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1.
Ein großes Konzert. Die Menschen gleichmäßig über den vormals grünen Platz verteilt, Stimmung auf ihren hochroten Gesichtern sich breitmachend und mitten drin ertappe ich mich meiner Selbstzufriedenheit.
Auch die Kapelle kann nicht vom eigentlichen Sinn und Zweck dieses Spektakels ablenken: Unterhaltung, Unterhaltung, Unterhaltung, wohin das Auge blickt. Hier und da eine sonnenblumengeschmückte Schönheit, die, die glänzenden Augen vor Freude leuchtend, ihre Blicke nicht vom Brusthaar des Sängers nehmen kann, während hinter mir die vierköpfige Familie, die um sie herum ertönenden, fast schon in Gekreische ausufernden, lautstarken Gesänge verzweifelter Möchtegernblondierter gelassen hinnehmend, die Biergläser anstoßen läßt, um sich das kühle Nass den Rachen hinunterzuspülen. Augen zu und schlucken. Atempause.
Ist Unterhaltung der Anlaß zu diesem Text? Geht der brave Clubgänger nicht auch wegen der Unterhaltung aus? Um 8.30 klingelt der Wecker und ich wälze mich aus dem Bett, um elf Stunden später auf einer Wiese zu liegen, Familien, Indiaka spielend, um mich herum, und ich sauge den Bop auf, wie er dezent doch deutlich aus den Lautsprechern dringt. Auch hier trieft es nur so vor Unterhaltung, lachende Kinder grillen fette Würstchen (auch die triefen, und zwar vor Fett), während sie sich gegenseitig um die Feuerstelle jagen. Ist das Pop?! Oder beruft sich der Unterschied zwischen Hitmaschine und Untergrund doch nur auf jene zwei Zeilen Gesang, wie eben in de:bug gelesen?!? Fußball ist auch Pop, zumind in der menschlichen Version, denn die maschinelle Variante erfreut sich noch nicht millionenfacher Zuschauer.
1.2
Im Gespräch mit Boris Diebold, Spieler beim RoboCup-Vizeweltmeisterteam 98 der Uni Tübingen und Programmierer in seiner eigenen Firma D-Lusion.
ouk: Welche Chancen räumst Du dem diesjährigen RoboCup-Team der Uni Tübingen ein. Was wurde gegenüber letztem Jahr geändert und wo liegen die entscheidenden Verbesserungen?
Boris: Die diesjährigen Verbesserungen betreffen vor allem die Roboter-Hardware. So wurde jeder der Feldspieler zusätzlich mit einer 360 Grad Rundumsichtkamera und einem 2D Laserscanner ausgestattet, mit dem sich die exakte Position auf dem Spielfeld ermitteln läßt, womit die wesentlichen Nachteile, die das Team 1998 hatte, behoben wurden. Die Roboterbasis selbst wurde ebenfalls durch eine Leistungsfähigere ersetzt, was vor allem größere Geschwindigkeiten auf dem Feld ermöglicht. Trotz der guten Ausstattung lassen sich die diesjährigen Pokalchancen des Tübinger Teams relativ schwer einschätzen, da durch die gesteigerte Wettbewerbssituation kaum Einzelheiten über die anderen teilnehmenden Teams bekannt sind. Zudem hat sich die Anzahl der Mannschaften aufgrund der gesteigerten Publizität des RoboCup-Events seit dem letzten Jahr sprunghaft erhöht.
ouk: In 50 Jahren soll das erste zweibeinige Roboter-Team gegen ein menschliches Team gewinnen können. Hältst Du das für möglich?
Boris: Die RoboCupper haben sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten 50 Jahren mit einer reinen Robotermannschaft nach den offiziellen Fifa-Regeln gegen den amtierenden (menschlichen) Weltmeister zu gewinnen! Angesichts der beeindruckenden Vorführung der Fähigkeiten des Honda Laufroboters, anläßlich eines Vortrags beim RoboCup 98, bin ich durchaus zuversichtlich. Ob es allerdings gelingen wird, den menschlichen Weltmeister zu schlagen, sei noch dahingestellt, aber für ein paar Regionalligamannschaften wird es wohl ausreichen (und für die Deutsche Nationalmannschaft wohl auch - die red.). Da ein solches Projekt jedoch die finanziellen Möglichkeiten einzelner Universitäten weit übersteigt, wird diese Domäne wohl vorerst den kommerziellen Mannschaften überlassen bleiben. Der Erfolg und Mißerfolg würde zudem in großem Maße davon abhängen, welche Unsummen an Forschungsgeldern die einzelnen Unternehmen dafür aufbringen werden.
ouk: Sony stellt dieses Jahr ja erstmals ihren vierbeinigen Roboter Aibo für einen Wettkampf zur Verfügung. Was kann man von diesen Robotern erwarten? Vielleicht sogar ein paar kleine artistische Tricks?
Boris: Letztes Jahr waren bereits mehrere Prototypen beim Spiel zu beobachten. Da die vierbeinigen Roboter aber eine schwierigere Kinematik besitzen, als zum Beispiel radgetriebene Roboter, waren die hundeähnlichen Aibos die meiste Zeit damit beschäftigt, das Gleichgewicht zu halten, bzw. möglichst elegant wieder aufzustehen. Bei der vierbeinigen Roboterliga stehen also noch weniger die fußballerischen Raffinessen, als vielmehr die Kontrolle der unterschiedlichen Gang- und Laufarten im Vordergrund. Artistische Tricks wird es, denke ich, nicht zu sehen geben, aber es ist schon beeindruckend, wenn man schwanzwedelnde Roboter dabei beobachten kann, wie sie mit der Pfote tennisballgroße Bälle flanken.
ouk: Nun ist Fußball eine Sache, aber was kann man denn an Hand der erworbenen Technik und Software noch alles mit den Robotern machen. Ich meine jetzt im alltäglichen Leben z.B. ?
Boris: Robotik ist ein sehr interdisziplinäres Forschungsgebiet, für das nicht nur ingenieurstechnische Erkenntnisse wie Maschinenbau oder Elektrotechnik, sondern auch weite Gebiete der Informatik, wie z.B. Bildverarbeitung, maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz und Kollaborationsstrategien von großer Wichtigkeit sind. Der RoboCup stellt neben dem ultimativen Traumziel (gegen den menschlichen Weltmeister zu gewinnen) vor allem ein Standardproblem zur Verfügung, anhand dessen Theorien, Algorithmen und Architekturen evaluiert werden können. Ähnlich wie bei der Raumfahrt werden viele dabei entstehenden Technologien ihren Weg ins alltägliche Leben nehmen, ohne daß es den meisten Menschen bewußt wird (wer denkt heute noch an Hitzeschutzkacheln, wenn er sich in der Teflonpfanne ein Schnitzel brät?). Die momentan für den RoboCup hergestellten Roboter sind aber letztlich
reine Forschungsplattformen, welche für den Alltagseinsatz allein schon aufgrund ihrer Komplexität und des hohen Stromverbrauches nicht geeignet sind.
ouk: Du bist ja auch auf dem Musiksoftwaremarkt tätig. Was fehlt deiner Meinung nach noch auf diesem Gebiet. Irgend ein bestimmtes Programm, eine bestimmte Routine?
Boris: Momentan fehlt es vor allem an neuen innovativen Eingabegeräten, welche den musikalischen Umgang mit dem Rechner vereinfachen. Mausklickerei ist eben nicht jedermanns Sache. Und natürlich wartet der Markt noch immer auf ein all-in-one-Software-Synthese-Harddiskrecording-Sequencer-Tool zum Langhaarschneiderpreis.
ouk: Gibt es wirklich einen Markt für MP3-Mixer?
Da mittlerweile der MP3-Hype auch bis ins letzte Alpendorf vorgedrungen ist, ist der Markt für MP3-Mixer dementsprechend groß. Musiksoftware bedient seit jeher nur eine beschränkte Klientel, aber eine trashige Guildo Horn-Nummer mit einem rumpelnden DrumnBass Track zu mixen will schließlich jeder...
2.
Wir haben das Jahr 2000. Der Millenium-Bug ist nicht eingetreten und die Clubs aller Länder werden immer noch von zahlreichen Partysüchtigen frequentiert. Auch jener jugendliche Mann unseres Interesses steht nach wie vor neben dem DJ, die Gesichtszüge nichtssagend, und beobachtet selbst die geringste Veränderung am Pitchregler. Im 56. Stockwerk des Sears-Towers sitzt ein kahlgeschorener Mönch über seinen Büchern in seiner, mit ägyptischen Statuen ausstaffierten Wohnung und schreibt die Annalen unserer Welt. Während unser Mann des Geschehens andernorts mit grimmiger Mimik den zwei jungen Göttern an den Turntables zusah, notierte Abel Rhaul die Geschehnisse im 2000 km entfernt liegenden Berlin, wie sie im Zuge des Entstehens vor seinen Augen vorbeiflimmerten. Nach unzähligen Menschen, die sich nicht mehr Erinnern konnten, handelt es sich hier um die Geschichte eines Mannes, der nicht vergessen kann.
Die Wahrnehmung von Musik, so subjektiv sie auch sein mag, beruht auf Symbolen, die das menschliche Gehirn aus den ankommenden elektrischen Signalen erzeugt. Wie in einem Computer werden die ankommenden Signale in eine Botschaft transformiert, die den menschlichen Körper zu weiteren Reaktionen veranläßt. Der ganze Körper wird durch die Musik zum Gehirn. Musik ist also ein abstraktes System, dessen Diskursbezogenheit einzig und allein in den Köpfen des Menschen entsteht, wodurch Musik zu Kunst wird. Doch ist diese nicht längst (auch) zur bloßen Ware herabgekommen? Geht es uns denn nicht um viel mehr als Kunst, um die subjektive Entfaltung von Autonomie? Kann sich Kunst ihre eigenen Werte aus sich selbst erschaffen, wenn diese Werte nichts anderes als Interpretationen des menschlichen Gehirns sind? Keine Kunst kann Probleme lösen, wenn sie selbst ein Teil des Problems wird. So bedarf es keinen neuen Zen-suren, sondern Sensoren für das, was bereits vorhanden ist. Es bedarf keiner Wiederbelebung des alten Traums, der Einheit von Musik und Leben, wie es auch schon mit Techno als Droge einer ganzen Generation versucht wurde. Denn was dabei gänzlich verloren geht, ist die Vorstellung von Musik (bzw. Kunst) als tatsächliche Form einer Intervention.
3.
Freitagabend, Viertel vor Zwölf. Während 1500m entfernt von mir die ersten Mitzwanziger beginnen die Hüfte zu modernen Housebeats kreisen zu lassen, steht jemand ganz anderes, uns jedoch bereits bekanntes, an der Bar und sinniert über die Problematik seines eigenen Lebens. Abel Rhaul trocknet in dessen die zuletzt geschriebenen Worte mit etwas Sand ...
Alle Behauptungen sind in gewissem Sinn wahr, falsch in gewissem Sinn, bedeutungslos in gewissem Sinn, wahr und falsch in gewissem Sinn, falsch und bedeutungslos in gewissem Sinn, wahr und falsch und bedeutungslos in gewissem Sinn. Wenn Sie verstehen, was ich meine. ][ mb und die tausend Zwerge
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