OUK Das Zweite   wellenfest und wasserlöslich Musik, die auszog, mich eines besseren zu belehren...

Meine Erinnerungen schwelgen, als wäre es erst gestern gewesen. Die Knie schlotterten unaufhörlich, mein Puls stieg von Sekunde zu Sekunde, rhythmische Vibrationen erschütterten meinen Körper mit jedem Schritt, den ich machte, um durch das Portal der Ekstase zu schreiten, lauter, härter, irgendwie fast schon erregend. Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wird mein Äußeres entsprechen, wird es den verschiedenen Anforderungen genügen, wird es mir Zugang in die geheimen Reiche verschaffen, die ich zu betreten begehre ? Wie wird man auf mich reagieren ? Wird man mich akzeptieren, verstoßen, mit Gold aufwiegen oder in dunkle Verließe stecken? Welchen Ritualen muß ich mich unterziehen? Fragen über Fragen auf dem Weg in das Reich der Klänge, der Zusammengehörigkeit und der Verständigung, wenigstens für diese eine Nacht. Immer näher trete ich an die Tore der heiligen Hallen und der Moment der Wahrheit rückt unaufhörlich näher. Aber ich bin nicht alleine mit meinen Gedanken. Gesenkten Hauptes verlassen einige diesen Ort ohne das Innerste Geheimnisse erkundet zu haben. Es scheint, als wären sie nicht würdig. Doch nun soll es sich herausstellen, ob ich auserwählt bin, jenen Beispiel zu geben. Ich reihe mich ein in die kleine Schlange die ehrfürchtig vor dem Hüter des Eingans wartet, zitternd vor seinem prüfenden Blick, ein kleines Pergament in meinen Händen, welches meine Chancen vergrößern soll den Torwächter milde zu stimmen. Immer näher komme ich vor ihn und ich darf jetzt nicht aufgeben. Sei ein Mann! Stehe aufrecht! Gehe mutigen Schrittes mit Stolz und Erhabenheit an ihm vorbei. Er muß dich einlassen. Du bist einer der Auserwählten.

Da ist es passiert. Ich habe Glück. Der Einlaß ist mir gewährt worden. Ich bin würdig, die Welt der Vibrationen, der Harmonien, der Amplituden und des Lichtes zu erkunden. Eine harte Prüfung für einen 15-Jährigen der eigentlich nach dem Gesetz erst in 3 Jahren eine Diskothek betreten darf.

 

Schon seit einiger Zeit interessierte ich mich nur für Musik elektronischer Art und so kam mir die Kraftwerk Kollektion meines Vaters gerade recht um in die Welt der Strings abzutauchen. Inmitten von Jean-Michel Jarre und Vangelis, über Kraftwerk hin zu Tomita und Kitaro, entwickelte sich ein digitales Klang-Bewußtsein, kombiniert mit dem Verlangen nach Dur und Moll. Glücksgefühle breiteten sich ab und an unter den Menschen aus, wenn es einer der Meister geschafft hatte, eben solche Kriterien in Einklang zu bringen.

Ein glücklicher Zufall verhalf mir nun zu einem Instrument, daß so vielfältig ist, daß es nur aus der Neuzeit kommen kann. In meinen Händen sollte es wahre Wunder vollbringen. Ich versuchte es als Ausdrucksmittel für innere Gefühle einzusetzen, von ihm zu lernen, es zu respektieren und zu meinem Sklaven zu machen. Es half mir auch mich besser kennenzulernen. Musik als Träger von Ideen wurde zu einem Leitmotiv und ich versuchte musikalisch auf elektronischem Wege jede meiner Stimmungen einzufangen. Mystische, traurige Klänge weil die Freundin jetzt das Prefix Ex- für sich in Anspruch nehmen kann, oder weil einfach eine Phase der negativen Einflüsse sich anbahnte ebenso wie starke Powersongs, wenn das Leben gar nicht besser kommen könnte.

 

Mit diesen Voraussetzungen betrat ich nun eben diesen erhabenen Ort, in der Hoffnung eine Antwort auf all meine Fragen zu finden. Offen für neue Situationen und besessen von Klängen, Sounds, Samples, Sequenzen, Arrangements und Effekten wanderte ich durch ein Gewitter aus Farben, Blitzen und optischen Täuschungen das den Raum erhellte und es schien so, als würde er gleich unter der Last der Bässe zusammenbrechen. Unaufhörlich sprach der Rhythmus der Platten zu meinem Körper und verlangte von ihm, sich zu bewegen. Der Verstand schaltete sich ab und der Körper gab sich mit allen Sinnesorganen dem Spiel von Formen, Farben und Frequenzen hin. Klänge wurden innerlich auf ihre Herkunft analysiert und Gedanken rasten durch den Kopf, warum, wieso, weshalb und überhaupt...?

 

Zum Rhythmus kamen plötzlich Klänge hinzu, die neu waren und Freude erweckten. Nie zuvor hörte ich ähnliches und ich war erstarrt in Ehrfurcht vor solch fast göttlicher Fügung an diesem Ort verweilen zu können. Es war schwer solche Gefühle auf ihre Ursache hin zu lokalisieren aber sie kommen von innen heraus, aus mir selbst. Ich freute mich über Percussions und Hihats, über einsetzende Claps und Bassdrums. Ab und zu konnte ich mich eines Grinsens nicht erwehren und so steigerte sich meine Euphorie immer mehr in eine Ekstase. Ich war dankbar, in diesem Augenblick an diesem Ort sein zu können und dies alles mitzuerleben. Ich hatte nur einen Gedanken: "Es gibt keine andere Zeit in der ich jetzt leben möchte ! " Von da ab wußte ich, daß mein Leben der Musik zugesprochen sein sollte. Ich wollte selber formen, selber Kreationen entwerfen, Teil einer Bewegung sein, die soviel Macht hat, den Körper über den Geist gewinnen zu lassen. Ich wollte Eins sein mit der kollektiven Menge an Menschen, die das Gleiche denken und fühlen. Ich war abhängig von diesem Gefühl der vollendeten Harmonie. Dies ist heute nur noch selten zu erreichen aber ich erlebe es dennoch immer wieder. Man kann es euch nicht erklären, ihr müßt selbst herausfinden, ob ihr bereit seid für diese Erfahrung.Seid ihr bereit......?][ Karsten

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