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Von Säuen, Perlen und der Unergründlichkeit des Handelns . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unter den im Großraum Stuttgart in Erscheinung tretenden DJs gibt es exakt deren zwei, die dem gesamten Rest ihrer Kollegenschaft sowohl was Mixing als auch was Flow und Auswahl betrifft derart überlegen und himmelweit voraus sind, daß man davon ausgehen müsste, ihr Name beherrsche die Partylandschaft unseres schönen Talkessels nach Belieben. Doch weitgefehlt. Die heimatlichen Auftritte der Herren Razor und Mick Wills, von allen hoch respektiert und zweifelsohne in ihrem jeweiligen Bereich zur deutschen Spitze zählend, sind rar gesät. Der eine, Turntablist und HipHop-Vorzeigemann Razor, hat es als einsamer Kämpfer an der Undergroundfront schwer, sich den Veranstaltern als publikumswirksame Alternative nahezubringen. Jedoch angesichts seines großartigen April-Auftritts im 0711-Club, bei dem er bewies, daß durch die richtige Art und Weise das Partyvolk auch ohne Montell Jordan oder Santana zum Kopfnicken zu bringen ist, nährt sich die Hoffnung, daß der Heslacher möglicherweise wieder öfter in Stuttgarts Vor-zeige-Location zu hören sein wird. An jenem Abend bewies übrigens auch der gute Bams seine Wandlungsfähigkeit und ließ sich durch seinen Line-Up-Gegenüber zu einem sehr ansprechenden Set motivieren. Ertönten häufiger derart feine Klänge in den Räumlichkeiten des Club Prag, würde die Freitagabendplanung kein Kopfzer-brechen mehr bereiten... Elektro- und Techno-Ikone Mick Wills hat es in dieser Hinsicht leichter, da die heutige Technogeneration ohnehin derart planlos ist, daß sie zwischen Blake Baxter und Alice Deejay keinen Unterschied zu erkennen befähigt sein dürfte. Um so mehr fragt man sich, warum dieser sein Handwerk in Perfektion beherrschende Mann nicht auf Monate ausgebucht ist. Neid, Verdrängungsängste, Antipathie? Keine Ahnung. Im Mai bewies dann doch einmal ein Veranstalter Sachverstand und buchte ihn in den Ludwigsburger Güterbahnhof, was aber im Endeffekt eher einer Bestrafung gleichkam: die Comicstrips von Bringmann & Kopetzki illustrieren wohl am besten die Freakshow, die den anwesenden Plattenverwaltern wohl endgültig die Buffalo-Phobie eingebrockt hat. Das blieb einem zum Glück beim Partysan-Jubiläum in der derzeit schönsten Location Stuttgarts erspart. Anthony Rother, Ken, Woody und andere sorgten im Zapata für den qualitativ ansprechenden Rahmen einer rundum gelungenen Veranstaltung. Am selben Ort sorgte Jeru the Damaja für eines der Konzert-Highlights der letzten Monate und machte mit seinem premiergeadelten Sound die wenig interessanten Auftritte der Beatnuts und einiger anderer sowie das unerfreuliche Gäste-listenchaos vergessen. Nicht minder erwähnenswert ist das Zusammentreffen von The High & Mighty mit Square One im Longhorn. Allerdings interessierte sich für dieses traumhafte Stelldichein unverständlicherweise leider gerademal eine starke Hundertschaft; um so dankens-werter, daß die Acts sich dadurch nicht die Laune verderben ließen und trotz der entäuschenden Kulisse eine ausgezeichnete Show lieferten. Freestyle in Vollendung, unterstützt von den derzeit hoffnungsvollsten Talenten im Schwaben-land, Karibik-Frank und Tim X-Treme bot der Symphatieträger des deutschen HipHop, MC Rene in der Röhre. Richtig voll war es bei den Chartstürmern Dynamite Deluxe, die das LKA dann auch gewaltig rockten. Schließlich gab es noch den East-West-Connect mit den Phlatline-Jungs aus Chemnitz und der gesammelten Stuttgarter HipHop-Prominenz, dessen Highlights sicherlich die Auftritte von Tim X-treme und Razor waren. Letzterer bot einen Einblick in sein für die deutschen DJ-Meisterschaften erarbei-tetes Battle-Programm, was nicht nur uns die sprichwörtlichen Schuhe auszog. ][ motik
Der kroatische Traum . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kontrapunkt Festival Zagreb, 30. April. Amsterdam Flughafen. Die Nacht davor war zu kurz und der gezwungene Schlaf künstlich und zu oberflächlich. Am Gate, meine Energie und meine Laune sind schon Lange im roten Bereich. Ich bin von Sims-Syndromen befallen. Es ist die letzte Etappe nach Zagreb, für alle. Meine Stimmung ist zu schlecht, um den jungen Mann mit Plattentasche anzusprechen. Wir haben das gleiche Ziel: Kontrapunkt Festival. Jim, der junge Mann mit Plattentasche liest ein Buch und schließlich spreche ich nicht jeden, der eine Plattentasche hat, an.
Das Handgepäck wird noch einmal gründlich kontrolliert, bevor wir uns ins Flugzeug begeben können. Ein Militär in Tarnuniform ist auch dabei, der letzte Passagier steigt ein. Kaum angekommen, die nächste Kontrolle: Tasche auf, Platten raus, Wollen sie diese Platten verkaufen?, Situation klargestellt, Platten wieder rein, Tasche zu und raus aus dem Flughafengebäude. Eddy Ramich und Zvonimir Dusper, die Organisatoren des Festivals erwarten uns bereits sichtlich ermüdet und doch äußerst erfreut und freundlich. Nach dem gemeinschaftlichen Abendessen geht es ins Aquarius, eine typische Disco der Neunziger - Strobo, Nebel, Scanner und jede Menge Monitore auf denen MTV-Videoclips flimmern. Raw Deal (Jim: der junge Mann vom Flughafen) und Jürgen von Koblauch (der letzte Passagier) versorgen die innere Tanzfläche, wobei ich über Raw Deals Set leider nichts schreiben kann, da ich nicht anwesend sein konnte. Ich habe jedoch die letzten 2 Stunden von Jürgens Set erleben können: was für ein Glück! Elegant und luftig war die Musik und die Arbeit, die Maestro Jürgen ablieferte war sehr filigran und subtil: das Publikum wurde auf diese Weise in die wunderbaren Jazzanova-Musikwelten entführt. Die Trennung fiel schwierig und um sie zu verzögern, gab es viele Zugaben. Beanfield und Syrup spielten unterdessen live auf einer Open Air Bühne und wurden vom Publikum gefeiert.
Zagreb, 1 Mai. Es geht weiter. Inzwischen kenne ich ein paar Kaffees und den schönen, alten Teil von Zagreb, ich werde rund um die Uhr betreut und ausgeführt. Die Stadt ist sehr lebendig, die Leute sind herzlich und energisch, von Krieg keine Spur mehr, zumindest äußerlich ...
Er ist schon da und er ist nicht allein. Er hat eine Überraschung mitgebracht. Die Überraschung heißt: Rob Gallagher, der süßeste Master of Ceremony der Welt. Früher sang Rob bei einer Combo namens Galliano. Beide zusammen werden heute Abend der Haupt-Act sein. Davor spielen Cubismo, ein solides, neunköpfiges Latinjazz-Salsa-Orchester. Ein Heimspiel. Dement-sprechend werden sie vom Publikum empfangen.
Sehr interessant und zum Teil auch sehr gelungen, das Live-Improvisations-Pro-jekt mit Eddy an den Plattenspielern, Dus am Keyboard und Zarko Hajdar-hodzic an der Flöte.
Doch jetzt sind sie dran: Gilles Peterson und Rob Gallegher. Die Tanzfläche ist schon voll und wartet. Es dauert nicht lange, bis es jedem klar wird, daß hier gerade etwas anderes, etwas sensationelles passiert. Eddy und Dus sind im Glück, die Leute sind der Musik und dem rhythmischen Sprechgesang von Rob völlig ausgeliefert. Gilles Peterson überzeugt mich immer wieder, sogar sein 2step-Set nehme ich ihm ab. Ich kenne kaum jemand anderes, der so dramaturgisch und theatralisch auflegen kann. Er ist einfach sein verdammtes Geld wert!
Ich würde gerne etwas mehr von Dzihan & Kamien auf der inneren Tanzfläche hören, aber ich kann mich vom Peterson-Gallagher-Zauber nur sehr schwer trennen. Irgendwann ist das Festival vorbei, es war ein Erfolg. Eddy & Dus haben jetzt Zeit zum Schlafen. Nein, es war kein Traum.
Hvala. ][ edl
Last Shorties . . . . . . . . . . . . . . . . . .
### Neue Vertriebe werden nicht täglich aus dem Boden gestampft. So kann sich der Einzelhändler seit dem 1. Mai an einer neuen Tonträger-Quelle laben. Sonario.com präsentiert die ganze Bandbreite der Tanzmusik und startet exklusiv u.a. mit Pavlek Rec., Swoosh und Subversion. Spezialisiert haben sich die Stuttgarter in der Online-Bestellung. Auf der Webseite findet man sich schnell zurecht, Suchen stellt kein Problem mehr da und wer den technischen Anforderungen noch nicht gewachsen ist, wird auch gerne per Fax bedient. Aufgrund großer Nachfrage wird ab dem 1. Juni auch der Endverbraucher auf seine Kosten kommen, denn DJs scheinen inzwischen gerne ihre Rundlinge über das Internet zu bestellen. Go to: www.sonario.com
### Neue Labels braucht das Land! MTC Yaws Form Recording wird in absehbarer Zeit das Licht der DrumnBass-Welt erblicken. Bereits auf Dubplate machen die Tracks ihre Runden und schaffen es hoffentlich bald auch in die Plattenläden. Dean Saster, bekannt vom Headquarter Entertapement aus Dresden, launcht Ende Juni sein Label Headquarter Records. 001: Racoon -Future Concept/Bactericide. Stil? DrumnBass!
### Nachruf. Bereits im Februar verstarb LX von Don-Q/Loopnet an Krebs. Der Kopfproducer der Truppe baute eines der ersten deutschen DrumnBass-Label mit auf und zeichnete sich überwiegend für Mastering-Arbeiten verantwortlich. Herzliches Beileid an die Angehörigen und die Don-Q/Loopnet-Crew.
### Noch immer stellen die Freien Radios einen Lichtblick (nicht nur) in der südwestdeutschen Radiolandschaft dar. So gratulieren wir im Juni Free FM Ulm und im Juli der Wüsten Welle Tübingen/Reutlingen zu ihrem jeweiligem fünfjährigem Bestehen.
### Aufkleber des Jahres: Subculture WIR reflectieren die Stadt. Das schreibt man doch mit k, oder? ][ lightwood
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