jochen bader - peter ford
Minimal und stets verzaubernd. So klingen Vögel und hinterher pfeifen tun sie einem auch noch. Immer musikalisch jedoch, und dabei immer ihre Stimme benutzend.
Was 1995 mit einer ersten Begegnung seinen Lauf nahm, endete (vorübergehend) in einem kompletten Album der Herren Bader, Kotai und Ford. Erstere sind durch ihr Electronic Music Department und den dazugehörigen Berliner Club Panasonic bekannt, der letztere machte unter dem Namen Baby Ford als Acid-House-Star Karriere. Doch nach all den Oochy Koochys und Chikki Chikki Ahh Ahhs hatte er erst einmal genug vom Rave-Rummel , und nachdem er dann Klaus Kotai und Mo in Köln bzw. Berlin kennenlernte, war schnell abzusehen, daß das gegenseitige Interesse an minimaler Musik zu einer Zusammenarbeit führen sollte.
Zusammen mit Jochen Bader nennen sie sich birds und haben mit Dancefloor-Knallern rein gar nichts am Hut.
Vielmehr definiert Peter Ford Techno als moderne Musik bzw. als eine Ausdrucksform moderner Musik. |
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Peter: Ich bin der Meinung, daß Techno noch nicht völlig entwickelt und ausgereizt ist. Deshalb versuche ich auch, die noch vorhandenen Löcher zu entdecken und sie auszufüllen. Funktionalität ist dabei eine Sache, Originalität eine ganz andere. Ich versuche stets das Gleichgewicht zwischen beiden zu finden. Mein Ansatz ist dabei stets minimal, im Gegensatz zu meiner musikalischen Entwicklung.
Für wahr, für wahr, denn bereits mit dreizehn Jahren nahm ihn der ältere Bruder mit nach Wigan ins legendäre Casino (der interessierte Leser mag an dieser Stelle mit dem Keb Darge Interview in Ausgabe 018 vergleichen - die red.), wo zu Live-Bands und Soul-Allnightern abgehängt wurde. Anfang der Achtziger kam dann Acid-House auf, und von da an ist der Werdegang des Herrn Ford zu genüge dokumentiert. Irgendwann folgte dann der Deep-House und brachte wieder den Soul in die Musik, was Peter Ford natürlich sofort ansprach. So begann er, Vergleiche zwischen Soul, House und Techno zu suchen und auf seine Art umzusetzen. Ein Resultat davon ist eben die Zusammenarbeit mit Klaus Kotai und Jochen Bader, und während Peter seine Stärken mehr in der Harmonie und der Melodie eines Tracks sieht, sind Klaus und Jochen die Helden des minimalen Technos. Zusammen nennen sie sich birds und fliegen ganz sicherlich nicht auf Wolke Nummer 7.
ouk: Wer singt bei Euch denn eigentlich alles?
Peter: Eigentlich jeder. Wir spielen sehr viel mit dem Mikrophon herum und nehmen dabei immer auf. Das so entstandene Material wird dann irgendwann eingesetzt. Das I was born obviously Sample, das in Slipmouth vorkommt, ist so ein Fall. Ursprünglich ist es ein Fetzen aus einem Interview, das ich 1991 mit Collin Favour geführt habe. Klaus hat es dann einfach in das Stück eingebaut und Jochen und mir vorgespielt. Wir waren sofort begeistert. Ich experimentiere sehr gerne mit der menschlichen Stimme. Sie ist ein natürliches, menschliches Element und hört sich immer gut an. Aber zurück zur Produktionsweise: So richtig festgelegte Parts gab es bei uns nicht. Jeder hat seine Einfälle eingebracht und die wurden dann konkretisiert und umgesetzt. Das war aber zu der Zeit, als ich eine Wohnung in Berlin hatte und wir uns jeden Tag getroffen haben. Jetzt, wo ich wieder in London lebe, ist diese Art des Vorgehens natürlich deutlich schwieriger.
ouk: Das Album ist also schon seit geraumer Zeit fertig?
Peter: Ja. Es dauerte etwa ein Jahr, bis wir uns über den Vertrieb und andere geschäftliche Sachen einig waren. Deshalb kam es erst jetzt heraus.
ouk: Große Promotion gibt es jetzt aber nicht dafür. Im Gegenteil, wie die Musik sind auch Cover und Pressematerial von euch sehr minimal gehalten.
Peter: Ja, irgendwie wollten wir ein durchgängiges Erscheinungsbild haben, deshalb auch das minimale Cover. Es gibt ja auch keinen Titel für das Album. Es ist ganz einfach Musik von birds. Und was die Promotion und die Verkaufszahlen angeht: Klar muß man schauen, daß man seinen Kopf über Wasser hält, aber ich denke nicht, daß es schlau ist, die Hoffnungen deines Lebensunterhalts auf ein eigenes Label zu setzten. Daß ist ja auch das Problem der großen Labels. Sie leben ja von den verkauften Platten, da geht es dann nicht wirklich um Musik. Für sie sind hohe Verkaufszahlen wichtig, weil sie sonst ihre Rechnungen nicht zahlen und nicht überleben können. Ganz abgesehen davon, daß der Boss ja auch was verdienen will. Meine Erfahrungen mit den Major-Labels war nicht sonderlich gut. Die Vorgehensweise der Labels beinflußt irgendwie auch deine eigene Arbeitsweise, und daß war nichts für mich. Ich bevorzuge es ganz einfach, stressfrei zu arbeiten. Nichts gegen Pop oder Charts-musik, im Gegenteil, ich bin nur der Meinung man sollte Musik aus dem Herzen heraus machen. Wenn es dann gut ist, dann kaufen es auch die Leute. ][ mb
Playlist Peter Baby Ford
1. Dennis -Unares Plus
2. Mark Broom -Mandate
3. Todd Sines -Null EP
4. birds -Dead Head
5. Plaid -Rest Proof Clockwork
6. Dean & Deluca -Chapter 1
7. Sunpeople -Sun Gods Wedding
8. Thor -Aliens Dont Boogie
9. Lighter Thief -Zippo King 2
10. Soul Capsule Prod. -TR/13
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