OUK das Zwanzigste ± gelenkig & ergreifend ± Aug/Sep 99 dirty business

Dirty Business

Teil 1: Für wen machst Du diese Musik?

Da ich nun seit ungefähr einem Jahr für ouk schreibe, habe ich gedacht, auch mal ein paar Gedanken zu moderner Musik und dem DRUMHERUM aufzuschreiben. Dabei lehne ich mich nicht bewußt an bereits Gedachtes an, sondern erfinde es eventuell zum Hundertsten mal neu. Egal, oder?
Ich kenne viele Musik-Leute, denen dieses Drum-herum wirkliche Probleme bereitet und mir ist es erst jetzt bewußt geworden, daß ein Teil dieses Drum-herums auch bei mir seit Jahren ernsthafte Probleme verursacht.

Was also erst einmal ist dieses Drumherum der Musik?

Diese Buchstaben, die jetzt in deinem Kopf eventuell landen, die in diesem Magazin stehen, dieses Magazin überhaupt, Musikfernsehen, das Nachtleben, der CD-Spieler, der Plattenkäufer, das Label, der Synthesizer selbst. Das alles ist das Drumherum. Es ist in vielen Punkten untrennbar mit der Musik verbunden. Manches kann Musik positiv unterstützen und arbeitet mit dieser zusammen.

Aber wenn man nicht andauernd aufpaßt, schleicht sich still und bequem eine Dynamik ein, die der freien Kreativität nach und nach die Luft abdrücken kann. Es geht hier aber auch nicht darum, die Disziplin, in der ein Musiker etwas sagen oder sich versuchen will, zu kritisieren und geht nicht um die Forderung, daß immer etwas völlig neues erfunden werden muß. Aber... es gibt viele Sachen, die Musiker sehr weit weg von dem bringen können, wozu sie eventuell in der Lage wären. Außergewöhnliche Ergebnisse bleiben oft auf der Strecke, weil sie von vornherein auf TAUBE OHREN stoßen. Der Musiker selbst hat oft auch diese TAUBE OHREN, und muß sich den Zugang ebenso selbst erarbeiten.

------------------------------
Du kaufst Dir ein Musikprogramm.
Warum kaufst Du Dir ein Musikprogramm?
Was wirst Du spielen, programmieren?
Bist Du überhaupt talentiert, das Intrument zu verstehen?
Wirst Du für Dich selbst spielen, oder hast Du schon eine Idee, wofür Du etwas produzieren willst?
Welche Strukturen, Musikrichtungen wirst Du als Grundlage benutzen?
-------------------------------
Willst Du von Musik leben?
Willst Du von Deiner Musik leben?
Willst Du wirklich von Deiner Musik leben?
-------------------------------

Wenn Du etwas wirklich neues produziert und bei einem Stück viele Emotionen hattest, würde Dir wahrscheinlich sehr schnell eine dieser Fragen begegnen: „Für wen machst Du diese Musik?“ Oder auch: „Für welchen Markt soll diese Musik denn bestimmt sein?“ Und genau hier ist sie, die dubiose Dynamik im System, das Drumherum, eine Aussage zur Musik, die sich das weitere Drumherum zur Nutze macht, eine Frage zu fragen. Diese Frage muß nicht böse gemeint sein. Zum Teil ist sie ja bereits im Unterbewußtsein verankert.

Die gefährliche Dynamik hinter der Marktfrage bedeutet aber: Es werden schnell die Eckdaten ausgemacht, in der sich Musik bewegen kann, damit sie noch in einen Kontext paßt, erst mal einen Markt zu erkennen und daraufhin zu produzieren. Wenn du Musik liebst, willst du auch so viel Zeit wie möglich damit verbringen, also würdest Du auch am liebsten davon leben können. Aber das bekommt man eben nicht zum Nulltarif, wird wohl so gewollt. Deshalb wird die Frage auch zum Helfer der Dynamik. ***

*** Man kann nicht alles machen, was man will.
Man muß sich schon entscheiden, oder?? ??

Verstehscht? ][ Ido


back