OUK das sechsund20ste ± invers & gegenläufig ± Aug/Sep 00 Bla & Blub

HipHop Open . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Der 15.Juli des Jahres 2000 dürfte ein großer Tag gewesen sein für Stuttgarts HipHop-Aktivisten. 15.000 Menschen beehrten eine Jam auf dem Gelände der ehemaligen ‘Hall of Fame’ auf dem Stuttgarter Pragsattel, deren Planung und Organisation einer Kooperation von Four Music/Four Artists, dem 0711-Büro und dem neugegründeten Label Kopfnicker unterstand. HipHop-Open war ein gigantisches Ereignis, das wohl den vorläufigen Höhepunkt der jahrelangen Aufbauarbeit vor allem auch eines Johannes Graf von Strachwitz bildet, an deren Anfang wohl keiner je etwas derartiges zu prophezeien gewagt hätte. Mit Namen wie den Massiven Tönen, den Absoluten Beginnern, den FK-Allstars, „B“-Frob oder den Spezializtz wurde fast ausnahmslos auf kommerziell erfolgreiche Acts gesetzt, was angesichts des hohen Risikopotentials zu verstehen ist und doch hätte man sich den einen oder anderen Namen aus Bereichen abseits der breiten Strömung gewünscht. Immerhin wurden die Freestyle-Ikonen Spax und David Pe als Hosts verpflichtet, die an diesem Tag die erwartet hervoragende Arbeit auf einer in ihrer Gesamtheit ebenso hervorragend organisierten Jam ableisteten. Die verschiedenen Acts spulten routiniert das Programm ab, das man von ihnen gewohnt ist und hielten damit die von Kälte und kurzzeitig strömendem Regen nicht gerade verwöhnte Menge bei guter Laune. Bei einer Band fiel das dem ein oder anderen aber doch etwas schwerer. 5 Sterne Deluxe. Die ihnen sonst eigene Ironie wandelte sich phasenweise in Überheblichkeit und Arroganz dem Publikum gegenüber. Möglicher-weise sollten sich die Jungs doch mal überlegen, wem sie ihre Frühstücksbrötchen zu verdanken haben. Wenn ihnen das nicht paßt, sollten sie Großveranstaltungen meiden und ihre Musik nicht fake-getarnt derartig nach den Charts ausrichten, wie bei Bos’ Miami-Bass-Demontage „Türlich, türlich“ oder ihrem Gassenhauer „Die Leude“. Schowi dagegen bewies das nötige Fingerspitzengefühl mit einem Dank für die Unterstützung an ein Publikum, daß auch ihm nicht nur die Freudentränen entlockt haben dürfte. Das ist nun mal der Preis des Hypes. Wie nicht anders zu erwarten, hatten dann auch Maler, B-Boys und DJs einen schweren Stand und wurden größtenteils mit stoischem Desinteresse belegt. Wegen ihnen war kaum einer gekommen. Die im Vordergrund stehenden MCs sollten dafür sorgen, daß diese „Randgruppen“ nicht vollkommen negiert werden. Jedenfalls geriet so der heimliche Höhepunkt der Veranstaltung zu einer Art Pausenclownerie. Der mit technischen Problemen kämpfende DMC- und ITF-Weltmeister in Personalunion Craze versetzte mit seinen atemberaubenden Skills nur die wenigen wirklich Interessierten in Verzückung. Wie auch immer, das HipHop Open 2000 war ein beeindruckendes Event mit professionellem Party-HipHop und einer Stuttgarter Posse, die sichtlich Spaß am Ergebnis ihrer Bemühungen hatte. Schon tags zuvor wurde bei bemerkenswert ansprechenden Klängen Strachis Geburtstag im Prag gefeiert, zu dessen Ehren eigens eine Birthday-Single gepresst wurde, auf der sich etwa 7000 MCs und Nicht-MCs verewigten, um das Geburtstagskind im respektvollem Dank für seine Verdienste rund um den HipHop hochleben zu lassen. Dieser ließ sich nicht lumpen und eigens den komplettesten DJ der Welt aus Miami einfliegen. Craze, der als erster DJ überhaupt den Weltmeisterschafts-Hattrick anpeilt, bewies nicht nur seine Vormachtstellung im Bereich des Turntablism, sondern auch seine Extraklasse als Club-DJ. Das technisch brillante mit vielen Klassikern gespickte Set umfaßte die ganze Bandbreite anspruchsvoller HipHop- und Oldschool-Elektro-Musik, die Darbietung von Teilen seiner letztjährigen WM-Kür bedarf ohnehin keiner Worte. Ein Feiertag also nicht nur für den Jahrestagler, sondern auch für die wenigen Turntablism-Fans in Stuttgart. Übrigens waren M.O.P. in der Röhre, scheinbar hat das aber niemanden interessiert, denn kaum einer war da. Wahrscheinlich werden wir in Stuttgart nicht mehr so schnell mit derart hochkarätigen Acts beglückt und durch das Desinteresse haben wir es auch nicht anders verdient... ][ motik

Online-Kluften Teil 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Aufregende Tage für die mp3-Community: Während die Recording Association of America (RIAA), Metallica und andere Befürworter des sofortigen Verbots von Napster sich dem Sieg einen Schritt näher wissen wollen, organisieren Napster-User eiligst allerlei Boykottkampagnen gegen die RIAA [http://www.boycott-riaa.org]. Unterstützung bekommen sie dabei u.a. von HipHop-Veteran Chuck D, der auf seiner Seite [http://www.rapstation.com] gegen die Schließung von Napster protestiert. Der Napster-Server ist unterdessen nahezu unerreichbar geworden. Zwar erwirkte CEO Hank Barry eine einstweilige Aufschiebung des Verbotes seines Services und soll nun bis Anfang September ausführlich darlegen, warum die seit einem halben Jahr kräftig steigenden Absatzzahlen bei CDs u.a. auf Napster zurückzuführen sind. Napster-User jedoch lassen die Leitungen heißlaufen, im Versuch sich schnell noch einmal mit neuen mp3s einzudecken. Hank Barry hingegen ruft seine Jünger zu einem „buycott“ auf, in dem Napster-User durch den Kauf von Original-CDs die mächtige RIAA gnädig stimmen sollen. All dies verdeutlicht, daß es in dieser Auseinandersetzung schon lange nicht mehr um die Rechte am Eigentum der Künstler bzw. die Rechte der Konsumenten geht. Hier wird versucht, sich möglichst viel Marktanteile zu sichern, um nacher unliebsame Konkurrenten aus dem Wettbewerb drängen zu können. Doch während andere kommerzielle Anbieter von Filesharingprogrammen wie CuteMX oder Scour Network erst einmal den Ausgang des Napster-Prozesses abwarten, erhalten Open-Source-Lösungen wie Gnutella immer mehr Zulauf. Filesharing ist also keinesfalls am Ende, im Gegenteil, es zieht immer mehr Menschen in seinen Bann.

Digital geht es auch vom 30.8. bis zum 6.9. in Berlin zu. Das Medienfestival Berlin Beta beschäftigt sich unter anderem mit der New Economy und da im Besonderen mit Net Business und allem was dazu gehört. Im Blickpunkt stehen natürlich die Gründer und Vorstände deutscher Mediaunternehmen. Filme gibt es natürlich auch zu sehen, wobei besonders die neuen deutschprachigen Filme wie „Nordrand“ von Vanessa Jopp oder „Kanak Attack“ von Lars Becker für Aufmerksamkeit sorgen dürften. Aber auch Abends ist jede Menge Unterhaltung geboten: Ab 20.00 Uhr steht die flora&fauna-lounge als Möglichkeit zum Relaxen, Abtanzen und Kennen-lern zur Verfügung.

Mit der selben Hartnäckigkeit und Bestimmtheit wie die Musikindustrie klagt auch der Burda-Verlag gegen alles, das im entferntesten einem seiner zahlreichen Blätter schaden könnte. Neuester Klassenfeind: die Website locus.de [http://www.locus.de oder http://www.lokus.de], auf der es bislang außer dem dezenten Hinweis, daß hier demnächst ein virtueller Lokus entstehen wird, nichts zu sehen gibt. Schon gar nicht hat man bei der fairmedia GmbH vor, irgendwelche Anspielungen auf das Focus-Magazin zu veröffentlichen. Doch die nähe des Namens zum Wochenmagazin Fokus reicht dem Burda-Verlag aus, den Gebrauch dieser Domain untersagen zu wollen. Es herrscht also immer noch Willkür im Umgang mit dem Internet ... ][ mb


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