UR vs. Sony - oder der gefälschte Jaguar
Eigentlich hätten DJ Rolando, Mad Mike und die gesamte Underground Resistance-Truppe allerhand zu Feiern. Mit Rolandos Knights of the Jaguar-EP lieferte UR einen hypnotischen Sommerhit, der Clubmusikfans aller Coleur zu einvernehmlichem Kopfnicken veranläßt und sich welt-weit bisher über 20.000 mal verkauft hat - und das ausschließlich über die bescheidenen Vertriebswege von UR/Submerge. Hätten wohlgemerkt, denn der Erfolg dieser Platte blieb nicht unbemerkt und sorgte so für nachhaltige Querelen.
Als Dirk Dreyer, A&R Manager bei Sony Deutschland, auf Rolandos Track aufmerksam wurde, erkannte er sofort dessen genre-übergreifendes Potiential, wie er in einer späteren Email an Mad Mike und Rolando bemerkte: ... I have never seen people - no matter if house, techno and even trance fans - enjoying one tune like this one. In seiner industriellen Art zu denken, fragte Dreyer - mit Umweg über den unabhängigen Vertriebspartner Discomania - für eine Compilation-Lizenz an. Die Antwort - Kenner der UR-Philosophie, die Mad Mike mittlerweile oft genug kundgetan hat, können es sich denken - blieb aus - die angebliche Idee, diesen Track einem breiteren Publikum zugängig zu machen, war gescheitert. Nicht jedoch für Sony, die ein solches Verhalten eines kleinen Indie-Labels gar nicht verstehen konnten, weshalb sich Dreyer kurzum entschloß, ein Cover der Knights of the Jaguar-EP anfertigen zu lassen und dieses, ungefragt jeglicher Vorbehalte und Konsequen-zen, auf Compilation zu veröffentlichen. So geschah es, daß Anfang Dezember die ersten Cover-12es an DJs bemustert wurden, obwohl Dreyer bis dato noch kein einziges Mal einen Kontakt zu UR oder Mad Mike hergestellt hatte.
Nun sind Coverversionen ja nichts ungewöhnliches, manchmal sogar eine Huldigung an den ursprünglichen Künstler, eine Coverversion, die gerade mal ein dreiviertel Jahr nach Veröffentlichung des Originals eingespielt wird, läßt andere Absichten vermuten. Sonys rücksichtsloses Verhalten zeigt auf, wie sich ein machtvoller Major ungeniert über ein kleines Independent-Label hinwegsetzten kann und lädt andere Majors gerade so zur Nachahmung ein. Die Independent-Szene ist somit zum ersten Mal offensichtliches Angriffsziel eines Majors geworden, der ohne Rücksicht auf künstlerische Arbeit und geistiges Urheberrecht versucht, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Allein Dank dem enthusiastischen Einsatz der UR-Fangemeinde via Telefon- und E-Mail-Protestaktionen, ist es gelungen, Sony von ihrem Vorhaben abzubringen. Doch das Übel ist damit noch keines Wegs abgewendet, denn die zwei Cover-Produzenten stehen mittlerweile bei BMG/Bertelsmann unter Vertrag, die laut Pressemitteilung den Handel ab Februar beliefern und zusätzlich ein 75.000 DM teures Video produzieren lassen wollen. Erwartet werden Verkaufszahlen von 100.000 - 150.000 Einheiten und eine Plazierung in den Top-10-Single-Charts. UR begibt sich derweil entgegen den Erwartungen der Majors in direkte Konkurrenz . Zusammen mit dem befreundeten Label 430 West produziert man eine neue 12 und eine Maxi-CD, mit der Originalfassung, sowie weiteren Mixen von Jeff Mills, Mad Mike und Octave One, die ebenfalls Anfang Februar erscheint und europaweit von EFA vertrieben wird. Die Fans hoffen auf einen Erfolg. Ein anderer Erfolg wurde UR bereits am 19. Januar zuteil, als im Rahmen der German Dance Awards DJ Rolando für seinen Track den Critics Choice Track-Award verliehen bekam. Da Rolando bei der Preisverleihung nicht anwesend war und es auch kein Video zu Knights of the Jaguar gibt, ließen die Veranstalter den Track spielen und projezierten das UR-Logo im Wechsel mit dem Copy Kills Music-Logo auf eine Leinwand. ][ mb
|