OUK das fünfund20ste ± offen & erleuchtet ± Juni/Juli 00 ouk interview:
Kabuki

K A B U K I
A K A I M E
G A S H I R
A B U K I M
A U M E G A
U K I M A K

2000 könnte ein entscheidendes Jahr werden... für deutschen Drum’n’Bass! Die Szene baut sich so langsam aber sicher ein stabiles Netzwerk abseits von Major-Firmen, Großveranstaltungen und Star-DJtum auf. Es gibt mehr DJs denn je, die Labels werfen konstant frische Ware ab, die Produzenten feilen bis zur Perfektion und Veranstaltungen bringen auch mit ausschließlich einheimischen DJs viel Freude. Einzig und allein das Medieninteresse läßt unverständlicherweise nach bzw. muß wieder geweckt werden und die Zuhörer scheinen laut Aussagen einiger Veranstalter, Szenebeobachter etc. zu 2Step, NuJazz oder anderen Strömungen abzuwandern. Wohlgemerkt ‚scheinen‘, denn komischerweise erlebt man tagtäglich reine Drum’n’Bass-Abende, bei denen am Ende dann doch wieder das Kondenswasser von den Clubgemäuern trieft. Ein Nachtschwärmer bemerkte neulich, daß diese Art von Musik doch seit drei Jahren tot sei und ertappte sich am Ende dann selber beim Tanzen. Nicht alles was hip ist, ist beständig. Drum’n’Bass ist beständig. Die alten Verdächtigen bleiben am Ball. Und das ist auch gut so. Was der Hanauer Jan Henning aka DJ Kabuki, übrigens auch einer der eben erwähnten Verdächtigen, dazu zu sagen hat, steht auf den folgenden Seiten.

 

|> GOOD OL’ GERMANY <|

ouk: Bist du mit der momentanen Entwicklung der deutschen Szene zufrieden?

Kabuki: Ich denke, daß sich in den letzten 18 Monaten in Deutschland vieles zum besseren gewandelt hat. Viele Gruppen haben den Kontakt zueinander gefestigt und jeder scheint erkannt zu haben, daß nur durch Kooperation mehr Präsenz für Drum’n‘Bass erzielt werden kann. Wer das immer noch nicht gecheckt hat oder Musik nur als Mittel nutzt, um sich persönlich zu profilieren, wird auf längere Sicht das Nachsehen haben.
Viele Dinge sehe ich aber auch mit Pessimisimus. Daß die Szene durch die massive Engländer-Invasion ‘96-’98 stark geschwächt wurde und lokale Künstler deswegen oft keinen Fuß auf den Boden bekommen haben, ist kein Geheimnis. Wenn ich mir jetzt das Line-Up vieler Großveranstaltungen anschaue, hat sich da aber immer noch nichts geändert. Die deutschen DJs erscheinen da unter „ferner liefen“, und damit tut sich der Veranstalter auf lange Sicht selbst keinen Gefallen.
Insgesamt nehmen sich viele Produzenten/DJs/MCs/etc. zu wichtig, denn am Ende geht es doch bloß darum, daß sich Leute amüsieren wollen. Wenn jemand mit seinem Ego-Film nicht klar kommt und mir zu verstehen gibt, daß sich ohne ihn die Welt nicht dreht, muß ich erst lachen und dann gähnen. Würde jeder selbst etwas auf die Beine stellen anstatt andere zu kritisieren, die genau das machen, wäre in Deutschland auch mehr los.

ouk: Wie siehst du die Zukunft für Drum’n’Bass aus Deutschland in den nächsten 5 Jahren?

Kabuki: Eine gute Frage, zu der ich natürlich auch nur eine Hypothese liefern kann. Im Moment besteht ja das Phänomen, daß trotz Meidung der Presse der Untergrund in Deutschland kocht wie nie zuvor. Ich habe letztlich mit viel Amüsement einen Artikel der Spex wieder in den Fingern gehalten, in dem über sechs (!) Seiten zum Thema „Drum’n‘Bass aus Deutschland“ Stellung bezogen wurde. Das war etwa Ende ‘96. Es gab zu diesem Zeitpunkt aber erst eine Handvoll Releases, und von einer Szene zu sprechen war da völlig übertrieben. Wenn ich mich heute umschaue, machen viele Produzenten schon einen echt guten Job und es gibt Drum’n‘Bass-Partys, bei denen ein lokaler DJ 600 Leute zieht. Wo ist die Spex jetzt? Aber zurück zur Frage: Ich glaube nicht daran, das Drum’n‘Bass den Pop-Sektor stürmen oder vom Mainstream assimiliert wird. Es gab zuviele Beispiele (Goldie, Breakbeat Era), die gezeigt haben, daß der durchschnittliche Hörer daran kein Interesse hat. Ich könnte mir vorstellen, das Drum’n‘Bass ähnlich wie Reggae eine stete Zuhörerschaft haben wird, und daß die Partys immer härter rocken werden als der ganze hippe Scheiß, der als „das neue Ding“ in den Medien proklamiert wird. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, das ich jemals bei „Movement“ oder bei den „Metalheadz-Sessions“ spielen werde. :-)

ouk: Wie war die Makai Tour? Irgendwelche bemerkenswerten Eindrücke?

Kabuki: Für mich war es ein voller Erfolg, da wir selbst am Mittwoch, Donnerstag und Sonntag genug Leute für eine coole Party in den Clubs hatten. Ich spüre, daß sich die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre langsam auszahlt. Es war ja nicht immer so, daß Leute wegen der Musik zu einer Party gekommen sind. Ich freue mich, daß wir Precision als einen gewissen Qualitäts-Standard etablieren konnten, und so jede Party ein bißchen mehr Interesse an der Sache generiert. Wir versuchen auch immer zu respektieren, wenn ein Promoter Mühe in seinen Abend steckt. Wenn du nicht fair zu den Veranstaltern bist, dann drehst du dir damit selber die Luft ab. Was mich aber nicht daran hindert, von einem Großveranstalter auch ein entsprechendes Honorar zu fordern. Die wollen immer gerne für ein paar Mark auch ein paar deutsche DJs als Dekoration auf dem Billing haben. „Ist doch auch gut für dich“, heißt es da immer. „Guck’ mal, stehst mit Grooverider auf einem Flyer!“. Um ehrlich zu sein: Das ist mir scheißegal!

ouk: Du legst bei der Meditation im Herbst auf. Daß heißt du machst das um, gelinde gesagt, Geld zu verdienen?

Kabuki: Das ist nicht richtig. Ich lege da auf, weil ich es wichtig finde, das auch da der Precision-Sound präsent ist. Das werde ich aber nicht um jeden Preis tun, sondern nur wenn ich das Gefühl kriege, das die Dimension auch stimmt. Groove-rider ist der Don, und er hat ein gutes Recht darauf, astronomische Gagen zu verlangen. Ich dagegen habe kein Interesse das untere Ende des (finanziellen) Spektrums zu markieren, und für diese Forderung habe ich mittlerweile den nötigen Status.

ouk:
Du machst mit Daniel Savine eine 12“ auf Reinforced. Auch für Formations’ ‘World of Drum’n’Bass’ hast du einen Track beigesteuert. Glaubst du die Engländer wachen langsam auf und öffnen sich für Drum’n’Bass ‘out of London’?

Kabuki: Wenn die Leute in England wirklich daran interessiert wären, hätten wir ja schon ein Feedback zu „Omen“ (siehe Diskographie) erhalten. Die Szene funktioniert aber ganz klar nach persönlichen Präferenzen, und da ist man als Nicht-Londoner außen vor. Das nehme ich denen nicht wirklich übel. Leider steht dann aber offensichtlich Musik nicht an erster Stelle.


|> BIG IN JAPAN <|


ouk: Erzähle etwas über dein Schaffen in Japan... Wie oft bist du dort? Wie kam alles zustande? Wie sieht es mit der Drum’n’Bass-Szene in Japan aus?

Kabuki: Ich habe das letzte Jahr knapp 6 Monate in Tokyo verbracht. Es kam alles über einen Bekannten zustande, der mir einen Job als Sound-Designer bei Playstation organi-siert hatte. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, mir eine Wohnung und mein Leben in Japan zu finanzieren. Als dieses Projekt dann abgeschlossen war, gab es immer wieder Anfragen und kleine Angebote.
Zusätzlich konnte ich ja auch noch DJen, und so kam ich Stück für Stück in Kontakt mit der lokalen Szene. Im Vergleich zur Bevölkerungszahl ist die japanische Szene noch kleiner als die Deutsche. Die Japaner erleben gerade eine ziemliche Drum’n‘Bass-Krise, und die Besucher machen sich rar auf Partys. Bisher fanden einmal im Monat im größten Club von Shinjuku die „Drum&Bass-Sessions“ statt, die ein japanischer Drum’n‘Bass-Pionier namens Kyohei Kamba organisiert. Das war dann der amtliche Laden in dem Grooverider & Co. gespielt haben. Mittlerweile findet das ganze nur noch zweimonatlich statt, und seit neuestem sind auch alle Sponsoren abgesprungen. Aber auf lange Sicht hin ist das nur gesund, in Deutschland hatten wir das ja 1998.

ouk: Was ist denn dann momentan angesagt in Japan? Auf welche Partys gehen die Besucher?

Kabuki: Na ja, es sind natürlich die üblichen Verdächtigen, die die Massen ziehen: Grooverider, Peshay, Krust, etc. Da die Airfare nach Tokyo so teuer ist, können eigentlich nur „Stars“ da spielen, die auch tatsächlich Leute ziehen. Es gibt ca. 10 japanische DJs, die seit knapp sechs Jahren am Ball sind und trotz sinkenden Interesses weiter Partys organisieren. DJ Force war ‘94 in London und hat den Sound von da nach Tokyo gebracht, Dazzle-T hat auch schon auf Blue Note und Emotif veröffentlicht, und Makoto hat vor, bedingt durch seine „Good Looking“-Connection, nach London zu ziehen. Es gibt jeden Montag eine Drum’n‘Bass-Nacht in Shibuya, die 2000 dreijähriges Bestehen feiern kann.
Gast bei der Makai-Tour war ein japanischer Drum’n‘Bass-DJ names Warez. Da konnte man sich auch als Kontinental-Europäer ein ganz gutes Bild über den „Japanischen Style“ machen. Warez released übrigens demnächst auf Krush Grooves.

ouk: Wie hört sich denn der „Japanische Style“ an?

Kabuki: Es gibt viele japanische DJs, die auf einen total verzuckten Style à la Squarepusher stehen, oder einfach nur gnadenlos brettern. Warez hat ein gutes Gefühl für Dynamik und spielt auch Platten, die nicht nur auf die ‚zwölf‘ gehen. Außerdem hat er einen Background als Jazz-Musiker, was man meiner Meinung nach sogar ein bißchen in seinem Set hören kann.

ouk: Wozu wird abseits von Drum’n’Bass in Japan gefeiert?

Kabuki: Die Musik die in Japan am populärsten ist, nennt sich „J-Pop“ und ist eine Mischung aus Eurodance, R&B und Rock (!). Nicht nur das Konzept ist furchtbar, sondern auch der Sound. Es gibt aber Artists wie Towa Tei oder Fantastic Plastic Machine, die trotz ihres weirden Sounds bei einem Major unter Vertrag sind und wohl auch ganz gut verkaufen. Japanischer Hip-Hop ist groß, und da gibt es eine krasse Underground-Szene.

ouk: Wie stehen die japanischen Fans zu den japanischen Einflüssen, die sich z. B. in euren Namen äußern?

Kabuki:
Als wir unsere Semantik gewählt hatten, war es eigentlich nie vorstellbar gewesen, auch einmal in Japan präsent zu sein. Ansonsten kriegt man aber auch immer Respekt zurück, wenn man zeigt, daß man nicht nur oberflächlich à la „Akira fand ich ganz gut...“ an ihrer Subkultur interessiert ist, sondern tatsächlich den Durchblick hat. Vor kurzem waren zwei japanische Journalisten bei uns zu Besuch, denen ich ein paar Ninja-Filme zeigen konnte, die selbst sie noch nicht kannten. Ich werde aber oft gefragt: Warum immer Martial Arts, Ninja, Manga? Wenn ich ehrlich bin, hatte das nie etwas Konstruiertes, sondern war einfach die Summe meiner Eindrücke. Ich rauche kein Gras, also fand ich Kiffer-Ästhetik langweilig. Ich bin kein Gangster, also fand ich Rudeboy-Allüren albern. Die Titel, Images und Slogans die ich für meine Musik benutze, stammen immer aus einem Bereich, der MICH interessiert - von Jiu-Jitsu über Tesla bis Pong.


|> KABUKI SOLO <|


Kabuki: Wenn ich solo als „Kabuki“ produziere, dann sind das Tunes die ich speziell für meine Kiste mache. Ich habe im Moment eigentlich keinen richtigen Bock auf diesen Sägesound, möchte aber auch nicht abstrakt-intellektuell spielen. Deswegen suche ich auch immer nach Stücken, die genau die Deepness vermitteln, die ich in meinem Set haben möchte. Wenn ich ehrlich sein soll, spiele ich immer für die Ladies. So habe ich eine Affinität zu smoothen Tracks, die trotzdem abgehen. Mein Ziel ist es eigentlich, einen rohen Detroit/ Garage-Sound mit Drum’n‘Bass zu kombinieren. Das konnte man bisher zwar schon ganz gut hören. In Zukunft werde ich da aber noch konsequenter.

ouk: Mit welchem Equipment arbeitest du, wenn du als Kabuki alleine produzierst?

Kabuki: Das Equipment ist immer identisch. Alle Produktionen wer-den im gleichen Studio in Hanau abgewickelt. Die Geräte sind totaler Standard. Wenn du eine gute Idee hast, kannst du mit einem Kochtopf einen amtlichen Tune machen.


|> MEGASHIRA <|


Kabuki: Megashira ist ja mittlerweile ein reines Band-Projekt geworden. Deswegen schreiben wir da „nur“ die Musik, lassen die Instrumentalisten spielen und schneiden dann alles in Scheiben. Das aktuelle Album beschäftigt uns jetzt schon knapp fünf Monate und wird auch noch ein bißchen dauern.

ouk: Spielt ‘Elektronik’ bei Megashira keine Rolle mehr? Was können wir vom Album erwarten? Werdet ihr live zu hören sein?

Kabuki: Elektronik spielt insofern noch eine Rolle, als daß viele Instrumente, wie z.B. das Rhodes, der E-Bass oder das Vibraphon, elektrisch betrieben werden. Es ist also kein „Unplugged“-Album zu erwarten - wäre aber auch eine coole Idee. Wir haben Interesse daran gehabt, jedes Instrument so authentisch wie möglich zu konservieren und auch wieder zu reproduzieren. Unser Wunsch ist, daß alles so klingen wird, wie Weather Report zu „Blackmarket“-Zeiten plus Reduktion auf die Essenz. Erwartet keine Solos! Das Album wird vorraussichtlich im Frühjahr 2001 auf Infracom erscheinen, und die dazugehörige Europa-Tour der fünfköpfigen Band wird so im April/ Mai stattfinden. Es wird auf jeden Fall interessant anzuhören sein, da alle Musiker echte Profis auf ihrem Instrument sind, aber trotzdem elektronische Musik verstehen. Es wird aber auf keinen Fall versucht, Drum’n‘Bass live zu spielen.

ouk: Hast du schon eine Live-Umsetzung von Drum’n’Bass gesehen, die dir gefallen hat? Ist dies überhaupt möglich? Wenn ja, wie sehe das in deinen Augen aus...?

Kabuki: Nein, da muß ich passen. Ich habe Breakbeat Era nicht gesehen, aber fand auch Reprazent schon nicht ansprechend. Drum’n‘Bass verlangt gewisse Rahmenbedingungen und die kann man nicht mit einer regulären Band einhalten. Wenn man sich eine 12“ anhört, dann stellt man ja sehr schnell fest, daß Monotonie ein wichtiges Stilmittel ist. Wenn aber 300 Leute auf die Bühne starren, während ein paar Musiker jeweils acht Takte lang das gleiche spielen, dann ist das einfach nur langweilig. Im Techno gibt es gute Beispiele für funktionierende Liveacts. Da kann man sehen wie es ablaufen sollte. Monophace haben es sich zum Ziel gesetzt, ihren Sound auf die Bühne zu bringen und zwar unter genau diesen Voraussetzungen. Bis jetzt hat es das Publikum erstaunlich gut aufgenommen, und wir sind sehr gespannt auf ihre Tour.


|> MAKAI <|


Kabuki: Mit „Makai“ haben wir eine gewisse Last auf unseren Schultern gehabt. So ein Tune wie „Beneath The Mask“ ist nur schwer zu übertreffen, und deswegen haben wir das auch gar nicht erst versucht. Die offensichtlichste Veränderung ist wohl die Liebe zum Detail, sowie Mut zu mehr organischen Sounds. Bei allen Tunes für das „Stealth“-Album war mir wichtig, das man auch nach dem zweiten Hören noch etwas entdecken kann. Ich bin sehr froh mit dem Resultat, weil alles wirklich wie aus einem Guß klingt. Es ist leider selten, daß man auch tatsächlich erreicht, was man vorhatte...

ouk: Wie genau geht ihr beim Produzieren vor, wenn mehrere Leute im Studio sind? Entstehen da nicht auch automatisch Interessenkonflikte?

Kabuki: Am Anfang checkt man sich immer ein bißchen ab: was kann der andere; wie weit kann ich mit meiner Kritik gehen, bevor ich ihm auf die Füße trete, etc. Mit meinem Partner Mainframe arbeite ich jetzt schon knapp sieben Jahre zusammen. Deshalb haben wir diese Phase hinter uns und können direkt zum produktiven Teil übergehen. Mit jeder Kooperation lernt man aber wieder etwas neues, und deswegen mache ich auch gerne solche Projekte wie MK2 (Anm. d. Red.: Kooperation mit Roey Marquis) oder Einzelgänger (Anm. d. Red.: Kooperation mit Lars Vegas).


|> PRECISION <|


Kabuki: Precision Breakbeat Research ist aus der Not heraus entstanden, keine vernünftige Plattform für Drum’n’Bass-12“-Releases zu haben. In Deutschland gab es damals bloß Smokin’ Drum. Die Philosophie hinter dem Sound war immer, auf den Punkt zu kommen, aber trotzdem in den gegebenen Regeln zu experimentieren. Als DJ habe ich sehr schnell gemerkt, was ambitioniert, aber fehl am Platz war, und das wollte ich bei meinen eigenen Releases ändern. Außerdem war es uns wichtig, mit Precision mehrere Facetten abzudecken, ohne beliebig zu klingen. Viele Labels definieren ihren Sound über einen erfolgreichen Tune, den sie dann in verschiedenen Versionen veröffentlichen. Wir wollen ein Spektrum präsentieren, das aber eindeutig „Precision“ ist.


|> BIZZNIZZ <|


ouk: Wie sind deine Erfahrungen mit der Musikindustrie bis jetzt gewesen?

Kabuki: Ich bin froh, mir meine eigene Infrastruktur geschaffen zu haben. Anfangs war alles ein bißchen überdimensioniert und unkoordiniert, aber mittlerweile (wir sind Anfang ‘99 vom Trio zum Duo geschrumpft) funktioniert das alles so wie es soll. Meine Erfahrungen mit Major-Labels waren überwiegend negativ, da sich die meisten Leute in so einem Betrieb mit allem außer Musik auseinandersetzen. Ausnahmen bestätigen bekannt-lich die Regel - ich will hier nicht alle Major-A&R’s diskreditieren. Mittlerweile machen wir unsere Releases lieber selbst, denn uns geht es vor allem darum, was wir verkaufen und nicht nur wieviel.

ouk: Der Deal mit Intercord hat ja für Aufsehen gesorgt und euch wurde nachgesagt, ihr hättet zu dieser Zeit einen „Höhenflug“ gehabt. Wie stehst du dazu?

Kabuki: Wenn man behauptet das wir den Boden unter den Füßen verloren hätten, dann stimmt das nur zum Teil. Wir waren zwar zu dritt, hatten aber zwei gegensätzliche Ziele. Das ist einer der Gründe, warum unsere Operationen als Duo wesentlich problemloser ablaufen. Es war schon ein gewisser Buzz zu „Millenium“-Zeiten, aber Glamour war nie eine Motivation für mich. Es gibt eigentlich nichts was mich mehr ekelt als selbstverliebte Pseudo-“Stars“, die nur noch mit ihresgleichen verkehren. Was ich tue, dient ausschließlich der Unterhaltung, es gibt aber viele andere Dinge im Leben, die wesentlich wichtiger sind. Man sollte immer die Relation sehen. Wenn ich morgen aus irgendeinem Grund nicht mehr Musik machen wollte oder könnte, würde ich etwas anderes mit der gleichen Intensität und Zufriedenheit betreiben, z.B. Gärtner werden oder den schwarzen Gürtel in Aikido erreichen.

ouk: Angehende Drum’n’Bass-Produzenten haben eine recht verklärte Sicht oder werden sehr schnell desillusioniert. Welchen Rat würdest du jungen Produzenten geben? Gibt es in Deutschland Drum’n’Bass-Produzenten, die ausschließlich von der Musik leben?

Kabuki: Ich habe noch nie in einer festen Anstellung gearbeitet. Während meiner Schulzeit habe ich mir mein Geld als privater Musiklehrer verdient und deshalb war es für mich immer selbstverständlich, mit Musik meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es war nicht einfach, eine Basis zu schaffen auf der man stetig beschäftigt sein kann, ohne das Publikum zu übersättigen. Jeder muss sich seine eigene Nische suchen, „Drum’n‘Bass-Produzent“ ist schließlich kein Lehrberuf. Man sollte sich im klaren darüber sein, das ein regulärer Job oft mehr Zeit für das Musikmachen läßt, als wenn man sich hauptberuflich mit Musik beschäftigt. Ich habe schon sehr lange keinen Urlaub mehr gehabt, und wenn sich die meisten Leute nach der Arbeit auf die Couch legen, geht es bei mir erst richtig los. Ich hatte immer ein starkes Verantwortungsbewußtsein und wollte meinen Job so gut wie möglich machen ... 150%ig ... mit Wochenende ... ohne Schichtzulage.


|> JUST A LITTLE BIT <|


ouk: Für Promotion ist das Internet sicherlich eine gute Plattform. Aber denkst du, daß in Zukunft auch der Absatz über das Internet ansteigen bzw. explodieren wird?

Kabuki: Ich finde, daß erst durch die globale Vernetzung wirklich ein Forum für solche speziellen Strömungen wie Drum’n‘Bass entstanden ist. Wir haben letzte Woche den 20.000 Besucher auf unserer Page (www.prcsn.de) gehabt. Das zeigt, daß viele Leute dieses Medium zur Information nutzen. Wir haben auch unseren eigenen Mailorder gelauncht, der zwar noch keine dreistelligen Units bewegt, aber trotzdem die einzige Möglichkeit für manche Leute ist, unsere Releases zu kaufen.
ouk: MP3 - Gefahr oder Segen?

Kabuki: Ich sehe in MP3 keine Gefahr. Unser Medium ist immer noch Vinyl, und deswegen freue ich mich am Ende über dieses Format. Unser Anliegen ist es, daß jeder, der unsere Tunes haben möchte, das auch kann. Wenn man unsere Site checkt, dann findet man da einige MP3s, die man (noch) free of charge runterladen kann. Wenn jetzt die Industrie heult und sagt, daß ihnen der Markt kaputt gemacht wird, dann zeigt das nur, daß die Zeit reif für eine Veränderung ist.


|> BONUZZ <|


ouk: Glaubst du an Außerirdische?

Kabuki: Ich habe eine starke Affinität, Dinge unter mathematischen Gesichtspunkten zu sehen. Da die Anzahl der Planeten in unserem Universum so unglaublich groß ist, ist es eigentlich unvermeidbar, daß wir irgendwann mal Besuch bekommen. Ich bin auf jeden Fall bereit und würde gerne die Melodie aus „Close Encounters Of The Third Kind“ zur Begrüßung spielen.

][ lightwood, simon v

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