| das einund20ste ± gewagt & behende ± Okt/Nov 99 | Jenseits von Bits und Bytes |
Jenseits von Bits und Bytes
Mit Rheinländer aus dem Hause Hasbro entsteht so die Landschaft des Rheines im Mittelalter vor den Augen der drei bis fünf Spieler, welche um die Herrschaft an den Flußufern kämpfen. Dabei werden, um Burgen, Kirchen oder Städte einzunehmen, die Machtverhältnisse durch Herzöge, Ritter und Basteien der einzelnen Kontrahenten ausgebaut. Auch im Verlaufe des Spieles kann sich keiner seiner Befestigungen sicher sein, da andere Herzöge mit ihren Rittern immer zum Einfall bereit sind. Andere Herzogtümer können ebenso kleinere einfach schlucken, was den Weg zum Punktesieg mit so manchem Hindernis versieht. Fusion und Einmarsch in ein bereits erschlossenes Gebiet funktionieren anhand von zufällig gezogenen Platzierungskarten, die das gesamte Spielfeld dokumentieren und somit auch taktische Erwägungen der Spieler fordern. Gerade die vielen verschiedenen Einwirkungsmöglichkeiten auf ein bereits zugeordnetes Gebiet machen den Spielverlauf zu einem spannenden, ständig wechselnden Kräfteringen. Die umfangreiche, aber leicht lesbare Anleitung, sowie die Erfahrungen Reiner Knizias im Bereich Besiedlungs- und Entwicklungsspiel, machen Rheinländer, neben seinem optisch ansprechend gestalteten Spielfiguren, zu einem schnell spielbaren Vergnügen. In einer wesentlich phantastischeren Welt bewegen sich hingegen die zwei bis vier Helden bei Kings & Things. Hierbei gilt es, die durch Zufall sich ergebenden Landschaften Kadabs von der jeweiligen Startposition am Rand aus mittels angeworbener Heraufen zu erkunden und zu erobern. Das beim Anwerben erforderliche Zieh- und Würfelglück wird dabei stark durch taktische Möglichkeiten der Spieler kompensiert, so daß es sich bei Kings & Things von Tom Wham um ein strategisches Taktikabenteuer handelt. Die Spieldauer eines jeden Szenarios, welche zwischen einer und drei Stunden liegen kann, ist somit nicht nur von der Anzahl der Abenteurer abhängig, sondern wird auch entscheidend durch deren strategisches Vorgehen mitbestimmt. Beginnend als Landadliger, der nur über einen Turm verfügt, ist das Ziel eines jeden, Herrscher des Landes in seiner Zitadelle zu werden, die Stufe für Stufe aus dem Anfangsgebäude durch Einnahmen aus den Ländern finanziert wird. Aber auch in den zu erobernden Ländern lauern Gefahren, die durch den Erkundenden bestimmt werden, um dann von einem Kontrahenten angeführt zu werden. Der komplexe Spielaufbau sowie die zahlreichen Möglichkeiten, welche den Spielern zur Zielerreichung bereitgestellt sind, machen ein überaus umfassendes Regelwerk unabdingbar. Zwar schreckt auf den ersten Blick der Umfang ab, doch schnell geleiten historische Hintergründe und lustige Anekdoten aus Kadab den Wagemutigen tief in das Landesinnere und zu den äußerst skurrilen Bewohnern. Übersichtstafeln sorgen für den Überblick bezüglich der Heeresführer sowie deren besonderen Fähigkeiten. Aber auch Ereignisse, die erhebliche Striche durch taktische Erwägungen machen können, und magische Fähigkeiten finden auf ihnen Platz, was zu einem schnellen, verstandenen Einsatz führt. Das anfänglich etwas lieblos wirkende, ausschließlich aus Papp-Plättchen bestehende Spielmaterial, welches Freunde von Holzklötzchen und Plastikfiguren beim anfänglichen Betrachten etwas befremdet, erweist sich schon in den ersten Minuten des Spielverlaufes als unumgänglich und gerät angesichts der lustigen Illustrationen schnell in Vergessenheit. Zwar ist das Spiel an sich nicht neu, aber erst seit kurzem von Pegasus-Spiele in deutscher Sprache erhältlich. Wer hingegen Spiele um Machtverhältnisse auf gesellschaftlicher Ebene eher ablehnt, kann als Aktionär sein Glück bei Union Pacific von Amigo-Spiele versuchen. Auf dem Weg zum erfolgreichsten Eisenbahnbaron, versuchen bei diesem Spiel zwei bis sechs Kontrahenten durch möglichst geschicktes Platzieren der einzelnen Eisenbahnverbindungen die eigene Strecke möglichst weiträumig auszubauen, während es gilt diese Expansion der anderen zu verhindern. Darüber hinaus werden durch erworbene Aktien und die damit verbundenen Prämienausschüttungen die finanziellen Machtverhältnisse im Verlauf einer Runde zwar immer deutlicher, jedoch nicht unumstößlich, so daß auch für noch Zurückliegende der Zug nicht unbedingt abgefahren sein muß. Die auf zwei Aktionen beschränkte Spielzugmöglichkeit macht auch dieses Spiel zu einem schnell erlernbaren Börsenspektakel im Schienennetz Amerikas. Die großflächigen Darstellungen typischer Spielsituationen im Regelheft verhelfen den Spielern zu einem schnellen Überblick über ihre Möglichkeiten und deren Folgen. ][ g |
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