Lil Toni
spielt bei
Nu Spirit
Helsinki
Wenn fünf Freunde sich aufmachen, ihr gesammeltes Studioequipment in einer Garage zusammenzupferchen, erweckt das beim Leser all zu oft den Traum von der kleinen Garagen-band, die sich anschickt, die großen Bühnen dieser Welt zu erobern. Im Falle von Toni Rantaanen, Tuomas Kallio, Ender, Kasio und Eppu wird
dieser Traum nicht in Erfüllung gehen - soll er aber auch nicht. Statt dessen tummeln sich die Fünf lieber mit der finnischen Jazz-legende Eero Koivistoinen, einem äthiopischen Perkus-sionisten, kubanischen Sän-ger und eben ihrem Equip-ment im Studio und gehen dort voller Lust ihrer Pro-duzententätigkeit nach. Im Vordergrund steht dabei vor allem die musikalische Wei-terbildung, die Verbindung von Live-Instrumenten mit Dancefloor-tauglichen Arrangements und das Erlernen von Instrumenten. Und schließlich hat man ja auch noch ganz andere Dinge zu erledigen: auf-legen, seinen eigenen Club leiten und irgendwann vielleicht auch ein paar Tage Urlaub in den Schweizer Alpen verbringen.
Musikalisch war die finnische Musikszene schon immer sehr rege, neben einer großen Jazzszene ist es vorallem die Punkmusik, die in Finnland sehr beliebt ist, doch auch moderne Clubmusik hat sich seit mehreren Jahren fest im Nachtleben der Finnen etabliert und so ist Tonis Club Kerma Bestandteil der diesjährigen Kulturstadt Helsinki. Ähnlich wie in Schweden, spielt sich Finnlands Clubleben in einigen wenigen Großstädten ab, vor allem eben in Helsinki, daß sich täglich reger Besucherströme aus dem weiteren Umland erfreut. Anders jedoch als Mad Mats und dessen Freunde sind die fünf Finnen weniger in Sachen Soul und Disco unterwegs, sondern mehr an afro-kubanischem und lateinamerikanischem Liedgut interessiert.
LT: So richtig für Soul interessiere ich mich erst seit diesem Jahr. Mats hingegen spielt schon seit Jahren Soul. Als ich vor 11 Jahren angefangen habe aufzulegen, habe ich natürlich auch die gängigen Soul- und Discoplatten gespielt, bin dann aber schnell in Richtung House und anderem abgedriftet. Als ich vor ca. zwei Jahren meine ersten UK-Garage-Platten gekauft habe, habe ich mich auch mehr und mehr für alte Soulklassiker interessiert. Vocal-House und soulige Housetracks mag ich jedoch weniger, da bevorzuge ich die deepen, minimalistischen Platten.
ouk: Du reist auch sehr viel, um alte Platten kaufen zu können.
LT: Ja, wenn ich im Ausland bin kaufe ich ausschließlich alte Platten, denn die neuen Sachen bekomme ich überall. Ich kaufe alles, von RocknRoll bis hin zu Blues und Folk. Da finde ich dann immer wieder mal ein Stück, mit dem ich das Publikum überraschen kann.
Getroffen hat sich Nu Spirit Helsinki vor zweieinhalb Jahren und man war sich schnell einig, daß die Musiker mehr verdient haben, als einfache Studioarbeit, weshalb man ergeizig an einem Live-Konzept gearbeitet hat, daß diesen Sommer mit zwölfköpfiger Truppe in Dänemark aufspielen wird. Auf die Frage hin, was für Musik Nu Spirit Helsinki spielt, hat Toni Rantaanen, der als DJ unter dem Namen Lil Toni firmiert, Schwierigkeiten, eine konkrete Antwort zu geben:
LT: Die Ursprünge der Musiker sind alle vollkommen unterschiedlich und jeder versucht, seinen Stil einzubringen. Man kann also nicht sagen, daß wir uns außschließlich einem Stil widmen. Im Moment stehen afro-kubanische Einflüße im Vordergrund, aber das kann sich auch schnell wieder ändern. Wir wollen uns auch gar nicht auf einen Stil festlegen und wir wollen auch nicht ausschließlich Musik für den Club produzieren. Auf Guidance werden demnächst zwei Alben erscheinen, wovon das eine für den Club, das andere aber für zu Hause gedacht ist.
ouk: Nun werden die Stücke ja aber hauptsächlich von euch fünf produziert und ihr seid ja auch DJs bzw. habt einen Clubmusik-Hintergrund. Wird da die Produktionsweise nicht auch von dem was ihr momentanauflegt beeinflußt?
LT: Naja, ich denke, daß sich das beides gegenseitig beinflußt, schließlich lege ich ja auch nicht nur einen Stil am Abend auf, sondern versuche zwischen den verschiedenen Musikrichtungen hin- und herzuwechseln. Da Ender und ich auch schon seit fünf Jahren zusammen auflegen, er ist auch Resident in meinem Club Kerma, harmonieren wir auch sehr gut zusammen. Leider werden wir nur sehr selten zusammen gebucht.
ouk: Als DJ bist du sehr oft unterwegs und hast mittlerweile Auftritte in der ganzen Welt. Kommst du überhaupt noch zur Studioarbeit?
LT: Durchaus. Allerdings wird das Umherreisen und Auflegen nach Veröffentlichung unseres Albums bestimmt zunehmen. Dabei bin ich gar nicht so glücklich damit, durch die halbe Welt zu touren. Ich habe bereits in so vielen Clubs in ganz Europa gespielt und muß sagen, daß es nicht sehr viele gibt, die wirklich gut sind und in denen ich meinen Sound auflegen kann. Ich möchte auch nicht ein großer Name sein, der von jedem Clubbetreiber gebucht wird. Selbst wenn Nu Spirit Helsinki richtig groß rauskommen sollte, werde ich nicht für Unsummen von Geld auf irgendwelchen großen Festivals oder Parties oder im Ministry of Sound auflegen. Ich möchte das ganze klein halten. Außerdem will ich so oft wie möglich den Donnerstag in meinem Club bestreiten.
ouk: Von was träumst du denn dann?
LT: Ich möchte sehr gerne mal nach Japan reisen, denn ich liebe das japanische Essen und auch die Menschen dort. Japan ist einfach eine andere Welt, völlig anders als Europa, aber sehr aufregend. Und dann würde ich gern noch in King Britts Club auflegen, denn ich habe schon so viel gutes darüber gehört. King Britt ist auch mein Lieblingsproduzent. Am liebsten lege ich in kleinen Clubs in kleinen, merkwürdigen Städten wie z.B. Tübingen auf, gerade wenn es sich dabei um eine Studenten-stadt handelt. Das schöne daran ist, daß die Studenten alle Jahre wechseln. Alte gehen, neue kommen, aber der Club bleibt während all den Jahren immer vorhanden.
ouk: Du selbst willst also keine großen Gagen verlangen. Buchst du trotzdem teure DJs?
LT: Ich zahle lediglich 200 Pfund, egal wer da kommt. Das ist genau die Summe, die wir an der Türe einnehmen. Es passen maximal 150 Leute in meinen Club und der Eintritt beträgt 2 Pfund. Wenn wir mal mehr einnehmen, dann bekommt der DJ mehr. Ich versuche also DJs zu holen, die normalerweise 2000 Pfund kosten. Wenn man bedenkt, wie teuer die Flüge sind, wenn man Donnerstags anreist und Freitags wieder abreist, kann man das hoffentlich auch nachvollziehen. Es gibt aber immer wieder DJs, die nicht für 200 Pfund auflegen wollen, Joe Claussell zum Beispiel. Wobei man sagen muß. daß er selbst schon bereit gewesen wäre, aber seine Agentur partout mehr Geld wollte. Oftmals ist es auch so, daß diverse Djs vor einem Jahr noch abgesagt haben und jetzt bei mir anrufen, da sie gerade auf Europatournee sind. Allerdings haben sie dann Pech gehabt, da ich bereits drei bis vier Monate im voraus plane und alle Termine schon gebucht habe.
][ mb
Playlist Lil Toni
1. Mustang -Give A Little Love
2. Jazzanova -Tres bien
3. I Cube -Adore (King Britt Mix)
4. Horst Jankowski -Speech Craft
5. Coldfeet -Pussyfoot (Trüby Mix)
6. DJ Spinna -Speed
7. Seiji -Question it
8. George Benson -Ghetto
9. Westerncos -Tanzmusik (Mustang Mix)
10. Jerzy Milian -Wsrod Pampasow
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