OUK das zweiund20ste ± schräg & durchsichtig ± Dez/Jan 00 Gespaltene Töne

Elegia - Sounds within - F Communications
10 Tracks auf Doppelvinyl, die einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Was die einen als kontrastreich bezeichnen, mögen andere für uneindeutig oder gar stillos halten. Auch das wirre PR-Material hilft hier kaum weiter. Mal wird von „dem typischen melodischen und angenehmen House-Sound“ geredet, dann von einem „Album ganz im Sinne des ursprünglichen Techno“. Auch von „einer großstädtischen Atmosphäre“ liest man, und ich füge hinzu, daß des weiteren leicht uninspiriert anmutende D&B-Elegien (man beachte den Projekt-Namen!) mit befremdend übertriebener 80er-Jahre-Betonung des dritten Taktviertels zu hören sind. Hier scheint weder eine repräsentative Stimmung des Zeitgeistes noch ein revolutionärer Impetus für seine Durchbrechung am Werk zu sein. Und doch mag man dem Album ein (vielleicht diffuses) Konzept nicht absprechen. Der (individuell wie auch immer geartete) Gebrauchswert aller Tracks wird allerdings von schlüssigen Pendants in den Plattensammlungen eines wohl jeden ouk-Lesers sicherlich besser erfüllt. Und dennoch klingt alles recht interessant. Laurent Collat, seit 1992 in der französischen Electro-Szene aktiv, wurde mit dem Engagement der Background-Sängerin Esther zum Duett elegia . Das Resultat ist diese Platte. Wie gesagt, ganz interessant, sie gewinnt sogar nach mehrmaligem Anhören. Aber reicht das? Wirklich nicht schlecht, aber... ][ hve

VA - Vienna Scientists Vol. II - Columbia
Mit dem Untertitel „More Puffs from our Laboratories“ kommt die zweite „Gemütlichkeits“-Groove-Compilation aus der Ostmark-Hauptstadt auf den Markt. Erneut wurde sie vom „Head of Scientists“, Jürgen Drimal, zusammengestellt, der zusammen mit Gernot Ebenlechner als Freedom Satellite auch den Reigen der 15 Tracks eröffnet. Volume II ist eine gelungene Fortsetzung des ersten Samplers und bringt neben bereits bekannten Interpreten wieder frisches Blut aus der DJ- und Produzentenszene der Donaumetropole zu Gehör. So bemerkenswert es auch ist, daß eine Region ihren eigenen, z.T. auch für andere richtungsweisenden Sound gefunden hat - und keine (?) Anzeichen deuten im Moment darauf hin, daß der kreative Output dort zu versiegen droht - so mehren sich doch Hinweise darauf, daß die zur Eitelkeit neigenden Österreicher über das Feiern der eigenen wachsenden Bedeutung die Weiterentwicklung ihrer prägnanten Klänge vergessen und sich musikalisch zunehmend im Kreise drehen. Kein Zweifel: alle beteiligten Künstler verstehen ihr Handwerk, haben sich die Tricks ihrer großen Aushängeschilder Kruder & Dorfmeister, Paul Hunter oder auch Jürgen Drimal gut abgeguckt und perfekt ausgetüftelte Beiträge abgeliefert. Jeder Track für sich genommen ist kaum beanstandbar und paßt auch sicher trefflich in jeden Chill- oder Down-Beat-Set am Stück gehört, gerät die Zusammenstellung jedoch zeitweilig gefährlich nah an den Rand blubbernder Beliebigkeit. Das ganze Album der hier auch vertretenen Formation Aromabar wirkt auf mich beispielsweise deutlich abwechslungsreicher als diese Aneinanderreihung doch vieler verschiedener Acts. Bei aller Wertschätzung ihres enormen kreativen Potentials sollte die Wiener Szene dennoch tunlichst darauf bedacht sein, sich nicht in den unendlichen Tiefen oder Weiten ihrer Soundspielereien zu verlieren und damit den Bezug zu den vorherrschenden Diskursen aufzugeben. - Für Fans übrigens ein absolutes Muß! ][ hve

S.O.L.O. - Out is in - Dataflow UK/Sulphur
Genauso komplex ausgetüftelt , aber wesentlich effektiver umgesetzt als in den Produktionen der Wiener Szene (siehe Besprechung „Vienna Scientists“ in diesem ouk) klingt das 43-Minuten-Album „out is in“ von S.O.L.O. aka Michael Wells, der einigen durch seine Veröffentlichungen mit Projekten wie G.T.O. und Tricky Disco auf Warp, Wax Trax, Mute u.a., den meisten aber durch seinen Hit „I wanna be a hippy“ mit Technohead bekannt sein dürfte. Doch seine Charts-Erfolge hinderten ihn nicht daran, mehr und mehr Gefallen an experimentellen Ausdrucksformen zu finden, dabei nebenher mithelfend, die holländische Hardcore-Szene zu etablieren. Das Multi-Talent (Showproduzent für Kunst- und Musikfestivals, Artworker, Autor) präsentiert uns hier neun Tracks voll sinnlicher Instrumentierung und lebendiger Elektronik, die in eine Welt dynamischer, feinsinniger, meist langsamer Beats und groß angelegter, aber immer wieder organisch durchbrochener symphonischer Stimmungen führt. Loops, klischierte Zitate, überraschende Sound-Details und unerwartete Wendungen formen sich schlüssig zu vielschichtigen Strukturen, die aber ständig im Fluß sind und das Einschlagen einer Richtung nicht vergessen. Äußerst komplexe Programmierarbeit schuf hier in einer klar konzipierten, witzigen Ansammlung von „Advanced Sounds“ ein gleichermaßen konstruiertes wie verspieltes Zusammenwirken von digitalem Jazz und zeitgemäßen Baßlinien. Wenn zunächst fremdartig Klingendes so selbstverständlich in überzeugende musikalische Prozesse transformiert wird, hat der Avantgardist wirklich was für’s Volk getan. Mehr läßt sich kaum verlangen. ][ hve

V. A. - Departure - Frisbee
Jetzt, am frühen Abend vor „Hydraulik“, wo ich diese Besprechung schreibe, wird mir erst so richtig klar, zu welcher Art von Event die Musik der hier vorliegenden, zweiten Frisbee-Label-Compilation bestens paßt. Genau dort nämlich wäre die Mehrzahl der 13 meist durchhämmernden Tracks bestens aufgehoben, und das ist sicherlich keine herabsetzende Bewertung („für Hydraulik oder das Album ?“, will mein alter ego hier fragen, setzt sich dann aber doch nicht durch). Im vom früheren Omen-DJ Pauli erledigten 70-min-non-stop-CD-Mix wird die ganze Bandbreite von Frisbee-Tracks, einem Label von Good Groove Music (Frankfurt), präsentiert, wobei man sicherlich die Frage stellen kann, wie breit dieses Band denn nun wirklich ist. Die Protagonisten Paul Brtschitsch, Monika Kruse, Patrick Lindsey, Roland Caspar oder Ricardo Villalabos, um nur ein paar zu nennen, erfüllen ihre Pflicht als Produzenten hart peitschender und monoton pulsierender Techno-Stücke zwar allesamt bravourös, aber insgesamt vielleicht ein bißchen zu ähnlich. Alle Voraussetzungen für einen nahezu kompromißlos durchpowernden, maschinenhaft reduzierten und auch überwiegend schnellen Techno-Set sind gegeben (laut abspielen!), nur das Sahnehäubchen, die Abwechslung, ist auf dieser Zusammenstellung etwas auf der Strecke geblieben. ][ hve

V.A.- HiFidelity Lounge Vol. 1 - Guidance
Guidance erweitern ihr bereits breites Spektrum um eine weitere Sparte und widmen ihre neueste Compilation der Musik aus Bars, Restaurants und Cocktaillounges. Womit auch gleich der erste Einspruch erhoben sei, denn Tracks wie Jazzanovas ’Soulpower’-Rework, Bobby Hughes ’Seasons’ oder ’Lebanese Blond’ von Thievery Corporation sind nicht nur Barhockern bekannt, sondern auch schwitzenden Tänzern, die in den Freestylclubs dieser Welt zu eben diesen Stücken locker das Tanzbein schwingen. Ergänzed gibt es dann aber doch einige entspannte Melodien zu hören, womit sich diese Compilation weniger durch bislang unveröffentlichte Stücke, sondern durch Abwechslung aus dem dicht besäten Compilationmarkt hervortut. ][ mb

Listen & Fly - Pauls Musique
Abseits der großen Techno/House- und Hip Hop-Szene passiert in Stuttgart derzeit einiges. Neben dem neuen Club ‘Le Fonque' der Monoton- und Harakiri-Crew, geht dieser Tage der Plattenladen Pauls Musique um Mischa und Tobi mit seinem gleichnamigen Label an den Start. Und betrachtet man das Release-Schedule, die bis ins Jahr 2001 mit Vinyl und CDs gespickt ist, so kann man nur sagen, daß für Nachschub vor allem im Bereich der eklektischen Musik gut gesorgt sein wird. Die CD-Compilation "Listen & Fly" bietet einen ersten Eindruck mit ausnahmslos Stuttgarter Acts. Ein kleines Umfeld von Produzenten, darunter alte Bekannte wie Michel Baumann (Prod. auf Stir 15, Dessous, Playhouse u.a.) und Daniel Varga (Prod. auf F-Comm., Harthouse, Sabotage u.a.) oder auch Oliver Holtzer und Newcomer Felix Stecher (Dublex) sorgen für leichte bis kickende Grooves. Dubbige, jazzige und lateinamerikanische Elemente und Percussion, Geschwindigkeitswechsel und unterschiedliche Beats schaffen Abwechslung. Und doch fügen sich die Tracks beinahe nahtlos aneinander. Teilweise treiben die Soundlandschaften ein wenig verträumt davon, das andere Mal packt dich der treibende Rhythmus. Hervorzuheben sind "Yorulamenta" und "Copa Melba" und der krönende Abschluß mit dem Track "Affenhaus" von Jäger und Sampler - sehr eigen und absolut eingänglich. ][ lightwood

V.A. - Tribes of da Undaground Vol. 5 - Infracom!
Liest man die Linernotes dieser Compilation durch, überkommt einen doch reichlich Unbehagen und die berechtigte Frage, ob die Berliner nicht doch an Großmannssucht leiden. Denn, daß es in Deutschland eine Bund soulsuchender Brüder (warum eigentlich nicht Schwestern?!?) gibt, läßt sich nicht bestreiten, daß daraus dann aber einige wenige die Auserwählten sein sollen, die alles andere beeinflussen, ist mehr als fraglich und warum da dann auch noch Michael Rütten aka. M.R. Soulpatrol dazugehören soll, verstehe ich auch nicht ganz. Aber vielleicht sind das auch nur alles die Hirngespinste des Exil-Reutlingers (was in diesem Fall dann wieder bezeichnend wäre) Daniel W. Best, der für die Linernotes verantwortlich zeichnet. Der Compilation jedenfalls tut all dies keinen Abbruch, denn durch die geschickte Kombination von fünf bereits bekannten und vier bisher unveröffentlichten Stücken ist sie sowohl für Plattenleger als auch Musikgenießer interessant. Die Stilrichtung ist altbewährt - Future Jazz, souliger House und abstraktes Beatmaterial sorgen für Abwechslung und Genuß, auch wenn der Eindruck bleibt, daß viele der (sogenannten) Post-Acid-Jazz DJs und Produzenten sich momentan zu sehr mit noch vertrackteren Beats beschäftigen und dabei das Gesamte aus den Augen verlieren. Die Ausnahme bestätigt die Regel, was gerade diese Platte aufs beste verdeutlicht.][ mb

Keb Darge presents - Soul Spectrum II - BBE
Auch Männer haben bekanntlich eine weiche Seite, womit wir wieder inmitten alltäglicher Klischees wären, in denen sich nicht nur der Selektor dieser Compilation, sondern auch deren Stücke aufhalten. Denn was dem einen rare Perlen sind, ist dem anderen Musik für Kinder und wieder andere raufen sich angesichts vermeintlicher James-Brown-Komplexe die Haare. Die Rede ist vom guten alten Soul, hier, präzise ausgedrückt, mid-seventies Soul, den die meisten von uns nicht jeden Tag zu hören bekommen, womit zumindest einmal die Rarität belegt wäre. Wie auf diversen vorangegangenen Zusammenstellungen hat Keb Darge sich nicht gescheut, selbstlos seine Plattensammlung nach geigneten Perlen für diese Compilation zu durchsuchen, um den bereits verloren geglaubten Klängen jener Zeit neue Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Um dem Titel gerecht zu werden, wurden noch ein paar Northern- und 60ies-Soul-Stücke eingebracht, welche aber bestens mit dem restlichen Material harmonieren und diese Compilation zu einem Muß für alle Soulfans (und solche die es noch werden wollen) machen. Erwähnt sei noch, daß manch Tübinger bereits einige Stücke dieser Compilation auf dem vom Meister persönlich angefertigten Soul-Tape vom Mai diesen Jahres besitzt, was den Appetit auf diese Compilation eigentlich erhöhen sollte. ][ mb

Nubian Mindz - Archive 03
Dego/Mustang - Archive 04

Nu-Jazz/Nu-Groove, überall kann man´s lesen, aber fast nirgendwo kann ich den Hauch von dem erkennen, was diese Namen einen hoffen lassen. Das Problem ist, daß wir, die wir was Selbstgeschriebenes auf Papier drucken lassen, andauernd mittelmäßige Resultate kilometerweit in den Himmel loben müssen, zum einen damit man nicht Briefbomben, als Plattenpromo getarnt, geschickt bekommt, zum anderen, damit man nicht dem allgemeinen Standard zu weit hinterherhinkt, und die Platten die man besser findet, im Verhältnis zu anderen zu schlecht abschneiden. Bei Jazz allerdings sollte man aber wirklich etwas vorsichtiger sein, da der Kontrast zwischen dem, was Jazz war, und dem was allgemein Nu-Jazz sein soll, fast so groß ist, wie der Unterschied zwischen Schwarz und Weiß. Trotzdem gibt es Platten, auf denen dann doch mehr drauf ist, als gute Laune an der Bar mit einem Hauch Latin und Kontrabass, die jazzige Elemente verwenden und das gut machen. Langer Umweg... Archive ist ein italienisches Label und trifft den Jazzvibe auf eine Weise, die nahezu in Tradition zur Entwicklung der Jazzgeschichte steht. Die jeweiligen Veränderungsschritte im Jazz wurden oft durch Künstler getragen, die ein Interesse an eigenständigem Sound hatten, der fast immer konträr zu dem jeweils aktuellen leichtverdaulichen Massengeschmack stand, beziehungsweise an dessen Philosophie kratzte und trotzdem sich der schwarzen Musikgeschichte bewußt war. So kommt es, daß Archive Laufnummer03 Nubian Mindz präsentiert, als schwerverdaulichere Kost bereits bekannt, und obendrein gibt es einen Phil-Asher-Remix, beides Nummern, die nichts mit dem spielerischen Können von Jazz zu tun haben, ist es doch programmierte Musik. Stimmungsmäßig bewegen sie sich jedoch in Fahrwassern, in denen der Immer-locker-Typ Mensch nicht gut fischen will/kann. Und die neue Atmosphäre, die sie verbreitet, kann man abstrahierend als jazzig empfinden. Bei Archive 04 sind 4 Hero´s Dego und Mustang mit einer Splitmaxi unterwegs, die auch wiederum durch Eigenheit und Musik brilliert, die es einfach vorher in dieser Kombination noch nicht gab und man kann trotzdem Referenzen (Roy Ayers...) erkennen. Hier spielt der NuJazzNotJazz. ][ neon tse tse

DJ Rasoul - Soul Searching Vol. 4 - Large
In San Francisco arbeiten die Musiker derzeit auf Hochtouren und eine interessante Scheibe jagt die andere. Ganz vorne steht dabei Rasoul, der bereits vor Jahren mit seinen Veröffentlichungen auf Large und Guidance der Welt gezeigt hat, daß man in San Francisco nicht nur Grunge und Hippymusik hört. Mit der hier vorliegenden Platte fügt er seiner Soul-Searching-Reihe neue Funde in Sachen Deep House hinzu, wobei vorallem die Bassläufe auf allen sechs Stücken neue Ansätze offenbaren. Aber auch die immer wieder eingestreuten Synthie-Effekte, sowie die soliden harmonischen Strukturen sorgen für groovigen House mit viel Seele. ][ mb

b.Low - Coustillante Leger - Cheap
Die Wiener Zukunftsjazzer nutzen ihre Freizeit, um in den Tiefen ihrer Samplearchive nach noch nicht veröffentlichtem Material zu suchen. Daß sie fündig wurden, ist selbstverständlich. Aus den unterschiedlichsten musikalischen Quellen beziehen die beiden Wiener ihre Sounds, flicken ihre Stücke aus allerlei Samples zusammen und sorgen dabei stets für einen funky Rhythmus und leicht trashige Stimmung. Ruckzuck wurden also sieben Stücke zusammengesetzt, auf eine 12“ und eine 7“ verteilt und unter dem Alias b.Low herausgebracht. Somit bietet Coustillante Leger sowohl dem Neuling als auch dem eingefleischten Fan einen tiefen Einblick ins Reich der ’Cheapen’ Sounds - vom rein Experimentellen bis hin zum klassischen Jazzstück. ][ mb

Diet - Rich Diet EP - Lofi Luxury Layouts
Eine sehr interessante Gruppierung, die sich hier zusammengefunden hat. Clair Dietrich, die bereits auf Markus Nicolais Perlonplatte gesungen hat, Bassmeister Roger Eckhart sowie Produzent C-Rock, bestens durch sein Label Stir-15 bekannt, bilden also ein Trio, das, ähnlich zu Herberts Zusammenarbeit mit Dani Siciliano, dubbig-technoiden Beatgerüsten einen sehr organischen Aufbau verpasst. Spielerisch untermalt dabei Clair Dietrichs Gesang einzelne Passagen, wird dabei weder langweilig noch kitschig, sondern sorgt für Spannung und Atmosphäre. ][ mb

Da Lata - Rio Vida / Rain Song - Palm Pictures
Patrick Forge und Chris Franck melden sich wieder zu Wort um zwei weitere Stücke ihres Brasilprojekts Da Lata zu Gehör zu bringen. Erneut schaffen es die beiden, auf äußerst sinnliche Weise trickreiche Percussions und melancholisches Gitarrenspiel zu verbinden, wenn auch nicht ganz so schwungvoll, wie bei ihrer ersten Maxi Pra Manha. Warme Herzen auf winterlichen Tanzflächen sind jedoch garantiert. ][ mb

Bobjazz - Deep Introspection EP - Stir 15
Zwei Lokalmatadore, die hier auf dem Frankfurter Label Stir 15 ihr Debüt geben und sogleich den Hörer durch ein intensive Atmosphäre und verführerische Stimmen in ihren Bann ziehen. Die pumpenden Bässe halten sich vornehm zurück, ohne deshalb an Wirkung zu verlieren, weshalb diese Platte mitunter zu Kopfnicken, Mitwippen und Tanzen führt. ][ mb

Basswerk 008
Genau das fehlte Drum'n'Bass und im Zuge der Old-School- und Amen-Welle wird man in letzter Zeit immer öfters von Produktionen wie dieser hier erfrischt. Harmonie und eine gesunde Lockerheit und Coolness versprüht der Kölner The Green Man mit einem Remix von Kinder Atoms "Illegal". Das Vocoder-Vocal stammt von Black Uhuru-Sänger Michael Rose und bildet den Kern und einen großen Wiedererkennungswert des Tracks. Die Beats erscheinen alle recht klassisch und gewöhnlich, aber Spielereien machen die Sache interessant. Weiche Bässe vervollständigen die A-Seite. Mit "Yellow Dawn" stept The Green Man nach langem Intro vor sich hin und so langsam kristallisiert sich eine Melodie heraus. Nach erneutem Break und in die Breite gehende Fläche, gesellen sich zerstückelte Amen-Breaks hinzu. Wenig später können sich diese ganz entfalten, bevor die atmosphärische Grundstimmung wieder das Ruder erlangt. ][ lightwood

Basswerk 009
Kingz und Jenz One aus der Basswerk-Crew zeichnen sich für das neunte Release verantwortlich. Schade ist zunächst einmal, daß die Beats auf beiden Seiten ziemlich platt daher kommen. Naja, eben Two-Step der simplen und agressiven Sorte. "Mocking" wird von einem Ravesound getrieben, der sehr stark an Human Resource' "Dominator" erinnert. Mehr fällt mir zu dieser Seite auch nicht ein oder auf, außer daß sie bestimmt funktional sein wird. "Still Waters" wirkt da schon etwas deeper, auch wenn mich hier die Beats wieder sehr schnell nerven. Der folgende analoge Techno-Bass-Sound verspricht Grooviges, aber durch belangloses Acid-Gesäusel verliert auch diese Seite auf den letzten Metern. ][ lightwood

Gyration 022/023
Beides Split-EPs, immer eine Seite von Brubaker, die andere von Mad Vibes (a.k.a. Highspeed Poet und Draft), aber ich habe keine Ahnung zu welchem Zweck dieser Split dient... "Sight & Sound" ist verschrobener, Elektro-Drum'n'Bass-Funk inklusive Windgeräusch. Leicht gewöhnungsbedürftig klingt die abgehackte Bassline. Unvorhersehbare Stops und gegenläufige Drums machen die Angelegenheit spannend. "Roadtrain" verkörpert einen bedächtigen, gemütlichen Stepper mit schwerer Bassline. Auffällig ist ein Grillenzirpenartiger Sound und ein klassisches Ravesample nach dem ersten Break. Hinten schreckt man beim kurzen Amen-Intermezzo dann noch einmal kurz auf. Und weil die Bassline wirklich klasse kommt, hat sie Brubaker bei "Diva" gleich nochmal verwendet. Knackigere, treibendere Beats und dichter liegende, mystische Sounds lassen dann wirklich kaum noch Wünsche offen. Der Remix von "On Earth" beginnt mit viel Soundbrimborium, das nicht stört, dann aber auf einmal ganz verschwindet. Eine Acidbassline, die ein bißchen was von "The Pulse" in sich birgt, federt nach dem Break bis zum Ende und die Beats hüpfen mit hoher Bassdrum locker-flockig mit. Gegen Ende werden wahllos Samples eingestreut, die nicht immer zu passen scheinen und auch die Bassline taucht das eine oder andere Mal zu tief in die Säure ein. ][ lightwood

Pathfinder 004
Harter, dumpfer Two-Step läutet die Drum'n'Bass-Rave-Platte des Monats ein. Grummelnde Bässe, metallische Sounds und komplexer werdende Beats leiten auf der A-Seite bis zum Break. Dann kommt alles angetanzt, was so ein richtiger Pressure-Tune eben braucht: Zwirbelbassline und Nonstop-Amen-Breaks. Nieder mit den Innovationen und Soundforschungen! Pack' die Trillerpfeife ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann geht es auf die Tanzfläche! Jawohl. Schön. SSB, zwei neue Gesichter aus Koblenz, beweisen auch auf der B-Seite, daß man mit Härte und Trommelwirbel nach wie vor oder eben genau deshalb die Meute rocken kann. Mit Filmsamples, treibender Bassline und Bumm-Tschak wird hier ein wenig Gyration-artig gerinst. ][ lightwood

Skunk Rock Prod. 004
Hohe Wellen schlug der letzte Release. Bei einigen wurde der Remix eines UK-Producers auf einem ‘deutschen' Label zwar mit kritischem Blick betrachtet, doch sowohl "Backup" als auch der Dom & Roland-Remix wurden heftigst gespielt und gechartet. Zudem ist Skunk Rock mit dem gebürtigen Engländer Daniel Savine und der aus den USA stammenden Alley Cat mittlerweile eher als ein internationales Label anzusehen. Die Nummer vier jedenfalls verfolgt dieses bewährte Konzept. Tha Countamen & Alley Cat legten den Grundstein von "Payload", der sogleich ins Remixlabor wanderte, dieses mal zu Konflict aus dem Renegade-Hardware-Lager. Zum Glück hämmern diese nicht gleich los, wie das gerade so in Mode gekommen ist, sondern verfallen in einen angenehm kickenden Laidback-Groove. Einerseits ist der surrende Bass sehr eingänglich, andererseits erfährt der Remix aber auch keinen wirklichen Höhepunkt. Hervorzuheben sind die langen Pausen, die diesen Moment erzeugen, wo du denkst, dem DJ ist die Platte ausgelaufen. Cool. "Iodine" beginnt mit John-B-ähnlicher Musikalität und Sound-Besetzung. Die folgenden Beats und der Sägezahn treiben ganz gut, aber es passiert nicht mehr viel und wirklich rocken tut das auf Dauer nicht. Die Melodie läßt sich dann ab und zu noch einmal blicken und bleibt einem bestimmt als letztes noch im Gedächnis haften. ][ lightwood

Santorin 004
Simon V. Rainclouds. Regenwolken. In diesen Dingern ist ja unglaublich viel Wasser drin und doch sind sie da oben am Himmel. Im Herbst gibt es ja auf unserer Längen/Breitengrad-Kombination besonders viele dieser Pakete. Mit dem großen Regen rockt die Natur ganze Regionen in die Neusanierung und wir Erdlinge neigen dazu, bei anhaltendem Niederschlag und Himmelsgräue uns der großen Traurigkeit hinzugeben. Dieses Phänomen ist gar wundersam auf eine Vinyl-12” komprimiert worden und wartet darauf die ganze geballte Kraft in der Heimanlage deiner Wahl, und vor allem auch im Disko-Club der Erkenntnis ihre dynamische druckvolle Dramaturgie dir um die Ohren zu regnen, bis Du weinst. Und es wird sich zeigen, daß auch Du, mein alter Freund, die Protojunglette, nah am Wasser gebaut hast, und diese Platte das war, wonach sich Dein Körper verzehrt hat. ][ neon tse tse

Smokin' Drum 023
Bassface Saschas Veteranenlabel gönnte sich ein wenig Pause, um mit Smoke Starr wieder richtig Wind in die Segel zu blasen. "68ers" erfrischt am Anfang durch ein sommerliches Gitarrenriff und erinnert ein wenig an "Perfect Day". Die Beats rollen in alter Mannheim-Manier und der warme Sinusbass hüpft locker mit. So einfach, aber doch effektiv kann es manchmal sein. Später noch einmal ein kleiner Break, danach verstärker Baß und fertig ist der Basslineroller, der ebenso gut auf V Recordings hätte erscheinen können. "Rolledge" ist dann etwas belangloser. Alles dreht sich um eine Bassline, die irgendwie witzig und einzigartig daher kommt, aber am Ende ganz schön nerven kann. ][ lightwood

Pavlek 002
Zwei Acts teilen sich diese 12" dieses neuen Labels aus dem Raum Stuttgart/Ludwigsburg. Eine schräge Kindermelodie, auf dem Xylophon gespielt, gibt Octanes' "Mind Trap" die besondere Note und hebt sich somit von der Masse ab. Die Beats haben leider sehr wenig Druck, was am Mastering gelegen haben oder beabsichtigt sein könnte. So groovt es in deeper, schräger Stimmung vor sich hin und man wünscht sich, daß die Bassline am Ende doch noch mehr aus den Tiefen auftaucht. "On Slow Fox" von Eduard ist ein lockerer Two-Stepper, der eine unverkennbare Monotonie an den Tag legt. Ein ganz simpler Baß-Sound spielt leicht veränderte Melodien und wird ab und wann moduliert. Er bekommt aber wenig Unterstützung, so daß er am Ende alleine stilbildend für die B-Seite bleibt. Zwar bergen beide Seiten in gewisser Weise Ohrwurmmelodien, doch verlieren sie sich nach hinten raus und wirkliche Höhepunkte fehlen. Die schöne Gestaltung der Labeletikette sei noch erwähnt. ][ lightwood

N. O. H. A. - Unique 032
Altbekannte sind wieder aus der Versenkung gestiegen: Noise of Human Art. Die internationale Drum'n'Bass/TripHop-Combo präsentiert auf dem Düsseldorfer Unique Records Label wieder erstklassigen Fusion-Sound. "King of the Dancehall" klingt poppig, jazzig, dubbig, funky und versprüht dabei eine Leichtigkeit, die jedes Drum'n'Bass-Set am Leben halten wird. Halftime-Intro, warmer Bass, Synths, Saxophon, Vocal, frische Beats. Ein bißchen Fauna Flash, ein bißchen Apollo 440, ein bißchen Aphrodite, aber nie den Boden unter den Füßen verlierend, produzieren N. O. H. A. massenkompatiblen Drum'n'Bass und das aber wirklich nicht schlecht. Auf der B-Seite zwei TripHop-Versionen inklusive Remix von Ninja Tunes Malachi, der herrlich schräg zu begeistern weiß. ][ lightwood

Dillinja - diverse
Der Mann der Stunde. Mal wieder. In regelmäßigen Abständen bringt Dillinja die Bombe zum Platzen. Dann aber gleich mit geballter Ladung. Seit einiger Zeit werden einige Dubplates von ihm gedropt und die Zeit zum Releasen schien wohl gereift. Relativ harmlos fing es trotz Hundegefauche mit "Growler" (Hardleaders 041) an. "Tudor Rose" (Hardleaders 042) bleibt dann unwillkürlich an deiner Gehirnrinde haften. Eine unheimliche Männerstimme (Filmsample...) leitet dich bis zum unverkennbaren Miss- Marple-Cembalo, dessen Melodie dir noch am nächsten Tag im Ohr pfeift. Die Dillinja-üblich verzerrten Beats gesellen sich langsam hinzu und die Mörderbassline entfaltet sich im kurzen Break. Und dann ist natürlich wieder alles zu spät. Bad Company sind mellow dagegen und deine PA wird's dir danken... Ebenso begehrt und in sämtlichen Top 10s zu finden, ist ein Dillinja-Remix von Baby Namboos "Ancoats 2 Zambia", erschienen auf Palm Pictures. Gleiche Rezeptur und gleiche Wirkung. Erst Vocal, Ohrwurmmelodie und dann wird abgeräumt. Auf dieser Seite befinden sich noch zwei andere Mixe, so daß die Pressung miserabel geworden ist, denn ein Dillinja-Track braucht breite Rillen! Wir dürfen uns freuen auf "Nasty Wayz" und das im nächsten Jahr erscheinende Album auf FFRR... von Dillinja... Capone... oder doch Cybotron?! ][ lightwood

Savas Pascalidis - Disco Galaxy - Lasergun 01
Heimlich, still und leise hat sich Savas Pascalidis zu einem der besten Technoproduzenten Deutschlands hochgearbeitet. Mit Lasergun ist nun auch das lange geplante eigene Label am Start. Für die 001 zeichnet sich der Nürtinger höchst persönlich verantwortlich und hält damit mühelos sein hohes Niveau. Zwei Detroit-Techno-Tracks der klassischen Mills-Schiene, ein unglaublich energetischer und hypnotischer Killergroove im geraden Vierviertelgewand und ein Discotrack, dem der Vergangenheitsbezug glücklicherweise abhandengekommen ist, erfreuen den sparsamen DJ, da hiermit die erste halbe Stunde des Sets gesichert ist. Anspieltip ist Vapor Vibes. ][ motik

Solovyev - Poprad /
Hagedorn - Miß Construction - Oni.Tor

Der Kölner Computerjockey Hagedorn überrascht auf diesem 6-Tracker mit einer geraden Bassdrum als Grundgerüst einer unaufdringlichen Mischung aus Robert Hood und dem Domstädter Kompaktsound, sehr ruhig aber durchaus tanzbar. Teilweise klaut er soundtechnisch etwas zu deutlich von Herrn Mills, was aber nicht weiter stört. Solovyev bewegt sich eher auf chilligen Pfaden, seine Downtempo- und Ambient-Stücke ähneln aber sonst den Hagedornschen Klängen. Musik für zu Hause oder die frühen Morgenstunden auf einem Stuttgarter Label, das mir bisher sträflicherweise entgangen ist. ][ motik

K.Lakizz - Schwebstaub EP - Sender
Böser Vorprogramm-Minimalismus, der einen mittels düsterer Flächen, deeper Bassline und komischer Stimmensamples in seinen Bann zieht. Unverkennbar aus Köln und sehr sehr gut. ][ motik

Infiniti feat. JuanAtkins - Never tempt me - Tresor
Wer weiß, wie sich die Geschichte der elektronischen Musik ohne Godfather Juan Atkins entwickelt hätte, aber die Zeit, in der man Innovationen des Detroiters erwarten durfte, scheint lange vorbei. Die vorliegende Platte gewinnt daher nicht so sehr durch die keinesfalls schlechten vocalgestützten Housemixe des Meisters, sondern vor allem durch die dubbigen Remixe von Christian Vogel und mit Abstrichen vom Chain-Reaction-Act Substance, die allerdings nicht sonderlich tanzflächenfunktional sind, was ja auch nicht sein muß. ][ motik

Dakar & Grinser - Are you really satisfied now? - disko B.
Die beiden Münchner haben mit San Quentin einen der wenigen Tracks gefertigt, die sich immer in meiner Kiste befinden, dementsprechend gespannt war ich auf ihr Debut-Album. Synthie-Pop, New Wave, Electro-Noir, Funk und 80er-Vocals, teilweise im Technogewand, teilweise als Downbeatnummer, bezeugen den nach wie vor gegebenen Retrohang im Bereich der elektronischen Musik. Eigentlich würde ich das jetzt gerne kritisieren, aber diese LP ist schlicht gut und wer könnte sich gegen die betörende Stimme von Miß Kittin wehren, die hier als Gast gefeatured wird. ][ motik

Drexciya - Neptune’s Lair - Tresor
Jeder neue Release des Detroiter Acts Drexciya hat für Fans den Status, den Weihnachtsgeschenke für Fünfjährige haben. Auch dieses Mal bleibt das Leuchten in den Augen erhalten, denn den Tresor-Mädels und -Jungs ist es gelungen, 21 exclusive Tracks über den großen Teich zu entführen, die sich durch hohe Variabilität und Qualität auszeichnen. Die gesamte Bandbreite des elektronischen Motor-City-Musik-Spektrums wurde ausgeschöpft und zu einem in sich stimmigen Gesamtkunstwerk zusammengesetzt. Elektro und Techno verbinden sich mit Funk, Jazz und Detroitflächen und verkörpern die Einzigartigkeit von Drexciya. Auch wenn das teilweise etwas angestaubt klingt und Kraftwerkzitate auf Vinyl die Milliardengrenze erreichen, diese CD/Do-EP ist Pflicht. ][ motik

Basic Cell - Cell`s death - Shokoy
Sven Dedek macht keine Gefangenen. Kompromißlos verpflichtet er den Freund des gepflegten Advanced Techno auf blutende Tanzfüße und schreckt dabei nicht vor Sägezähnen und anderen Soundmonstern zurück. Pure Clubtracks, wären wir in der guten alten Zeit, könnte man ohne von Elef zum Duell gefordert zu werden, Ravemucke im positiven Sinne dazu sagen. ][ motik

Bpitch Control - Berlin 2000 - Bpitch Control
TokTok, Jammin Unit, Heiko Laux oder Johannes Heil sind nur ein paar Namen, die sich auf dieser Compilation des Berliner Partyveranstalters BPitch Control verewigen durften und wecken Hoffnungen bei dem geneigten Hörer, die nicht enttäuscht werden. Musikalisch vielfältig von Trip Hop über Elektro bis hin zu experimentellem Kram und Haudrauftechno ist hier für jeden etwas dabei, ohne qualitativ auch nur den geringsten Grund zur Beanstandung zu geben. Releaseparty ist der 31.12 an einem geheimen Ort. So watch out. ][ motik

Waxolusionists, Manuva & the bionic kid - Nachtschattengewächs - Deck8
Passender Titel für diesen dunkel und böse vor sich hinrollenden Hip-Hop-Track aus der Alpenrepublik. Die verschiedenen Mixes und Instrumentals sind zu düster für die Charts, vielleicht aber gerade deswegen keineswegs uninteressant. ][ motik

Various - Four Elements - Four Music
21 Tracks von Pharcyde, Freundeskreis, Afrob, Ferris, Sens Unik, Blumentopf, NAS, Gentleman und einigen mehr, davon 7 exklusiv, stehen für den teilweise etwas kommerzielleren HipHop-Ansatz von Benztown. Gefeatured werden Teenie-Hits wie “Mit Dir”, “Reimemonster” oder “MfG”, aber auch beispielsweise der Debut-Track von Beatjuggler Momo Farace oder “Passin me by” von Pharcyde. Insgesamt sicherlich eine sehr interessante Zusammenstellung des Four-Music-Labels für diejenigen, die sich, abgesehen vom Exklusivmaterial, das es ohnehin nur hier gibt, nicht jede Maxi einzeln kaufen wollen. Persönlich muß ich mich nach 2 Jahren im Kölner Untergrund erst wieder an die etwas populärere Herangehensweise der Stuttgarter gewöhnen. ][ motik

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