Raster-Noton
Mehr Infos zu Raster-Noton gibt es unter: http://www.raster-noton.de
Am 14.Dezember findet in der Berliner Volksbühne die Live-Performance der 20’ to 2000-Reihe statt, bei der alle Künstler auftreten werden.
Raster und Noton waren ursprünglich zwei eigenständige Labels. Wie habt ihr zusammengefunden?
Man muss sich das so Vorstellen: Wir sind zwei Labels in einer relativ kleinen Stadt gewesen und in Sachen elektronischer Musik gab es da keine weiteren Labels. Da wir bereits eng zusammengearbeitet haben, sowohl studiomäSSig als auch in punkto Design, sind wir immer mehr zusammengewachsen, bis es eigentlich nur noch ein weiterer logischer Schritt war, die Labels zusammenzulegen. Zumal die jeweiligen Ansätze der beiden Labels sehr nahe beinander waren und es für die Käufer letztendlich nur ein Spiel mit Namen war.
Ihr seid sehr auf elektronische Musik fixiert.
Ja schon, wobei wir in Zukunft noch experimenteller werden wollen, aber nicht unbedingt elektronisch. Gerade die experimentellen Sachen aus den 70ern und 80ern interessieren uns sehr. Die 70er / 80er Elektronik-tradition ist ja in gewisser Weise abgerissen. Sie hat sich einfach nicht mehr fortpflanzen können. Weshalb es um so spannender ist, dass eine neue, junge Generation sich dieser Tradition wieder annimmt. Aber generell haben wir uns ja auf verschiedenen Ebenen geöffnet und versuchen das jeweils in eigene Reihen umzusetzen. Einerseits gibt es die Clear-Serie, auf der die experimentelleren Sachen veröffentlicht werden, also das, was früher Noton war. Diese Serie soll auch in diese Richtung weitergehen. Daneben gibt es noch die Statics-Serie, wobei bisher erst eine einzige CD erschienen ist, weshalb man eigentlich noch nicht von einer Serie sprechen kann. Mit Statics wollen wir mehr in die eingängigeren, rhythmischeren Gefilde gehen, wobei auch dieses Material auf seine Art experimentell sein wird. Wir versuchen eigentlich stets irgendwo an Grenzen zu stoSSen, in diesem Fall an die Grenzen der Popmusik.
Wie seid ihr denn jetzt auf die 20 to 2000 Reihe gekommen? Und warum ausgerechnet 20 Minuten?
Nun, die Ursprungsidee war ein CD-Magazin herauszubringen, dass aus zwölf Ausgaben besteht und monatlich erscheinen sollte. Dazu wollten wir ganz spezielle CDs verwenden, deren nicht benutzte Fläche auch nicht verspiegelt ist. Daraus wurden dann zwanzig Minuten Spielzeit. Im Prinzip ein sehr funktionaler Ansatz. Der Titel entstand dann zwangsläufig aus den zwanzig Minuten, die auf die CD passen und dem Jahr, in dem dieses CD-Magazin erscheinen sollte. Der Titel wiederum wurde zum Konzept. Ein relativ einfacher, schlüssiger Weg also.
War von vornherein klar, dass es ein musikalisches Magazin wird, oder hattet ihr noch mehr vor?
Nein, nein, es hatte stets nur aus Musik bestehen sollen. Keine interaktiven Geschichten oder ähnliches. Musik in Form eines Magazins, mit einer regelmäSSigen Veröffentlichung über ein Jahr hinweg. Man konnte sich die Reihe ja auch abonnieren, wie man auch euer Heft abonnieren kann.
Standen die Künstler vorher schon fest, oder hat sich das im Laufe der Zeit so ergeben?
Das stand alles schon vorher fest, wobei wir eben auf Musiker zurückgegriffen haben, mit denen wir eh schon zusammengearbeitet haben.
Doch die Reihe ist beim Volk nicht gerade bekannt geworden ...
Ja, das hat verschiedene Gründe, warum. Wir haben in Deutschland keinen richtigen Vertrieb gefunden, bis auf Kompakt, die aber auch erst seit kurzem so richtig als Vertrieb agieren. Wir haben jetzt aber auch keine Verkaufsprobleme gehabt, es war eher mehr so, daSS in Deutschland unser Label einfach noch nicht so bekannt ist, obwohl es ja in Deutschland zu Hause ist. International kam die 20 to 2000 Reihe sehr gut an.
Der Prophet im eigenen Lande sozusagen.
Könnte man so sagen, wobei ich denke, daSS das primär daran liegt, daSS wir noch keinen richtigen Vertrieb in Deutschland haben. Wobei natürlich das Material auch nicht gerade das einfachste und am leichtesten zugänglich ist.
Und trotzdem steckt in euren Platten viel Aufwand und viel liebe zum Detail - nicht nur musikalisch, sondern auch was Verpackung und Design angeht.
Das machen wir aber immer. Das gehört zum Konzept des Labels. Wir kommen ja alle auch aus verschiedenen Ecken, nicht nur primär aus der Musik. Ein Grund warum wir uns für ein eigenes Label entschieden haben, ist die Möglichkeit, auf das gesamte Produkt Einfluss nehmen zu können. Das wollen wir natürlich auch ausnutzen und darin liegt auch der Vorteil eines solch kleinen Labels, wie es Raster-Noton nunmal ist. Man kann generell viel mehr Innovationen setzen.
Design als Kaufreiz?
Nein, auf keinen Fall! Wir machen das so, wie wir das wollen bzw. wie wir das erwarten. Wir versuchen einfach ein eigenständiges Produkt zu entwickeln. Das ganze muSS für uns möglichst perfekt sein. Dadurch erhält das Label eine Art Corporate Identity, während der Interpret gegenüber dieser Identity zurücktritt. Es handelt sich also um eine Art Labelidentität, mit der eine bestimmte Art von Musik repräsentiert wird.
Du bist ja auch als Künstler tätig.
Wir kommen alle aus verschiedenen Richtungen - Bildende Kunst, Film, Grafikdesign. Bei mir ist es die Bildende Kunst und das ist nach wie vor eine wichtige Komponente für mich. Sie ist letztendlich auch ein Teil meiner musikalischen Seite. So werde ich im nächsten Jahr verschiedene Installationen präsentieren, bei denen Musik eine groSSe Rolle spielt. Im Museum of Modern Arts in Oxford z.B. wird es Anfang des kommenden Jahres eine Ausstellung über Licht & Sound geben, an der ich teilnehme. Vierzehn Tage später experimentiere ich dann in Tokio mit subsonischem Sound.
Kannst Du Dir vorstellen, die musikalischen Vorgänge während einer solchen Performance aufzunehmen und daraus eine Platte zu machen?
Ja, daran habe ich schon gedacht. Allerdings wird man das nie 100% umsetzen können, zumal ich für meine Installationen eigene Anlagen habe anfertigen lassen. Das macht alles natürlich recht kompliziert. ][ mb
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