OUK das einund20ste ± gewagt & behende ± Okt/Nov 99 Gespaltene Töne

Nachdem selbst in RTLs Vorzeigeserie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, die durch Wim Wenders’ Film „Buena Vista Social Club“ ausgelöste, anfänglich gut gemeinte, Cubamusikschwemme den Zuschauer penetriert, macht es richtig Freude in den Neuerscheinungen dieses Herbstes zu stöbern.

Ohne jeglichen Staub auf dem Cover, und sich auch nicht als Auswuchs einer Massen-hysterie präsentierend, kann man so die letzten warmen Sonnentage in jazziger Sonnenuntergangsstimmung bei den Klängen des ersten Longplayers des Cinematic Orchestra „Motion“ genießen. Leichtläufig und vollgespickt mit variationsfreudigen Samples auf einer Soundstruktur aus modernen Beats der Bereiche Jazz und Funk, haucht einem dieses Werk zahlreicher Künstler um Jason Swinscoe Gefühl und Harmonie entgegen. Dabei steht bei dieser Neuerscheinung das akkurate Bearbeiten und Platzieren der live eingespielten Samples stark im Vordergrund. Selbst bei dem improvisiert wirkenden „Bluebirds“, das am ehesten an seine Remixerfahrungen für Ryuichi Sakamoto oder Coldcut anschließt, verliert er sich nicht in der Experimentierbegeisterung, sondern stolpert sicher durch ein holpriges Soundgerüst. Ninja Tunes zeigt mit dieser Veröffentlichung wieder einmal, daß sie nicht den Trends hinterherlaufen, sondern es schaffen, neuen Künstlern ein Medium zur Seite zu stellen, aus dem diese dann ihr Bestes machen.

Beim selben Label seine Füße unter die Geräte schiebend, scratcht sich DJ Vadim mit seiner neuesten Veröffentlichung „Life From The Other Side“ in die Ohren. Dabei spricht das Intro schon für sich, da es wohl der Wahrheit entspricht, wenn sich diese Arbeit selbst als sehr oft hörbar darstellt. Dabei geht Vadim nicht den Weg seiner früheren Werke, sondern nimmt Abschied von der strikten minimalistischen Arbeitsweise hin zu merklich komplexeren Strukturen im Bereich Hip Hop. Aber immer noch schafft er es, sich deutlich von anderen Spielgefährten dieses Genres abzuheben, indem die nun sehr häufig verwendeten Vokalparts durch dubioseste Samples, rückwärts laufende Platten, Gitarren- und Strei-cherpassagen sowie mit russischen Percussions untermauert werden. Ein Hörgenuß zwischen spooky und heiter wirkendem, abstraktem Ragga Funk, bei dem selbst Platz für Kurse der Grundfreundlichkeiten in russischer Sprache nicht zu kurz kommen - Sbasibo Mr. Vadim.

Einen Ausflug gänzlich anderer Art bereitet die neue Antonelli Electric. Auf „Me, The Discomachine“ (Italic-Records) werden die Tanzbeine mit teils verliebten Klängen, geboren aus einer Techno-Pop-House-Melange, umschmeichelt, um sich dann nicht mehr still auf einem Platz halten zu können. Von jeder dieser Stilrichtungen scheint Antonelli geschickt das Positive extrahiert zu haben, um seinen eigenen Stil im minimalistischen Gewand den Hörern zu offerieren. Gerade aber die Gefahr der Unpersönlichkeit dieser Musikbereiche umgeht er dabei geschickt durch selbst dargebotene Vokal-Vokoder-Parts, die sich gefühlvoll neben die Rhythmusspuren einreihen. Die sieben Titel der CD stellen dabei eine Retrospektive seiner letzten 12-Inches aus dem Zeitraum zwischen 97 und 99 dar, wobei „Automatic Music“ die aktuelle Maxi repräsentiert.

Rein kartographisch aus naheliegender Region stammend, kommen Mouse on Mars mit ihrem langerwarteten neuen Release auf den Markt. Wie auch schon auf der im Vorfeld erschienenen Maxi „Distroia“ haben sich MoM hier den etwas abstrakteren Soundtüfteleien gewidmet und zusammen mit einem wahren Orchester an Instrumenten etwas völlig neues geschaffen. Zwischen kindgerecht verspielten Melodien und aphextwinesken Soundspektakeln bereitet die etwas über 45 Minuten liegende Spielzeit ein berauschendes Erlebnis in den Tiefen der elektronischen Geräuschgenerierung. Feinfühlig dargebrachte Bläserpassagen von Harald „Sack“ Ziegler verleihen dabei „Niun Niggung“ (Sonig-Records) ein ganz persönliches Flair, das auf anderen Veröffentlichungen, deren besonderer Stil sich auch hier wiederfindet, von MOM noch nie so dargeboten wurde.

Weit weg von strukturierten Liedtexturen entführt Isotope 217 mit „Utonian Automatic“ den Jazzfreund in die weite Welt der Improvisation. Anfänglich unvereinbare Spielweisen der einzelnen Vertreter aus dem Tortoise-Umfeld, die sich im Sun-Ra-Stil vorstellen, finden schnell über knakkenden Geräuschebenen zusammen. Hierbei reihen sich unterschiedlichste Tempi und Rhythmusstrukturen nahtlos aneinander, gekonnt von John McEntire zu einem Ganzen zusammengefügt. Aber nicht nur in sich stimmig, sondern vielmehr sich auch an den Vorgänger „The Unstable Molecule“ anlehnend, verläßt man die für ein breites Publikum konzipierte Basis des modernen ElektronikJazz, hin zu einem Universum unglaublicher Instrumentenbeherrschung und Zusammenspielkunst. Gerade der letzte Punkt ist es, bei dem sich hier herauskristallisiert, wie gut sich die einzelnen Musiker durch ihre langjährige Zusammenarbeit aufeinander eingespielt haben. Aber auch die verhaltene Kombination von Instrumenten und elektronischem Equipment verleiht dieser Platte ihre ganz individuelle Eigenheit, die sich einer zeitlosen Beliebtheit erfreuen wird.

Sich gänzlich im Moloch der elektrischen Klangsynthese suhlend, reflektieren Berbat Sez und Störfrequenz auf „Weltschmerz“ (Megahertz) ihr ganz eigenes musikalisches Leidgefühl auf alle Umwelterscheinungen. Anfängliche elektroide Struktur löst sich langsam im Äther auf, um der Metamorphose vom Klang zum Geräusch ihr Podium zu gewähren. Heftigste Rhythmusexplosionen über schwermütigen akustischen Nebeln sind ebenso vertreten wie kristallklare Kompositionsarchitektur. Da man es vermieden hat, die Einzelwerke eines jeden Interpreten auf eine Seite zu bannen, erfreut sich das schwere (auch bezogen auf Gewicht) Vinyl eines spannungsschwangeren Konzeptes. Im Gegensatz zu Berbat Sez, der schon auf dem alpha-Tape veröffentlichte (ouk 015), stellt Störfrequenz einen Neuzugang bei Megahertz dar, der aber wegen seiner klanglichen Übereinstimmung nicht nur einmal von sich hören läßt. Ein weiteres Release in unmittelbarer Zukunft wird Klangstabils „Menschenhaß“ sein. ][ g

GESPALTENE

TÖNE 10 11 99

Pope - Chicken Records
Gibt es ein Leben nach Techno? ‚Die Idee zu Pope ist einfach: Wir spielen Stücke, die wir mögen, und zerstören sie, so gut wir können‘ (Inlay-Textauszug). ‚Deutschlands einfallsreichster Werbemann‘ Michael Schirner kreierte hier ein durchaus gewöhnungsbedürftiges Album. Melodie, Harmonie und Rhythmus sucht man beinahe vergebens. Vielleicht möchte man sich nach dem zehnten Mal Durchhören einbilden, Strukturen zu erkennen - oder ist alles nur eine Frage der Gewöhnung? In erster Linie klingt das, wie wenn der CD-Player hängt. Winzige Bruchteile, Hundertstelsekunden bekannter Tracks, kombiniert mit Schlagzeug, Bass und Stimme. Egal ob Punk oder Polka, Jazz oder Klassik, Hip Hop oder Techno – alles wird verarbeitet und ist auch wiederzuerkennen. Soundsalat, Klangforschung, Gag oder ernstzunehmende Musikstücke? Die Atmosphäre erinnert ein wenig an den Soundtrack zu ‚Strange Days‘. Man darf gespannt auf Folgewerke hoffen. ][ lightwood

Kit Clayton - Nek Sanalet - Scape
Kit Clayton stammt aus San Francisco, der Titel seiner Debut-CD und deren Tracknamen aus dem Indianischen und Dub heißt das Zauberwort. Doch Vorsicht: Dub ist nicht gleich Dub! Ein absolut atemberaubendes Klangbild beschert uns „Nuchu“, gleich der erste und auch beste Track: beinahe nur aus Stimmen zusammengeschustert, verzerrt bis in alle Ewigkeit und nicht von dieser Welt. Was folgt, ist ein Rundgang durch die Elektronika, umgarnt von einem einzigen Delayteppich. Hier wird mit den Werkzeugen des Dub geforscht. Detroit scheint nicht weit entfernt zu sein, Dr. Rockit gehört zu den Paten und Pope darf dieses Werk nicht übersehen: emotional, tief und vielseitig schimmernd. Doch am meisten begeistert mich die angenehme Zurückhaltung. Musik ist oft viel zu aufdringlich. „Nek Sanalet“ hat das nicht nötig. ][ lightwood

Toshihiko Mori - Plane-tary Folklore - Akashic
Der Japaner Toshihiko Mori tauchte auf Covern bisher nur im Kleingedruckten auf. Er coproduzierte die ersten Towa-Tei-Alben, begleitete Ryuichi Sakamoto auf seiner Welt-Tournee und remixte unter anderem Pizzicato Five. Der Titel „Planetary Folklore“ könnte für vorliegendes Album kaum treffender gewählt sein. Diverse Musik-Genres finden sich hier wieder: Jazz, Ambient, Drum’n’Bass, Pop, Orientalisches etc. Gesang und Melodie, Game-Boy-Bleeps und Vocoder, Kontrabaß und Bassdrum – alles ist mit von der Partie. Mori bietet dem Zuhörer trotz Vielfalt leichte Kost. Die neun Tracks gewinnen vor allen Dingen durch kleine Effekt- und Soundspielereien, so daß sich ein roter Faden durch das ganze Album zieht. Der extrem poppige Titeltrack steht so bequem neben dem ambienten „Nothing“. Neben diversen anderen Gästen sticht dann die Sängerin Face V. Walsh (Two Pages/4Hero) bei „My first Planet“ hervor. Der Frühling kommt... ][ lightwood

V.A. - Future Sound Of Jazz Vol. 6 - Compost
Die „Future Sound Of Jazz“-Compilation-Reihe kann man mit Sicherheit den wohl umfassendsten Almanach der „Nu-Jazz-“ und „Down-Beat-Ecke“ nennen. Seit nunmehr sechs Jahren wird auf der jährlich erscheinenden Compilation das zusammengetragen, was den Jazzmusikern von gestern zu steril und den Tanzenden von heute nicht kraftvoll genug ist. So war das zumindestens noch bis vor kurzem, denn mittlerweile hat sich der Mythos Jazz seiner Zukunft gestellt, dadurch die House- und Techno-Hochburgen gestürmt und Ausnahmen gab es schon immer. Von Labeleigner Michael Reinboth und Schwarzwaldikone Rainer Trüby zusammengestellt, präsentieren sich neben vier bereits erschienenen, acht (auf CD sieben) bisher unveröffentlichte Tracks, um den zukünftigen Standard des Jazz von Morgen zu definieren. Die illustre Mischung der sich vorwiegend im OffBeat-Genre aufhaltenden Stücke entspricht dem gewohnten Bild des Compost-Sounds und gewährt neben Energie und Groove genug Freiraum für musikalische Spielereien. ][ mb

V.A. - The Sound of the City Paris - Universal
Lebendige Städte gibt es viele, insofern bleibt uns ein baldiges Ende dieser Compilation-Serie noch eine ganze Weile vorenthalten. Hoffen wir, daß der qualitative Abstand zwischen Reiseführer und Compilation nicht abnimmt. Die Pariser Edition jedenfalls gibt keinen Anlaß zur Besorgnis. Die Mannen des Yellow Production Labels (namentlich DJ Yellow & Chris „the french kiss“) haben eine ausgewogene Mischung aus futuristisch anmutenden Jazzstücken, kecken Balladen sowie modernem Clubgut zusammengestellt, ohne sich dabei auf eine spezielle Musikrichtung festzulegen. Einzig scheinbare Bevorzugung ist die auffallend hohe Anzahl an französischen Stücken bzw. Re-Interpretationen bekannter französischer Remixer, was neuerlich Begabung und Dynamik der französischen Musikszene verdeutlicht. ][ mb

Beanfield - Human Patterns - Compost
Vier Monate hat es gedauert, bis Beanfields zweites Album “Human Pattern” fertiggestellt war und es hat sich gelohnt zu warten. Das Trio Krause, Meggle, Reinboth schuf eine homogene Verbindung von digitaler Arbeitsweise und analoger Harmonie, deepen Grooves und Sinnlichkeit, ohne dabei den gängigen Klischees zu erliegen. Auch hat man sich musikalisch weiterentwickelt, sich mit großen Schritten dem Jazz genähert, ohne dabei seine elektronischen Wurzeln zu vergessen. Besonders der Programmierung der Beats hat man viel Zeit gewidmet, damit aus klinisch sterilen Samples ein organischer, treibender Groove entsteht. ][ mb

V.A. - Bassic Instinct II - Stereo Deluxe
Stereo Deluxe haben es sich zur Aufgabe gemacht, intelligente und vor allem zeitgemäße Club- und Lounge-Musik zu veröffentlichen. Selbst nennen sie dies schlicht und ergreifend „Modern Urban Sound“ und sehen darin Kategorie und Anspruch zugleich. Mit „Bassic Instinct II“ sammeln sie 13 Stücke aus ihrem Archiv zusammen und präsentieren dadurch unter anderem die Arbeit der letzten drei Jahre. Die Stücke sind allesamt deutlich von Latin und Jazz inspiriert und stellen somit eine mehr oder weniger gekonnte Umsetzung jener Stile in die Moderne dar. ][ mb

Thomas Brinkmann - Soul Center - W.v.B.
An Namen und Ideen hat es dem Kölner Urgestein Thomas Brinkmann noch nie gefehlt. Und doch, oder gerade deswegen, hat er sich mit seiner neuen Platte deutlich einige Schritte von seinem bisherigen Existenzraum entfernt neu positioniert. Weg vom Kölner Diskursminimalismus versucht er sich dieses Mal mit elektronischem Minifunk und fasziniert mit minutiösen Loops, die trotz aller Präzision lebendig wirken. Doch Samples bedeuten nicht die Welt, weshalb Thomas Brinkmann genauso viel Wert auf stimmige Beats und raumöffnende Synthieflächen legt, womit sich Soul Center als eine weitere zu beachtende Platte in Thomas’ Diskographie einreiht. ][ mb

Transporter - Source
Ich hab heute nachmittag einen Treibstoff-Transporter gesehen. Ich hatte eine Jacke an, denn es war kalt und regnete, Herbst eben. Im Transporter saß ein superfetter weißbauchiger Fahrer drin, oben ohne. War natürlich ein Engländer. Sah aus wie ein Schwein. Eine Paralelle zur Transporter-Platte gibt´s abgesehen vom Namen Transporter nur zum Wetter, war dieses doch bereits äußerst herbstlich. Auch sehr schön, nach dem schönen Sommer. Vor dem tollen Transporter-Erlebniss war ich auf dem Schloss Die verregnete Romantik, die dort herschte, glich schon eher der Stimmung der Transporter-Platte. Vielleicht könnte man auch noch kombinieren das ganze mit einem nordischen Land, zB. Ein Schloss in Norwegen und ein Transporter fährt vorbei, ohne einen halbnackten Briten. Ist jetzt klar, wie die beste Platte für das Besuchen eines Schlosses in Norwegen ohne das blöde Hooligan-Fahrer im Transporter forbeifahren im Herbst heisst? Richtig: Transporter: Transporter, die Herbstplatte. ][ neon tse tse

Mystic Brew - The Main Ingredients - Fat City
Bereits die dritte Compilation der Mystic-Brew-Reihe vom Fat-City-Label, das nach einem (legendären?) Manchester Plattenladen benannt ist. Und erneut muß die Mischung als äußerst gelungen bezeichnet werden. 13 Tracks zwischen Indie-Hip Hop, Dub-Reggae, Down Beat und Freestyle-Chill warten mit neuen Tunes oder durchwegs überzeugend bearbeitetem Cover-Material auf. Dabei macht nicht, wie uns das Presse-Info glauben machen will, der Soul-Faktor den gemeinsamen Nenner dieser Stücke aus (mir ist der auf Anhieb gar nicht aufgefallen), sondern Originalität und Witz, mit denen sie gestaltet wurden. Hier ein verliebtes Detail mehr, dort eine versponnene Idee zusätzlich. Insgesamt durchaus unkonventionell konzipiert, ohne dabei beim Anhören anstrengend zu werden. Dennoch weniger zum Abfeiern, als zum stillen Grooven und Chillen, wobei die Aufmerksamkeit aber nicht nachlassen sollte, denn im nächsten Augenblick taucht schon wieder ein unerwartetes Gimmick auf. Der Sampler ist ein gutes Beispiel dafür, daß Abwechslung und Homogenität keine Gegensätze sein müssen, auch wenn das einschläfernde, angeblich an A Tribe Called Quest orientierte Gerappe der Aboriginals gegenüber den anderen Tracks deutlich abfällt. ][ hve

DJ Good Groove Vol. 1 - Rare & Funky - Frisbee
Der Münchner Produzent und DJ Good Groove, Resident in Clubs wie Queen, Tresor und Ultraschall (wer ist dort nicht alles Resident?), zudem Labelbetreiber von Frisbee Tracks und multiColor recordings, legt nun hier im non-stop-mix 12 Titel auf CD bzw 8 auf Doppel-Vinyl vor, die zu einem Großteil schon vergriffen sind (ursprünglich released zwischen 1991 und ‘99), wobei ich sagen muß, daß die nur auf CD gebrannten fast die besten der Compilation sind. Alle Tracks sind erklärte Highlights in den DJ-Sets des Compilers und dementsprechend schlüssig aneinandergereiht. Dabei ergibt sich angesichts des z.T. recht repetitiv-monotonen musikalischen Materials, das sich durchaus an die jetzt wieder stärker beachteten minimalistischen Standards Maurizioscher Prägung anlehnt, ein überraschend frischer Groove in dem Mix, den er wohl aus ein paar draufgesattelten bpms und einem schnörkellosen Sound-Konzept bezieht. So macht Techno wieder richtig Spaß! ][ hve

Re:sin Compilation Tape - Badbeatz Records
Was lange währt... Tübingens Badbeatz zelebriert endlich das erste Tonträger-Release, ein Compilation Tape mit sechs Tracks. Alte Bekannte treffen auf neue Namen und Außergewöhnliches. B.Y.T.E:Vomit, der Label-Owner himself, startet mit schweren Acid-Geschützen und polternden Industrial-Beats bei "Re:sin". Klangstabil folgt mit einem etwas älteren Track. "Raummodulator 2" treibt in schier endloser Monotonie und man bemerkt kaum die leichten Änderungen. Simon V zeigt sich mal wieder von einer ganz anderen Seite. "Peach Sequence" kickt mit druckvollen Hip Hop-Beats, über denen diverse undefinierbare Sounds schwirren und letztendlich die funky Bassline den Weg weist. Masturrah verspricht zunächst langweiliges Techno-Gestampfe, später dann Trance-Gedudel und hat nicht wirklich was zu bieten. Noise is silence is noise hat zunächst einmal einen interessanten Namen. Der Track beginnt recht verspielt, erinnert ein wenig an Atari Teenage Riot und klingt als ob er ein paar Umdrehungen zu viel macht. Die Acid-Bassline tobt sich hier richtig aus und die anderen Sounds haben einen gewissen Old School-Touch. Als krönenden Abschluß wird bei S.I.C.K. in die Saiten gegriffen. Schwermetall, tanzbar und elektronisch. Bang your head! Check:
http://www.badbeatz.com for info & order ][ lightwood

Aromabar - 1 - Infracom
Mein Lieblingsalbum der letzten Wochen und wieder kaum für den Dancefloor geeignet, sondern schwer chill-orientiert, dabei aber in rhythmisch-soundtechnischer wie melodisch-harmonischer Hinsicht äußerst vielfältig. Hinter der Formation stecken die Österreicher Roland Hackl und Andreas Kienzl, die wohl auf einen reichen Fundus an landsmännischer Inspiration und studioequipmentmäßiger Infrastruktur selbiger Provenienz zurückgreifen können. Jedenfalls kann man den Danksagungen auf dem Cover bereits einige Hinweise auf das zu erwartende musikalische Spektrum entnehmen. Die Namen Hunter und Uptight (Kruder & Dorfmeister) weisen auf Verbindungen zur starken österreichischen Dubszene hin, und beim Anhören wird dieser Eindruck zunächst bestätigt. Die Tracks bestechen durch einen traumwandlerisch sicheren Umgang mit atmosphärisch dichten und geschmackvollen Sounds, wobei das Klangspektrum nicht um seiner selbst willen ausgereizt wird, sondern (im Gegensatz zur oftmals blubbernden Beliebigkeit Kruder/Dorfmeisterscher Phraseologie) ganz im Dienste der ausgeklügelten Kompositionen aufgefächert wird. Dabei finden vertrackte Loops genauso ihren Platz wie folkloristische Akustikgitarren, abgrundtiefe Dub-Bässe und switchende Breakbeat-Sprengsel. Inhärente Schlüssigkeit ergibt sich zudem aus der antagonostischen Methodik, zum einen experimentelle Cluster mit Hilfe sich zielsicher wälzender Loops mit dem angestrebten Metrum zu synchronisieren, und zum anderen, eingängige Passagen so verfremdend zu zerzieseln, daß sie zwar ihrer vordergründigen Mainstreamhaftigkeit, nicht aber ihres harmonisch angenehmen Wiedererkennungswertes beraubt werden. Und somit wird das Substantzielle der Kompositionen zum Primat der verwendeten Techniken und nicht umgekehrt - heutzutage in der elektronischen Blubber-Flut beileibe keine Selbstverständlichkeit und deshalb umso mehr erwähnenswert. Aromabar ragen aus dem nahezu undurchschaubaren Sumpf mehr getragener Produktionen weit heraus. Ihre Musik vermittelt (auch über den dezenten Gesang) die Sehnsucht nach mehr emotionaler Tiefe in elektronischen Assoziationsspektren wie das Stillen dieser Sehnsucht gleichermaßen. Und sowas gelingt nicht alle Tage. ][ hve

Quarks - Königin -Monika
Interessante, schwer schubladisierbare Musik mit deutschen Texten von einem Berliner Duo (Jovanka von Willsdorf & Niels Lorenz), das sich der „Berliner Wohnzimmerszene“ zugehörig fühlt und 1995 mit seiner Debüt-LP „Zuhause“ erstmals an die Öffentlichkeit trat. 14 Lieder (nicht Tracks !) geben sich ein Stelldichein und loten die Möglichkeiten zerbrechlicher elektronischer Soundspielereien innerhalb harmonisch gefestigter, knapp gehaltener Songstrukturen aus, wobei Überraschungsmomente für konventionell übersättigte Ohren nicht ausbleiben. Die textliche Diktion ist der oft zitierten Innerlichkeit der Hamburger Schule nicht unverwandt, hebt sich aber von deren pubertärer Larmoyanz wohltuend ab und erinnert mit ihrem intelligenten Grip eher an deutsche NDW-Underground-Größen wie FSK oder Foyer des Arts, wobei das fragile elektronische Korsett die Unwägbarkeiten der 90er adäquat integriert. Stimmig und anregend. ][ hve

Richie Hawtin - Decks, EFX & 909 - Novamute
Von Hawtin ist man gewöhnt, daß er in seinen Sets ein harmonisches Ganzes zusammenbastelt und genau dies geschieht auch auf dieser sehr empfehlenswerten Mix-CD. Durchweg gute, meist Detroit-orientierteTracks, garniert mit Hawtin-Eigenwerken, erscheinen dem geneigten Hörer als Einheit. Ein perfekt gemixter Ohren-schmaus für Nichtvinylsammler. ][ motik

Tobias Schmidt - Dark of Heartness - Tresor
Laut Labelinformation firmiert dieser Sound unter „grand-arena style-techno“ mit melodischem Sub Bass und „future-freaked“ Effekten und soll interessanterweise den Humor zurück in die Technolandschaft bringen. Äh, also einen Link zwischen dem Mann aus Edinburgh und den Ilsa-Gold-Knaben herzustellen, fällt nicht gerade leicht, aber wenn das Ergebnis ansprechender Advanced-Techno ist, wie vorliegend, dann können wir damit leben. Die obige Einstufung paßt jedenfalls, abgesehen von der humoristischen Seite, ausgezeichnet. Sehr nett und typisch schottisch. ][ motik

DMX-Crew - We are DMX - Rephlex
Nichts Neues von den DMX-Buben, darum paßt auch der Titel hervorragend. Ähnliches Zeug, wie auf „frrresh“, nämlich leicht nostalgisch angehauchte und wenig ernste Elektrostücke für fröhliche Stunden, ab und zu auch eine kleine Gesangseinlage. Wem die Vorgängerplastikrundlinge gefielen, wird auch hier wieder zuschlagen. ][ motik

World of Drum’n’Bass – Formation
Was hat Bad Company mit dem Irak zu tun? Und was Grooverider mit Neuseeland? Fragen über Fragen. Die Idee, eine repräsentative Schau weltweiter Drum’n’Bass-Künstler zu veröffentlichen, ist zwar hoch anzurechnen, aber mißlingt dann doch eher. Drum’n’Bass ist facettenreicher als auf diesen 2 CDs. Die Tracks verkörpern neben ein paar Ausnahmen größtenteils Hau-Drauf-Mucke oder Belangloses mit wenig Gehalt und Hang zur Langeweile. Da hilft es auch nicht, daß die Tracks exklusiv sind, denn Künstler wie Perfect Combination, Shy FX oder Bad Company liefern hier auch keine wahren Glanzleistungen ab. Beteiligte Produzenten außerhalb des Königreichs sind zu einem Drittel vertreten und auch darunter ist nichts Weltbewegendes zu finden. Die Interludes sind teilweise überflüssig. Die Idee mit dem Anrufbeantworter ist zwar nicht neu, jedoch an dieser Stelle ganz brauchbar (Swen von Meditation ist auch dabei...). Lediglich das angekündigte Booklet mit einem Verzeichnis weltweiter Drum’n’Bass-Aktivisten hätte noch zum Kauf anregen können. Doch wo ist es geblieben? Als Bonus gibt es das Ganze dann noch ‚in the Mix‘, einmal von Grooverider, einmal von DJ SS und der sich dort befindliche CD-Rom-Anteil enthält außer Biographie der Formation-Outlets auch nichts Spaßiges. Auf Vinyl dann das selbe Spiel wie immer: 8fach, teuer und nur halb so viel drauf. Anspieltips, weil compilationrettend: John B ‚Salsa‘ (Rmx), E-Sassin ‚Abduction‘ (Rmx), Bad Company ‚Morphine‘, Unity ‚Angel Fire‘, Codename John & DJ SS ‚Distance‘. ][ lightwood

Polar – 37° C and falling – Certificate 18
[Die Skandinavier kommen Teil 2] Zwar schon etwas älter, aber zeitlos gut, bringt diese Doppel-EP frischen Wind in die Drum’n’Bass-Landschaft abseits von Bad Company, Renegade Hardware, Dillinja und Virus. K steckt hinter Polar und ist neben TeeBee einer der skandinavischen Shooting-Stars. Beinahe unbeeinflußt von anderen UK-Producern (vielleicht ein bißchen Photek noch) projiziert er seine Vorstellung von Soundästhetik auf Drum’n’Bass. Sehr digital und sauber, beinahe klinisch rein klingen die sechs Tracks. Und wer mir jetzt erzählt, daß Drum’n’Bass dreckig und rough sein muß, der sollte sich diese EP anhören und er wird feststellen, daß er wahrscheinlich schon selbst zu einem dieser Tracks die Tanzfläche unsicher machte. Das Schöne hier ist ja, daß die Tracks ungemein rollen. Die verwendeten Drums und Bässe sind zwar nicht außergewöhnlich, bilden aber auch nur das Gerüst, auf dem diese vielseitigen, malerischen, gut aufeinander abgestimmten Sounds jenseits des Nordkaps surren, schwirren und tanzen. Alle Tracks unterscheiden sich auf ihre Art und Weise und strotzen nur so vor Ideen. Man entdeckt jedes Mal wieder etwas Neues. Eine der Platten des Jahres! ][ lightwood

Krust - Coded Language - Talkin‘ Loud
Krust ist ein Spielkind. Seine Tracks haben Hörspielcharakter, oder sind ‚Action-Adventure-Tracks‘, wie der Meister es selbst gerne formuliert. Da passiert soviel in so kurzer Zeit. Eine dichte Soundlandschaft von Drum’n‘Bass, die aus Hip Hop entstand und in keiner Sekunde auch nur den Soul aus den Augen verliert. Die Beats wirken runder und weicher als bei früheren Werken Krusts, ohne dabei an Kraft und Druck zu verlieren. Auffallend sind die vielfach verwendeten, vermutlich live eingespielten Streichersequenzen. Das sechsminütige „One Moment“ beinhaltet dann auch nichts anderes mehr. Sängerin Morgan („Maintain“/V Classics), in der Stimmlage eine Mischung aus Leonie Laws und Björk, überzeugt in erster Linie in „Re-Arrange“. Der Titeltrack verbreitet dann Endzeitstimmung mit einem MC, der in einer Art Rede über die Zukunft philosophiert. Nach etlichen Höhepunkten kommt meiner Ansicht nach der krönende Abschluß: „Second Movement“ ist Drum’n’Bass-Funk pur, sehr eingängig und abwechslungsreich. ‚Coded Language‘ bietet eine spannende Mischung und präsentiert vielleicht die etwas andere Seite zu Breakbeat Era - melancholischer, dramatischer, hypnotischer. ][ lightwood

Hard:Edged 005/006
Die Berliner geben Vollgas mit Vertrieb über Vinyl Distribution UK. Hard:Edged sieht sich gerne als die „deutschen Metalheadz“ und bei den zwei vorliegenden Releases weiß man dann auch warum: unterschiedliche Artists, unterschiedliche Richtungen, aber immer am Zahn der Zeit. Bei Katalog-Nummer fünf liefert der Hexer (aka Myer aka Dots & Dashes aka S’Apex) zwei Versionen von „Paradoxon“ ab. Ein Flirren wie aus einem Gruselfilm bildet den Wiedererkennungswert. Version 1 bietet vertrackte Beats an, die später von einer extrem säurehaltigen, stark modulierten Bassline seinen Höhepunkt erfährt. Werden später dann die Amen-Breaks nur angedeutet, versinkt die B-Seite förmlich in ihnen. Source Direct könnte hier Pate gestanden haben, denn das gewittert heftigst. Man entdeckt eben eine völlig andere Seite des Hexers, wie auch der Pressetext verrät. Katalog-Nummer sechs kommt von 4 red eyes (aka X-Plorer & Dee Pulse von Shake-Up) aus Köln. Wenn ich den Interpreten nicht wüßte, würde ich bei beiden Seiten auf Ed Rush & Optical tippen. Beinahe lückenlos passen „Oblivion“ und „Just for fun“ in den „Wormhole“-Kontext, eine Kopie in Perfektion sozusagen. Die Sounds und Ideen sind vermutlich schon absolut eigenständig entstanden, aber das letztendliche Klangbild ist eindeutig. Stört mich aber auch nicht weiter, denn wer Ed Rush & Optical mag, wird auch diese 12“ hier mögen, wahrscheinlich sogar bis zum Abwinken spielen. ][ lightwood

Kabuki – Precision 014
Der Hanauer trägt bei seinem ersten Sologang nicht ganz so dick auf, wie so vieles andere, was momentan veröffentlicht wird. Gelobt sei’s. Knackige Beats mit aufälligen Rolls stehen bei „Astronaut“ im Vordergrund. Später gesellen sich leise Congas hinzu und die Snare wird etwas verschärft. Nach dem ersten Break beginnt dann eine schneidende Bassline den Funk auszupacken. Ab und zu gesellt sich die Fläche vom Anfang mit dazu und kleine Spielereien sind, wenn man genau hinhört, auch auszumachen. Bei „Total Eclipse“ stehen dann eher die Sounds im Vordergrund. Der Beat hat diesen typischen Stop-Effekt und verändert sich kaum. Der „federnde“ Basssound am Anfang kommt einem dann irgendwoher bekannt vor. Später baut sich eine Bassline ähnlich wie auf der A-Seite auf und trägt die Spannung bis zum Schluß. ][ lightwood

De Glasklaren – Machine 001
Der Name tauchte schon längere Zeit in Bassface Saschas Top Ten auf und nicht ganz ohne Grund, denn dahinter verbirgt er sich nämlich selbst, zusammen mit Sebel. Im Berliner Studio „Sound Mothership“ werkeln die beiden schon seit einiger Zeit und starten mit dieser Doppel-12“ ihr eigenes Label „Machine“. Zunächst fällt auf, daß die beiden Scheiben sehr gut gemastert sind und vor allem eine gute Lautstärke und Druck haben. „Ill Strut“ ist, wie der Name schon sagt, irgendwie ein bißchen krank oder auch ziemlich witzig, wie ich finde. Längeres Intro, eine naiv klingende, in der Melodie nach oben gehende Bassline, die von einem zitternden Piepston begleitet wird und dann preschen völlig unvermittelt die Beats herein. So geht das die ganze Zeit und wird später durch eine eher polternde Bassline ergänzt. Sehr originelle Sounds und Arrangement. „Different Rhythm“ beginnt jazzig, bevor es der sehr tiefen, schwebenden Bassline zum Opfer fällt. Nach hinten raus fehlt mir ein wenig die Abwechslung, aber es rollt eben. „Counter Attack“ baut in einer sehr spacigen Athmosphäre lange Spannung auf. Dann geht es zur Sache, doch der Bass wirkt zu übertrieben. Auf die crispen Beats hingegen könnte so manch einer neidisch werden. Gegen Ende hin tritt dann wieder das gleiche Problem auf: Der Track verliert sich irgendwo. Mit „Formula Magik“ kann ich abschließend nicht soviel anfangen. Zwar findet man wieder tolle Sounds, aber im gesamten wirkt es zu platt, zu lieblos. Alles in allem „druckvoller“ Start mit teilweise originellen Ideen und man darf gespannt auf eine weitere Veröffentlichung noch in diesem Jahr warten. ][ lightwood

Heiko Laux - Classic Open - Neuton
Auch der gute Kanzleramtsminister versucht sich an einer Mix-CD, für die ähnliches gilt, wie eben. Solide gemixt, kompetent ausgesucht und zusammengefügt und der nordamerikanischen 4/4-Bassdrum zuzuordnen. Feine 60 Minuten für Konsumenten, denen die einzelnen Platten zu teuer sind. ][ motik

Treibsand 01/02
Der Name des Labels ist Programm, denn die Produkte des Münchner Marktneulings bewegen sich auf dem Gebiet treibender, sich langsam aufbauender Technotracks, die durch einen hohen Grad an Monotonie bestechen und dadurch die idealen Floorfiller darstellen. Richtig gut ist die 01. ][ motik

Karma - Karma 6 - Spectrum Works
Ein Nachmittag in der Sonne - schwitzend am kalten Cola schlürfen und im Hintergrund läuft der Plattespieler. Wie wohltuend Musik sein kann, zeigt sich anhand dieses Vinyls und erweckt zugleich Sehnsüchte auf das bevorstehende Karma-Album. Neben der Jazzanova-Neubearbeitung des Karma-Klassikers „High Priestess“, ganz nebenbei auch noch der beste aller High Pristess-Remixe, steht er dem Original doch in nichts nach, sind es die drei neuen Stücke, die den Hörer in eine gemächlich harmonische Ruhe versetzen. Abwechslungsreiche, jazzige Arrangements werden durch die Beats dezent in die richtige Bahn gelenkt und sorgen so für genüßlichen Groove. Die Berliner Jazzanova-Jungs übertreffen sich in Sachen Vertracktheit und Beatprogrammierung mal wieder selbst, wechseln durch mehrere Tempi und Harmonien und lassen erst gegen Ende in einem regelrechten Fanfarenaufmarsch das Original durchschauen. Mit Sicherheit eine weitere Meisterleistung in der noch so jungen Historie der Berliner. ][ mb

Benjamin Wild - Kronberg - Kompakt
Kompakt verfolgt konsequent den Weg warmer, reduzierter Housemusik und versprüht dabei mit „Kronberg“ so viel Charm und Tiefe, daß mancher amerikanische (Deep)House-Held vor Neid erblassen mag. Pumpende Bässe und groovende Trommeln halten dabei fest die Zügel in der Hand, wodurch die verspielten Keyboards und Effekte in die richtige Richtung getrieben werden. Bezeichnend aber, und deshalb wurde diese Platte wohl auch auf Kompakt veröffentlicht, ist die nicht zu verkennende Portion Soul, die alle vier Stücke sehr warm und lebendig klingen läßt. ][ mb

Lovetronic - You are Love - Naked Music
Diesen Run auf Platten von der Pazifikküste kann man ja irgendwie gar nicht mehr verleugnen. Doch ist auch hier nicht alles Gold was glänzt. Anders jedoch “ You are Love”. Ein Song dessen Magie und Zauber man sich so leicht auch nicht entziehen kann. Die magische Stimme der Lisa Shaw schwebt über dem Rhythmus-Gerüst wie eine Perle, die Ihren Schein und Glanz auf die anwesenden Tänzer überträgt und für Wohlbefinden sorgt. Erstaunlich wie sich das Genre House dem Faktor Pop doch nähern kann ohne sein Wessen
und seine Essenz zu verleugnen. Dave Warrin , der in letzter Zeit etliche Stücke ohne seinen ehemaligen Wegbegleiter Julius Papp kredenzt hat, manifestiert hier erneut seinen musikalischen Weitblick und Treffsicherheit. Welcher der vier Mixe gespielt wird bleibt einfach der Faktor Individuum. ][ enco

20’ to 2000 - Raster-Noton
Der vorauseilende Einfluß des Jahr 2000 nimmt und nimmt kein Ende. Überall trifft man auf grübelnde Menschen die sich verzweifelt die Frage stellen, wie denn nun so ein Jahrtausendende und -neubeginn aussehen mag. Immerhin, die Jungs von Raster-Noton haben sich Gedanken darüber gemacht, wie sich das ganze Wohl anhören mag und veröffentlichen so bereits seit Januar 1999 ihre Reihe 20’ to 2000. Zwölf Musiker dürfen dabei Monat für Monat ihre Vorstellung der letzten 20 Minuten des 20. Jahrhunderts in Musik, Sound, Rhythmen und Klangstrukturen umsetzen. Die Musiker selbst kommen allesamt aus der elektronisch-experimentellen Sparte, darunter so bekannte Namen wie Scanner, Thomas Brinkmann, Ilpo Vaisanen und Mika Vainio (letztere bilden das finnische Dou Pan Sonic). Dieses reizvolle Projekt verspricht also 12 abwechslungsreiche und interessante Veröffentlichungen, die man entweder abonnieren oder jeden Monat im Plattenladen abholen kann. ][ mb
DJ T-1000 - Progress - e:motion
Daß der Verantwortliche für die Djax-Inlets auch musisch begabt ist, dürfte bekannt sein. Das beweist er auch mit seiner zweiten Veröffentlichung auf dem Berliner Tresor-Label. Geradliniger Techno Detroiter Machart gepaart mit ausgefeilten Downbeat-Stücken verwöhnen den Käufer und stehen für eine der besseren Veröffentlichungen von Alan Oldham aka DJ T-1000. ][ motik

Heimelektro Ulm LP3
[Die Skandinavier kommen Teil 1] Dieses Mal dürfen wir Heimelektroniker Roger van Lunteren beim Basteln an unendlichen, einzigartigen Klangteppichen bestaunen. In knapp über vierzig Minuten demonstriert er in fünf Tracks ein sehr breites Spektrum an Sounds. Die A-Seite erinnert ein wenig an Orbital und lädt auch mal zum Tanzen ein. Richtig spannend wird es allerdings erst auf der B-Seite. „Float“ schreitet mit Zeitlupe durch eine weite Landschaft. Nicht die Beats treiben dich weiter, sondern die Streicher tragen dich mit ihrem einprägsamen Thema. Ein bißchen erinnert das an „Peter und der Wolf“ - vielleicht prädestiniert für ein Soundtrack oder ein Hörspiel... „Watery“ mit seinen anfangs übersteuernden Beats und „Cryptic“ mit seinen langsam voranschreitenden, tiefen Sounds haben dann eines gemeinsam: van Lunteren arbeitet hier viel mit Überblendungen bzw. mit den Lautstärken der einzelnen Sounds. Klänge kommen aus dem Nichts und verschwinden dort wieder. Anfang und Ende sind beinahe zwei Paar Schuhe, doch wer hört sich schon bei einem Track nur den Anfang und das Ende an? Eines steht jedenfalls fest: Roger van Lunteren muß eine prima Aussicht aus seinem Studio haben... (http:www.u-stadt.de/heimelektro-ulm) ][ lightwood

Zeb Roc Ski ms. Def Cut - Official battle superbreaks - MZEE-Records
Die „battle of the year“ ist der Tag, auf den Breaker hinarbeiten und damit beim Trainieren nicht die Musik ausgeht, hat der bisherige Ausrichter höchstpersönlich B-Boy-Klänge auf CD gepresst. Dafür verantwortlich zeichnen sich die beiden DJs Zeb roc ski und Def Cut, wobei sich die Erfahrung aus der Beschallung zahlreicher Battles offensichtlich auszahlt. ][ motik

The Sound of MZEE II
Das Label aus dem „From-here-to-fame“-Imperium feiert das siebte Jahr seines Bestehens mit einer außergewöhnlich guten Zusammenstellung seines Schaffens. So vereinen sich hier Acts wie die Massiven Töne, Freestylekönig MC Rene, die Stieber Twins oder Kölns neue Hoffnung Lyroholika auf CD 1 und lassen einen kleinen aber feinen Überblick über die deutschsprachige Rap-Szene zu. CD 2 featured B-Boy-Klänge von Roughneck, Kolute ect... Definitiver Beweis für die hohe Qualität des German HipHop. ][ motik

Platzdasch - History EP - Blaou
Endlich stehen wieder blaoue Platten in den Regalen deutscher Plattenhändler, und ein neues Design haben sie auch verpaßt gekriegt. Der Deep-House-Sound blieb uns erhalten und läßt die „History Ep“ zu einem interessanten Stück Vinyl werden. Nicht nur, weil ihr Produzent David Martin Platzdasch gerademal 15 Lenze zählt und hochbezahltes Model ist, sondern weil er in der Lage war, durch dezenten Einsatz einiger wenigen Instrumente drei äußerst deepen Tracks Leben einzuhauchen. ][ mb


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