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Es liegt was in der Luft. Das digitale Zeitalter und die neue Wirtschaft sorgen durch ihre Omnipräsenz nicht nur bei Börsenspekulanten und Politikern für Furore, auch der kleine Mann von nebenan macht sich langsam Sorgen, ob seiner Sicherheit in jenem Gewirr aus Unsicherheit und Unverständnis und so dürfte der einigermaßen informierte Bürger sich auch nicht über das Absacken der Aktien-werte am Neuen Markt gewundert haben. Doch eines zeichnet sich in den letzten Tage immer deutlicher ab: Nur wer seine Möglichkeiten zur Mitsprache nutzt, wird in der Lage sein, seine Zukunft zu bestimmen, nur wer sich den ewigen Brüllern entgegensetzt, kann seiner eigenen Meinung Mehrheit verschaffen. Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus Zielgruppen .
Es droht ein Jahrhundert der Großmächte. Bestens organisiert, mit viel Macht ausgestattet und nach außen hin durch die Recording Industries Association of America erfolgreich agierend, versucht die Musikindustrie durch die Hintertüre heimlich still und leise das geltende Copyrightrecht zu ihren Gunsten zu ändern, um dem nichtsahnenden, willigen Konsumenten noch mehr Taler aus der Tasche zu ziehen. So sehen diverse Pläne vor, nicht nur digitale Audiofiles (sprich mp3) sondern auch herkömmliche CDs mit einem elektronischen Wasserzeichen zu versehen, daß das Abspielen der Stücke nur noch auf einem Gerät
(CD-Player, Computer, mp3-man etc.) ermöglicht. Soll die CD respektive das Audio-file auf einem weiteren Gerät abgespielt werden, muß zuerst eine weitere Lizenz erworben werden. Dies gilt natürlich auch dann, wenn man sich einen neuen CD-Player zulegen sollte.
In Deutschland geht man einen nationaleren und viel radikaleren Weg, denn der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft will das Unrecht im Internet endlich beendet sehen. Deren Rights Protection System (RPS), welches bei den deutschen Providern unmittelbar vor den Routern ins Ausland geschaltet werden soll, basiert auf einer Negativliste von URLs, deren Inhalt nicht erwünscht ist. Jede Verbindung über den Auslandsrouter wird also vom RPS abgefangen, mit der Liste abgeglichen und der Zugriff gegebenfalls verweigert. Erstellt und betreut werden soll die Liste nach Möglichkeit von einer offiziellen staatlichen Institution und obwohl sich der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft des Tiefen Eingriffs in die Kultur des Netzes bewußt ist, wirbt er weiterhin fleißig für RPS. Dabei kommt dieses System nicht nur einer digitalen Grenzkontrolle gleich, es verstößt auch gegen das Prinzip der Meinungsfreiheit und somit gegen das Grundgesetz und bedroht gleichzeitig die Freiheit des Internets, jenes Kommunikationsmittels, das den Beginn des freien Informationsfluß ermöglichte.
Das Netz kann aber auch genauso leicht abgehört werden, wie es der amerikanische Nachrichtendienst NSA schon seit längerer Zeit mit seinem Echelon-System versucht. Erst kürzlich wurden Abhörstationen von E-Mails in Schottland und Australien aufgedeckt. Vor-stellen muß man sich Echelon zum einen als ein aus Satelliten bestehendes System, das sämtliche Telekomunikation abhören kann, zum anderen besteht es aus Abhörschnittstellen, die direkt bei den Kommunikationsanbietern angebracht werden. Erschreckend, wenn man bedenkt, wie gering die Zahl derer ist, die ihre E-Mails verschlüsseln und wie wenige überhaupt von Echelon Kenntnis haben.
Doch adiese marktgerechte Denkweise beschränkt sich nicht nur aufgroße Musikmagnaten oder auf das Internet. In Kreisen, die gerade wegen ihrer unprofessionellen Auftrittsweise und ihrer weltoffenen Umgangsart so sympathisch waren (und auch immer noch sind), machen sich mehr und mehr die Metastasen der Vermarktung bemerkbar . Unauffällig und in verwandelter Form, aber gerade deshalb viel schlimmer, denn wie soll man sonst die konträre Haltung des lokalen Jazzclubs bezeichnen, der einerseits nur Konzerte veranstalten will, für die es keinen Markt gibt, sich aber gleichzeitig öffentlich dazu bekennt, fast ausschließlich lokale Künstler auftreten zu lassen, da sich diese des größeren Publikumzustroms erfreuen? Andere Veranstalter hingegen haben längst erkannt, wie vorteilhaft es sein kann, Konzerte zu veranstalten, die außerhalb des gewöhnlichen Programmspektrums liegen, eröffnen sie doch dadurch der Lokalität Zugang zu einem Publikumstamm, der ansonsten nie angesprochen werden würde. Mehr Besucher, mehr Hörer.
Eine ganz andere Haltung legt da Keb Darge an den Tag, der seine erste eigene, in Acetat geschnittene Produktion - nicht ohne Stolz (und das zu Recht) - jedem Anrufer übers Telefon vorspielt, aber nicht im geringsten daran denkt, dieses Stück zu veröffentlichen: Jetzt spiel ich das erst mal , und dann sehen wir weiter!. Zitat Ende. ][ mb
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