| das einund20ste ± gewagt & behende ± Okt/Nov 99 | Beanfield |
Beanfield
ouk: Wo würdest Du denn nun euren Stil einordnen? Was für eine Art Musik macht ihr? Jan: Nun, es ist nicht einfach, das einzuordnen. Also, so blöd das jetzt klingen mag, aber ich würde es irgendwie Future Jazz nennen. In Anlehnung an den für die Jazzanova-Sachen benutzten Begriff High Speed Jazz. Jazz beeinflußt uns sehr stark, insofern paßt der Ausdruck schon. ouk: Gerade mit eurem neuen Album habt ihr euch ja sehr stark in Richtung Jazz bewegt. Jan: Richtig, diese Entwicklung stellte sich eigentlich schon nach der ersten LP ein. Ich habe zu Hause auch schon immer alte Jazzplatten gehört. Diese Entwicklung war dann eigentlich die logische Konsequenz daraus. Eine weitere rein elektronische Platte zu machen, wäre für uns nicht mehr so interessant gewesen. Und dann liegt das sicherlich auch daran, daß Tobi und ich selbst Instrumente spielen und dieses können dann bei Beanfield einbringen. Warum sollte ich mich mit einem Sequenzer begnügen, der für mich etwas spielt, wenn ich es selbst spielen kann. Man hat dadurch auch viel mehr Freiheit. ouk: Aber vieles ist auch am Computer entstanden, oder? Jan: Ja klar, viele Sachen sind programmiert. Man wird aber auch ständig besser in der Art, wie man programmiert, wodurch man viel mehr Möglichkeiten hat und feiner Arbeiten kann. Wir können auch alle die Maschinen im Studio bedienen. Man könnte sogar sagen, daß wir uns gegenseitig die Hand geben. Wenn man selbst am Computer arbeitet bzw. Etwas einspielt, hört man die Nummer auf eine ganz andere Art und Weise, als wenn man daneben sitzt und einfach nur zuhört. Darin liegt auch der Vorteil, zu zweit oder zu dritt zu arbeiten. Derjenige, der im Hintergrund sitzt, kann auf recht unbefangene Art zuhören und hat so einen ganz anderen Eindruck vom Ganzen.
Jan: Nein, auf keinen Fall Neue Musik in dem Sinne. Wir machen herkömmliche Musik, die eben auf andere Art und Weise entsteht, als das vor 30 Jahren der Fall war. Ich will auch nicht auf Teufel komm rauß etwas ganz Neues machen, denn oftmals ist es so, daß diese Neue Musik, also diese avantgardistischen Sachen, nicht so spektakulär sind, wie sie sich in der Theorie anhören. Ich bleibe lieber beim Konventionellen und sage mir: Diese Nummer gibt es zwar schon, aber es ist eine gute Nummer, die mir jetzt gefällt. Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden. Jeder empfindet Musik ja auch anders. Manche Platten verstehe ich vielleicht einfach noch gar nicht. In zwei Jahren sage ich dann: Hoppla, das ist ja richtig gut!. ouk: Spielt digitaler Sound bzw. analoger Sound für dich eine Rolle? Jan: Ich glaube ich kann das ziemlich einfach beschreiben. Im Endeffekt ist es mir wirklich egal, ob digital oder analog. Letztendlich geht es darum, daß es so klingt, wie ich es mir vorstelle. Wie das dann zustande kommt, ist egal. Da muß man sich einfach frei machen. Gerade in Deutschland gibt es da viele unnötige Diskussionen darüber. Ein Atari oder ein 4-Spur-Rekorder können wahnsinnig aufregend und gut klingen. Man braucht nicht immer das teuerste, denn eigentlich ist es die Idee, die zählt. ouk: Tretet ihr auch live auf? Jan: Nein, noch nicht. Wir spielen allerdings schon eine Weile mit dem Gedanken. Das Problem eines Live-Auftritts liegt jedoch darin, wirklich etwas live zu machen. Es gibt so viele Live-Acts, die fast alles von Band laufen lassen bzw. Von Band laufen lassen müssen. Wir wollen aber noch genügend Raum haben, selbst bestimmte Parts spielen zu können. Daran scheitert das Ganze im Moment noch, denn ich will auch nicht einfach ein bißchen nebenherklimpern - das muß dann schon richtig gut sein. ouk: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Jan: Also so eine Live-Geschichte schwirrt mir schon im Kopf umher, das will ich schon noch mal machen. Ansonsten gibt es aber nichts konkretes. ][ mb
12 - Charles (Compost 005) |
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