Jenseits
von Bits Bytes
Mit Geschwindigkeiten, von denen so manch einer träumt, daß sein fahrbarer Untersatz selbige erreicht, fegte das Jahrhundert-Sturmtief Lothar, zeitlich mit dem Verkaufstermin für Weihnachtsbäume nicht ganz abgestimmt, durch unsere Straßen. Bei zwar reichlich verspätet eintreffender Warnung: doch bitte das Haus nicht zu verlassen, war es doch ein Glück, wenn sich weich, im zerknüllten Geschenkpapier gebettet ein Gesellschaftsspiel die Mühe macht diese endlose Zeit des Wartens, zusammengepfercht in schummrigen Wohnungen, zu verkürzen. Sollten solche Naturereignisse uns jetzt, geht man von den unzähligen Prophezeihungen aus, häufiger heimsuchen, dann ist es gut sich einen gewissen Vorrat an stromunabhängigen Zeitvertreiben zu sichern.
Für alle diejenigen, bei denen noch nicht eines der über vier Millionen mal verkauften Siedler von Catan-Kästen steht, stellt die Neuveröffentlichung DIE SIEDLER VON NÜRNBERG einen wirklich schönen Einstieg in das Besiedlungsspiel von Klaus Teuber dar. Aber auch jene (3-4)Spieler(-Gruppen), die schon mit ihren Seefahrern, Städten und Rittern die mannigfaltigen Inselformationen besuchten, werden hier auf ein Reihe neuer und andersgearteter Spielmechanismen treffen. So wird auch diese abgeschlossene Version zu einer eigenständigen Herausforderung mit spezifischem Flair. Angesichts des geschichtlichen Hintergrundes und dessen Umsetzung als Brettaufbau entschied man sich für ein festes Brett, das aufgeteilt in die Umgebung Nürnbergs mit seinen Rohstoffvorkommen sowie das Stadtzentrum der Handelsmetropole aber dennoch ein großes Aktionsfeld beschert. Auf der einen Hälfte des Spielplanes geht es wie gewohnt darum, möglichst gute Rohstoffplätze zu ergattern, wobei hier die steigenden Wahrscheinlichkeiten der mit dickeren Zahlen markierten Felder ersetzt wurde durch Würfel erübrigende Ereigniskarten. Da jetzt nicht mehr mit Glück um Erträge der eigenen Ländereien gebangt werden muß, geraten auch einzelne Mitspieler nicht mehr so schnell in die ungünstige Situation, sogar von den Handelsphasen ausgeschlossen zu sein. Während die Siedlungen in Nürnbergs Umgebung fleißig produzieren, werden auf der zweiten Hälfte, also in der freien Reichsstadt selbst, Handwerksbetriebe errichtet, mit denen die Spieler ihre Rohstoffe zu Rüstungen, Papier, Zirkel, Tand und Helmen weiterverarbeiten können. Diese schicken sie dann auf den Handelsstraßen je nach Bedarf des Artikels in Richtung Venedig, Frankfurt oder Prag, um sie in bare Münze zu verwandeln. Doch dabei kommen die im Umland langsam entstandenen Zollwege ins Spiel, bei denen der Spieler die Zölle seiner Mitspieler eintreibt, der am stärksten an einer Strecke beteiligt ist und sich so sein Wegerecht gesichert hat. Besitzt man mal nicht das Wegerecht an einer Straße, so muß man eben schmerzvolle Abgaben leisten, um in den Besitz des im Mittelpunkt des Spieles stehenden Goldes zu gelangen. Dieses edle Metall benötigt man nämlich für das Errichten der Stadtmauern und Wehrtürme, was dem Spieler mehr Prestige verleiht. Prestige stellt, neben Siedlungen und Handwerksbetrieben, einen Garanten für Siegespunkte dar, und auch hier versprechen 13 dieser Punkte den Sieg. Neben dem gewohnt gut ausgearbeiteten Regelwerk, das ergänzt durch einen 15seitigen Almanach keine Fragen mehr offen läßt, sowie dem formschön gestalteten Holzzubehör ist diesem Spiel, zur Erhöhung des Einfühlvermögens, weiterhin eine kurze historische Entwicklungsgeschichte beigefügt. Zusammen ist es damit Klaus Teuber, dem Kosmos Verlag und der Messe Nürnberg gelungen, eine hübsch spannende Alternative zu der vertrauten Siedler-Version hinzuzufügen, deren Erlös aus dem weltweiten Verkauf via Internet (www.siedler.nuernbergmesse.de) einem wohltätigem Zweck gewidmet ist.
Wen es darüber hinaus interessiert, was so alles auf den Handelswegen und in den anderen Handelsstädten passiert, der hat mit DIE HÄNDLER (Queen-Games) eine schöne Möglichkeit , einen weiteren spielerischen Blick zu riskieren. Bei diesem von Wolfgang Kramer und Richard Ulrich entworfenen Spiel müssen zwei bis vier Krämerseelen ihr Ein- und Verkaufsgeschick zwischen den Städten Genua, Wien, Köln, Brügge, Paris und Genf demonstrieren, um auf der Ständetafel weiter in Richtung Ratsherr zu rutschen. Aber die Ständetafel, um welche sich in diesem Spiel alles dreht ist dabei mit Vorsicht zu genießen, da zu großzügig vorgenommene Ausgaben auch schnell dafür sorgen können, daß man schneller fällt als man aufgestiegen ist. Dies bringt dann auch nicht selten eine Situation auf den Tisch, in welcher der Spieler nur noch durch Aufnahme eines Kredits neue Waren kaufen kann. Und nur mit diesen kann man dann wieder auf der Ständeleiter eine Sprosse erklimmen. Hat man erst mal genügend Waren, dann orientiert man sich an den Marktpreisen und an den Warenangeboten, da aber nirgends ein Markt alle Güter bereithalten kann, ist man in der Lage durch den Verkauf einer Seltenheit noch so manchen Bonus zu erwirtschaften. Um allerdings zu einem der entfernten Märkte zu gelangen, muß erst einmal ein Wagen ersteigert werden. Diese haben zwar ihren Preis, bedingt durch ihre begrenzte Stückzahl auf drei Exemplare eröffnen sie daneben aber weitere, lukrative Einnahmequellen in Form eines frei verhandelbaren Beförderungsentgeltes. Will also ein Mitspieler die Ladekapazität ebenfalls nutzen muß er zahlen. Um einen möglichst vielschichtigen Variationsrahmen zu ermöglichen, teilte man jeden Zug eines Spielers in sechs Aktionsphasen. Die einzelnen stehen auf einer Übersichtstafel abgedruckt, welche durch Übergabe auch gleichzeitig den Startspieler markiert und neben einem komplexen Aufbau für einen reibungslosen Spielablauf sorgt.
Und weiter wird gesiedelt, diesmal allerdings unter dem Namen DIE STERNENFAHRER VON CATAN. Wem geht es nicht so: schnell hat sich der Alltag wieder eingefunden, nichts ist zurückgeblieben von diesem Unsummen verschlingenden Millennium-Spektakel. Von der Werbeindustrie zum ultimativen Ereigniss hochstilisiert (Gratulation Millenniumbaby-Deutschland: Florian-Vincent), entpuppt sich auch dieser Jahreswechsel wie viele zuvor. Warum also nicht kurzerhand diesem Jahrtausend entfliehen und eine Reise in die Mitte des dritten Jahrtausends wagen, um auch mal im futuristischen Szenario sein strategisches Besiedlungsgeschick zu versuchen. Wesentlich enger mit der Grundidee verbunden, als das Geschehen in Nürnberg, tritt hier allerdings haufenweise Nebengeschehen neu hinzu. Hat man erst mal die verdeckt gelegten Produktionszahlenchips auf dem ebenfalls starren Spielplan verteilt, geht es auch schon los. Von vier Sonnensystemen aus startet so jeder seine Reise in das Ungewisse. Neue Ertragsbezeichnungen wie Treibstoff und Carbon sind dank der altbekannten Nahrung und Erz schnell geläufig, so daß auch die zwei unterschiedlichen Würfelphasen jeder Runde nach kürzester Zeit nicht mehr den Spielfluß hemmen. Phase eins entspricht dem normalen Zug: Würfeln(2W6)-Erträge-Handeln-Bauen. Ist dies abgeschlossen, treten mit Phase zwei die Neuerungen in Erscheinung: das vor jedem Spieler stehende Mutterschiff. Steht diese Rakete zu Beginn einer Partie noch recht nackt an ihrem Platz, kann sie doch so manchen Ausbau im Verlauf des Spieles erfahren. So können beispielsweise versteckte Piratennester mit Hilfe mehrerer Bordkanonen erobert werden, Eisplaneten werden durch mehrere Frachtringe besiedelbar gemacht und ein ausgebauter Antrieb verleiht der Raumschiff-Flotte eine weitere Reichweite. Daneben hilft der auf vier farbigen Kugeln basierende, im Triebwerk integrierte Würfel, die zahlreichen Begegnungen auf der Reise zu neuen Sonnensystemen zu meistern. Gerade diese Begegnungen mit Handelsfürsten, dem wandernden Volk, herumstreunenden Piraten oder Raumzerrungen, die durch Begegnungskarten mit in das Spiel einfließen, lassen es zu, daß alle Spieler ständig in die Aktionen eines anderen integriert sind. Wem dabei der immer gleichlautende Text dieser Nebenschauplätze ein Dorn im Auge ist, der wird im Verlauf mehrerer Spiele schnell feststellen, daß gerade diese Gleichförmigkeit die Ereignisse in ihrem weiteren Verlauf nicht so schnell berechenbar werden läßt und so eine längere Spannung bei den Zusammentreffen gewährleistet. Daneben fasziniert auch das farbenfrohe, zukunftsgetreu aus Kunstoff, aufwendig gearbeitete Zubehör. Hier verwandeln sich Kolonieschiffe durch Hinzufügen eines Ringes zu Raumhäfen oder aber Handelsschiffe werden mit Hilfe der Trägerraketen zu den Außenhandelsposten befördert, um dort gute Beziehungen zu pflegen, denn auch hier gilt: alles gibt Punkte und wer diesmal 15 hat, der ist ...
Wer aber, wie höchst wahrscheinlich Herr Bruhnlehner nach seinem Zusammentreffen mit Welfenprinz Ernst August von Hannover, die Nase vom Adel gebrochen voll hat, der kann in der Rolle eines Winzers die wunderschönen Landschaften Italiens mit neuen Weinbergen beglücken. Auf dem Weg, die meisten Weinberge zum Schluß zu besitzen, werden in VINO (Goldsieber Spiele) Anbaugebiete ge- und verkauft sowie nach taktischen Gesichtspunkten die dortigen Rebsorten bestimmt, Weine werden hektoliterweise an den Mann gebracht, ohne dabei die ständigen Preis-schwankungen aus dem Auge zu verlieren und es wird auf die Nachfrage eingewirkt, so daß sich niemand seines Weinkellerwertes sicher sein kann. Neben der sich aus den Einnahmen der Vorrunde ergebenden Spielerreihenfolge sorgt ebenfalls nicht selten eine staatliche Subvention für einen gerechten Ausgleich bei den Spielständen, was beim Spiel mit Neueinsteigern den Vorteil bringt, daß diese fern großer Probleme im Spiel selbst sich ihre eigene Strategie basteln können, ohne das Gefühl zu haben nicht mehr mithalten zu können. Nachdem man erst einmal das gut verständliche, nicht zu umfassende Regelwerk gelesen hat, ist mit Hilfe der Kurzregel schnell ein neues Spiel aufgebaut und den 3-5 Spielern erklärt. Daneben verdeutlichen pralle Holzweinbeeren auf der Ablagetafel für jeden gut sichtbar die aktuellen Spielstände, während Verkaufspreise mit Hilfe der Sichtschirme mühelos ermittelt werden können. Neben reinen Taktikern werden bei dieser Weinanbausimulation von Christwart Conrad auch Weinliebhaber, nicht zuletzt wegen vertrauter Rebsorten wie Montepulciano, Pinot Grigio und Barbera ihre Freude haben. ][ g
|