OUK das vierund20ste ± zugänglich & reichhaltig ± April/Mai 00 Jenseits von Bits und Bytes

JenseitS von BitS und ByteS

Um die Gunst der Gesellschaftsspielfreudigen ringend, stellt sich ein neuer interessanter Mitstreiter auf dem deutschen Spielemarkt vor. Mit den günstigen Bedingungen der europäischen Lizenzverträge für die Städte-Editionen des Klassikers Monopoly im Rücken, startet Winning Moves auch gleich seinen Konkurrenzkampf mit einer sehr vielversprechenden Veröffentlichung. Leo Colvinis CAROLUS MAGNUS versetzt dabei zwei bis vier Spieler in die Rolle der Erben Karls des Großen. Ziel ist das in 15 Einzelprovinzen zersplitterte fränkische Reich möglichst in eigenem Interesse zu vereinen. Dabei helfen fünf Adelsfamilien, um deren Gunst jedoch zunächst einmal geworben werden muß. In einem Kreis aus 15 Teilen entsteht das Reich auf dem Tisch, in dessen Mitte die 200 Holzklötzchen-Ritter der Adelsfamilien auf ihren Einsatz warten. Um den Anfang der Einflußnahme für sich zu beanspruchen, bieten die Spieler mit ihren Zahlenchips in den Werten von 1-5, wobei der niedrigste Wert den Vorzug erhält. Nach der nun ermittelten Reihenfolge bestehen zwei Möglichkeiten, um seine Macht walten zu lassen. Zunächst wäre da der eigene Hof, an welchem man durch geschicktes Einsetzen von Rittern die Adelsfamilien auf seine Seite ziehen kann. Da aber allen anderen Spielern diese Handlungsalternative ebenso zur Verfügung steht, ist es keine Seltenheit, daß einst treue Mitstreiter auf dem Spielplan sich sehr schnell gegen einen wenden. Ungünstig vor allem in Situationen, in denen man gerade die Übernahme eines weiteren Stückchens Land beabsichtigte. Oder aber man schickt die Holzklötzchen direkt in eine der Provinzen. Hier entscheidet sich nämlich, wer einen Turm seiner Farbe dort errichten darf, und Türme bedeuten Stärke. Vor allem aber sind sie die Stufen zum Ziel des Spieles. Dabei ist deren Anzahl unterschiedlich, je nachdem ob sich zwei, drei oder vier Kontrahenten an die Herausforderung wagen. Jede dieser Varianten wird durch einen extra Abschnitt in der schnell verständlichen Anleitung ausgezeichnet spielbar.
Neben der seltenen Gelegenheit einer spannenden Zweierpartie ist die Ausgestaltung des Vierspieler-modus, bei dem zwar im Team gespielt wird, aber dennoch jeder für sich mit eigenem Material seine Strategie verfolgen kann, besonders schön. Auch wenn der eigene, eng begrenzte Vorrat, aus welchem man seine Ritter holen kann, am Ende eines Zuges mit Glück erwürfelt wird, relativiert sich dies durch die zahlreichen taktischen Möglichkeiten. So entsteht eine ausgewogene Mischung, die nicht nur bei Taktikern für viele schöne Partien sorgen wird. Schwächere können stärker werdende Kontrahenten durch gezieltes Handeln und aufmerksames Beobachten der Reserven in ihren Machenschaften stören und müssen nicht als bloßer Sparringspartner dem Geschehen hinterhertrotteln. Vor allem aber wird durch die kurze Spielzeit von ca. 30-45 Minuten der Anreiz für etliche Revanchen geschaffen.

Um wesentlich profanere Dinge dreht sich alles in dem Karten-Lege-Spiel DOLCE VITA (Hans im Glück Verlag) von Reiner Stockhausen. Drei bis fünf Wertobjektjäger bieten dabei mit ihren Wertekarten von 1-6 um Luxusartikel, die in einem Feld aus sieben Reihen mit je neun Karten zufällig auf dem Tisch angeordnet werden. Unter die einzelnen Reihen schieben nun die Spieler ihre gebotenen Werte. Doch Vorsicht ist geboten, denn gleichhohe Gebote, die sich auch aus mehreren Karten einer Farbe zusammensetzen können, gehen leer aus. Und noch ein weiterer Aspekt darf nicht aus dem Auge verloren werden: Ist nämlich ein ersteigerter Gegenstand bereits im Besitz des Meistbietenden, so muß dieser ausgetauscht werden, da hier außer Geld nichts angehäuft werden kann. Gerade daraus aber erwächst der Reiz des Spieles, denn nun liegt es an einem selbst, durch geschicktes Anlegen der Wertekarten seine billigen Sammelstücke durch Wertvollere zu ersetzen und möglichst die anderen an solchen Aktionen zu hindern. Mit Ablauf der vorgegebenen Rundenzahl gewinnt derjenige das Spiel, der die höchste Gesamtsumme erzielt hat. Ein unterhaltsames, schnelles Spiel, an dessen Ende so manch einer mit übertrumpfender Mine seine Besitztümer präsentieren darf: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot ...“

Ganz Tief bei den Wurzeln des Karten-Stich-Spiels verhaftet, versuchen auch bei MÜCKENSTICH (Queen Games) alle 3-6 Moskitogeplagten möglichst viele Punkte zu machen. Traditionellen Gewohnheiten folgend, stechen die höheren Werte einer Farbe die Niedrigeren. Interessant ist allerdings das doppelte Vorhandensein des Höchstwertes 12, sowie die Möglichkeit mit dem zweiten selbiger Farbe den Vorhergehenden zu schlagen. Wie ungewiß ist man sich doch seiner Chancen, hat man nur den einen auf der Hand. Hinzu kommen noch die Mücken, die zwar als höchste Karte alles stechen, aber dafür bei der Endwertung, nachdem alle Stiche gemacht wurden, verheerende Wirkung entfalten. Jede erbeutete Zahlenkarte zählt einen Punkt, während die surrenden Plagegeister fünf Punkte vom Konto absaugen. Martin Osterroth und Harald Schroeter ist damit ein unterhaltsames Kartenspiel gelungen, das sich mühelos zwischen die Klassiker dieses Genres reiht. ][ g


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