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Das Zweite wellenfest und wasserlöslich | Lomo |
... Einst vor langer, langer Zeit, als sich noch schuppige Drachen in finsteren Höhlen im Schein rotglühender Lava um den unverhüllten Leib einer Jungfrau wälzten, trug es sich zu, daß eine neue Ära ihren Einzug feierte.
In einer WG (Wohngemeinschaft) in Wien wohnten damals, 1988, drei Tiroler Studenten, die aus einem fernen Land ein kleines schwarzes, mit sonderbaren Hiroglyphen geziertes Kästchen mitgebracht hatten. Im engeren Kreis sprach sich diese Neuigkeit schnell herum, und jeder wollte ebenfalls ein solches besitzen, um es ihrer Stadt vors Gesicht zu halten. Und so begab es sich zirka 1992 n. C. , daß die drei wagemutigen Studenten, keine Mühe und Gefahr scheuend, auszogen in das ferne Bratislava um weitere Lomos zu besorgen. In den aufsteigenden Nebelschleiern des Morgengrauens schmuggelten sie dann diese über die Grenze bis hin zu den schützenden Mauern ihrer Wohnung. Doch dort hatte sich die neue Botschaft schon wie ein Lauffeuer verbreitet, so daß es langsam schwierig wurde, die steigende Nachfrage, der durch Zeitungsberichte Informierten und der Neugieriggeworde-nen, zu befriedigen.
1992 war es dann, als die Drei direkt mit den LOMO-Werken in St. Petersburg, dem früheren Leningrad und dem Geburtsort der LOMO, in Kontakt traten, um für das "Moskau-New York" Projekt, bei dem gleichzeitig je 10.000 Lomos aus der jeweils anderen Stadt gezeigt wurden, Unterstützung zu erhalten. Als die Anfrage St. Petersburg erreichte hielten die Menschen in den LOMO-Werken dies für einen Aprilscherz, da sie nicht glauben konnten, daß die westliche Bevölkerung etwas haben möchte, daß sie jederzeit und vor allem besser von den Japanern erhalten könnten (zit. aus DIE ZEIT Nr. 24 1996).
Heute, wir schreiben August 1996, die Zeit ist schnell vorangeschritten, dank modernster Technik und dem mehr oder weniger gut funktionierenden Postdienst braucht sich heute niemand mehr in atemberaubende Abenteuer zu stürzen, um eine eigene, ganz im Gegenteil zu dieser modernen Technik, einfach funktionierende LOMO in den Händen zu halten. Einfach eine Postkarte nehmen und die Worte "LOMOGRAPHIE - JETZT ODER NIE" darauf schreiben und an die Lomographische Botschaft nach Berlin schicken. Nachdem dann die Sonne wenige Male den großen Erdball umrundet hat, wird man dann eines schönen sonnigen Morgens von dem Klingeln des Postboten aus dem Schlaf gerissen, der einem dann die, in braunes Packpapier und einem kleinen Plastikkästchen schlummernde eigene LOMO überreicht. "Made in the USSR".
Da einem aufgrund der ausschließlichen Einstellungsmöglichkeiten von Entfernung, ASA-Zahl und Belichtung (Automatik oder Blende) keine schwerwiegenden Hindernisse im Weg stehen, die man sonst nur mit Hilfe unüberschaubarer Bedienungsanleitungen bewältigen kann, muß nur noch ein 35 mm Film (normaler Kleinbildfilm) eingelegt werden, und schon kann es losgehen. Aber es liegt auch ihr ein kleines Büchlein bei, daß wirklich jedem (zwar in Englisch, aber bilderreich) den sofortigen Einstieg gewährleistet.
"Sofort begriff ich was die LOMO-Botschaft in ihrem Informationsschreiben mit diesem siegesgewissen Glitzern in den Augen meinte , daß allen anderen Mitgeschöpfen signalisiert: Hier kommt ein LOMOgraph". Die LOMO wurde zum ständigen Begleiter, zu jeder Tages- und Nachtzeit, an jedem Ort ist sie dabei.
Anfänglich erscheint es etwas verwirrend sich von der Angewohnheit zu lösen, ständig den Sucher zur optimalen Bildausschnittskoordinierung zu verwenden. Doch dank des beigefügten kleinen schwarzen Papierfleckens, der sich zum Ausschneiden (und den Sucher damit bekleben) auf einem Beizettel befindet, fällt dies nach kurzer Zeit nicht mehr schwer oder einem gar nicht mehr auf.
10.000 Lomographen sind es mittlerweile, die sich getreu der LOMO-Regel Nr. 10: Kümmere Dich nicht um irgendwelche ästhetische Konzepte, tu einfach was Dir gefällt, auf der Erdoberfläche bewegen und in dem Billigformat von 7*10 bei Drogeriemärkten ihre Ablichtungen (Lomographien) entwickeln lassen, um nachher Perspektiven zu sehen, die sie vorher so noch nicht Wahrgenommen haben. Es sind auch genau diese 10.000, die ein schönes, kleines, schwarzes Kästchen erworben haben, daß derzeit von 45 Arbeiterinnen in St. Petersburg, bei einem Lohn von 400.000 Rubel (die Hälfte dessen, was ein Mensch dort zum Leben braucht) zusammengesetzt wird. Wären diese Lomographen nicht, so wären die Arbeiterinnen ihren Job los, und diesem entgegenzuwirken ist doch angesichts der auch hier herrschenden Arbeitsmarktlage, "ein schöner Gedanke in einer schlechten Welt" (zit. Lomographische Botschaft Berlin).
Wer weitere Informationen über Preise und sonstige Unklarheiten erfahren möchte wendet sich einfach direkt an die :
LOMOGRAPHISCHE BOTSCHAFT BERLIN
ELISABETH BREITKOPF & STEPHAN PAULY
UTRECHTERSTR. 41
13347 BERLIN
TELEFON: 030-4561260 & 4561687.
Und KLICK ...
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