| das zweiund20ste ± schräg & durchsichtig ± Dez/Jan 00 | Jenseits von Bits und Bytes |
Jenseits von Bits und BytesGerade erst ging die Spielemesse in Essen zu Ende und schon finden sich neue spielerische Abenteuer in den Regalen der Geschäfte für den "kleinen Kunden". Vor allem aber die Viel-spieler, die strategische Herausforderungen bevorzugen, finden ein neues, weit gefächertes Feld an Neuerscheinungen. Aber nicht nur das Mittelalter bedarf cleverer, aufbauwilliger Taktiker, sondern auch das New York der 30er Jahre schreit nach diesen. Gerade ging die Wirtschaftskrise vorüber und in CHINATOWN (alea-Spiele) von Karsten Hartwig sind viele Geschäftslokale frei geworden, die nur darauf warten, konjunkturbewußt wieder mit einem florierenden Betrieb gefüllt zu werden. Verdeckt werden Geschätsorte von den Spielern gezogen, und nun gilt es seine ersten Geschäfte zu eröffnen. Doch Nähereien, Fischhandlungen, Detekteien, Sportgeschäfte, Wäschereien oder Apotheken wollen neben anderen Einzelhändlern expandiert werden, da sich nach der Größe des Betriebes auch dessen Einnahmen für den Spieler bestimmen. Genau an diesem Punkt erfährt das Spiel eine Variante, die zwar in ihren Grundzügen schon aus anderen Spielen bekannt ist, hier aber von der Reglementierung frei ist: das Handeln untereinander. Da in diesem Zusammenhang alles erlaubt ist, wächst gerade diese Handlungskomponte zu dem wichtigsten Spielmoment heran, bei dem sich entscheidet, wer die größten zusammenhängenden Geschäfte auf dem harten Markt eröffnen und halten kann und so sein besonderes Geschäftsbewußtsein unter Beweis gestellt hat. Ständig wechselnde Marktanteile können dabei jederzeit von den Konkurrenten anhand von offen ausliegenden Übersichtskarten bestimmt werden; Informationen, die nicht selten den Preis eines einfachen Restaurants in astronomische Höhe treiben können. Karsten Hartwig hat mit "Chinatown" ein Wirtschafts-Simulationsspiel geschaffen, das auf das Wesentliche reduziert ist, doch einen langanhaltenden Spielspaß garantiert und den Ernst der Realität in den Schatten spielerischen Verhandlungsgeschicks manövriert. Neben diesen Rollen der Vergangenheit können sich Spielinteressierte aber auch in die Zukunft begeben. Nachdem ROBO RALLY in den USA schon seit Jahren ein riesiger Erfolg ist, flitzen nun auch nach deutscher Anleitung (Amigo-Spiele) vier liebevoll gestaltete Roboter-Miniaturen aus Kunststoff durch die nächtlichen Anlagen einer Rund-um-die-Uhr-Fabrik. Jeder von ihnen folgt dem Programm, welches der jeweils dahinterstehende Spieler für ihn ausgewählt hat. Doch auch hier geleiten selbst die bestens durchdachten Zugbefehle nicht immer an den ausgedachten Bestimmungsort, da dazwischentretende Wettstreitende schnell zur Blockade werden können, was zu geringfügigen aber auch schwerwiegenden Zielortsverschiebungen führen kann. Dies führt nicht selten dazu, daß am Ende einer Runde oder schon in deren Verlauf sich ein Roboter in einer Grube oder einem Preßwerk wiederfindet. Aber auch Förderbänder in unterschiedlichen Laufgeschwindigkeiten, welcher man sich zu einer größeren Bewegungsreichweite bedienen kann, können bei Verschiebungen unbeirrlich die Spielfigur an einen solchen Ort transportieren. Alles läuft nach dem Motto: Ein erstelltes Programm läuft solange bis irgendein Ziel erreicht ist oder aber der Roboter zerstört ist. Werden spezielle Reparaturstellen noch rechtzeitig erreicht, so kann man erlittene Schadenspunkte beheben lassen, doch auch zerstörte Roboter verfügen über eine Sicherheitskopie, die es ermöglicht, weiter an dem spannenden Rennen teilzunehmen. Da der Spielplan aus vier gleich großen, unterschiedlich gestalteten Elementen besteht und die Spieler eine Strecke nach ihren individuellen Vorstellungen gestalten können, entstehen so unzählige Rennparcours, die selten einem vorherigen gleichen. Dabei stehen bis zu sechs Checkpointplättchen zur Verfügung, die je nach Anzahl sowohl den Schwierigkeitsgrad als auch die Länge einer Runde definieren. Große Übersichtstafeln und übersichtlich gestaltete Programmkarten erlauben gerade auch Nichtprogrammierern den reibungsvollen Spielspaß zu genießen. Hier geht es nicht primär um das Siegen, sondern der olympische Gedanke, Dabei sein ist alles steht im Vordergrund. ][ g |
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