OUK das einund20ste ± gewagt & behende ± Okt/Nov 99 Blaktroniks

Blaktroniks

http://www.mp3.com/blaktroniks

Ich bin ja eigentlich immer einer dieser Muffler und Skeptiker gewesen, was die ganze Internet-sache angeht. Aber es lohnt sich, konnte ich letzten Monat wieder feststellen. So kam ich beim Surfen auf der Suche nach neuer Musik über eine Drum´n’Bass-Seite zu den Blaktroniks, wo Paralellen zu Dillinja und Krust gezogen wurden. Diese Art von Sound finde ich auch sehr reizvoll, hätte ja sonst nicht eingeklickt, aber das Ergebnis der Soundresultate der Seite www.dkim.com hat mich dann doch noch mehr begeistert. Vertraute Codes, wie in der letzten Ausgabe mit Dego kritisch hinterfragt, warten hier konzentriert auf und zeigen trotz der Analyse ihre esoterische Wirkung auf´s neue. Probiert´s auch. True deep Space-Vibrations. Bislang hier nur im Netz oder über Import-CD erfühlbar. Halt, im Netz gibt´s sogar ein schönes "Video"...

ouk: Wer sind die Blaktroniks?

Blaktroniks: Blaktroniks, das sind Edd Dee Pee, der die Gruppe ins Leben gerufen hat, und ich, Coppa Tone. Die Gruppe existiert jedoch in mehreren Formationen, es gibt mehrere DJs, MCs, Livemusiker, Tänzer und Künstler, die sich in wechselnder Besetzung am Projekt beteiligen. Der Name Blaktroniks ist eine Metapher und bedeutet so viel wie “soul energy”. Blaktroniks sind Leute, die mittels Elektronik “soul energy” manipulieren. Der Name beschreibt eigentlich die Fähigkeit, eine Schwingung vermitteln zu können bzw. bewirken zu können, daß eine derartige Schwingung in einem anderen Körper ausgelöst wird.

ouk: Ihr habt erzählt, daß ihr nicht direkt aus San Francisco stammt. Wann seid ihr dorthin gezogen? Warum hat es Euch dorthin verschlagen?

BT: Ich bin 1996 von Minneapolis, wo ich damals als Informatiker gearbeitet habe, nach San Francisco gezogen. Als ich eines Tages einen Anruf erhielt und mir ein Job angeboten wurde, habe ich das Risiko auf mich genommen und bin umgezogen. Aus meiner Sicht war dies eine ideale Siuation, weil ich wußte, daß ich durch diesen Umzug in die unmittelbare Nähe von Silicon Valley komme.

ouk: Welchen musikalischen Background habt ihr?

BT: Jetzt, wo ich darüber nachdenke, wird mir erst die Relevanz der Tatsache klar, daß Edd aus Detroit stammt und somit sicherlich von Motown und Detroit-Techno beeinflußt worden ist. Er hat aber auch eine klassische Ausbildung genossen und besuchte
eine Kunsthochschule, wo er natürlich die Gelegenheit hatte, sein Können zu verfeinern. Ich komme ursprünglich aus Milwaukee, nicht weit entfernt von Chicago. Nach Detroit und Minneapolis war es jedoch auch nicht weit, insofern habe ich diverse Einflüsse mitbekommen. Meine Eltern sind sehr akademisch
und haben mir die Option, Musik zu studieren, verbaut. Ich durfte nicht mal ein eigenes Instrument besitzen. Mit 18 habe ich mir dann mit meinem eigenen Geld mein erstes Keyboard gekauft. Als mein Vater mich daraufhin zuhause rausgeschmissen hat, bin ich nach Minneapolis gezogen. Dort habe ich dann einige Leute kennengelernt, die mit Computern Musik gemacht haben. Kurze Zeit später entwickelte sich daraus bei mir eine Art Sucht.
Als ich Edd kennengelernt habe, hatte er sich künstlerisch schon ziemlich weit entwickelt. Ursprünglich war er Hip-Hop-Produzent. Nach eigenem Bekunden wurde es ihm jedoch auf die Dauer langweilig, weil er der Meinung war, daß sich in diesem Metier keiner so recht von den anderen Künstlern unterschied. Ich hatte zu dieser Zeit damit begonnen, Musik zu machen, die so ähnlich klingt wie das, was wir jetzt machen, nur auf etwas einfacherem Niveau. In Minneapolis habe ich mit einigen Jazz-Musikern zusammengearbeitet, aber einige andere bekannte Popmusiker konnten mit meiner Musik nichts anfangen. Da habe ich beschlossen Musik zu machen, die auch für sie von Interesse war, nur um sie ein wenig zu ärgern. Sie hatten keinen Respekt vor elektronischer Musik und vertraten die Ansicht, daß es keine Kunst sei, hier und da ein paar Knöpfe zu drücken. Als ich dann zum ersten Mal Edd kennengelernt habe, wußte ich sofort, daß ich mit ihm zusammenarbeiten wollte, weil ich das Gefühl hatte, daß er die Maschinen unter Kontrolle hatte, anstatt von ihnen kontrolliert zu werden. Seine Musik spiegelte etwas Intellektuelles wider. Ich hatte das Gefühl, daß wir zusammen etwas erreichen konnten, was es bis dahin so noch nicht gegeben hatte.

ouk: Möchtest du noch musikalische Einflüsse, sprich Vorbilder oder Freunde aus der Musikszene, erwähnen?

BT: Ja, es gibt so viele musikalische Einflüsse, daß es unmöglich wäre, an dieser Stelle alle zu erwähnen. Dennoch will ich meine Anerkennung für einige Leute bekunden, die aus meiner Sicht als Erfinder bestimmter Stilrichtungen einzustufen sind. Künstler wie Jimi Hendrix, Stevie Wonder, James Brown, Dizzy Gillespie und Charles Parker, Nina Simone, Rasahn Roland Kirk, Sun-Ra, The Meters, Sly and Robbie, Tom Zé, es gibt so viele, daß man sie gar nicht alle einzeln erwähnen kann. Einige will ich dennoch nennen, z.B. futurebob, der uns von Beginn an unterstützt hat, ebenso vader 3-6[derrick], Ram, Shielia van Hook sowie Mr. Adassa.

ouk: Gibt es etwas, das dich an der Musikbranche besonders stört?

BT: Es gibt zwei Dinge, die mich stören. Zum einen der Einfluß der Wirtschaft auf die Kreativität: Kreativität hat in den vergangenen Jahrhunderten maßgeblich zum Überleben der Menschen beigetragen. Wenn dieses kreative Potential verloren geht, werden wir daran alle zugrunde gehen. Für mich persönlich kann es nur einen wirklichen Grund geben, Musik zu kreieren, nämlich die Freude, etwas Neues geschaffen zu haben. Diese vielen Menschen, die lediglich auf die neuesten Trends reagieren und auf den fahrenden Zug aufspringen, sollten aufhören, unsere Zeit zu verschwenden.

ouk: Habt ihr Eure Webseite eigentlich selbst entworfen?

BT: Ja, wir sind im Grunde genommen ein Medienunternehmen [DyKon (Dynamic Kontent) Integrated Media]. Wir entwerfen Webseiten, sind aber auch am Entwurf und an der Produktion von DVDs und CD-ROMs beteiligt. Darüber hinaus zählen auch die Produktion und Veröffentlichung von Musik und Videos, die Entwicklung von Software sowie die Betreuung von Netzwerken zu unseren Aufgaben. Mit dem Design von Webseiten habe ich 1994 begonnen. Damals gab es lediglich Mosaic und Lynx. Auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan.

ouk: Könntest Du die Philosophie, die Eurer Arbeit zugrundeliegt, kurz erläutern?

BT: Wir wollten verdeutlichen, wieviele Aspekte bei unserer Arbeit eine Rolle spielen. Es gibt eine Rubrik, die sich mit den wichtigsten Details unserer Firma beschäftigt. Das “Lab” widmet sich den Fortschritten, die wir im Bereich der wissenschaftlichen Visualisierung gemacht haben, während das “Playground” unsere kreativen Projekte hervorhebt. Gleichzeitig stellt es ein funktionales Modell unserer Fähigkeiten dar. Wenn wir mit einem Klienten ins Gespräch kommen, möchten wir ihm die Gewißheit geben, daß wir mit der entsprechenden Technologie umgehen können. Im Grunde genommen ist mit Hilfe der digitalen Technologie so gut wie alles möglich. Wir gestalten und vertreiben die entsprechenden Inhalte und helfen darüber hinaus anderen Leute dieses auch zu tun. Der größte Vorteil dieser Technologie besteht darin, daß wir mit unseren Ideen besser kommunizieren können, d.h. daß weltweit jeder, der an unseren Ideen interessiert ist, auf die entsprechenden Informationen zugreifen kann. Sagt Deutschland “Alles Gute” von mir!


Blaktroniks zur Musikszene in San Francisco

Da es hier soviele Facetten gibt, werde ich mich zunächst der Dance-Szene widmen. Ich denke, daß die Szene boomt. Die Techno-Rave- und die House-Szene haben hier viele Jahre dominiert, aber zur Zeit wächst Drum’n’Bass hier enorm.

Techno/House
Die Techno-Szene ist natürlich immer noch die größte und ist in mehr Clubs präsent, als ich aufzählen kann, und nahezu jeder Club spielt die ganze Zeit Techno. SF hat eine große Schwulen/Lesben-Population und deshalb ist House auch hier besonders groß, Obwohl die Techno-Gemeinde ein bißchen größer erscheint, aber nur, weil ihr ein großer Teil der Jugend folgt. Vor kurzem gab es hier einen riesigen Outdoor/Indoor-Rave: Cyberfest, welcher nächstes Jahr in einem Stadion stattfinden muß. Es gibt viele Leute, die von Techno leben. Vor ein paar Tagen habe ich einen Typen getroffen, der ein Top-"state of the art"-Studio hat. Er hat es mit Dance-Musik finanziert. Ich hatte vorher noch nie von ihm oder seiner Musik gehört. Er backt einen seriösen Kuchen. Hardkiss scheint zur Zeit auch international einiges im Ofen zu haben.
Downtempo
Es gibt ein paar Clubs, die Downtempo oder Freestyle spielen. Ein Label dieses Bereiches heißt OM Records, wo auch Techno-Künstler wie Terra Deva und Mark Farina veröffentlichen. Am meisten verkaufen sie aber Downtempo und Compilations.

Drum’n’Bass
Als ich hierherkam war Drum’n’Bass gerade am Anfang. Ich glaube
TRC-Distibution, Pulse Sonic, Hunab Ku und Open Mind Music waren die ersten, die Drum’n’Bass der Öffentlichkeit präsentierten. Seitdem
ist die Anzahl der Clubs und DJs stets gewachsen. Die meisten der Veranstaltungen sind Warehouse-Partys und jede Nacht scheint es eine neue Warehouse-Party zu geben. Die College-Radiostationen scheinen dieser dann jedesmal eine Show zu widmen. Vor allem kommen immer mehr junge Leute, sogar die preppy kids aus der Vorstadt zieht es inzwischen ins Geschehen.

Clubs
Montags: Density im Justice League... wohl der progressivste Club in SF, der Musik die Chance gibt zu leben.
Dienstag: Phucktion im Top, Static in the Cat
Mittwoch: Audible Colors im Top
Donnertag: Eklektic im 78 Minna
Freitag: Bassment im Ten 15 Folsom, der populär ste Club, der Gerüchten nach bald schließen soll
Samstag: La Belle Epoque im Top SF geht auch den Weg der "gentrification" , den die meisten großen Städte gehen, also schauen wir mal wie die Underground-Kultur das überlebt.

Der SF-Sound
Nun, der Sound zur Zeit ist sehr hart, wie Techstep oder Hardstep, nur härter (wie bitte ? A. v. NTT) wahrscheinlich werden wir das auch in unserer nächsten Veröffentlichung reflektieren. Es gibt wie immer mehr DJs als Clubs, aber die Musiker-Szene ist überschaubar. Jeder kennt jeden und wenn man hier etwas veröffentlicht, werden es die meisten DJs supporten. Wenn es gut ist, kennt es jeder. Es gibt einige Läden, die Drum’n’Bass fördern bzw. sogar ausschließlich verkaufen, wie Compound Records und Open Mind Music, zudem verschiedene Labels, wie Thermal, Green und Pneuma. Eines der besonderen Phänomene der SF-Szene ist die große Anzahl an weiblichen DJs. Es gibt hier mehr Frauen innerhalb der Szene, als überall, wo ich bisher war. Eine Frau, die ich kenne ist Pfarrerin und als ein Freund heiratete, legte sie beim Empfang Platten auf.

Blaktroniks
Wie passen wir hier hinein? Wir arbeiten nicht als DJs, obwohl ich das wahrscheinlich am liebsten tun würde, doch ich brauche dazu mehr Flexibilitität. Wenn wir auftreten, nehmen wir unser Equipment mit. Alles ist live, wir samplen keine Breakbeats. WIR SIND PROGRAMMIERER! Alles, was wir um den Beat herum basteln, kommt aus einer organischen Quelle. Alles, was wir samplen dient nur der Atmosphäre.
So ist alles, was wir machen eigen, und egal welche Richtung wir einschlagen, ob ambient, ein bißchen jazzig, oder härter: es ist Blaktronik. Wir haben eine gute Beziehung zu allen. Wir respektieren ihre Arbeit und sie respektieren unsere ... everyone just vibes ... es ist unglaublich.

Nächste Ausgabe gibt es in Kooperation mit den Blaktroniks ein SF-Hip-Hop-Special.
][ Ido (Übersetzung Daniel o´Donell)


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