganz plötzlich ....

Greg: Der Gig fand in einer Schulturnhalle statt. Zuerst dachten wir, oh shit, Schule, aber dann waren wir dort und es war einfach unglaublich.

ouk: Wie verhält sich die Szene in Canada im Vergleich zur Szene in Europa?

Paul: In den Staaten und in Canada ist alles sehr getrennt. Es gibt New York sound, Chicago sound, West Coast sound, Miami sound. Alle haben sie ihren eigenen Stil und ihre eigene Szene. New York ist sehr vocal lastig, Chicago sehr dubby. In Miami hört man viel Breakbeat. Wir haben schon in vielen Städten aufgelegt. Du mußt viele verschiedene Platten einpacken, denn sie stehen alle auf ihren eigenen sound. Deshalb spielen wir meistens von jedem etwas.

ouk: Gibt es irgendwelche Unterschiede bezüglich der Leute?

Paul: Nein, überhaupt nicht. Wenn du deine Augen schließt und sie dann im Club wieder öffnest, könntest Du überall auf der Welt sein. In Europa kriegst du etwas mehr feedback vom Publikum, aber ansonsten ist es überall gleich. It seems like music ties it all together. Du kannst in zehn verschiedene Städte reisen und dort in den Plattenläden rumhängen und es ist überall die selbe Szene vorhanden.

ouk: Wo habt Ihr gewohnt, als Eure erste Platte released wurde?

Paul: Wir leben schon seit eh und je in Toronto, Canada. Wir haben unser Label vor drei Jahren gegründet. Eigentlich machen wir schon seit fast vier Jahren Musik. Als wir genug Material gesammelt hatten um eine Platte aufzunehmen, schickten wir Tapes an ein paar Freunde, an +8 zum Beispiel. Aber wir wollten unser eigenes Ding machen, also gründeten wir kurzerhand Stickmen Rec.

ouk: Welche Acts releasen bei Euch?

Greg: Unsere Acts kommen von überall her. L.A. , Europa.. Aber wir versuchen auch Leute aus Toronto, Leute die in Toronto Musik machen, zu finden. Wir arbeiten viel mit BJ und Biotrance zusammen. Wir haben auch schon mit DJ Sky zusammen produziert. Er hat jetzt sein eigenes Label. Er schickt uns seine tracks und wir pressen sie dann für ihn in Canada. In Köln haben wir Kontakt mit einem weiteren deutschen Künstler aufgenommen. Aber die meisten Platten, die auf unserem Label erschienen sind, kommen von uns selbst. Und dann gibt es natürlich noch unsere Sublabels, wie zum Beispiel DNH.

ouk: Die tracks auf Eurem Label unterscheiden sich ziemlich in der Stilrichtung.

Paul: Ja, deshalb gründeten wir auch die Sublabels. Stickmen hat seinen eigenen sound. Wir bekommen aber so viele Demotapes mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen und manche davon sind echt gut. Also gründeten wir die Sublabels. Auf Stickmen rec. selber variiert die Stilrichtung etwas, während auf den Sublabels ein bestimmter sound durchgehalten wird.

ouk: Hört sich etwas nach NuGroove an. Die haben ja auch House mit allerlei Stilen vermischt.

Greg: Ja, auf jeden Fall. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Bei uns funktioniert es ganz gut. Aber wir sind noch recht neu. Viele kennen uns noch gar nicht.

Paul: Viele wissen überhaupt nicht, was wir machen. Sie kennen vieleicht Strictly Rhythm, aber nichts von unserem Zeug. Es dauert lange, bis dein Name in all die kleinen Städte vordringt und zu den Leuten in den Plattenläden kommt..

Greg: We're still pretty much underground.

Paul: Deshalb touren wir auch durch viele Städte und versuchen mit den Inhabern der Plattenläden und -Vertriebe zu sprechen. Das ist der beste Weg um dich bekannt zu machen.

Greg: Wir sind schon bei release #40 auf Stickmen. Viele Labels kommen erst gar nicht so weit. Und wir hatten noch keinen Hit. Alle Platten sind gut, klingen wirklich toll und die Djs spielen sie auch, aber es hat noch keine in die Charts geschafft.

ouk: Wollt Ihr in Zukunft eine Platte in die Charts bringen?

Greg: Nein, wir planen nicht, einen Hit zu produzieren. Wenn es ein Hit wird, gut, wenn nicht ist es auch nicht schlimm. Manche Leute entdecken jetzt erst die ersten releases, nach drei Jahren!

Paul: Wir hatten Hawtin, Derrick Carter, Josh Wink. Du kannst Spaß haben, ein wenig Geld verdienen und trotzdem "undergound" sein.

ouk: Einer von Euch studierte Politik.

Paul: Ja, ich.

ouk: Möchtest Du irgendwann zurück an die Universität?

Paul: Nein, auf keinen Fall. Ich bin zufrieden mit dem was ich im Moment mache. Es gibt kein zurück. Ich habe schon zuviel Zeit und Aufwand in das Label gesteckt. Ich denke, daß wir innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre dort sein werden, wo wir hin wollen.

Greg: There's no overnight succes. jeder der erfolgreich ist, macht das ganze schon seit midestens fünf bis zehn Jahren. Sogar Josh Wink ist schon seit 8 Jahren DJ. Es war viel Arbeit für ihn bis es zu "Higher State" kam.

ouk: Okay, one last question. Do you guys believe in aliens?

Paul: Hehehe, yeah, I think they kidnapped Carl.

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